Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
49

Vom Tod kann sich keiner freikaufen

491Für den Dirigenten49,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Von den Korachitern49,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 42,1.. Ein Psalm.

2Hört diese Botschaft, all ihr Völker,

horcht auf, ihr Menschen dieser Welt,

3ihr Einfachen und ihr Vornehmen,

ihr Reichen und ihr Armen gleichermaßen!

4Mein Mund soll eine Fülle an Weisheit verkünden,

und mein Herz bemüht sich um Einsicht.

5Ich selbst habe mein Ohr für Sprüche der Weisheit geöffnet,

und zum Klang der Zither will ich ihre Bedeutung enträtseln.49,5 W Ich will einem Weisheitsspruch mein Ohr zuwenden, mein Rätsel will ich auflösen zur Zither. Wahrscheinlich ist gemeint, dass der Dichter einen Weisheitsspruch von Gott empfängt.

6Warum sollte ich mich fürchten in schweren Tagen?

Warum sollte ich Angst haben vor Menschen,

deren Bosheit mich verfolgt?

7Sie vertrauen auf ihr Vermögen

und brüsten sich mit ihrem großen Reichtum.

8Doch kein Mensch kann das Leben eines anderen mit Geld verlängern,

niemand kann sich bei Gott vom Tod freikaufen.49,8 W Den Bruder loszukaufen vermag ganz gewiss kein Mensch, er vermag Gott für ihn kein Sühnegeld zu geben.

9Aller Reichtum der Welt wäre nicht genug!

Jeder Mensch muss den Wunsch aufgeben,

10für immer weiter zu leben

und vom Grab verschont zu bleiben.

11Ja, es ist offensichtlich:

So wie die Weisen einmal sterben werden,

müssen auch die Törichten und die Dummen ihr Leben lassen,

und all ihr Vermögen fällt anderen zu.

12Sie bilden sich ein, ihre Häuser seien für die Ewigkeit gebaut

und ihre Wohnsitze blieben auch in allen künftigen Generationen erhalten.49,12 Der hebräische Text in Vers 12 ist bis hierher sehr schwierig zu deuten. Andere übersetzen mit leicht verändertem Anfangswort: Ihre Gräber sind ihre Häuser in Ewigkeit, ihre Wohnungen von Generation zu Generation. So lautet der Text auch in der Septuaginta und in anderen alten Übersetzungen.

Große Ländereien haben sie erworben

und nach sich selbst benannt.

13Doch selbst ein Mensch im größten Prunk hat hier keine Bleibe auf ewig.

Am Ende unterscheidet er sich nicht vom Vieh,

dem irgendwann das Leben genommen wird.

14Ja, so wird es all denen ergehen,

die unerschütterlich auf sich selbst vertrauen.

Und nicht anders sieht das Ende derer aus,

die ihren Worten Beifall spenden.49,14 So sieht das Ende derer aus, die an ihren eigenen Worten Gefallen finden. /​/49,14 Siehe die Anmerkung zu Psalm 3,3.

15Wie ein Hirte seine Schafe weidet,

so führt sie der Tod in das Totenreich,

dann bricht der Tag an,

an dem die aufrichtigen Menschen über sie triumphieren.

Ihr Körper verwest im Totenreich,

und ihre prächtigen Häuser auf Erden verfallen.49,15 Od Ihr Körper zerfällt, und das Totenreich ist nun ihre Wohnung. Es gibt noch weitere Wiedergaben zu diesem Vers wie auch zu einigen anderen Stellen in diesem Psalm. Das liegt nicht zuletzt an seinem etwas abrupt wirkenden Stil, der sich im übrigen auch in anderen Psalmen mit ähnlichem Inhalt findet.

16Mich aber wird Gott erlösen

und den Klauen des Todes entreißen,

er wird mich zu sich holen und bei sich aufnehmen49,16 W denn er wird mich wegnehmen (od zu sich nehmen).. /​/

17Sei nicht beunruhigt, wenn ein Mensch immer reicher

und sein Haus immer prunkvoller wird.

18Denn nichts von allem kann er im Sterben mitnehmen,

nichts von seiner ganzen Pracht folgt ihm über die Schwelle des Todes49,18 W seine Pracht folgt ihm nicht hinab..

19Zu Lebzeiten mag er sich selbst49,19 W seine Seele. beglückwünschen

– und von anderen wird man ja sowieso gefeiert,

wenn man das Leben zu genießen versteht –

20er wird dennoch dorthin kommen,

wo schon seine Vorfahren versammelt sind.

Sie alle sehen nie mehr das Licht.

21Ja, ein Mensch im größten Prunk, der keine Einsicht hat,

unterscheidet sich am Ende nicht vom Vieh,

dem irgendwann das Leben genommen wird. /​/

50

Gott zieht sein Volk zur Rechenschaft

501Ein Psalm Asafs.

Gott50,1 Im Hebräischen steht das Wort für Gott hier zweimal: einmal im Singular, einmal im Plural., der HERR, er spricht;

sein Ruf ergeht an alle, die auf der Erde wohnen,

vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.

2Vom Zion aus, dem Berg von vollendeter Schönheit,

erscheint er in herrlichem Glanz.

3Unser Gott kommt, und er wird nicht schweigen!

Verzehrendes Feuer geht ihm voran,

gewaltige Stürme brausen rings um ihn.

4Himmel und Erde ruft er ´als Zeugen`,

wenn er über seinem Volk zu Gericht sitzen wird.

5´Er sagt`: »Versammelt vor mir alle, die mir treu ergeben sind,

alle, die mir ihre Opfer dargebracht

und dabei den Bund mit mir geschlossen haben.«

6Der ganze Himmel verkündet, dass Gott gerecht ist,

er selbst hat den Platz des Richters eingenommen50,6 W dass Gott gerecht ist, dass Gott Richter ist, er selbst.. /​/50,6 Siehe die Anmerkung zu Psalm 3,3.

7»So höre doch, mein Volk, jetzt rede ich mit dir!

Israel, ich muss dich ermahnen!

Ich bin Gott, ja, dein Gott bin ich.

8Nicht wegen deiner Schlachtopfer klage ich dich an,

auch deine Brandopfer bringst du mir ja regelmäßig dar50,8 W deine Brandopfer sind stets vor mir..

9Ich brauche keine Stiere aus deinem Stall

und keine Böcke von deinen Weiden.

10Denn alle Tiere in Wald und Flur gehören mir ohnehin,

auch das Vieh auf tausenden von Hügeln50,10 Od auch alles Vieh, das zu tausenden auf den Hügeln lagert..

11Ich kenne jeden Vogel in den Bergen,

´alles`, was sich in Feld und Wiese regt, ist mir vertraut.

12Würde ich je Hunger verspüren,

ich bräuchte es dir nicht zu sagen,

denn mir gehört der ganze Erdkreis mit all seiner Fülle.

13Esse ich etwa Fleisch von Stieren?

Trinke ich denn Blut von Böcken?

14Zeige Gott deinen Dank –

das ist das Opfer, das ihm gefällt!50,14 W Opfere Gott Dank.

Erfülle die Gelübde,

die du vor ihm, dem Höchsten, abgelegt hast!

15Rufe zu mir in Tagen der Not.

Dann werde ich dich retten, und du wirst mich preisen.«

16Zu dem aber, der ihn missachtet, spricht Gott:

»Was sagst du überhaupt meine Gebote auf?

Warum nimmst du die Weisungen meines Bundes

immer wieder in den Mund?

17Gleichzeitig verabscheust du selbst jede Zurechtweisung,

ja, meine Worte wirfst du achtlos hinter dich!

18Wenn du einen Dieb siehst, freundest du dich mit ihm an,

und mit Ehebrechern verbündest du dich.

19Aus deinem Mund sprudelt Bosheit hervor,

und mit deiner Zunge knüpfst du ein Lügennetz.

20Wenn du mit anderen zusammensitzt,

redest du schlecht über deinen Nächsten,

sogar deinen leiblichen Bruder bringst du in Verruf.

21Das alles hast du getan, und bisher habe ich dazu geschwiegen.

Da dachtest du, ich sei genau wie du.

Aber ich werde dich zur Rede stellen

und dir dein Verhalten vor Augen führen.

22Ihr, die ihr Gott vergesst,

nehmt euch diese Warnung doch zu Herzen!

Denn sonst werde ich euch zerreißen ´wie ein Löwe`,

und dann kann euch niemand mehr helfen!

23Wer mir seinen Dank zeigt,

der bringt mir ein Opfer dar, das mich ehrt.50,23 W Wer Dank opfert, ehrt mich.

So ebnet er den Weg, auf dem ich ihm Gottes Rettung zeige.50,23 W Er bahnt einen Weg, ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen.«

51

Gott, vergib mir meine Schuld!

511Für den Dirigenten51,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Ein Psalm Davids. 2Entstanden, nachdem der Prophet Natan zu David gekommen war, weil David mit Batseba Ehebruch begangen hatte.51,2 Siehe 2. Samuel 12,1-14.

3Sei mir gnädig, o Gott – du bist doch reich an Gnade!

In deiner großen Barmherzigkeit lösche meine Vergehen aus!

4Wasche meine Schuld ganz von mir ab,

und reinige mich von meiner Sünde!

5Denn ich erkenne meine Vergehen,

und meine Sünde ist mir ständig vor Augen.

6Gegen dich allein habe ich gesündigt,

ja, ich habe getan, was in deinen Augen böse ist.

Das bekenne ich, damit umso deutlicher wird:

Du bist im Recht mit deinem Urteil,

dein Richterspruch ist wahr und angemessen.51,6 W ich habe getan, was in deinen Augen böse ist; auf dass du gerecht dastehst in deinem Reden, rein bist in deinem Richten.

7Du weißt es: Von Geburt an lastet Schuld auf mir;

auch meine Mutter war nicht frei von Sünde,

als sie mit mir schwanger war.51,7 W Siehe, in Schuld bin ich geboren, in Sünden hat meine Mutter mich empfangen.

8Du liebst es, wenn ein Mensch durch und durch aufrichtig ist;

so lehre mich doch im Tiefsten meines Herzens Weisheit!51,8 W Siehe, du hast Gefallen an der Wahrheit im Inneren, im Verborgenen lehre du mich Weisheit (od wirst du mich Weisheit lehren).

9Reinige mich von meiner Sünde –

so wie der Priester dies mit einem Ysopbüschel tut –,

dann bin ich wirklich wieder rein.

Wasche meine Schuld von mir ab,

dann werde ich weißer sein als Schnee.51,9 W Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich, und ich werde weißer sein als Schnee. Vergleiche 3. Mose 14 und 4. Mose 19.

10Lass mich wieder etwas Wohltuendes hören und Freude erleben,

damit ich aufblühe, nachdem du mich so zerschlagen hast51,10 W damit die Gebeine jubeln, die du zerschlagen hast..

11Schau nicht weiter auf die Sünden, die ich begangen habe51,11 W Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden.,

sondern lösche meine ganze Schuld aus!

12Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott,

und gib mir einen neuen, gefestigten Geist.

13Schick mich nicht weg aus deiner Nähe51,13 W Verstoße mich nicht von deinem Angesicht.,

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

14Lass mich wieder Freude erleben, wenn du mich rettest.

Hilf mir, indem du mich bereit machst, dir gerne zu gehorchen.51,14 W Stütze mich mit dem Geist der Willigkeit. Mit Geist ist hier die innere Haltung des Menschen gemeint.

15Dann will ich denen, die sich von dir abgewendet haben, deine Wege zeigen.

Ja, Menschen, die gegen dich sündigen, sollen so umkehren zu dir.

16Gott, durch mich wurde das Blut eines Menschen vergossen –

befreie mich von dieser Schuld51,16 W Errette mich vom Blut, Gott! Es ist nicht eindeutig, ob mit dieser Formulierung die Bitte Davids um Vergebung für den verschuldeten Tod Urijas gemeint ist (siehe 2. Samuel 12,9), oder ob er um Bewahrung vor künftig ähnlichem Schuldigwerden betet. Es kann aber auch die Bitte Davids sein, dass Gott ihn vor einem gewaltsamen Tod bewahren möge., Gott, du mein Retter!

Dann werde ich dich loben mit meiner Stimme

und jubeln über deine Treue51,16 W Gerechtigkeit..

17Herr, öffne du meine Lippen,

damit mein Mund deinen Ruhm verkündet!

18Dir liegt nichts daran,

dass ich dir Tiere als Schlachtopfer darbringe –

ich würde es sonst bereitwillig tun.

Nein, nach Brandopfern hast du kein Verlangen.

19Ein Opfer, das Gott gefällt, ist tiefe Reue51,19 W ist ein zerbrochener Geist.;

ein zerbrochenes und verzweifeltes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen.

20In deiner Güte erweise auch der Stadt Zion Gutes,

ja, festige die Mauern Jerusalems!

21Dann wirst du erneut Gefallen haben

an den vorgeschriebenen Opfern51,21 W an Opfern der Gerechtigkeit / an rechten Opfern.,

an Brandopfern, die vollständig in Rauch aufgehen51,21 W an Brandopfern und an Ganzopfern..

Dann werden auf deinem Altar

wieder Stiere für dich dargebracht.