Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
42

Zweites Buch

Sehnsucht nach Gott

421Für den Dirigenten42,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Ein kunstvoll gestaltetes Lied42,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 32,1.. Von den Korachitern42,1 Die Korachiter waren Nachkommen von Korach aus dem Stamm Levi (4. Mose 16; 26,9-11). König David hatte sie u. a. zu Torwächtern des Heiligtums ernannt (1. Chronik 9,19; 26,1). Aus ihren Reihen kamen auch Tempelmusiker, u. a. Heman, einer von drei Leitern des Tempelchores (1. Chronik 6,16ff)..

2Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt,

so lechzt meine Seele nach dir, o Gott.

3Meine Seele dürstet nach Gott, ja, nach dem lebendigen Gott.

Wann endlich werde ich ´wieder zum Heiligtum` kommen

und dort vor Gottes Angesicht stehen42,3 AL(1) und Gottes Angesicht sehen.?

4Tränen sind meine einzige Speise Tag und Nacht.

Ständig fragt man mich: »Wo ist denn nun dein Gott?«

5Ich erinnere mich an frühere Zeiten,

lasse meinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf42,5 W schütte meine Seele vor mir aus.:

Wie schön war es doch,

als ich mein Volk zu Gottes Heiligtum führte,

begleitet von Jubel und Dank,

im feierlichen Festzug mit vielen Menschen!

6Warum bist du so bedrückt, meine Seele?

Warum stöhnst du so verzweifelt?

Warte nur zuversichtlich auf Gott!

Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken,

dass er mir sein Angesicht wieder zuwendet und mir hilft42,6 W für die Hilfe seines Angesichts. In einigen hebräischen Handschriften und der Septuaginta lautet der Text dass er die Hilfe meines Angesichts ist..

7Mein Gott42,7 Nach einigen hebräischen Handschriften und der Septuaginta gehört mein Gott noch zu Vers 6, also: noch danken, dass er die Hilfe meines Angesichts und mein Gott ist., tiefe Trauer bedrückt meine Seele.

In der Ferne des Jordanlandes und des Hermongebirges denke ich an dich.

Vom Berg Misar aus ´gehen meine Gedanken zu dir`.

8Gewaltige Wassermassen brausen und tosen,

so als riefe eine Flut die andere herbei.42,8 W Flut ruft der Flut beim Brausen deiner Wasserstürze.

Du hast sie geschickt;

deine Wellen und Wogen rollen über mich hinweg.

9´Und dennoch`:

Am Tag wird der HERR mir seine Gnade schenken,

und in der Nacht begleitet mich sein Lied,

ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.

10Zu Gott, meinem Fels, will ich sagen:

»Warum nur hast du mich vergessen?

Warum muss ich so traurig meinen Weg gehen,

bedrängt von meinem Feind?«

11Der Hohn meiner Feinde zerfrisst mich wie eine tödliche Krankheit.

Den ganzen Tag spotten sie: »Wo ist denn nun dein Gott?«

12Warum bist du so bedrückt, meine Seele?

Warum stöhnst du so verzweifelt?

Warte nur zuversichtlich auf Gott!

Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken,

dass er mir sein Angesicht wieder zuwendet und mir hilft42,12 W dass er die Hilfe meines Angesichts ist..

Ja, er ist mein Gott.

43

Bring mich zurück zu deinem Heiligtum!43,1 Manche Übersetzer und auch eine jüdische Auslegung zu den Psalmen fassen Psalm 42 und 43 zu einer Einheit zusammen. Zumindest verbindet beide Psalmen der jeweils fast gleich lautende Kehrvers: Psalm 42,6.12 und 43,5.

431Verschaffe mir Recht, o Gott,

und führe du meinen Rechtsstreit gegen ein Volk, das keine Güte mehr kennt!

Rette mich vor dem Mann, der betrügt und Unrecht übt!

2Du bist doch der Gott, bei dem ich Zuflucht finde.

Warum nur hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig meinen Weg gehen,

bedrängt von meinem Feind?

3Sende mir dein Licht und deine Treue, damit sie mich leiten

und mich zurückbringen zu deinem heiligen Berg,

zu deiner Wohnung!

4Dann werde ich vor Gottes Altar treten,

ja, ich will zu Gott kommen,

der mich mit Jubel und Freude erfüllt.

Dich will ich loben beim Spiel auf der Harfe –

dich, meinen Gott43,4 W Gott, mein Gott..

5Warum bist du so bedrückt, meine Seele?

Warum stöhnst du so verzweifelt?

Warte nur zuversichtlich auf Gott!

Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken,

dass er mir sein Angesicht wieder zuwendet und mir hilft43,5 W dass er die Hilfe meines Angesichts ist..

Ja, er ist mein Gott.

44

Gott, vergiss uns nicht!

441Für den Dirigenten44,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Von den Korachitern44,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 42,1.. Ein kunstvoll gestaltetes Lied44,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 32,1..

2Gott, mit eigenen Ohren haben wir es vernommen,

unsere Vorfahren haben uns davon erzählt:

Großes hast du zu ihrer Zeit vollbracht,

in weit zurückliegenden Tagen.

3Du allein, du hast mit deiner Hand

ganze Völker aus dem Land herausgerissen

und an ihrer Stelle unsere Vorfahren eingepflanzt.

Du selbst hast Nationen vernichtet,

damit unsere Väter sich ausbreiten konnten.

4Nicht etwa durch ihr Schwert haben sie das Land in Besitz genommen,

nicht ihre eigene Kraft44,4 W nicht ihr Arm. hat ihnen geholfen.

Nein, deine Hand und dein starker Arm stand ihnen bei;

du hast ihnen dein Angesicht freundlich zugewandt44,4 W Deine Rechte und dein Arm stand ihnen bei und das Licht deines Angesichts.,

weil du Gefallen an ihnen hattest.

5Du bist mein König, o Gott!

So gib doch erneut Befehl zur Rettung Israels44,5 W zur Rettung Jakobs. Siehe die Anmerkung zu Psalm 14,7.!

6Durch deine Hilfe werden wir die Feinde, die uns bedrängen, zu Boden stoßen.

In deinem Namen wollen wir alle in den Staub treten, die sich gegen uns erheben.

7Nicht auf meinen Bogen will ich mich verlassen,

mein Schwert wird mir nicht den Sieg schenken.

8Du ´allein` wirst uns retten vor unseren Feinden,

und alle, die uns hassen, stürzt du in Schande.

9Jeden Tag rühmen wir voller Stolz unseren Gott,

ja, deinen Namen wollen wir ewig preisen. /​/44,9 Siehe die Anmerkung zu Psalm 3,3.

10Und doch hast du uns nun verstoßen und Schande über uns gebracht,

du bist nicht mit unseren Truppen gegen den Feind gezogen.

11Du ließt uns vor dem Gegner die Flucht ergreifen,

und Menschen, die uns hassen, konnten uns nach Belieben ausplündern.

12Wie man Schlachtvieh weggibt,

so hast du uns unserem Schicksal überlassen,

unter die anderen Völker hast du uns zerstreut.

13Dein eigenes Volk hast du für einen Spottpreis verkauft,

ja, du hast für uns so gut wie nichts verlangt!

14Du machtest uns zum Gespött unserer Nachbarvölker,

wir ernten nur Hohn und Schmach von allen rings um uns.

15Für die anderen Völker

ist unser Unglück zum Sprichwort geworden –

dafür hast du gesorgt.

Sie schütteln nur noch den Kopf über uns.

16Tagaus, tagein habe ich meine Schande vor Augen,

die Scham ist mir ins Gesicht geschrieben.

17Denn ich höre die verletzenden Worte der Spötter,

und ich sehe die rachsüchtigen Feinde.

18Dieses Unheil ist über uns gekommen,

obwohl wir dich nicht vergessen haben.

Auch haben wir den Bund nicht gebrochen,

den du mit uns geschlossen hast.

19Unser Herz hat sich nicht von dir abgewendet,

mit keinem Schritt sind wir von deinem Weg abgewichen.

20´Das also kann nicht der Grund dafür sein`,

dass du uns zerschlagen hast

an einem wüsten Ort, wo die Schakale hausen,

dass du dunkle Schatten des Todes auf uns hast fallen lassen.

21Hätten wir nicht mehr an unseren Gott gedacht44,21 W Hätten wir den Namen unseres Gottes vergessen.

oder gar unsere Hände im Gebet zu einem anderen Gott ausgestreckt,

22hätte unser Gott das nicht längst durchschaut?

Denn wer kennt die verborgenen Winkel unseres Herzens,

wenn nicht er?

23Nein, deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht44,23 W Sondern um deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet.;

man behandelt uns wie Schafe,

die zum Schlachten bestimmt sind.

24Wach auf, Herr, warum schläfst du?

Wach auf, verstoße uns nicht für immer!

25Warum nur verbirgst du dein Angesicht?

Weshalb vergisst du unser Elend und die Bedrängnis,

in der wir leben müssen?

26Denn wir sind gebeugt worden, bis wir im Staub lagen44,26 W Denn unsere Seele ist bis in den Staub gebeugt.,

wir kriechen am Boden und kommen nicht mehr hoch.

27Erhebe dich und eile uns zu Hilfe,

erlöse uns aus all unserer Not um deiner Güte willen!