Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
38

Ich bin am Ende meiner Kraft!

381Ein Psalm Davids, um sich bei Gott in Erinnerung zu bringen.38,1 Od Ein Psalm Davids, zur Begleitung beim Askara-Opfer. Bei der Darbringung von Speiseopfern wurde eine Handvoll des eingeölten Mehls zusammen mit Weihrauch ins Feuer des Brandopferaltars gelegt. Dieser Teil hieß Askara, was ungefähr bedeutet: Gedenken, Erinnerung/Erinnerungsanteil. Der aufsteigende Duft war eine Bitte an Gott, gnädig an denjenigen zu denken, der das Opfer dargebracht hatte.

2HERR, bestrafe mich nicht in deinem Zorn

und weise mich nicht zurecht, solange du aufgebracht bist!

3Denn deine Pfeile sind in mich eingedrungen,

und deine Hand liegt schwer auf mir.

4Weil du zornig auf mich bist, gibt es keine heile Stelle mehr an meinem Körper.

Wegen meiner Sünden ist nichts mehr an mir gesund.38,4 W Nichts Heiles ist in meinen Gebeinen infolge meiner Sünde.

5Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen,

sie ist eine drückende Last, zu schwer für mich zu tragen.

6Meine Wunden eitern und verbreiten einen üblen Geruch –

dass es dahin kam, war meine eigene Torheit.

7Ich bin gekrümmt und gebeugt,

in düsterer Trauer schleppe ich mich durch den Tag.

8In meinen Hüften brennt der Schmerz,

keine heile Stelle gibt es mehr an mir.

9Ich bin zerschlagen, am Ende meiner Kräfte.

Oft lässt die Qual meines Herzens mich nur noch schreien.

10Herr, du weißt, wonach ich mich sehne,

mein Seufzen bleibt dir nicht verborgen.

11Mein Herz pocht, meine Kraft hat mich verlassen,

mein Augenlicht ist fast erloschen.

12Meine Freunde und Gefährten haben sich wegen meines Unglücks von mir zurückgezogen;

meine Verwandten halten sich von mir fern.

13Meine Feinde trachten mir nach dem Leben

und stellen mir Fallen;

Menschen, die mein Unglück suchen, verwünschen mich

und denken sich den ganzen Tag hinterlistige Pläne aus.

14Ich aber stelle mich taub und höre nicht hin,

ich bleibe stumm wie einer, der seinen Mund nicht aufmachen kann.

15Ich verhalte mich wie jemand, der nichts hört,

wie einer, der zu keiner Entgegnung mehr fähig ist.

16Ja, allein auf dich, HERR, hoffe ich,

du selbst wirst die Antwort geben, Herr, mein Gott.

17Mein Wunsch ist:

Keiner von ihnen soll sich über mein Unglück freuen,

niemand soll überheblich auf mich herabblicken,

wenn ich den Halt verliere.

18Es fehlt nicht mehr viel, und ich stürze.

Von Schmerzen bin ich ständig geplagt.

19Ja! Ich bekenne meine Schuld.

Meine Sünde tut mir von ganzem Herzen leid.

20Meine Feinde sind zahlreich und voller Kraft.

Und es sind so viele, die mich ohne Grund hassen!

21Gutes vergelten sie mir mit Bösem.

Gerade weil ich mich für das Gute einsetze,

begegnen sie mir mit Feindschaft.

22Verlass mich nicht, HERR!

Sei mir doch jetzt nicht fern, mein Gott!

23Komm rasch herbei und hilf mir, Herr,

denn du bist meine Rettung!

39

Ein Menschenleben – vergänglich wie ein Hauch

391Für den Dirigenten39,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Für Jedutun39,1 Jedutun war einer der Dirigenten oder Chorleiter unter David, siehe u. a. 1. Chronik 25,1.6; 2. Chronik 5,12. David übergab also vermutlich Jedutun den vorliegenden Psalm zur musikalischen Ausführung.. Ein Psalm Davids.

2Ich hatte mir vorgenommen, mich richtig zu verhalten39,2 W Ich sprach: Ich will auf meine Wege achten.

und mich nicht durch Worte zu versündigen,

die rasch über die Lippen kommen.

In der Nähe gottloser Menschen

wollte ich meine Zunge im Zaum halten.

3So schwieg ich denn und blieb stumm –

ohne dass es viel genützt hätte.39,3 Od So schwieg ich denn und blieb stumm – ob es gut war oder nicht. Od So schwieg ich denn und blieb stumm – auch von dem, was gut ist, sprach ich nicht mehr. W Ich verstummte und war still, ich schwieg weg vom Guten.

Denn in mir bohrte weiter der Schmerz.

4Mein Herz brannte,

mein Stöhnen brachte ein Feuer zum Lodern.

Schließlich konnte ich doch nicht mehr schweigen.39,4 W Ich redete mit meiner Zunge.

5Lass mich begreifen, HERR, dass mein Leben begrenzt ist

und meine Erdentage kurz bemessen sind!

Lass mich erkennen, wie vergänglich ich bin!

6Meine Lebenszeit gleicht in deinen Augen nur einer Handbreite,

meine Zeit auf dieser Erde ist vor dir wie ein Nichts.

Der Mensch ist nur ein Hauch,

selbst wenn er noch so kraftvoll dazustehen scheint. /​/39,6 Siehe die Anmerkung zu Psalm 3,3.

7Wie ein Schatten geht der Mensch ´über die Erde`,

um sinnlose Dinge machen die Leute viel Lärm.

Sie häufen Besitz auf, aber letztendlich weiß niemand, für wen.

8Worauf soll ich denn nun meine Hoffnung setzen, Herr?

Mein Warten und Hoffen gilt allein dir!

9Befreie mich von all meiner Schuld,

gib mich nicht dem Gespött von Dummköpfen preis!

10Ich will still sein und mache meinen Mund nicht mehr auf.

Denn von dir kommt alles, was geschehen ist.39,10 W Denn du hast gehandelt.

11Doch nun nimm das Leid, das du mir auferlegt hast, von mir,

damit ich unter deiner strafenden Hand nicht vergehe.

12Wenn du einen Menschen wegen seiner Schuld bestrafst,

lässt du seine Schönheit vergehen

wie ein Kleid, das die Motten zerfressen.

Ja, ´nichts weiter` als ein Hauch ist jeder Mensch.

13Höre auf mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien!

Schweige nicht zu meinen Tränen!

Ich bin ja nur ein Gast bei dir,

ein Fremder39,13 Mit diesem Begriff ist ein Nichtisraelit gemeint, der sich ohne vollen Bürgerstatus unter dem Volk Israel niederlassen durfte und sich unter den Schutz eines Stammesoberhauptes gestellt hatte. Vergleiche dazu auch 3. Mose 25,23; 1. Chronik 29,15. wie alle meine Vorfahren.

14Blicke nicht länger im Zorn auf mich,

damit ich wieder froh werde,

bevor ich diese Erde verlassen muss und nicht mehr bin.

40

Komm mir schnell zu Hilfe, Herr!

401Für den Dirigenten40,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Von David. Ein Psalm.

2Beharrlich habe ich auf den HERRN gehofft,

da wendete er sich mir zu und erhörte mein Schreien.

3Er zog mich aus der Grube, die mein Ende bedeutet hätte,

aus Schlamm und Morast,

er stellte meine Füße auf festen Grund

und gab meinen Schritten sicheren Halt.

4Ein neues Lied hat er mir geschenkt40,4 W Er gab in meinen Mund ein neues Lied.,

lässt mich einen Lobgesang anstimmen auf ihn, unseren Gott.

Viele Menschen werden sehen, was er für mich getan hat.

Dann werden sie dem HERRN voll Ehrfurcht vertrauen.

5Glücklich zu preisen ist, wer40,5 W Glücklich zu preisen ist der Mann, der. sein Vertrauen auf den HERRN setzt

und nicht hört auf die Stolzen,

die vom richtigen Weg abweichen

und nur allzu leicht zum Lügen bereit sind40,5 Od auf die unruhig Drängenden, die nur allzu leicht zum Lügen bereit sind..

6HERR, mein Gott! Wie oft hast du Wunder geschehen lassen,

wie zahlreich sind deine Pläne, die du mit uns hast40,6 Od deine Gedanken uns gegenüber.!

Keiner ist wie du!

Wollte ich alles erzählen, was du getan hast –

ich könnte es gar nicht – dazu ist es viel zu viel!

7An Schlachtopfern und Speiseopfern hast du kein Gefallen,

aber du gabst mir Ohren, die offen sind für dich40,7 W Ohren hast du mir gegraben.,

Brandopfer und Sündopfer hast du nicht von mir verlangt.

8Da habe ich gesagt: »Hier bin ich!

Im Buch des Gesetzes ist von mir die Rede.40,8 Od In der Buchrolle ist ´etwas` für mich geschrieben. W In der Buchrolle ist über mich geschrieben. David könnte an das 5. Buch Mose gedacht haben. Hier finden sich in Kapitel 17,14-20 die speziellen Gesetze für den König in Israel. Dort ist festgelegt, dass jeder König eine Abschrift dieser Gesetze bekommen sollte.

9Es erfüllt mich mit Freude, zu tun, was dir, mein Gott, gefällt.

Deine Weisungen trage ich in meinem Herzen.«

10Vor der großen Versammlung habe ich verkündet,

wie treu und gerecht du bist.

Nichts konnte mich abhalten, davon zu reden,

HERR, du weißt es.

11Dass du uns Heil schenkst40,11 W Deine Gerechtigkeit.,

hielt ich nicht in meinem Herzen verborgen,

von deiner Treue und deiner Hilfe habe ich erzählt.

Vor den Versammelten habe ich nicht verschwiegen,

was für ein gnädiger und zuverlässiger Gott du bist.

12Du, HERR, wirst mir dein Erbarmen nicht entziehen,

deine Gnade und deine Treue werden mein ständiger Schutz sein.

13Von allen Seiten dringt Unheil auf mich ein,

meine Sünden haben mich eingeholt –

es sind so viele, dass ich sie nicht mehr überblicken kann.

Sie sind zahlreicher als die Haare auf meinem Kopf –

und mein Herz ist ganz verzagt.

14HERR, mögest du Gefallen daran haben, mich zu retten!

Komm mir schnell zu Hilfe, HERR!

15Hohn und Spott sollen allesamt ernten,

die mir nach dem Leben trachten und es auslöschen wollen!

Ja, alle, die mein Unglück herbeiwünschen,

mögen abziehen, beladen mit Schmach und Schande!

16Über ihre eigene Schmach sollen sie starr sein vor Entsetzen,

sie, die mich verhöhnen: »Ha! Das geschieht dir recht!40,16 Im Hebräischen liegt mit häach, häach ein doppelter Ausruf voll Sarkasmus und Schadenfreude vor.«

17Doch alle, die dich suchen,

sollen jubeln vor Freude über dich.

Ja, alle, die nach deiner Hilfe verlangen,

sollen es immer wieder bezeugen:

»Der HERR ist groß!«

18Ich bin arm und vom Leid gebeugt,

aber der HERR denkt an mich.

Du bist meine Hilfe und mein Befreier –

mein Gott, zögere nicht länger!