Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
22

Von Gott verlassen – und dennoch erhört

221Für den Dirigenten22,1 Siehe die Anmerkung zu Psalm 4,1.. Auf die gleiche Weise zu begleiten wie das Lied »Hirschkuh am frühen Morgen«. Ein Psalm Davids.

2Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht,

ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt!

3Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht,

ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe.

4Du bist doch heilig,

du wohnst dort, wo ´dein Volk` Israel dir Loblieder singt.

5Unsere Väter setzten ihr Vertrauen auf dich.

Sie vertrauten dir, und du hast sie gerettet.

6Zu dir schrien sie um Hilfe und wurden befreit,

sie vertrauten auf dich und wurden nicht enttäuscht.

7Ich aber bin kein Mensch mehr, nur noch ein Wurm,

zum Spott der Leute bin ich geworden,

das ganze Volk verabscheut mich.

8Alle, die mich sehen, verhöhnen mich,

sie verziehen den Mund und schütteln den Kopf.

9»Übergib deine Sache doch dem HERRN«, rufen sie.

»Ja, soll Gott ihn doch retten! Er soll ihm helfen –

anscheinend hat er ja Gefallen an ihm!«22,9 Od Er hat seine Sache dem HERRN übergeben; nun mag der ihn retten, ihm helfen, anscheinend hat er ja Gefallen an ihm.

10Doch du, ´HERR`, hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen.

Du ließt mich an ihrer Brust Vertrauen fassen.

11Seit mein Leben begann, bin ich ganz auf dich angewiesen,

von Mutterleib an bist du bereits mein Gott.

12Bleib mir doch jetzt nicht fern!

Die Not ist so bedrohlich nah,

und da ist niemand, der mir hilft!

13Gewalttäter haben mich umringt wie eine Herde Stiere,

wie mächtige Büffel aus Baschan haben sie mich umstellt.

14Sie reißen ihr Maul gegen mich auf

wie hungrige und brüllende Löwen.

15Ich fühle mich, als wäre ich hingeschüttet wie Wasser,

alle meine Glieder sind wie ausgerenkt.22,15 W Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt.

Mein Herz ist wie flüssiges Wachs, das tief in meinem Innern zerschmilzt.

16Ich bin ohne Kraft, ausgetrocknet wie eine Tonscherbe.

Die Zunge klebt mir am Gaumen.

Du hast mich in den Staub gelegt, dahin, wo die Toten liegen.

17Denn ´Menschen` haben mich eingekreist wie Hunde,

eine Horde von Gewalttätern umringt mich.

Wie sich ein Löwe in seine Beute verbeißt,

so halten sie mich fest

und geben meine Hände und Füße nicht mehr frei.22,17 Od (bei Korrektur eines Buchstabens) eine Horde von Gewalttätern umringt mich. Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt. W eine Horde von Gewalttätern umringt mich – wie ein Löwe – meine Hände und Füße.

18Ich könnte meine Knochen einzeln zählen;

meine Feinde starren mich nur erbarmungslos an.

19Sie verteilen meine Kleider unter sich

und werfen das Los, wer mein Obergewand bekommen soll.

20Du aber, HERR, bleib nicht fern von mir!

Du bist doch meine Kraft, schnell, komm mir zu Hilfe!

21Entreiße meine Seele dem tödlichen Schwert,

rette mein Leben vor den Krallen dieser Hunde!22,21 W Reiße meine Seele weg vom Schwert, mein einziges Gut von der Pranke des Hundes.

22Befreie mich aus dem Rachen des Löwen,

rette mich vor den Hörnern der Büffel!

Ja, du hast mich erhört!

23Ich will meinen Brüdern verkünden, wie groß du bist,

mitten in der Gemeinde will ich dir Loblieder singen.

24Alle, die ihr vor dem HERRN Ehrfurcht habt, preist ihn!

All ihr Nachkommen Jakobs, gebt ihm die Ehre!

Begegnet ihm mit Demut und Verehrung,

all ihr Nachkommen Israels!

25Denn der HERR hat sich von der Not des Hilflosen nicht abgewandt

und seine Leiden nicht verachtet.

Ja, der HERR hat sein Angesicht nicht vor ihm verhüllt,

sondern auf ihn gehört, als er um Hilfe rief.

26Du, HERR, gibst mir Grund dafür, dich zu loben

inmitten der großen Gemeinde.

Mein Gelübde will ich erfüllen vor den Augen

derer, die dem HERRN in Ehrfurcht dienen.

27Die Armen sollen wieder essen und satt werden.

Die den HERRN suchen, sollen ihn preisen.

Euer Herz lebe auf, es lebe ewig!

28An allen Enden der Erde wird man zur Einsicht kommen,

und die Menschen werden zum HERRN umkehren.

Alle Völker werden sich vor dir, ´HERR`, niederwerfen

und dich anbeten.

29Denn dem HERRN gehört das Königtum,

er herrscht über alle Völker.

30Die Großen der Erde werden ein Festmahl halten

und sich anbetend vor dem HERRN niederwerfen.

Auch alle, die in den Staub des Todes sinken,

werden vor ihm niederfallen,

alle, die keine Kraft mehr zum Leben haben.22,30 W Essen und sich niederwerfen werden alle Fetten der Erde (bei leichter Textkorrektur: alle, die in der Erde schlafen), vor ihm auf die Knie gehen werden alle, die hinuntergehen zum Staub, und der, der seine Seele nicht am Leben erhalten kann.

31Die kommenden Generationen werden ihm dienen.

Denen, die noch geboren werden, wird man vom Herrn erzählen.

32Verkünden wird man zukünftigen Völkern seine Rettungstaten.

Man wird sagen: »Der HERR hat alles vollbracht!«22,32 W Sie werden seine Gerechtigkeit verkünden einem Volk, das noch geboren wird, denn er hat es vollbracht.

23

Der Herr ist mein Hirte

231Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte, darum leide ich keinen Mangel.

2Er bringt mich auf Weideplätze mit saftigem Gras

und führt mich zu Wasserstellen, an denen ich ausruhen kann.

3Er stärkt und erfrischt meine Seele.

Er führt mich auf rechten Wegen

und verbürgt sich dafür mit seinem Namen.23,3 W Er führt mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.

4Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss,

wo Todesschatten mich umgeben,

fürchte ich mich vor keinem Unglück,

denn du, ´HERR`, bist bei mir!

Dein Stock und dein Hirtenstab geben mir Trost.

5Du ´lädst mich ein und` deckst mir den Tisch

selbst vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl, ´um mich zu ehren`,

und füllst meinen Becher bis zum Überfließen.

6Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens,

und ich werde wohnen im Haus des HERRN für alle Zeit.

24

Wer darf vor dem König der Herrlichkeit erscheinen?

241Von David. Ein Psalm.

Die Erde und alles, was darauf lebt, gehört dem HERRN,

der ganze Erdkreis samt seinen Bewohnern.

2Denn er selbst hat das Fundament der Erde auf dem Grund der Meere befestigt24,2 W Denn er ist es, der sie gegründet hat über Meeren.,

und über den Wassern gab er ihr festen Bestand.

3Wer darf zum Berg des HERRN hinaufgehen,

und wer darf an seiner heiligen Stätte vor ihm stehen?

4Jeder, dessen Herz und Hände frei von Schuld sind24,4 W Der unschuldige Hände und ein reines Herz hat.,

der keine Götzen anbetet24,4 Od der seine Seele nicht auf Falschheit richtet. W der seine Seele nicht auf Nichtiges richtet. Das hebräische Wort für Nichtiges kann sowohl die trügerische Erwartung beim Götzendienst als auch Bosheit, Falschheit bedeuten. und keinen Meineid schwört.

5Er wird Segen empfangen vom HERRN;

Gott, sein Retter, wird ihm in Treue begegnen.24,5 W Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

6Daran erkennt man Gottes wahres Volk,

Menschen, die nach ihm fragen:

es sind die, ´HERR`, die deine Nähe suchen

und vor dein Angesicht treten.

Sie sind die rechten Nachkommen Jakobs.24,6 W Dies ist das Geschlecht derer, die nach ihm fragen, die dein Angesicht suchen: Jakob. Septuaginta: die das Angesicht des Gottes Jakobs suchen. Manche übersetzen in Anlehnung an die Septuaginta und gestützt auf einige wenige hebräische Handschriften: die dein Angesicht suchen, Gott Jakobs. /​/24,6 Siehe die Anmerkung zu Psalm 3,3.

7Tut euch weit auf, ihr mächtigen Tore,

gebt den Weg frei, ihr uralten Pforten24,7 W Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, erhebt euch, ihr uralten Pforten. So auch in Vers 9.,

damit der König der Herrlichkeit einziehen kann.

8Wer ist dieser König der Herrlichkeit?

Es ist der HERR, stark und mächtig,

der HERR, mächtig im Kampf.

9Tut euch weit auf, ihr mächtigen Tore,

gebt den Weg frei, ihr uralten Pforten,

damit der König der Herrlichkeit einziehen kann.

10Wer ist dieser König der Herrlichkeit?

Der allmächtige HERR24,10 W Der HERR über alle Heere., er ist der König der Herrlichkeit. /​/