Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
15

Wer darf Gott nahe sein?

151Ein Psalm Davids.

HERR, wer darf sich aufhalten in deinem Heiligtum15,1 W in deinem Zelt. Mit Gottes Zelt ist zum einen das Zeltheiligtum Israels vor dem Bau des Tempels unter Salomo gemeint, zum anderen auch sinnbildlich Gottes Gegenwart und Nähe für den Menschen.,

wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?

2Jeder, der aufrichtig seinen Weg geht,

der Gerechtigkeit übt

und von ganzem Herzen die Wahrheit sagt,

3der nicht andere verleumdet,

der seinen Mitmenschen kein Unrecht tut

und sie nicht in Verruf bringt.

4Er wird den verachten,

den Gott verworfen hat,

doch er wird alle ehren, die Ehrfurcht vor dem HERRN haben.

Er hält sich treu an jeden Eid, den er geschworen hat,

selbst wenn er dadurch einen Nachteil befürchten muss.

5Er leiht sein Geld nicht gegen Wucherzinsen aus

und lässt sich nicht mit Geschenken bestechen, Unschuldige anzuklagen.

Wer so handelt,

wird nie zu Fall kommen.

16

Zuflucht bei Gott

161Ein Lehrpsalm16,1 Das hebräische Wort miktam ist in seiner genauen Bedeutung ungeklärt. Je nach Herleitung ergeben sich recht unterschiedliche Lösungsversuche wie z. B. Sühnegedicht, goldenes Kleinod, Psalm zur Besinnung. Die Septuaginta übersetzt mit Säuleninschrift, was auf eine öffentlich gemachte Inschrift im Heiligtum hinweisen könnte. Es gibt insgesamt sechs Psalmen, in denen miktam in der Überschrift erscheint, nämlich Psalm 16 und Psalm 56–60. Davids.

Bewahre mich, Gott,

denn bei dir finde ich Zuflucht!

2Ich sage16,2 So lautet der Text in vielen hebräischen Handschriften und in der Septuaginta. Der Masoretische Text lautet: Du sagst. Mit du ist wohl die eigene Seele gemeint. zum HERRN: »Du bist mein Herr.

Nur bei dir finde ich mein ganzes Glück!16,2 Od Außer dir gibt es für mich kein wahres Gut.«

3Ich freue mich über alle,

die zu Gottes heiligem Volk gehören.

An ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.16,3 W An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen ist all mein Wohlgefallen.

4Die sich aber vor einem anderen Gott niederwerfen,

bereiten sich selbst zahlreiche Schmerzen.

Mit ihren Opfern –

dem Blut, das sie ihrem Gott darbringen,

will ich nichts zu tun haben.

Die Namen ihrer Götzen

will ich nicht in den Mund nehmen.16,4 W Ihre Trankopfer von Blut will ich nicht ausgießen, und ihre Namen (= die Namen ihrer Götter) will ich nicht auf meine Lippen nehmen.

5Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst.

Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!16,5 W Der HERR ist mein Erbteil und mein Becher, du hast mein Los festgelegt. Mit dem Erbteil und dem Becher ist der Anteil an Land und Nahrung gemeint, der sonst durch den Hausvater zugeteilt wurde. Vergleiche 4. Mose 18,20 sowie 5. Mose 18,1f.

6Was du mir ´für mein Leben` geschenkt hast,

ist wie ein fruchtbares Stück Land,

das mich glücklich macht.

Ja, ein schönes Erbteil hast du mir gegeben!16,6 W Die Messschnüre sind für mich auf angenehmes Land gefallen, ja, mein Erbe ist für mich schön.

7Ich preise den HERRN,

weil er mich beraten hat!

Selbst nachts weist mein Gewissen mich zurecht.16,7 W In den Nächten unterweisen mich meine Nieren. Die Nieren galten als Sitz von Empfindungen und Gewissensregungen.

8Ich habe den HERRN stets vor Augen.

Weil er mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen.

9Deshalb ist mein Herz voll Freude,

und ich kann aus tiefster Seele jubeln.

Auch mein Körper ruht in Sicherheit.16,9 W Daher freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird sicher ruhen.

10Meine Seele wirst du nicht dem Totenreich überlassen,

mich, deinen treuen Diener, wirst du vor dem Grab verschonen.

11Du zeigst mir den Weg zum Leben.

Dort, wo du bist, gibt es Freude in Fülle16,11 W Freude in Fülle ist vor deinem Angesicht.;

´ungetrübtes` Glück hält deine Hand ewig bereit.

17

Ich habe mich an dein Wort gehalten

171Ein Gebet von David.

Höre mich an, HERR,

denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!17,1 Od Höre, HERR, wenn jemand mit einer gerechten Sache vor dich kommt. W Höre, HERR, Gerechtigkeit.

Achte auf mein Schreien!

Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr –

über meine Lippen kommt keine Lüge!

2Von dir geht mein Recht aus17,2 W Von deinem Angesicht gehe mein Recht aus.;

sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin17,2 Od deine Augen mögen in Aufrichtigkeit schauen.!

3Du hast mein Herz geprüft,

in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;

du hast mich ´wie Metall im Feuer` geläutert –

und nichts ´Verwerfliches` an mir gefunden.17,3 Od Solltest du mein Herz prüfen, nachts mich erforschen, mich ´wie Metall im Feuer` läutern, so wirst du dabei nichts ´Verwerfliches` an mir finden.

Ich habe über alles nachgedacht:

Nichts Böses wird jemals über meine Lippen kommen!

4Vom Tun und Treiben anderer Leute

habe ich mich nicht beeinflussen lassen.

Ich habe mich an dein Wort gehalten,

und das hat mich vor bösen Wegen bewahrt.

5Schritt für Schritt folgte ich deiner Spur

und kam dabei nicht zu Fall.

6Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.

Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!

7In deiner reichen Gnade lass mich erneut Wunder erfahren,

du Helfer und Retter für alle, die dir vertrauen

und die bei dir Schutz suchen gegen ihre Widersacher!17,7 Od Mache deine Gnadenerweise wunderbar, Retter derer, die Zuflucht suchen vor den Feinden deiner rechten Hand. W Mache deine Gnadenerweise wunderbar, Retter derer, die bei deiner rechten Hand Zuflucht suchen vor den Feinden.

8Bewahre mich wie deinen Augapfel,

birg mich im Schatten deiner Flügel

9vor diesen Gottlosen, die mir Gewalt antun wollen,

vor meinen Todfeinden17,9 W vor den Feinden meiner Seele., die mich umzingeln!

10Sie haben ihr Herz verschlossen17,10 W Ihr Fett (= ihr verfettetes Herz) verschließen sie.,

ihre Worte sind stolz und anmaßend.

11So eng hat der Feind uns umzingelt,

dass wir keinen Schritt mehr ungehindert gehen können.

Seine Absicht ist klar – er will uns alle niederstrecken.

12Er gleicht einem Löwen,

der gierig darauf wartet, Beute zu reißen –

einem starken Junglöwen, der im Hinterhalt lauert.

13Erhebe dich, HERR,

komm ihm zuvor und wirf ihn nieder!

Rette mich17,13 W meine Seele. mit deinem Schwert

vor diesen gottlosen Verbrechern;

14bewahre mich durch deine starke Hand

vor den Menschen, HERR, die alles Begehrenswerte

allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.

Doch sie rechnen nicht mit dem Unheil,

das du für sie aufgespart hast!

Noch füllst du ihren Bauch,

selbst ihre Söhne werden satt

und hinterlassen ihren Kindern, was übrig bleibt!17,14 Od von dieser vergänglichen Welt erwarten. Mit deinem Aufgesparten (= deinem Unheil) füllst du (od fülle) ihren Bauch, dass noch ihre Söhne davon satt werden und ein Übriges ihren Kindern hinterlassen. W Vor Männern ´lass mich entkommen durch` deine Hand, HERR, vor Männern von dieser Welt, deren Anteil im Leben ist, und dein Aufgespartes – ´damit` füllst du (od fülle) ihren Bauch, satt werden die Söhne, und sie hinterlassen ein Übriges den Kindern.

15Ich aber werde dein Angesicht sehen,

weil ich nach deinem Willen lebe.17,15 W Ich aber werde dein Angesicht sehen in Gerechtigkeit.

Wenn ich erwache,

darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt17,15 Od an deinem Bild. Neben dem Erwachen am nächsten Morgen könnte auch ein Morgen nach der Nacht schwerer Prüfungen gemeint sein oder das Erwachen in der Ewigkeit..