Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
102

Ein Gebet in großer Not für das zukünftige Jerusalem

1021Gebet eines vom Leid Gebeugten, der verzweifelt ist und sein Herz vor dem HERRN ausschüttet.

2HERR, höre mein Gebet!

Möge mein lauter Hilferuf doch bis zu dir dringen!

3Verbirg dich nicht vor mir, jetzt, wo ich in Not bin!

Neige dich herab zu mir und schenk mir ein offenes Ohr;

jetzt rufe ich zu dir – erhöre mich doch bald!

4Denn meine Tage verflüchtigen sich so schnell wie Rauch102,4 So in Anlehnung an viele hebräische Handschriften, die Septuaginta und andere alte Übersetzungen. Der Masoretische Text lautet: verflüchtigen sich im Rauch.,

in meinen Gliedern brennt es wie Feuer.

5Mein Herz ist ausgetrocknet wie versengtes Gras.

Ich vergesse sogar, mein Brot zu essen.

6Mein lautes Stöhnen hat mich ausgezehrt,

ich bin nur noch Haut und Knochen.102,6 W Vor lauter Stöhnen klebt mein Gebein an meinem Fleisch.

7Ich gleiche einem Vogel in der Wüste,

einer Eule in verlassenen Ruinen.

8Nachts finde ich keinen Schlaf,

ich bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.

9Den ganzen Tag verhöhnen mich meine Feinde.

Ausgelassen ziehen sie über mich her

und missbrauchen meinen Namen,

wenn sie jemanden verwünschen.102,9 W Die mich verhöhnen, schwören bei mir. D. h. sie verfluchen jemand mit den Worten: »Gott soll es dir ergehen lassen wie diesem da!« Die Septuaginta übersetzt hier: Den ganzen Tag schmähten mich meine Feinde; und die mich einst lobten, haben nun gegen mich geschworen.

10Asche ist mein Brot geworden,

was ich trinke, ist vermischt mit Tränen.

11Das sind die Folgen deines grimmigen Zorns –

du hast mich hochgehoben und wieder zu Boden geworfen.

12Meine Tage gleichen dem Schatten,

der am Abend immer länger wird102,12 W gleichen einem gestreckten Schatten.,

ich verdorre wie das Gras.

13Du aber, HERR, regierst für immer,

jetzt und in allen künftigen Generationen wird man dich ehren102,13 W und dein Gedenken bleibt von Generation zu Generation..

14Du selbst wirst dich erheben

und dich der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden,

denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein.

Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

15Deine Diener freuen sich über Zions schöne Mauersteine,

und sie bedauern voller Schmerz, dass nun alles in Schutt liegt.

16Aber es kommt die Zeit,

in der die Völker Ehrfurcht haben werden vor dem Namen des HERRN

und alle Könige der Erde vor deiner Herrlichkeit.

17Denn der HERR wird Zion wieder aufbauen

und dort erscheinen in seiner Herrlichkeit.

18Er wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden,

ihre Bitten wird er nicht zurückweisen.

19Dies soll man aufschreiben für eine spätere Generation,

und so wird ein Volk, das erst noch geschaffen wird, den HERRN preisen.

20Er schaut herab aus seinem Heiligtum in der Höhe;

ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde,

21um das Seufzen der Gefangenen zu hören,

um die Todgeweihten zu befreien.

22Und so werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des HERRN verkünden,

seinen Ruhm verbreiten in Jerusalem,

23wenn Völker sich dort versammeln,

Menschen aus allen Königreichen, um dem HERRN zu dienen.

24Doch jetzt, mitten im Leben, hat Gott meine Kraft gebrochen102,24 W Er hat meine Kraft gebrochen auf dem Weg.,

meine Lebenszeit hat er verkürzt.

25Deshalb bitte ich: Mein Gott,

raffe mich nicht schon in der Lebensmitte hinweg!

Du allein lebst ewig –

über alle künftigen Generationen hinaus.

26Du hast am Anfang das Fundament der Erde gelegt,

und auch der Himmel ist das Werk deiner Hände.

27Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst.

Sie werden alt werden wie ein ´abgenutztes` Kleid,

du wirst sie auswechseln wie ein ´abgetragenes` Gewand,

und so werden sie verwandelt.

28Du aber bleibst immer derselbe,

und deine Zeit wird kein Ende haben.

29Die Kinder all derer, die dir dienen,

dürfen ´im Land` wohnen bleiben,

und ihre Nachkommen werden vor dir Bestand haben.

103

Barmherzig und gnädig ist der Herr

1031Von David.

Preise den HERRN, meine Seele,

ja, alles in mir ´lobe` seinen heiligen Namen!

2Preise den HERRN, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

3Er vergibt dir all deine Schuld

und heilt alle deine Krankheiten.

4Er rettet dich mitten aus Todesgefahr103,4 W Der dein Leben von der Grube (od dem Verderben, so z. B. die Septuaginta) erlöst.,

krönt dich mit Güte und Erbarmen.

5Er gibt dir in deinem Leben viel Gutes –

überreich bist du beschenkt!

Wie sich bei einem Adler das Gefieder erneuert,

so bekommst du immer wieder jugendliche Kraft.103,5 W Der mit Gutem deine Seele (od dein Leben; od dein Verlangen, so die Septuaginta; die genaue Deutung des hebräischen Wortes ist unsicher) sättigt, dass sich, dem Adler gleich, deine Jugend erneuert.

6Der HERR vollbringt große Rettungstaten103,6 W verschafft Gerechtigkeiten.,

allen Unterdrückten verhilft er zu ihrem Recht.

7Er gab Mose zu erkennen, wie er handelt103,7 W Er tat seine Wege Mose kund.,

und den Israeliten zeigte er seine mächtigen Taten.

8Barmherzig und gnädig ist der HERR,

er gerät nicht schnell in Zorn, sondern ist reich an Gnade.

9Nicht für immer wird er uns anklagen,

noch wird er ewig zornig auf uns sein.

10Er handelt an uns nicht so,

wie wir es wegen unserer Sünden verdient hätten,

er vergilt uns nicht nach unseren Vergehen.

11Denn so hoch, wie der Himmel über der Erde ist,

so überragend groß ist seine Gnade

gegenüber denen, die ihm in Ehrfurcht begegnen.

12So fern, wie der Osten vom Westen ist,

so weit schafft er unsere Vergehen von uns fort.

13Wie ein Vater seinen Kindern voller Güte begegnet,

so begegnet der HERR denen, die ihm in Ehrfurcht dienen.

14Denn er weiß ja, was für Geschöpfe wir sind103,14 W Denn er selbst kennt unser Gebilde / unsere Beschaffenheit.,

er denkt daran, dass wir nur aus Staub gebildet wurden.

15Der Mensch – seine Lebenstage sind so vergänglich wie das Gras.

Er gleicht einer Blume auf dem Feld, die aufblüht,

16wenn aber ein starker Wind über sie hinwegfegt,

dann ist sie nicht mehr da.

Dort, wo sie einmal blühte,

gibt es keine Spur mehr von ihr.

17Doch die Gnade des HERRN

ist immer und ewig über denen, die ihm in Ehrfurcht dienen.

Und noch an ihren Kindern und Enkeln erweist er seine Treue103,17 W Gerechtigkeit..

18So handelt er an denen, die sich an seinen Bund halten,

die an seine Weisungen denken und danach leben.

19Der HERR hat im Himmel seinen Thron errichtet,

und seine Königsherrschaft umschließt das All.

20Preist den HERRN, ihr seine starken und gewaltigen Engel,

die ihr sein Wort ausführt

und seiner Stimme gehorcht, sobald er spricht.

21Preist den HERRN,

ihr alle, die ihr zu seinem himmlischen Heer gehört,

ihr seine Diener, die ihr ausführt, woran er Freude hat.

22Preist den HERRN, ihr alle seine Werke,

an allen Orten, über die sich seine Herrschaft erstreckt!

Ja, preise den HERRN, meine Seele!

104

Staunen über Gottes Schöpfung

1041Preise den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, groß und erhaben bist du,

mit Herrlichkeit und Pracht hast du dich bekleidet.

2In Licht hüllst du dich wie in ein Gewand,

den Himmel spannst du wie ein Zeltdach aus.

3Er, der die Säulen seiner Wohnung im Wasser ´des Himmelsgewölbes` errichtet,

der Wolken zu seinem Wagen macht

und auf Flügeln des Windes erscheint,

4der Winde zu seinen Boten macht

und Feuerflammen zu seinen Dienern104,4 Od der seine Engel zu Sturmwinden macht, seine Diener zu Feuerflammen.

5er hat der Erde ihr Fundament gegeben,

so dass sie für immer und ewig nicht wankt.

6Du, ´Gott`, bedecktest sie mit gewaltigen Wassermassen wie mit einem Kleid104,6 Od (in Anlehnung an die Septuaginta sowie an die Lateinische und Aramäische Übersetzung) Wassermassen bedeckten sie wie ein Kleid.,

selbst über den Bergen standen die Fluten.

7Doch auf deinen drohenden Befehl hin flohen sie,

vor deiner Donnerstimme wichen sie schnell zurück.

8So kamen Berge empor, Täler senkten sich.

Die Wassermassen aber zogen sich zurück

an den Ort, den du für sie bereitet hattest.

9Eine Grenze hast du ihnen gesetzt,

die sie nicht überschreiten dürfen;

nie mehr sollen sie zurückkehren und die ganze Erde bedecken.

10Auf Gottes Befehl hin ergießen sich Quellen in die Flusstäler,

zwischen den Bergen schlängeln sich ihre Wasserläufe.

11Sie tränken die Tiere des freien Feldes,

Wildesel löschen dort ihren Durst.

12Da finden auch die Vögel ihre Nistplätze,

zwischen den Zweigen lassen sie ihre Stimme ertönen.

13Von seinen Wohnungen in der Höhe aus bewässert Gott die Berge.

Von der Frucht, die seine Werke hervorbringen, wird die Erde gesättigt.

14Gras lässt er hervorsprießen für das Vieh

und allerlei Pflanzen für den Bedarf des Menschen,

damit dieser aus dem Schoß der Erde sein tägliches Brot gewinnt.

15Er schenkt Wein, der das Herz des Menschen erfreut,

Öl, mit dem er sein Gesicht pflegt,

und Brot, das sein Herz stärkt.

16Auch die Bäume des HERRN trinken sich satt,

die herrlichen Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

17Dort wiederum bauen Vögel ihre Nester,

auf den Zypressen nistet der Storch.

18Die hohen Berge bieten den Steinböcken Lebensraum,

die Felsen sind eine Zuflucht für die Klippdachse.

19Gott hat den Mond geschaffen zur Festlegung der Zeiten,

auch die Sonne weiß, wann sie untergehen soll.

20Du bestimmst, wann es finster wird, und schon kommt die Nacht.

Da regen sich dann alle Tiere des Waldes.

21Die jungen Löwen brüllen nach Beute,

sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

22Geht dann die Sonne auf, so ziehen sich die Tiere wieder zurück

und legen sich nieder in ihren Verstecken.

23Nun macht sich der Mensch auf und geht an seine Arbeit,

an das, was er zu verrichten hat bis zum Abend.

24Wie zahlreich sind doch deine Werke, HERR,

alle hast du mit Weisheit ausgeführt,

die Erde ist erfüllt von dem, was du geschaffen hast!

25Da ist das Meer, schier endlos groß und weit,

darin wimmelt es von unzählbar vielen Lebewesen,

von kleinen wie von großen.

26Dort ziehen Schiffe ihre Bahn,

auch ´das Ungeheuer` Leviatan,

das du geschaffen hast, um mit ihm zu spielen104,26 Od damit er darin (= im Meer) spiele..

27Alle Lebewesen hoffen auf dich,

dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.

28Du gibst sie ihnen, sie sammeln alles ein.

Du öffnest ´freigebig` deine Hand,

und sie werden satt von ´deinen` guten Gaben.

29Doch wenn du dein Angesicht verbirgst, dann erschrecken sie.

Entziehst du ihnen den Lebensatem,

so scheiden sie dahin und werden wieder zu Staub.

30Entsendest du deinen Lebensatem, dann werden sie geschaffen.

Und so erneuerst du den Anblick der Erde104,30 W das Angesicht der Erde..

31Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig!

Möge der HERR sich freuen an seinen Schöpfungswerken!

32Er braucht die Erde nur anzublicken, und schon erbebt sie,

rührt er die Berge an, dann rauchen sie.

33Zur Ehre des HERRN will ich singen mein Leben lang,

für meinen Gott musizieren, so lange ich bin.

34Möge mein Denken und Sinnen ihm gefallen!

Ja, ich will mich erfreuen am HERRN.

35Alle, die sich von Gott abwenden,

sollen von der Erde verschwinden –

es soll keiner mehr da sein, der Gott verachtet.

Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!