Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
101

Der König gelobt, gerecht zu regieren

1011Von David. Ein Psalm.

Von Güte und Recht will ich singen

und dir zu Ehren, HERR, auf der Harfe spielen.

2Aufmerksam will ich darauf achten, einen guten Weg zu gehen.

Wann kommst du, ´Gott`, zu mir?101,2 Vielleicht hat David sich hier gewünscht, dass die Bundeslade, der heiligste Gegenstand des damaligen Kultus, ihren Platz in Jerusalem bekommt. Siehe 2. Samuel 6.

Mit aufrichtigem Herzen will ich handeln in meinem Königshaus.

3Was schändlich ist, werde ich nicht ins Auge fassen.

Ich hasse es, wenn Menschen sich von Gott abwenden101,3 Od Übertretungen zu begehen hasse ich.

nichts davon soll bei mir zu finden sein.

4Wer falsch ist, mit dem will ich nichts zu tun haben.101,4 W Ein falsches Herz soll von mir weichen.

Boshafte Menschen sollen mir fernbleiben.

5Wer heimlich seinen Nächsten verleumdet,

den will ich zum Schweigen bringen.

Leute mit überheblichem Blick und stolzem Herzen

will ich nicht in meiner Nähe dulden.

6Mein Augenmerk gilt denen im Land, auf die man sich verlassen kann.

Solche Menschen sollen um mich sein.

Wer einen guten Weg geht, der darf mir dienen.

7Ein Betrüger jedoch soll nicht bei mir im Haus sitzen;

wer Lügen verbreitet, der muss mir aus den Augen gehen!

8Morgen für Morgen will ich alle gottlosen Verbrecher im Land zum Schweigen bringen,

um alle Übeltäter aus der Stadt des HERRN auszurotten.

102

Ein Gebet in großer Not für das zukünftige Jerusalem

1021Gebet eines vom Leid Gebeugten, der verzweifelt ist und sein Herz vor dem HERRN ausschüttet.

2HERR, höre mein Gebet!

Möge mein lauter Hilferuf doch bis zu dir dringen!

3Verbirg dich nicht vor mir, jetzt, wo ich in Not bin!

Neige dich herab zu mir und schenk mir ein offenes Ohr;

jetzt rufe ich zu dir – erhöre mich doch bald!

4Denn meine Tage verflüchtigen sich so schnell wie Rauch102,4 So in Anlehnung an viele hebräische Handschriften, die Septuaginta und andere alte Übersetzungen. Der Masoretische Text lautet: verflüchtigen sich im Rauch.,

in meinen Gliedern brennt es wie Feuer.

5Mein Herz ist ausgetrocknet wie versengtes Gras.

Ich vergesse sogar, mein Brot zu essen.

6Mein lautes Stöhnen hat mich ausgezehrt,

ich bin nur noch Haut und Knochen.102,6 W Vor lauter Stöhnen klebt mein Gebein an meinem Fleisch.

7Ich gleiche einem Vogel in der Wüste,

einer Eule in verlassenen Ruinen.

8Nachts finde ich keinen Schlaf,

ich bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.

9Den ganzen Tag verhöhnen mich meine Feinde.

Ausgelassen ziehen sie über mich her

und missbrauchen meinen Namen,

wenn sie jemanden verwünschen.102,9 W Die mich verhöhnen, schwören bei mir. D. h. sie verfluchen jemand mit den Worten: »Gott soll es dir ergehen lassen wie diesem da!« Die Septuaginta übersetzt hier: Den ganzen Tag schmähten mich meine Feinde; und die mich einst lobten, haben nun gegen mich geschworen.

10Asche ist mein Brot geworden,

was ich trinke, ist vermischt mit Tränen.

11Das sind die Folgen deines grimmigen Zorns –

du hast mich hochgehoben und wieder zu Boden geworfen.

12Meine Tage gleichen dem Schatten,

der am Abend immer länger wird102,12 W gleichen einem gestreckten Schatten.,

ich verdorre wie das Gras.

13Du aber, HERR, regierst für immer,

jetzt und in allen künftigen Generationen wird man dich ehren102,13 W und dein Gedenken bleibt von Generation zu Generation..

14Du selbst wirst dich erheben

und dich der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden,

denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein.

Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

15Deine Diener freuen sich über Zions schöne Mauersteine,

und sie bedauern voller Schmerz, dass nun alles in Schutt liegt.

16Aber es kommt die Zeit,

in der die Völker Ehrfurcht haben werden vor dem Namen des HERRN

und alle Könige der Erde vor deiner Herrlichkeit.

17Denn der HERR wird Zion wieder aufbauen

und dort erscheinen in seiner Herrlichkeit.

18Er wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden,

ihre Bitten wird er nicht zurückweisen.

19Dies soll man aufschreiben für eine spätere Generation,

und so wird ein Volk, das erst noch geschaffen wird, den HERRN preisen.

20Er schaut herab aus seinem Heiligtum in der Höhe;

ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde,

21um das Seufzen der Gefangenen zu hören,

um die Todgeweihten zu befreien.

22Und so werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des HERRN verkünden,

seinen Ruhm verbreiten in Jerusalem,

23wenn Völker sich dort versammeln,

Menschen aus allen Königreichen, um dem HERRN zu dienen.

24Doch jetzt, mitten im Leben, hat Gott meine Kraft gebrochen102,24 W Er hat meine Kraft gebrochen auf dem Weg.,

meine Lebenszeit hat er verkürzt.

25Deshalb bitte ich: Mein Gott,

raffe mich nicht schon in der Lebensmitte hinweg!

Du allein lebst ewig –

über alle künftigen Generationen hinaus.

26Du hast am Anfang das Fundament der Erde gelegt,

und auch der Himmel ist das Werk deiner Hände.

27Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst.

Sie werden alt werden wie ein ´abgenutztes` Kleid,

du wirst sie auswechseln wie ein ´abgetragenes` Gewand,

und so werden sie verwandelt.

28Du aber bleibst immer derselbe,

und deine Zeit wird kein Ende haben.

29Die Kinder all derer, die dir dienen,

dürfen ´im Land` wohnen bleiben,

und ihre Nachkommen werden vor dir Bestand haben.

103

Barmherzig und gnädig ist der Herr

1031Von David.

Preise den HERRN, meine Seele,

ja, alles in mir ´lobe` seinen heiligen Namen!

2Preise den HERRN, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

3Er vergibt dir all deine Schuld

und heilt alle deine Krankheiten.

4Er rettet dich mitten aus Todesgefahr103,4 W Der dein Leben von der Grube (od dem Verderben, so z. B. die Septuaginta) erlöst.,

krönt dich mit Güte und Erbarmen.

5Er gibt dir in deinem Leben viel Gutes –

überreich bist du beschenkt!

Wie sich bei einem Adler das Gefieder erneuert,

so bekommst du immer wieder jugendliche Kraft.103,5 W Der mit Gutem deine Seele (od dein Leben; od dein Verlangen, so die Septuaginta; die genaue Deutung des hebräischen Wortes ist unsicher) sättigt, dass sich, dem Adler gleich, deine Jugend erneuert.

6Der HERR vollbringt große Rettungstaten103,6 W verschafft Gerechtigkeiten.,

allen Unterdrückten verhilft er zu ihrem Recht.

7Er gab Mose zu erkennen, wie er handelt103,7 W Er tat seine Wege Mose kund.,

und den Israeliten zeigte er seine mächtigen Taten.

8Barmherzig und gnädig ist der HERR,

er gerät nicht schnell in Zorn, sondern ist reich an Gnade.

9Nicht für immer wird er uns anklagen,

noch wird er ewig zornig auf uns sein.

10Er handelt an uns nicht so,

wie wir es wegen unserer Sünden verdient hätten,

er vergilt uns nicht nach unseren Vergehen.

11Denn so hoch, wie der Himmel über der Erde ist,

so überragend groß ist seine Gnade

gegenüber denen, die ihm in Ehrfurcht begegnen.

12So fern, wie der Osten vom Westen ist,

so weit schafft er unsere Vergehen von uns fort.

13Wie ein Vater seinen Kindern voller Güte begegnet,

so begegnet der HERR denen, die ihm in Ehrfurcht dienen.

14Denn er weiß ja, was für Geschöpfe wir sind103,14 W Denn er selbst kennt unser Gebilde / unsere Beschaffenheit.,

er denkt daran, dass wir nur aus Staub gebildet wurden.

15Der Mensch – seine Lebenstage sind so vergänglich wie das Gras.

Er gleicht einer Blume auf dem Feld, die aufblüht,

16wenn aber ein starker Wind über sie hinwegfegt,

dann ist sie nicht mehr da.

Dort, wo sie einmal blühte,

gibt es keine Spur mehr von ihr.

17Doch die Gnade des HERRN

ist immer und ewig über denen, die ihm in Ehrfurcht dienen.

Und noch an ihren Kindern und Enkeln erweist er seine Treue103,17 W Gerechtigkeit..

18So handelt er an denen, die sich an seinen Bund halten,

die an seine Weisungen denken und danach leben.

19Der HERR hat im Himmel seinen Thron errichtet,

und seine Königsherrschaft umschließt das All.

20Preist den HERRN, ihr seine starken und gewaltigen Engel,

die ihr sein Wort ausführt

und seiner Stimme gehorcht, sobald er spricht.

21Preist den HERRN,

ihr alle, die ihr zu seinem himmlischen Heer gehört,

ihr seine Diener, die ihr ausführt, woran er Freude hat.

22Preist den HERRN, ihr alle seine Werke,

an allen Orten, über die sich seine Herrschaft erstreckt!

Ja, preise den HERRN, meine Seele!