Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
14

Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung (Kapitel 14 bis 16)

Pläne des Hohen Rates gegen Jesus

Mt 26,3-5; Lk 22,1-2

141Es waren nur noch zwei Tage bis zum Fest des Passa und der ungesäuerten Brote. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten überlegten, zu welcher List sie greifen könnten, um Jesus festzunehmen und dann umzubringen. 2»Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen«, sagten sie, »sonst gibt es einen Aufruhr im Volk.«

Die Salbung in Betanien

Mt 26,6-13; Joh 12,1-8

3Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast14,3 W in Betanien im Haus Simons, des (ehemals?) Aussätzigen.. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß14,3 Wohl ein Gefäß mit langem Hals, den man abbrechen musste, um es zu öffnen. und goss Jesus das Öl über den Kopf. 4Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. 5»Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.

6Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch14,7 W habt ihr nicht immer.. 8Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. 9Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«

Judas wird zum Verräter

Mt 26,14-16; Lk 22,4-6

10Danach ging Judas Iskariot, einer der Zwölf, zu den führenden Priestern und bot ihnen an, dafür zu sorgen, dass sie Jesus in ihre Gewalt bringen konnten14,10 W zu den führenden Priestern, um ihn an sie auszuliefern / zu verraten.. 11Die führenden Priester waren erfreut, als sie das hörten, und versprachen Judas dafür Geld. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, Jesus an sie zu verraten.

Vorbereitung des Passamahls

Mt 26,17-19; Lk 22,7-13

12Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote – an dem Tag, an dem man das Passalamm schlachtet – fragten die Jünger Jesus: »Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?« 13Er gab zwei von ihnen den Auftrag: »Geht in die Stadt! Dort werdet ihr einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt.14,13 Der Mann würde unschwer zu erkennen sein, weil es damals üblicherweise die Frauen waren, die Wasser holten. Folgt ihm, 14bis er in ein Haus hineingeht, und sagt dort zu dem Hausherrn: ›Der Meister lässt fragen: Wo ist der Raum für mich, in dem ich mit meinen Jüngern das Passamahl feiern kann?‹ 15Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das ´mit Sitzpolstern14,15 Od mit allem Nötigen.` ausgestattet und für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort das Passa für uns vor.« 16Die beiden Jünger machten sich auf den Weg. In der Stadt angekommen, fanden sie alles so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passamahl vor.

Der Verräter

Mt 26,20-25

17Als es Abend geworden war, kam Jesus mit den Zwölf. 18Während sie bei Tisch waren und aßen, erklärte er: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten – einer, der hier mit mir isst.« 19Die Jünger waren bestürzt, und einer nach dem anderen fragte ihn: »Doch nicht etwa ich?« – 20»Es ist einer von euch zwölf«, erwiderte er, »einer, der mit mir ´das Brot` in die Schüssel taucht. 21Der Menschensohn14,21 W Denn der Menschensohn. geht zwar den Weg, der ihm in der Schrift vorausgesagt ist; doch wehe dem Menschen, durch den er verraten wird! Für diesen Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden.«

Einsetzung des Abendmahls

Mt 26,26-30; Lk 22,17-20

22Im weiteren Verlauf des Essens nahm Jesus Brot14,22 Od das Brot., dankte Gott dafür14,22 Od sprach das Dankgebet., brach es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: »Nehmt, das ist mein Leib.« 23Dann nahm er einen14,23 Od den. Becher ´mit Wein`, sprach ein14,23 Od das. Dankgebet, gab ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. 24Er sagte zu ihnen: »Das ist mein Blut, das Blut des Bundes14,24 AL(2) des neuen Bundes. Vergleiche Lukas 22,20., das für viele vergossen wird. 25Ich sage euch: Ich werde nicht mehr vom Saft der Reben trinken bis zu dem Tag, an dem ich den neuen Wein14,25 W an dem ich ihn als einen neuen. trinken werde im Reich Gottes.«

26Nachdem sie dann ein14,26 Od das. Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Jesus kündigt an, dass Petrus ihn verleugnen wird

Mt 26,31-35; Lk 22,31-34; Joh 13,38

27Jesus sagte zu seinen Jüngern: »Ihr werdet euch alle von mir abwenden.14,27 Od Ihr werdet alle an mir irre werden. Entsprechend in Vers 29. Denn es heißt in der Schrift:

›Ich werde den Hirten töten,

und die Schafe werden sich zerstreuen.‹14,27 Nach Sacharja 13,7.

28Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.«

29Doch Petrus versicherte: »Auch wenn alle sich von dir abwenden – ich nicht!« 30Jesus erwiderte: »Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« 31Aber Petrus erklärte mit aller Entschiedenheit: »Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich niemals verleugnen!« Das Gleiche beteuerten auch alle anderen.

In Getsemane

Mt 26,36-46; Lk 22,39-46

32Jesus und seine Jünger kamen an eine Stelle ´am Ölberg`, die Getsemane heißt. Dort sagte er zu ihnen: »Setzt euch hier und wartet, bis ich gebetet habe!« 33Petrus, Jakobus und Johannes jedoch nahm er mit. Von Angst und Grauen gepackt, 34sagte er zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt.14,34 Od Ich bin tief betrübt und dem Tod nahe. W Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht!« 35Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden und bat Gott, die Leidensstunde, wenn es möglich wäre, an ihm vorübergehen zu lassen. 36»Abba14,36 Hebräisch-aramäisches Wort mit der Bedeutung (mein) Vater (Anrede des Vaters durch sein Kind)., Vater«, sagte er, »alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.«

37Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: »Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine einzige Stunde wach bleiben? 38Wacht und betet, damit14,38 Od betet darum, dass. ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur14,38 W aber das Fleisch. ist schwach.«

39Jesus ging wieder weg und betete noch einmal dasselbe. 40Als er zurückkam, waren sie wieder eingeschlafen; sie konnten die Augen vor Müdigkeit nicht offen halten und wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

41Als er das dritte Mal zurückkam, sagte er: »Wollt ihr noch länger schlafen und euch ausruhen?14,41 Od Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Od (ironisch) Schlaft nur weiter und ruht euch aus! Es ist so weit!14,41 Od Genug damit! Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder gegeben. 42Steht auf, lasst uns gehen! Der, der mich verrät, ist da.«

Die Gefangennahme Jesu

Mt 26,47-56; Lk 22,47-53; Joh 18,3.10-12

43Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den führenden Priestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. 44Der Verräter14,44 W Der, der ihn verriet/auslieferte. hatte mit seinen Begleitern ein Zeichen vereinbart: »Der, den ich mit einem Kuss begrüßen werde14,44 Übliche Form der ehrerbietigen Begrüßung eines Rabbis durch seine Schüler., der ist es. Den müsst ihr festnehmen und abführen; sorgt dafür, dass er nicht entkommen kann14,44 W festnehmen und sicher abführen.45´In Getsemane` angelangt, ging Judas sofort auf Jesus zu. »Rabbi!«, sagte er und gab ihm einen Kuss14,45 und küsste ihn (auffällig) lang.. 46Da packten die Männer Jesus und nahmen ihn fest.

47Doch einer von denen, die bei Jesus standen, zog sein Schwert, ging damit auf den Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab.

48Jesus aber sagte zu den Männern: »Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen, als wäre ich ein Verbrecher14,48 Od Aufrührer. W Räuber.. 49Dabei war ich doch Tag für Tag bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen. Aber was in der Schrift vorausgesagt ist, muss sich erfüllen.«

50Da ließen ihn alle im Stich und flohen. 51Ein junger Mann allerdings folgte Jesus; er trug nur einen leinenen Umhang auf dem bloßen Leib. Doch als man ihn festnehmen wollte, 52ließ er den Umhang fahren und rannte nackt davon.

Jesus vor dem Hohen Rat

Mt 26,57-68; Lk 22,54-55.63-71; Joh 18,12-14.19-24

53Jesus wurde zum Hohenpriester gebracht, wo auch alle führenden Priester und alle Ältesten und Schriftgelehrten zusammenkamen14,53 Od zusammengekommen waren.. 54Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte sich am Feuer.

55Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod zu verurteilen14,55 W gegen Jesus, um ihn töten zu lassen.; doch sie konnten nichts finden. 56Viele brachten zwar falsche Anschuldigungen gegen ihn vor, aber ihre Aussagen stimmten nicht überein. 57Einige falsche Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten: 58»Wir haben ihn sagen hören: ›Ich werde diesen Tempel, der von Menschenhand erbaut wurde, niederreißen und in drei Tagen einen anderen errichten, der nicht von Menschenhand erbaut ist.‹« 59Doch auch in diesem Fall stimmten die Aussagen der Zeugen nicht überein.

60Da erhob sich der Hohepriester, trat in die Mitte und fragte Jesus: »Hast du darauf nichts zu sagen? ´Wie stellst du dich zu dem14,60 Od Wie verhält es sich mit dem.,` was diese Leute gegen dich vorbringen?« 61Aber Jesus schwieg und gab keine Antwort. Der Hohepriester wandte sich noch einmal an ihn und fragte: »Bist du der Messias14,61 Od Christus., der Sohn des Hochgelobten?« – 62»Ich bin es«, erwiderte Jesus, »und ihr werdet den Menschensohn an der rechten Seite des Allmächtigen14,62 W der Macht. sitzen und auf14,62 W mit. den Wolken des Himmels kommen sehen14,62 Nach Daniel 7,13 und Psalm 110,1..14,62 Nach Daniel 7,13 und Psalm 110,1.«

63Da zerriss der Hohepriester ´vor Empörung` sein Gewand und rief: »Wozu brauchen wir noch Zeugen? 64Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung?« Alle erklärten, er sei schuldig und müsse sterben.

65Einige begannen, Jesus anzuspucken; sie verhüllten ihm das Gesicht, schlugen ihn mit Fäusten14,65 Od gaben ihm Ohrfeigen. und sagten: »Du bist doch ein Prophet! Sag uns, wer es war!«14,65 W »Prophezei!« Auch die Diener ´des Hohen Rates` schlugen ihn14,65 nahmen ihn daraufhin mit Schlägen in Empfang..

Petrus verleugnet Jesus

Mt 26,69-75; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27

66Während sich Petrus unten im Hof aufhielt, kam eine von den Dienerinnen des Hohenpriesters. 67Als sie Petrus bemerkte, der sich am Feuer wärmte, blickte sie ihn an und sagte: »Du warst doch auch mit diesem Jesus von Nazaret zusammen!« 68Aber Petrus stritt es ab. »Ich weiss nicht, wovon du redest; ich verstehe gar nicht, was du willst«, sagte er und ging hinaus in den Vorhof. Da krähte ein Hahn.14,68 AL(1) ohne Da krähte ein Hahn.

69Als die Dienerin ihn dort wieder sah, wandte sie sich zu denen, die in der Nähe standen, und sagte noch einmal: »Der da ist einer von ihnen!« 70Petrus stritt es wieder ab.

Doch es dauerte nicht lange, da fingen auch die Umstehenden an: »Natürlich gehörst du zu ihnen, du bist doch auch ein Galiläer!« 71Petrus begann, Verwünschungen auszustoßen, und schwor: »Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet!« 72In diesem Augenblick krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: »Bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er brach in Tränen aus.14,72 Die Deutung dieses Satzes ist umstritten. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: Und er brach zusammen und weinte. / Und er stürzte hinaus und weinte. / Und als er daran dachte, weinte er. / Und er verhüllte sich und weinte.

15

Jesus vor Pilatus

Mt 27,1-2.11-14; Lk 23,1-10; Joh 18,28-38

151Gleich bei Tagesanbruch, nachdem der gesamte Hohe Rat – die führenden Priester mit den Ältesten und den Schriftgelehrten – über das weitere Vorgehen beraten hatten15,1 W nachdem die führenden Priester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und (zwar) der gesamte Hohe Rat eine Beratung abgehalten / einen Beschluss gefasst hatten., ließen sie Jesus fesseln und abführen und übergaben ihn Pilatus.

2Pilatus fragte ihn: »Bist du der König der Juden?« – »Du selbst sprichst es aus«, erwiderte Jesus. 3Die führenden Priester brachten nun viele Beschuldigungen gegen ihn vor. 4Da wandte sich Pilatus noch einmal an ihn. »Hast du darauf nichts zu sagen?«, fragte er. »Siehst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?« 5Doch zu seinem Erstaunen gab Jesus keine Antwort mehr.

Die Verurteilung Jesu

Mt 27,15-26; Lk 23,13-25; Joh 18,39–19,16

6Nun war es so, dass Pilatus an jedem Passafest einen Gefangenen freiließ, den die Juden selbst bestimmen15,6 W den sie sich erbitten. durften. 7Damals saß ein gewisser Barabbas zusammen mit einigen anderen Aufrührern im Gefängnis; sie hatten bei einem Aufstand einen Mord begangen. 8Als jetzt eine große Menschenmenge zu Pilatus hinaufzog und ihn bat, wie üblich jemand zu begnadigen15,8 W und anfing, um das zu bitten, was er üblicherweise für sie tat., 9fragte er sie: »Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe?« 10Denn es war ihm klar geworden, dass die führenden Priester Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatten.

11Doch die führenden Priester wiegelten das Volk dazu auf, stattdessen die Freilassung des Barabbas zu fordern. 12Da wandte sich Pilatus von neuem an die Menge. »Und was soll ich mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt?«, wollte er wissen. 13»Lass ihn kreuzigen!«, schrien sie zurück. 14»Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?«, fragte Pilatus. Doch sie schrien nur noch lauter: »Lass ihn kreuzigen!« 15Pilatus wollte die Menge zufrieden stellen. Darum gab er ihnen Barabbas frei; Jesus hingegen ließ er auspeitschen und übergab ihn ´den Soldaten` zur Kreuzigung.

Die Verspottung Jesu

Mt 27,27-31; Joh 19,2-3

16Die Soldaten führten Jesus in den Palast15,16 Od in den Innenhof des Palastes., in das so genannte Prätorium, und riefen die ganze Mannschaft zusammen. 17Sie hängten ihm ein purpurfarbenes Gewand um, flochten eine Krone aus Dornenzweigen und setzten sie ihm auf. 18Dann riefen sie ihm zu: »Es lebe der König15,18 W Sei gegrüßt / Heil dir, König. der Juden!« 19Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf, spuckten ihn an und warfen sich vor ihm auf die Knie, um ihm zu huldigen. 20Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, zogen sie ihm das purpurfarbene Gewand aus und legten ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie ihn ´zur Stadt` hinaus, um ihn zu kreuzigen.

Die Kreuzigung Jesu

Mt 27,32-44; Lk 23,26-43; Joh 19,17-27

21Unterwegs begegnete ihnen ein Mann, der gerade vom Feld kam, ein gewisser Simon aus Zyrene, der Vater von Alexander und Rufus. Den zwangen die Soldaten, Jesus das Kreuz zu tragen. 22So brachten sie Jesus bis zu der Stelle, die Golgata heißt. (Golgata bedeutet »Schädelstätte«.) 23Dort wollte man ihm Wein zu trinken geben, der mit Myrrhe vermischt war; doch er nahm ihn nicht.

24Dann kreuzigten die Soldaten Jesus. Seine Kleider verteilten sie unter sich; sie losten aus, was jeder bekommen sollte.15,24 Vergleiche Psalm 22,19. 25Es war neun Uhr morgens15,25 W Es war die dritte Stunde., als man ihn kreuzigte. 26Eine am Kreuz angebrachte Aufschrift gab den Grund für seine Verurteilung an; sie lautete: »Der König der Juden.« 27Zusammen mit Jesus kreuzigte man zwei Verbrecher15,27 Od Aufrührer. W Räuber., einen rechts und einen links von ihm.15,27 Eine weniger gut bezeugte Lesart fügt hier Vers 28 an: So erfüllte sich das Schriftwort: »Er wurde zu den Gesetzlosen gerechnet« (Jesaja 53,12).

29Die Leute, die vorübergingen, schüttelten den Kopf und riefen höhnisch: »Ha! Du wolltest doch den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! 30Hilf dir selbst15,30 Od Rette dich selbst. Entsprechend im nächsten Vers. und steig herab vom Kreuz!« 31Ebenso machten sich die führenden Priester und die Schriftgelehrten über ihn lustig. »Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen«, sagten sie spöttisch einer zum anderen. 32»Der Messias15,32 Od Christus. ´will er sein`, der König von Israel! Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen! Wenn wir das sehen, werden wir an ihn glauben.« Auch die Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpften ihn.

Der Tod Jesu

Mt 27,45-56; Lk 23,44-49; Joh 19,28-30

33Um zwölf Uhr mittags brach über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis drei Uhr nachmittags dauerte. 34Um drei Uhr15,34 W 33 Und in der sechsten Stunde brach … herein bis zur neunten Stunde. 34 Und in der neunten Stunde. schrie Jesus laut: »Eloi, Eloi, lema sabachtani?« (Das bedeutet: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«15,34 Psalm 22,2.) 35Einige der Umstehenden sagten, als sie das hörten: »Seht doch, er ruft Elia!« 36Einer holte schnell einen Schwamm, tauchte ihn in Weinessig, steckte ihn auf einen Stab und hielt ihn Jesus zum Trinken hin. »Wartet«, rief er, »wir wollen sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzuholen!« 37Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus; dann starb er.

38Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.

39Als der Hauptmann, der beim Kreuz stand15,39 W der dabeistand, ihm gegenüber., Jesus so15,39 AL(1) so schreien und dann. sterben sah, sagte er: »Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.«

40Es waren auch Frauen da, die von weitem zusahen. Unter ihnen befanden sich Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngeren15,40 Od dem Kleinen. und von Joses, sowie Salome – 41Frauen, die Jesus schon gefolgt waren und ihm gedient hatten, als er noch in Galiläa war. Auch viele andere Frauen waren da, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

Das Begräbnis Jesu

Mt 27,57-61; Lk 23,50-56a; Joh 19,38-42

42Es wurde nun schon Abend, und es war Rüsttag15,42 Rüsttag: ein anderer Name für den Freitag (an dem man sich für den Sabbat vorbereitete)., der Tag vor dem Sabbat, ´sodass die Zeit drängte`. 43Da fasste sich Josef aus Arimatäa ein Herz, ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. (Josef war ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates, und er war einer von denen, die auf das Kommen des Reiches Gottes warteten.) 44Pilatus war überrascht zu hören, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann rufen und fragte ihn, ob Jesus wirklich bereits15,44 Od ob Jesus schon lange. gestorben sei. 45Als der Hauptmann es ihm bestätigte, überließ er Josef den Leichnam. 46Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz ab und wickelte ihn in das Tuch. Dann legte er ihn in ein Grab, das in einen Fels gehauen war, und wälzte einen Stein vor den Eingang des Grabes. 47Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen zu ´und merkten sich`, wohin der Leichnam Jesu gelegt wurde.

16

Jesus ist auferstanden

Mt 28,1-8; Lk 23,56–24,12; Joh 20,1-13

161Als der Sabbat vorüber war16,1 D. h. am Samstagabend nach Sonnenuntergang., kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, zusammen mit Salome wohlriechende Öle, um den Leichnam Jesu zu salben. 2Sehr früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum Grab. Es war der erste Tag der neuen Woche16,2 Also der Sonntag., und die Sonne ging gerade auf16,2 Od war gerade aufgegangen., als sie dort ankamen. 3Unterwegs hatten sie zueinander gesagt: »Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?« 4Doch als sie jetzt davor standen16,4 W als sie aufblickten., sahen sie, dass der Stein – ein großer, schwerer Stein – bereits weggerollt war16,4 W dass der Stein weggewälzt war; er war nämlich sehr groß..

5Sie betraten die Grabkammer und sahen dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen. Die Frauen erschraken; 6er aber sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. 7Geht nun zu seinen Jüngern und sagt zu ihnen, auch zu Petrus: ›Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.‹16,7 Od zu Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.« 8Zitternd vor Furcht und Entsetzen verließen die Frauen das Grab und liefen davon. Sie hatten solche Angst, dass sie niemand etwas von dem erzählten, was sie erlebt hatten.16,8 In den ältesten Handschriften endet das Markus-Evangelium an dieser Stelle. Die Verse 9-20 wurden jedoch schon bald an Vers 8 angeschlossen (wohl in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts) und finden sich in fast allen übrigen Handschriften.

Die Erscheinungen des Auferstandenen

Mt 28,9-10; Lk 24,13-43; Joh 20,11-19

9Nach seiner Auferstehung am frühen Morgen des ersten Wochentages erschien Jesus zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. 10Sie ging zu denen, die mit ihm zusammen gewesen waren und die nun weinten und trauerten, und berichtete ihnen, 11dass er lebe und dass sie ihn gesehen habe; doch sie glaubten ihr nicht.

12Danach erschien er zwei von ihnen in einer anderen Gestalt, als sie zu einem Ort auf dem Land unterwegs waren. 13Sie kehrten zurück und berichteten es den anderen, doch auch ihnen glaubten sie nicht.

14Schließlich16,14 W Später/Danach. erschien er den Elf, während sie bei Tisch waren. Er hielt ihnen ihren Unglauben und ihre Uneinsichtigkeit vor und wies sie zurecht, weil sie denen nicht hatten glauben wollen, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.

Sendung der Jünger und Himmelfahrt Jesu

Mt 28,16-20; Lk 24,44-49

15Danach sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Geht in die ganze Welt und verkündet der ganzen Schöpfung16,15 D. h. hier: der ganzen Menschheit. das Evangelium! 16Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. 17Folgende Zeichen werden die begleiten, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen sprechen; 18wenn sie Schlangen anfassen oder ein tödliches Gift trinken16,18 W 18 und mit den Händen werden sie Schlangen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken., wird ihnen das nicht schaden; Kranke, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.«

19Nachdem Jesus, der Herr, zu ihnen gesprochen hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich an die rechte Seite Gottes. 20Sie aber gingen überallhin und verkündeten ´das Evangelium`. Der Herr wirkte mit und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die die Verkündigung begleiteten.