Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
12

Das Gleichnis von den Weinbergpächtern

Mt 21,33-46; Lk 20,9-19

121Nun begann Jesus in Gleichnissen zu ihnen zu reden. Er sagte: »Ein Mann legte einen Weinberg an, umgab ihn mit einem Zaun, hob eine Grube zum Keltern des Weins aus und baute einen Wachtturm. Dann verpachtete er den Weinberg12,1 W verpachtete er ihn an Weinbauern. und verreiste. 2Zur gegebenen Zeit schickte er einen Diener zu den Pächtern, um sich von ihnen seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs geben zu lassen. 3Doch die Pächter packten den Diener, verprügelten ihn und jagten ihn mit leeren Händen fort. 4Da schickte der Mann einen anderen Diener zu ihnen; dem ging es nicht besser: Sie schlugen ihm den Kopf blutig und trieben ihren Spott mit ihm. 5Danach schickte er einen dritten; den töteten sie. So ging es noch vielen anderen: Die einen wurden verprügelt, die anderen umgebracht.

6Schließlich blieb ihm noch einer: sein geliebter Sohn12,6 noch sein einziger, sein geliebter Sohn.. Den schickte er zuletzt auch noch zu ihnen, weil er sich sagte: ›Er ist mein Sohn, vor ihm werden sie Achtung haben.‹ 7Aber die Pächter sagten zueinander: ›Das ist der Erbe. Kommt, wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns!‹ 8Und sie packten ihn, brachten ihn um und warfen ihn zum Weinberg hinaus.

9Was wird nun der Besitzer des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Pächter umbringen, und den Weinberg wird er anderen anvertrauen. 10Habt ihr jenes Schriftwort nie gelesen:

›Der Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten,

ist zum Eckstein geworden.

11Das hat der Herr getan,

und es ist etwas Wunderbares in unseren Augen12,11 Das hat der Herr getan; es ist ein Wunder, und wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Durch den Herrn ist er das geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen. Psalm 118,22.23.12,11 Psalm 118,22.23.

12Daraufhin hätten sie12,12 die führenden Priester, die Schriftgelehrten und die Ältesten (siehe Kapitel 11,27). Jesus am liebsten festgenommen, denn es war ihnen klar, dass sie mit diesem Gleichnis gemeint waren. Aber weil sie vor dem Volk Angst hatten, ließen sie ihn unbehelligt und gingen weg.

Die Frage nach der Berechtigung der kaiserlichen Steuer

Mt 22,15-22; Lk 20,20-26

13Sie hofften nun, Jesus zu einer Äußerung verleiten zu können, die sich gegen ihn verwenden ließe12,13 Od Sie wollten Jesus mit einer Fangfrage in die Falle locken. W Sie wollten ihn mit einem Wort fangen., und schickten deshalb einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes zu ihm, 14die ihm folgende Frage vorlegten: »Meister, wir wissen, dass es dir nur um die Wahrheit geht und dass du nicht nach der Meinung der Leute fragst; denn du lässt dich von keinem Menschen beeinflussen, wie angesehen er auch sein mag. Wenn du lehrst, wie man nach Gottes Willen leben soll, lässt du dich allein von der Wahrheit leiten.12,14 W Vielmehr lehrst du den Weg Gottes der Wahrheit entsprechend. Ist es nun richtig12,14 W erlaubt., dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie ihm geben oder nicht?«

15Jesus war klar, dass das alles nur Heuchelei war, und er sagte zu ihnen: »Warum stellt ihr mir eine Falle? Reicht mir eine Silbermünze12,15 W einen Denar. Siehe die Sacherklärungen.; ich will sie mir ansehen.« 16Sie gaben ihm eine. »Wessen Bild und Name ist darauf?12,16 W Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?«, fragte er. Sie antworteten: »´Das Bild und der Name` des Kaisers.« 17Da sagte Jesus zu ihnen: »´Dann` gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott, was Gott gehört!« Über diese Antwort12,17 W Über ihn. waren sie sehr erstaunt.

Die Frage nach der Auferstehung der Toten

Mt 22,23-33; Lk 20,27-40

18Auch aus den Reihen der Sadduzäer, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, kamen einige zu Jesus und legten ihm eine Frage vor. 19»Meister«, sagten sie, »Mose hat uns folgende Vorschrift gegeben12,19 W hat uns geschrieben.: ›Wenn jemand12,19 W jemandes Bruder. stirbt und eine Frau hinterlässt, aber keine Kinder, dann soll sein Bruder die Witwe heiraten und dem Verstorbenen Nachkommen verschaffen.‹12,19 5. Mose 25,5. 20Nun waren da sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb jedoch, ohne Nachkommen zu hinterlassen. 21Daraufhin heiratete der zweite Bruder die Witwe. Aber auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, ebenso der dritte, ´und so ging es weiter`. 22Keiner der sieben hinterließ Nachkommen. Zuletzt starb auch die Frau. 23Wie ist es nun bei der Auferstehung? Wenn sie einmal auferstanden sind, wem von ihnen gehört sie dann? Alle sieben waren schließlich mit ihr verheiratet gewesen.«

24Jesus antwortete: »Seid ihr nicht deshalb so im Irrtum, weil ihr weder die Schrift noch die Kraft Gottes kennt? 25Denn wenn die Menschen von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht mehr12,25 W heiraten sie nicht und werden auch nicht verheiratet., sondern sind wie die Engel im Himmel.

26Was nun die Auferstehung der Toten überhaupt betrifft: Habt ihr nie im Buch des Mose die Geschichte vom Dornbusch gelesen? Dort steht, dass Gott zu Mose sagt: ›Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.‹12,26 2. Mose 3,6. 27Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden! Ihr seid also völlig im Irrtum.«

Die Frage nach dem wichtigsten Gebot

Mt 22,34-40; Lk 10,25-28

28Einer der Schriftgelehrten hatte diesem Streitgespräch zugehört und gesehen, wie gut Jesus den Sadduzäern geantwortet hatte. Nun trat er näher und fragte ihn: »Welches ist das wichtigste12,28 W erste. Ebenso im nächsten Vers. von allen Geboten?« 29Jesus antwortete: »Das wichtigste Gebot ist: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr12,29 W der Herr, unser Gott, der Herr ist einer/eins.. 30Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe12,30 W Seele., mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!‹12,30 5. Mose 6,4.5. 31An zweiter Stelle steht das Gebot: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹12,31 3. Mose 19,18. Kein Gebot ist wichtiger12,31 W größer. als diese beiden.«

32»Sehr gut, Meister!«, meinte darauf der Schriftgelehrte. »Es ist wirklich so, wie du sagst: Gott allein ist der Herr12,32 W Er ist einer/eins., und es gibt keinen anderen außer ihm. 33Und ihn zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft und seine Mitmenschen zu lieben wie sich selbst ist viel mehr wert als alle Brandopfer und alle übrigen Opfer.«

34Jesus sah, mit welcher Einsicht der Mann geantwortet hatte, und sagte zu ihm: »Du bist nicht weit vom Reich Gottes entfernt.« Von da an wagte niemand mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Der Messias – Davids Sohn oder Davids Herr?

Mt 22,41-46; Lk 20,41-44

35Als Jesus im Tempel lehrte, fragte er seine Zuhörer: »Wie kommen eigentlich die Schriftgelehrten dazu, zu sagen, der Messias12,35 Od Christus. Ebenso in Vers 37. sei der Sohn Davids? 36David selbst hat doch, geleitet vom Heiligen Geist, gesagt12,36 W hat doch in dem / durch den Heiligen Geist gesagt.:

›Der Herr sprach zu meinem Herrn:

Setze dich an meine rechte Seite,

bis ich deine Feinde unter deine Füße gelegt habe12,36 AL(1) deine Feinde zum Schemel für deine Füße gemacht habe (vergleiche Lukas 20,43). Psalm 110,1..‹12,36 Psalm 110,1.

37Der Messias wird also von David ›Herr‹ genannt. Wie kann er dann Davids Sohn sein?«

Warnung vor den Schriftgelehrten

Mt 23,6-7; Lk 20,45-47

Die Menschen kamen in großer Zahl und hörten Jesus gern zu. 38Unter anderem sagte er, als er sie lehrte: »Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen mit Vorliebe in langen Gewändern einher und erwarten, dass man sie auf der Straße12,38 W auf den Marktplätzen. ehrfurchtsvoll grüßt. 39In den Synagogen nehmen sie die vordersten Sitze für sich in Anspruch und bei Festessen die Ehrenplätze. 40Sie verschlingen den Besitz12,40 W die Häuser. der Witwen und sprechen zum Schein lange Gebete. Darum erwartet sie ein besonders hartes Urteil.«

Das Opfer der armen Witwe

Lk 21,1-4

41Jesus setzte sich in die Nähe des Opferkastens und sah zu, wie die Leute Geld hineinwarfen. Viele Reiche gaben große Summen. 42Doch dann kam eine arme Witwe und warf zwei kleine Kupfermünzen hinein (das entspricht ´etwa` einem Groschen).

43Da rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte: »Ich versichere euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle anderen. 44Sie alle haben von ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist, hat12,44 W diese aber hat aus ihrem Mangel. alles gegeben, was sie besaß – alles, was sie zum Leben nötig hatte.«

13

Jesu Rede über die Endzeit (Kapitel 13)

Jesus kündigt die Zerstörung des Tempels an

Mt 24,1-2; Lk 21,5-6

131Als Jesus den Tempel verließ, sagte einer seiner Jünger zu ihm: »Meister, sieh doch! Was für mächtige Steine und was für prachtvolle Bauten!« – 2»Dich beeindrucken13,2 Od Siehst du. diese gewaltigen Bauten?«, entgegnete Jesus. »Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben; es wird alles zerstört werden.«

Vorzeichen des Endes

Mt 24,3-28; Lk 21,7-24

3Später saß Jesus auf dem Ölberg, von wo aus man zum Tempel hinüberblickt. Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas waren mit ihm allein. Da baten sie ihn13,3 hinüberblickt. Sie waren für sich allein. Da baten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas.: 4»Sag uns doch: Wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen werden wir erkennen können, dass die Erfüllung all dieser Dinge bevorsteht?«

5»Gebt Acht, dass euch niemand irreführt!«, antwortete Jesus. 6»Viele werden unter meinem Namen auftreten; sie werden von sich sagen: ›Ich bin es!‹, und sie werden viele irreführen. 7Und wenn ihr von Kriegen hört und wenn Kriegsgefahr droht13,7 Od Und wenn ihr von Kriegen hört und Kriegsgerüchte euch erreichen. Od Und wenn ihr ´den Lärm von` Kriegen ´in der Nähe` und Berichte von Kriegen ´in der Ferne` hört., dann erschreckt nicht. Es muss so kommen, aber das Ende ist es noch nicht. 8Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird bald in dieser Gegend Erdbeben geben und bald in jener, und Hungersnöte werden die Menschen heimsuchen. Doch das ist erst der Anfang, es ist ´wie` der Beginn von Geburtswehen.

9Habt Acht auf euch selbst! Man wird euch in den Synagogen vor Gericht stellen und auspeitschen.13,9 W Man wird euch den Synedrien (den Synagogengerichten) übergeben und in den Synagogen auspeitschen. Ihr werdet euch um meinetwillen vor Machthabern und Königen verantworten müssen und sollt vor ihnen meine Zeugen sein13,9 W verantworten müssen, ihnen zu einem Zeugnis.. 10Denn bevor das Ende kommt,13,10 W Denn zuerst. muss das Evangelium allen Völkern verkündet werden. 11Wenn man euch verhaftet und vor Gericht stellt13,11 W euch abführt und ausliefert., dann macht euch nicht im Voraus Sorgen, was ihr sagen sollt. Denn wenn es so weit ist, wird euch eingegeben, was ihr sagen müsst. Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern der Heilige Geist. 12Menschen werden ihre nächsten Angehörigen dem Henker ausliefern: der Bruder den Bruder13,12 W 12 Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern. und der Vater sein Kind; und auch Kinder werden sich gegen ihre Eltern stellen und sie töten lassen. 13Um meines Namens willen werdet ihr von allen Menschen gehasst werden. Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet.

14Der ›Gräuel der Entweihung‹13,14 Daniel 9,27; 11,31; 12,11. wird dort stehen13,14 stehen: im Griechischen eine männliche Form. Demnach könnte mit Gräuel der Entweihung ein Mensch gemeint sein., wo er nicht stehen darf. (Wer das liest, der überlege, ´was es bedeutet`.) Wenn ihr ihn dort stehen seht, sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen. 15Wer sich gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, soll nicht erst noch hinuntersteigen und ins Haus hineingehen, um etwas mitzunehmen. 16Und wer auf dem Feld ist, soll nicht mehr nach Hause zurücklaufen, um seinen Mantel zu holen. 17Wie schwer werden es die Frauen haben13,17 W Wehe aber den Frauen., die in jener Zeit ein Kind erwarten oder stillen! 18Betet auch, dass das alles nicht im Winter geschieht. 19Denn in jenen Tagen wird eine Not herrschen, wie es sie von der Zeit an, als Gott die Welt erschuf, bis heute nicht gegeben hat und wie es sie danach auch nie mehr geben wird. 20Hätte der Herr diese Zeit13,20 W diese Tage. nicht verkürzt, dann würde kein Mensch13,20 W kein Fleisch. gerettet werden; aber um derer willen, die er auserwählt hat, hat er sie verkürzt.

21Wenn dann jemand zu euch sagt: ›Seht, hier ist der Messias13,21 Od Christus. Ebenso im nächsten Vers.!‹ oder: ›Seht, er ist dort!‹, so glaubt es nicht. 22Denn mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet wird auftreten und Zeichen und Wunder vollbringen, um, wenn möglich, die Auserwählten irrezuführen. 23Seht ihr euch darum vor! Ich habe euch alles vorausgesagt.«

Die Wiederkunft des Menschensohnes

Mt 24,29-31; Lk 21,25-28

24»Doch dann13,24 W Doch in jenen Tagen., nach jener Zeit der Not, ›wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen. 25Die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden aus dem Gleichgewicht geraten.‹13,25 Nach Jesaja 13,10; 34,4. 26Und dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken kommen sehen.13,26 Nach Daniel 7,13. 27Er wird die Engel aussenden und seine Auserwählten aus allen Himmelsrichtungen13,27 W von den vier Winden. zusammenbringen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.«

Der Vergleich mit dem Feigenbaum. Mahnung zur Wachsamkeit

Mt 24,32-35; Lk 21,29-33

28»Denkt zum Vergleich einmal an den Feigenbaum.13,28 W Lernt vom Feigenbaum folgenden Vergleich / folgendes Gleichnis. Wenn der Saft in die Zweige steigt und die Blätter sprießen, wisst ihr, dass es bald Sommer ist. 29Genauso ist es, wenn ihr seht, dass diese Dinge geschehen. Dann wisst ihr, dass ´das Kommen des Menschensohnes` nahe bevorsteht. 30Ich sage euch: Diese Generation13,30 Dieses Volk. wird nicht vergehen, bis das alles geschehen ist. 31Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

32Doch wann jener Tag und jene Stunde sein werden, weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn; nur der Vater weiß es. 33Seht euch also vor und seid wachsam13,33 AL(1) wachsam und betet.! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

34Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Bevor er sein Haus verlässt, überträgt er seinen Dienern die Verantwortung13,34 Od die nötigen Vollmachten. und teilt jedem seine Aufgabe zu. Dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein. 35Darum seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt: ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim ersten Hahnenschrei oder früh am Morgen. 36Seid wachsam, damit er euch, wenn er unvermutet kommt, nicht schlafend antrifft. 37Ich sage es euch und sage es allen: Seid wachsam!«

14

Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung (Kapitel 14 bis 16)

Pläne des Hohen Rates gegen Jesus

Mt 26,3-5; Lk 22,1-2

141Es waren nur noch zwei Tage bis zum Fest des Passa und der ungesäuerten Brote. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten überlegten, zu welcher List sie greifen könnten, um Jesus festzunehmen und dann umzubringen. 2»Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen«, sagten sie, »sonst gibt es einen Aufruhr im Volk.«

Die Salbung in Betanien

Mt 26,6-13; Joh 12,1-8

3Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast14,3 W in Betanien im Haus Simons, des (ehemals?) Aussätzigen.. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß14,3 Wohl ein Gefäß mit langem Hals, den man abbrechen musste, um es zu öffnen. und goss Jesus das Öl über den Kopf. 4Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. 5»Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.

6Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch14,7 W habt ihr nicht immer.. 8Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. 9Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«

Judas wird zum Verräter

Mt 26,14-16; Lk 22,4-6

10Danach ging Judas Iskariot, einer der Zwölf, zu den führenden Priestern und bot ihnen an, dafür zu sorgen, dass sie Jesus in ihre Gewalt bringen konnten14,10 W zu den führenden Priestern, um ihn an sie auszuliefern / zu verraten.. 11Die führenden Priester waren erfreut, als sie das hörten, und versprachen Judas dafür Geld. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, Jesus an sie zu verraten.

Vorbereitung des Passamahls

Mt 26,17-19; Lk 22,7-13

12Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote – an dem Tag, an dem man das Passalamm schlachtet – fragten die Jünger Jesus: »Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?« 13Er gab zwei von ihnen den Auftrag: »Geht in die Stadt! Dort werdet ihr einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt.14,13 Der Mann würde unschwer zu erkennen sein, weil es damals üblicherweise die Frauen waren, die Wasser holten. Folgt ihm, 14bis er in ein Haus hineingeht, und sagt dort zu dem Hausherrn: ›Der Meister lässt fragen: Wo ist der Raum für mich, in dem ich mit meinen Jüngern das Passamahl feiern kann?‹ 15Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das ´mit Sitzpolstern14,15 Od mit allem Nötigen.` ausgestattet und für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort das Passa für uns vor.« 16Die beiden Jünger machten sich auf den Weg. In der Stadt angekommen, fanden sie alles so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passamahl vor.

Der Verräter

Mt 26,20-25

17Als es Abend geworden war, kam Jesus mit den Zwölf. 18Während sie bei Tisch waren und aßen, erklärte er: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten – einer, der hier mit mir isst.« 19Die Jünger waren bestürzt, und einer nach dem anderen fragte ihn: »Doch nicht etwa ich?« – 20»Es ist einer von euch zwölf«, erwiderte er, »einer, der mit mir ´das Brot` in die Schüssel taucht. 21Der Menschensohn14,21 W Denn der Menschensohn. geht zwar den Weg, der ihm in der Schrift vorausgesagt ist; doch wehe dem Menschen, durch den er verraten wird! Für diesen Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden.«

Einsetzung des Abendmahls

Mt 26,26-30; Lk 22,17-20

22Im weiteren Verlauf des Essens nahm Jesus Brot14,22 Od das Brot., dankte Gott dafür14,22 Od sprach das Dankgebet., brach es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: »Nehmt, das ist mein Leib.« 23Dann nahm er einen14,23 Od den. Becher ´mit Wein`, sprach ein14,23 Od das. Dankgebet, gab ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. 24Er sagte zu ihnen: »Das ist mein Blut, das Blut des Bundes14,24 AL(2) des neuen Bundes. Vergleiche Lukas 22,20., das für viele vergossen wird. 25Ich sage euch: Ich werde nicht mehr vom Saft der Reben trinken bis zu dem Tag, an dem ich den neuen Wein14,25 W an dem ich ihn als einen neuen. trinken werde im Reich Gottes.«

26Nachdem sie dann ein14,26 Od das. Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Jesus kündigt an, dass Petrus ihn verleugnen wird

Mt 26,31-35; Lk 22,31-34; Joh 13,38

27Jesus sagte zu seinen Jüngern: »Ihr werdet euch alle von mir abwenden.14,27 Od Ihr werdet alle an mir irre werden. Entsprechend in Vers 29. Denn es heißt in der Schrift:

›Ich werde den Hirten töten,

und die Schafe werden sich zerstreuen.‹14,27 Nach Sacharja 13,7.

28Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.«

29Doch Petrus versicherte: »Auch wenn alle sich von dir abwenden – ich nicht!« 30Jesus erwiderte: »Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« 31Aber Petrus erklärte mit aller Entschiedenheit: »Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich niemals verleugnen!« Das Gleiche beteuerten auch alle anderen.

In Getsemane

Mt 26,36-46; Lk 22,39-46

32Jesus und seine Jünger kamen an eine Stelle ´am Ölberg`, die Getsemane heißt. Dort sagte er zu ihnen: »Setzt euch hier und wartet, bis ich gebetet habe!« 33Petrus, Jakobus und Johannes jedoch nahm er mit. Von Angst und Grauen gepackt, 34sagte er zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt.14,34 Od Ich bin tief betrübt und dem Tod nahe. W Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht!« 35Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden und bat Gott, die Leidensstunde, wenn es möglich wäre, an ihm vorübergehen zu lassen. 36»Abba14,36 Hebräisch-aramäisches Wort mit der Bedeutung (mein) Vater (Anrede des Vaters durch sein Kind)., Vater«, sagte er, »alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.«

37Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: »Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine einzige Stunde wach bleiben? 38Wacht und betet, damit14,38 Od betet darum, dass. ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur14,38 W aber das Fleisch. ist schwach.«

39Jesus ging wieder weg und betete noch einmal dasselbe. 40Als er zurückkam, waren sie wieder eingeschlafen; sie konnten die Augen vor Müdigkeit nicht offen halten und wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

41Als er das dritte Mal zurückkam, sagte er: »Wollt ihr noch länger schlafen und euch ausruhen?14,41 Od Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Od (ironisch) Schlaft nur weiter und ruht euch aus! Es ist so weit!14,41 Od Genug damit! Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder gegeben. 42Steht auf, lasst uns gehen! Der, der mich verrät, ist da.«

Die Gefangennahme Jesu

Mt 26,47-56; Lk 22,47-53; Joh 18,3.10-12

43Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den führenden Priestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. 44Der Verräter14,44 W Der, der ihn verriet/auslieferte. hatte mit seinen Begleitern ein Zeichen vereinbart: »Der, den ich mit einem Kuss begrüßen werde14,44 Übliche Form der ehrerbietigen Begrüßung eines Rabbis durch seine Schüler., der ist es. Den müsst ihr festnehmen und abführen; sorgt dafür, dass er nicht entkommen kann14,44 W festnehmen und sicher abführen.45´In Getsemane` angelangt, ging Judas sofort auf Jesus zu. »Rabbi!«, sagte er und gab ihm einen Kuss14,45 und küsste ihn (auffällig) lang.. 46Da packten die Männer Jesus und nahmen ihn fest.

47Doch einer von denen, die bei Jesus standen, zog sein Schwert, ging damit auf den Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab.

48Jesus aber sagte zu den Männern: »Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen, als wäre ich ein Verbrecher14,48 Od Aufrührer. W Räuber.. 49Dabei war ich doch Tag für Tag bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen. Aber was in der Schrift vorausgesagt ist, muss sich erfüllen.«

50Da ließen ihn alle im Stich und flohen. 51Ein junger Mann allerdings folgte Jesus; er trug nur einen leinenen Umhang auf dem bloßen Leib. Doch als man ihn festnehmen wollte, 52ließ er den Umhang fahren und rannte nackt davon.

Jesus vor dem Hohen Rat

Mt 26,57-68; Lk 22,54-55.63-71; Joh 18,12-14.19-24

53Jesus wurde zum Hohenpriester gebracht, wo auch alle führenden Priester und alle Ältesten und Schriftgelehrten zusammenkamen14,53 Od zusammengekommen waren.. 54Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte sich am Feuer.

55Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod zu verurteilen14,55 W gegen Jesus, um ihn töten zu lassen.; doch sie konnten nichts finden. 56Viele brachten zwar falsche Anschuldigungen gegen ihn vor, aber ihre Aussagen stimmten nicht überein. 57Einige falsche Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten: 58»Wir haben ihn sagen hören: ›Ich werde diesen Tempel, der von Menschenhand erbaut wurde, niederreißen und in drei Tagen einen anderen errichten, der nicht von Menschenhand erbaut ist.‹« 59Doch auch in diesem Fall stimmten die Aussagen der Zeugen nicht überein.

60Da erhob sich der Hohepriester, trat in die Mitte und fragte Jesus: »Hast du darauf nichts zu sagen? ´Wie stellst du dich zu dem14,60 Od Wie verhält es sich mit dem.,` was diese Leute gegen dich vorbringen?« 61Aber Jesus schwieg und gab keine Antwort. Der Hohepriester wandte sich noch einmal an ihn und fragte: »Bist du der Messias14,61 Od Christus., der Sohn des Hochgelobten?« – 62»Ich bin es«, erwiderte Jesus, »und ihr werdet den Menschensohn an der rechten Seite des Allmächtigen14,62 W der Macht. sitzen und auf14,62 W mit. den Wolken des Himmels kommen sehen14,62 Nach Daniel 7,13 und Psalm 110,1..14,62 Nach Daniel 7,13 und Psalm 110,1.«

63Da zerriss der Hohepriester ´vor Empörung` sein Gewand und rief: »Wozu brauchen wir noch Zeugen? 64Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung?« Alle erklärten, er sei schuldig und müsse sterben.

65Einige begannen, Jesus anzuspucken; sie verhüllten ihm das Gesicht, schlugen ihn mit Fäusten14,65 Od gaben ihm Ohrfeigen. und sagten: »Du bist doch ein Prophet! Sag uns, wer es war!«14,65 W »Prophezei!« Auch die Diener ´des Hohen Rates` schlugen ihn14,65 nahmen ihn daraufhin mit Schlägen in Empfang..

Petrus verleugnet Jesus

Mt 26,69-75; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27

66Während sich Petrus unten im Hof aufhielt, kam eine von den Dienerinnen des Hohenpriesters. 67Als sie Petrus bemerkte, der sich am Feuer wärmte, blickte sie ihn an und sagte: »Du warst doch auch mit diesem Jesus von Nazaret zusammen!« 68Aber Petrus stritt es ab. »Ich weiss nicht, wovon du redest; ich verstehe gar nicht, was du willst«, sagte er und ging hinaus in den Vorhof. Da krähte ein Hahn.14,68 AL(1) ohne Da krähte ein Hahn.

69Als die Dienerin ihn dort wieder sah, wandte sie sich zu denen, die in der Nähe standen, und sagte noch einmal: »Der da ist einer von ihnen!« 70Petrus stritt es wieder ab.

Doch es dauerte nicht lange, da fingen auch die Umstehenden an: »Natürlich gehörst du zu ihnen, du bist doch auch ein Galiläer!« 71Petrus begann, Verwünschungen auszustoßen, und schwor: »Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet!« 72In diesem Augenblick krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: »Bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er brach in Tränen aus.14,72 Die Deutung dieses Satzes ist umstritten. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: Und er brach zusammen und weinte. / Und er stürzte hinaus und weinte. / Und als er daran dachte, weinte er. / Und er verhüllte sich und weinte.