Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
25

Das Gleichnis von den klugen und den törichten Brautjungfern

251»Wenn der Menschensohn kommt, wird es25,1 W »Dann wird es. mit dem Himmelreich wie mit zehn Brautjungfern25,1 W Mädchen/Jungfrauen. Ebenso in den nächsten Versen. sein, die ihre Fackeln25,1 Od Lampen. nahmen und dem Bräutigam entgegengingen25,1 Od und hinausgingen, um den Bräutigam abzuholen.. 2Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. 4Die Klugen dagegen hatten außer ihren Fackeln auch Gefäße mit Öl dabei. 5Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein.

6Mitten in der Nacht25,6 Od Um Mitternacht. ertönte plötzlich der Ruf: ›Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!‹ 7Die Brautjungfern wachten alle auf und machten sich daran, ihre Fackeln in Ordnung zu bringen. 8Die Törichten sagten zu den Klugen: ›Gebt uns etwas von eurem Öl; unsere Fackeln gehen aus.‹ 9Aber die Klugen erwiderten: ›Das können wir nicht, es reicht sonst weder für uns noch für euch. Geht doch zu einem Kaufmann und holt25,9 W zu den Händlern und kauft. euch selbst, was ihr braucht!‹ 10Während die Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die fünf, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal. Dann wurde die Tür geschlossen. 11Später kamen auch die anderen Brautjungfern und riefen: ›Herr, Herr, mach uns auf!‹ 12Doch der Bräutigam antwortete: ›Ich kann euch nur das eine sagen: Ich kenne euch nicht!‹«

13»Seid also wachsam!«, ´schloss Jesus.` »Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde im Voraus.«

Das Gleichnis vom anvertrauten Geld

Lk 19,12-27

14»Es ist wie bei einem Mann, der vorhatte, in ein anderes Land zu reisen. Er rief seine Diener zu sich und vertraute ihnen sein Vermögen an. 15Einem gab er fünf Talente25,15 Ein sehr hoher Geldbetrag. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 18,24., einem anderen zwei und wieder einem anderen eines – jedem seinen Fähigkeiten entsprechend. Dann reiste er ab. 16Der Diener, der fünf Talente bekommen hatte, begann sofort, mit dem Geld zu arbeiten, und gewann fünf weitere dazu. 17Ebenso gewann der, der zwei Talente bekommen hatte, zwei weitere dazu. 18Der aber, der nur ein Talent bekommen hatte, grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

19Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und forderte seine Diener auf, mit ihm abzurechnen.

20´Zuerst` kam der, der fünf Talente erhalten hatte. Er brachte die anderen fünf Talente mit und sagte: ›Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; diese fünf hier habe ich dazugewonnen.‹ – 21›Sehr gut‹, erwiderte der Herr, ›du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!‹

22´Dann` kam der, der zwei Talente erhalten hatte. ›Herr‹, sagte er, ›zwei Talente hast du mir gegeben; hier sind die zwei, die ich dazugewonnen habe.‹ – 23›Sehr gut‹, erwiderte der Herr, ›du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!‹

24´Zuletzt` kam auch der, der ein Talent bekommen hatte. ›Herr‹, sagte er, ›ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast. 25Deshalb hatte ich Angst und vergrub dein Talent in der Erde. Hier hast du zurück, was dir gehört.‹ 26Da gab ihm sein Herr zur Antwort: ›Du böser und fauler Mensch25,26 W Diener.! Du hast also gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe. 27Da hättest du mein Geld doch wenigstens zur Bank bringen können; dann hätte ich es25,27 W hätte ich das Meine. bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückbekommen.‹

28›Nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 29Denn jedem, der hat, wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. 30Doch diesen unnützen Diener werft in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.‹«

Das Gericht über die Völker

31»Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und mit ihm alle Engel, dann wird er in königlichem Glanz auf seinem Thron25,31 W dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit. Platz nehmen. 32Alle Völker werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen25,32 W wird sie. Das griechische Wort macht deutlich, dass die einzelnen Menschen gemeint sind, nicht die Völker als Ganze. in zwei Gruppen teilen, so wie der Hirte die Schafe und die Ziegen voneinander trennt.25,32 In Palästina trennte der Hirte nachts die Schafe und die Ziegen voneinander, weil die Schafe die Kälte besser ertrugen. 33Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen und die Ziegen links.

34Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: ›Kommt her, ihr seid von meinem Vater gesegnet! Nehmt das Reich in Besitz25,34 W Erbt das Reich., das seit der Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist. 35Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen; 36ich hatte nichts anzuziehen25,36 W ich war nackt. Entsprechend in den Versen 38, 43 und 44., und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.‹

37Dann werden ihn die Gerechten fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? 38Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen und haben dich aufgenommen? Oder wann haben wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen hattest, und haben dir Kleidung gegeben? 39Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und haben dich besucht?‹

40Darauf wird der König ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen25,40 W für einen dieser meiner geringsten Brüder getan habt. –, das habt ihr für mich getan.‹

41Dann wird er zu denen auf der linken Seite sagen: ›Geht weg von mir, ihr seid verflucht! Geht in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist! 42Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; 43ich war ein Fremder, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und war im Gefängnis, und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹

44Dann werden auch sie fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder ohne Kleidung oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht geholfen?‹

45Darauf wird er ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr mir gegenüber versäumt.25,45 W Was immer ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.

46So werden sie an ´den Ort` der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber werden ins ewige Leben eingehen.«

26

Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung (Kapitel 26 bis 28)

Jesus kündigt zum letzten Mal sein Leiden und Sterben an

261Als Jesus alle diese Dinge gelehrt und seine Rede26,1 Od Als Jesus alle seine Reden. W Als Jesus alle diese Worte. beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern: 2»Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passafest beginnt. Dann wird der Menschensohn verraten26,2 Od ausgeliefert. und gekreuzigt werden.«

Pläne des Hohen Rates gegen Jesus

Mk 14,1-2; Lk 22,1-2

3Etwa um die gleiche Zeit26,3 Od Danach. versammelten sich die führenden Priester und die Ältesten des ´jüdischen` Volkes im Palast des Hohenpriesters Kajafas 4und berieten miteinander, zu welcher List sie greifen könnten, um Jesus festzunehmen und dann umzubringen. 5»Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen«, sagten sie, »sonst gibt es einen Aufruhr im Volk.«

Die Salbung in Betanien

Mk 14,3-9; Joh 12,1-8

6Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast26,6 W in Betanien im Haus Simons, des (ehemals?) Aussätzigen.. 7Während der Mahlzeit trat eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm und goss ihm das Öl über den Kopf. 8Die Jünger waren empört, als sie das sahen: »Was soll diese Verschwendung? 9Man hätte das Öl teuer verkaufen und das Geld den Armen geben können!«

10Jesus merkte, ´wie ärgerlich sie waren`. »Warum macht ihr es der Frau so schwer?«, sagte er zu ihnen. »Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 11Arme wird es immer bei euch geben. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch26,11 W habt ihr nicht immer.. 12Indem sie dieses Salböl über mich gegossen hat, hat sie meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt26,12 W über meinen Körper gegossen hat, hat sie im Hinblick auf mein Begräbnis gehandelt.. 13Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das26,13 W dieses. Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«

Judas wird zum Verräter

Mk 14,10-11; Lk 22,3-6

14Danach ging einer der Zwölf, Judas Iskariot, zu den führenden Priestern 15und sagte: »Was gebt ihr mir, wenn ich dafür sorge, dass ihr Jesus in eure Gewalt bringen könnt26,15 W wenn ich ihn an euch ausliefere/verrate??« Sie zahlten26,15 Od versprachen. ihm dreißig Silberstücke. 16Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, Jesus an sie zu verraten.

Vorbereitung des Passamahls

Mk 14,12-16; Lk 22,7-13

17Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote kamen die Jünger zu Jesus und fragten: »Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?« 18Er antwortete: »Geht in die Stadt zu folgendem Mann« – ´er nannte ihnen den Namen` – »und sagt zu ihm: ›Der Meister lässt dir ausrichten: Meine Stunde ist gekommen.26,18 W Meine Zeit ist nahe. Ich will mit meinen Jüngern bei dir das Passamahl feiern.‹« 19Die Jünger führten alles so aus, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Passamahl vor.

Ankündigung des Verrats

Mk 14,17-21; Lk 22,21-23

20Als es Abend geworden war, setzte sich Jesus mit den Zwölf zu Tisch. 21Während des Essens erklärte er: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.« 22Die Jünger waren zutiefst bestürzt, und einer nach dem anderen sagte zu ihm: »Ich bin es doch nicht etwa, Herr?« 23Jesus erwiderte: »Einer, der26,23 Od Der, der eben. mit mir das Brot26,23 W die Hand. in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. 24Der Menschensohn geht zwar den Weg, der ihm in der Schrift vorausgesagt ist; doch wehe dem Menschen, durch den er verraten wird! Für diesen Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden.« 25Da sagte Judas, der Verräter26,25 W der ihn verriet/auslieferte. Ebenso in Vers 48., zu ihm: »Ich bin es doch nicht etwa, Rabbi?« – »Du selbst hast es ausgesprochen«, erwiderte Jesus.

Einsetzung des Abendmahls

Mk 14,22-26; Lk 22,14-20

26Im weiteren Verlauf des Essens nahm Jesus Brot26,26 Od das Brot., dankte Gott dafür26,26 Od sprach das Dankgebet., brach es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: »Nehmt und esst, das ist mein Leib.« 27Dann nahm er einen26,27 Od den. Becher ´mit Wein`, sprach ein26,27 Od das. Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sagte: »Trinkt alle daraus! 28Das ist mein Blut, das Blut des Bundes26,28 AL(2) des neuen Bundes. Vergleiche Lukas 22,20., das für viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird. 29Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr vom Saft der Reben trinken bis zu dem Tag, an dem ich den neuen Wein26,29 W an dem ich ihn als einen neuen. im Reich meines Vaters mit euch trinken werde.«

30Nachdem sie dann ein26,30 Od das. Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Jesus kündigt an, dass Petrus ihn verleugnen wird

Mk 14,27-31; Lk 22,33-34

31Unterwegs sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Heute Nacht werdet ihr euch alle von mir abwenden26,31 Od werdet ihr alle an mir irre werden. Entsprechend in Vers 33.. Denn es heißt in der Schrift:

›Ich werde den Hirten töten,

und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.‹26,31 Nach Sacharja 13,7.

32Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.«

33Doch Petrus versicherte: »Und wenn alle sich von dir abwenden – ich niemals!« 34Jesus erwiderte: »Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« 35Da erklärte Petrus: »Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich niemals verleugnen!« Dasselbe beteuerten auch alle anderen Jünger.

In Getsemane

Mk 14,32-42; Lk 22,39-46

36Jesus kam nun mit seinen Jüngern an eine Stelle ´am Ölberg`, die Getsemane genannt wird. Dort sagte er zu ihnen: »Setzt euch hier ´und wartet`! Ich gehe noch ein Stück weiter26,36 W gehe dorthin., um zu beten.« 37Petrus jedoch und die beiden Söhne des Zebedäus nahm er mit. Traurigkeit und Angst wollten ihn überwältigen, 38und er sagte zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt.26,38 Od Ich bin tief betrübt und dem Tod nahe. W Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!« 39Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden, mit dem Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.«

40Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: »Ihr konntet also nicht einmal eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? 41Wacht und betet, damit26,41 Od betet darum, dass. ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur26,41 W aber das Fleisch. ist schwach.«

42Jesus ging ein zweites Mal weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss26,42 W wenn dieser nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke., dann soll dein Wille geschehen.« 43Als er zurückkam, waren sie wieder eingeschlafen; sie konnten die Augen vor Müdigkeit nicht offen halten.

44Er ließ sie schlafen, ging wieder weg und betete ein drittes Mal dasselbe Gebet. 45Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte: »Wollt ihr noch länger schlafen und euch ausruhen?26,45 Od Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Od (ironisch) Schlaft nur weiter und ruht euch aus! Seht, die Stunde ist da, in der der Menschensohn in die Hände der Sünder gegeben wird. 46Steht auf, lasst uns gehen! Der, der mich verrät, ist da.«

Die Gefangennahme Jesu

Mk 14,43-50; Lk 22,47-53; Joh 18,3-11

47Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den führenden Priestern und den Ältesten des ´jüdischen` Volkes geschickt worden. 48Der Verräter hatte mit seinen Begleitern ein Zeichen vereinbart: »Der, den ich mit einem Kuss begrüßen werde26,48 Übliche Form der ehrerbietigen Begrüßung eines Rabbis durch seine Schüler., der ist es. Den müsst ihr festnehmen.« 49Judas ging sofort auf Jesus zu. »Sei gegrüßt, Rabbi!«, sagte er und gab ihm einen Kuss26,49 und küsste ihn (auffällig) lang.. 50Jesus sagte zu ihm: »Mein Freund, tu, wozu du gekommen bist!26,50 Od Mein Freund, bist du dazu gekommen?« Und schon traten die Männer heran, packten Jesus und nahmen ihn fest.

51Da griff einer von Jesu Begleitern nach seinem Schwert, ging damit auf den Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab. 52Doch Jesus sagte zu ihm: »Steck dein Schwert zurück! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen. 53Oder glaubst du nicht, dass ich meinen Vater um Hilfe bitten könnte und dass er mir sofort mehr als zwölf Legionen26,53 Legion: eigentlich die größte römische Heereseinheit (etwa 6000 Mann); hier im übertragenen Sinn gebraucht. Engel zur Seite stellen würde? 54Wie würden sich dann aber die Voraussagen der Schrift erfüllen, nach denen es so geschehen muss?«

55Dann wandte sich Jesus zu der Schar der bewaffneten Männer und sagte26,55 W In jener Stunde sagte Jesus zu der Menge.: »Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen, als wäre ich ein Verbrecher26,55 Od Aufrührer. W Räuber.. Dabei saß ich doch Tag für Tag im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen. 56Aber das alles ist geschehen, damit sich erfüllt, was die Propheten in der Schrift vorausgesagt haben26,56 W damit sich die Schriften der Propheten erfüllen..« Da ließen ihn alle seine Jünger im Stich und flohen.

Jesus vor dem Hohen Rat

Mk 14,53-65; Lk 22,54.63-71; Joh 18,12-13.19-24

57Die, die Jesus festgenommen hatten, führten ihn zum Hohenpriester Kajafas, wo bereits die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren26,57 Od wo die … sich versammelten.. 58Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis zum hohepriesterlichen Palast. Er ging in den Innenhof und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde.

59Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer falschen Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod zu verurteilen26,59 W gegen Jesus, um ihn töten zu lassen.. 60Doch sie konnten nichts finden, obwohl viele falsche Zeugen gegen ihn aussagten. Schließlich traten zwei Männer vor 61und erklärten: »Dieser Mensch hat behauptet: ›Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen.‹« 62Der Hohepriester erhob sich und fragte Jesus: »Hast du darauf nichts zu sagen? Wie stellst du dich zu dem26,62 Od Wie verhält es sich mit dem., was diese Leute gegen dich vorbringen?« 63Aber Jesus schwieg. Da sagte der Hohepriester zu ihm: »Ich nehme dich vor dem lebendigen Gott unter Eid. Sag uns: Bist du der Messias26,63 Od Christus., der Sohn Gottes?« – 64»Du selbst hast es ausgesprochen«, erwiderte Jesus. »Und ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Menschensohn an der rechten Seite des Allmächtigen26,64 W der Macht. sitzen sehen, und ihr werdet sehen, wie er auf den Wolken des Himmels kommt.26,64 Nach Daniel 7,13 und Psalm 110,1.« 65Da zerriss der Hohepriester ´vor Empörung` sein Gewand und rief: »Das ist Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt ja selbst gehört, wie er Gott gelästert hat. 66Was ist eure Meinung?« – »Er muss sterben!«, antworteten sie.

67Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige gaben ihm Ohrfeigen26,67 Od ins Gesicht und gaben ihm Ohrfeigen. Einige schlugen ihn ´mit dem Stock`. 68und sagten: »Messias, du bist doch ein Prophet! Sag uns26,68 W »Prophezei uns, Messias/Christus.: Wer hat dich geschlagen?«

Petrus verleugnet Jesus

Mk 14,66-72; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27

69Petrus saß noch draußen im Hof, als eine Dienerin auf ihn zutrat und sagte: »Du warst doch auch mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen!« 70Aber Petrus stritt es vor allen Leuten ab. »Ich weiß nicht, wovon du redest«, sagte er.

71Als er danach zum Eingangstor ging, sah ihn eine andere Dienerin und sagte zu denen, die dort standen: »Der war auch mit diesem Jesus von Nazaret zusammen.« 72Wieder stritt Petrus es ab, ´diesmal sogar` mit einem Schwur: »Ich kenne den Menschen nicht!«

73Doch es dauerte nicht lange, da traten die Umstehenden auf ihn zu und sagten: »Natürlich bist du auch einer von ihnen; deine Sprache verrät dich.« 74Petrus begann, Verwünschungen auszustoßen, und schwor: »Ich kenne den Menschen nicht!«

In diesem Augenblick krähte ein Hahn. 75Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: »Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er ging hinaus und weinte in bitterer Verzweiflung26,75 W und weinte bitterlich..

27

Jesus wird Pilatus übergeben

Mk 15,1; Lk 23,1; Joh 18,28

271Bei Tagesanbruch fassten alle führenden Priester zusammen mit den Ältesten des ´jüdischen` Volkes den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen. 2Sie ließen ihn fesseln und abführen und übergaben ihn dem ´römischen` Gouverneur Pilatus.

Das Ende des Judas

3Als Judas sah, dass sein Verrat zur Verurteilung Jesu geführt hatte, bereute er seine Tat. Er brachte den führenden Priestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück 4und sagte: »Ich habe gesündigt, ich habe einen unschuldigen Menschen27,4 W ich habe unschuldiges Blut. verraten.« – »Was geht uns das an?«, erwiderten sie. »Das ist deine Sache!« 5Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Danach ging er weg und erhängte sich.

6Die führenden Priester nahmen die Silberstücke an sich und sagten: »Dieses Geld darf man nicht zum Tempelschatz legen, weil Blut daran klebt27,6 W weil es ein für Blut (d. h. für eine Bluttat) gezahlter Preis ist.7Sie berieten über die Sache und kauften dann von dem Geld den so genannten Töpferacker als Friedhof für die Fremden. 8Dieses Stück Land heißt daher bis heute »Blutacker«. 9Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia vorausgesagt worden war: »Sie nahmen die dreißig Silberstücke – den Preis, den die Israeliten für ihn festgesetzt hatten – 10und kauften davon den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.«27,10 Zitat nach Sacharja 11,12.13 mit inhaltlichen Parallelen zu Jeremia 19,1-13 und 32,6-15.

Jesus vor Pilatus

Mk 15,2-5; Lk 23,2-5; Joh 18,29-38a

11Als Jesus vor dem Gouverneur stand, fragte ihn dieser: »Bist du der König der Juden?« – »Du selbst sprichst es aus«, erwiderte Jesus. 12Die führenden Priester und die Ältesten brachten Beschuldigungen gegen ihn vor, aber er verteidigte sich mit keinem Wort. 13Da sagte Pilatus zu ihm: »Hörst du nicht, was sie alles gegen dich vorbringen?« 14Doch Jesus gab ihm keine Antwort; zum großen Erstaunen des Gouverneurs sagte er nicht ein einziges Wort27,14 Od sagte er zu keiner einzigen Beschuldigung etwas..

Die Verurteilung Jesu

Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,38–19,16

15Nun war es so, dass der Gouverneur zum Passafest einen Gefangenen freizulassen pflegte, den das Volk selbst bestimmen durfte. 16Damals war gerade ein berüchtigter ´Aufrührer` im Gefängnis; er hieß Jesus27,16 AL(1) ohne Jesus. Ebenso im nächsten Vers. Barabbas. 17Pilatus fragte deshalb das Volk, das sich versammelt hatte: »Wen soll ich euch freigeben: Jesus Barabbas oder den Jesus, von dem man sagt, er sei der Messias27,17 Od Christus. Ebenso in Vers 22.18Denn er wusste genau, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.

19Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ seine Frau ihm ausrichten: »Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig27,19 W von diesem Gerechten.! Ich habe seinetwegen heute Nacht im Traum viel Schweres durchgemacht.«

20Inzwischen hatten die führenden Priester und die Ältesten das Volk überredet, ´die Freilassung des` Barabbas und die Hinrichtung Jesu zu fordern. 21Als darum der Gouverneur noch einmal fragte: »Wen von den beiden soll ich euch freigeben?«, antwortete die Menge: »Barabbas!« – 22»Und was soll ich mit Jesus tun, von dem es heißt, er sei der Messias?«, wollte Pilatus wissen. »Ans Kreuz mit ihm!«, riefen sie alle. 23»Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?«, fragte Pilatus. Doch sie schrien nur noch lauter: »Ans Kreuz mit ihm!« 24Pilatus sah, dass er nichts erreichte. Im Gegenteil, der Tumult wurde immer schlimmer.27,24 Od Im Gegenteil, es drohte ein Aufruhr. Er ließ sich Wasser bringen, wusch sich vor den Augen der Menge die Hände und sagte: »Ich bin unschuldig am Tod27,24 W am Blut. dieses Mannes27,24 AL(2) dieses Gerechten.. Was jetzt geschieht, ist eure Sache.« 25Da rief das ganze Volk: »Die Schuld an seinem Tod soll uns und unseren Kindern angerechnet werden!27,25 W Sein Blut soll über uns und unsere Kinder kommen!« 26Daraufhin gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus hingegen ließ er auspeitschen und übergab ihn ´den Soldaten` zur Kreuzigung.

Die Verspottung Jesu

Mk 15,16-20; Joh 19,2-3

27Die Soldaten des Gouverneurs brachten Jesus ins Prätorium und versammelten die ganze Mannschaft um ihn. 28Sie zogen ihn aus und hängten ihm einen scharlachroten Mantel um, 29flochten aus Dornenzweigen eine Krone, setzten sie ihm auf den Kopf und drückten ihm einen Stock in die rechte Hand. Dann knieten sie vor ihm nieder, verspotteten ihn und riefen: »Es lebe der König27,29 W Sei gegrüßt / Heil dir, König. der Juden!« 30Sie spuckten ihn an, nahmen den Stock und schlugen ihm damit auf den Kopf. 31Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und legten ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Die Kreuzigung Jesu

Mk 15,21-32; Lk 23,26-43; Joh 19,17-27

32Als sie ´die Stadt` verließen, begegnete ihnen ein Mann, der Simon hieß und aus Zyrene stammte. Den zwangen die Soldaten, Jesus das Kreuz zu tragen. 33So kamen sie an eine Stelle, die Golgata genannt wird. (Golgata bedeutet »Schädelstätte«.) 34Dort gab man Jesus Wein mit einem Zusatz, der bitter wie Galle war27,34 W Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war. Eine Anspielung auf Psalm 69,22..27,34 Eine Anspielung auf Psalm 69,22. Aber als er gekostet hatte, wollte er nicht davon trinken.

35Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, warfen sie das Los um seine Kleider und verteilten sie unter sich.27,35 Psalm 22,19. 36Dann setzten sie sich beim Kreuz nieder und hielten Wache. 37Über dem Kopf Jesu hatten sie eine Aufschrift angebracht, die den Grund für seine Verurteilung angab: »Dies ist Jesus, der König der Juden.« 38Zusammen mit ihm wurden zwei Verbrecher27,38 Od Aufrührer. W Räuber. Ebenso in Vers 44. gekreuzigt, einer rechts und einer links von ihm.

39Die Leute, die vorübergingen, schüttelten den Kopf und riefen höhnisch: 40»Du wolltest doch den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Wenn du Gottes Sohn bist, dann hilf dir selbst27,40 Od rette dich selbst. Entsprechend in Vers 42. und steig herab vom Kreuz!« 41Ebenso machten sich die führenden Priester und die Schriftgelehrten und Ältesten über ihn lustig. 42»Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen«, spotteten sie. »Er ist ja der König von Israel! Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. 43Er hat auf Gott vertraut; der soll ihn jetzt befreien, wenn er Freude an ihm hat.27,43 Nach Psalm 22,9. Er hat ja gesagt: ›Ich bin Gottes Sohn.‹« 44Und genauso beschimpften ihn die Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren.

Der Tod Jesu

Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-30

45Um zwölf Uhr mittags brach über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte. 46Gegen drei Uhr27,46 W 45 Von der sechsten Stunde an war über dem ganzen Land eine Finsternis bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde aber. schrie Jesus laut: »Eli, Eli27,46 AL(1) Eloi, Eloi., lema sabachtani?« (Das bedeutet: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«27,46 Psalm 22,2.) 47Einige der Umstehenden sagten, als sie das hörten: »Er ruft Elia.« 48Sofort lief einer los und holte einen Schwamm, tauchte ihn in Weinessig, steckte ihn auf einen Stab und hielt ihn Jesus zum Trinken hin. 49»Wartet27,49 Od Lass das.«, riefen die anderen, »wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihn rettet!« 50Jesus aber schrie noch einmal laut auf; dann starb er.

51Im selben Augenblick riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei; die Erde begann zu beben, die Felsen spalteten sich, 52und die Gräber öffneten sich. Viele verstorbene Heilige27,52 W Die Körper vieler verstorbener Heiliger. wurden auferweckt. 53Sie kamen nach der Auferstehung Jesu aus ihren Gräbern, gingen27,53 Od wurden auferweckt 53 und kamen aus ihren Gräbern. Nach der Auferstehung Jesu gingen sie. in die Heilige Stadt und erschienen vielen Menschen.

54Der Hauptmann und die Soldaten, die mit ihm zusammen beim Kreuz Jesu Wache hielten, waren zutiefst erschrocken über das Erdbeben und die anderen Dinge, die sie miterlebt hatten, und sagten: »Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.«

55Es waren auch viele Frauen dort, die von weitem zusahen. Sie waren Jesus seit den Anfängen in Galiläa gefolgt und hatten ihm gedient. 56Unter ihnen befanden sich Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Josef27,56 AL(2) Joses. Vergleiche Markus 15,40., sowie die Mutter der Zebedäussöhne.

Das Begräbnis Jesu

Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42

57Als es Abend wurde, kam Josef, ein reicher Mann, der aus Arimatäa stammte und ein Jünger Jesu war. 58Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus ordnete an, der Tote solle Josef überlassen werden. 59Da nahm Josef den Leichnam, wickelte ihn in ein reines Leinentuch 60und legte ihn in das noch unbenutzte Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Bevor er fortging, wälzte er einen großen Stein vor den Eingang des Grabes. 61Maria aus Magdala und die andere Maria waren dabei; sie hatten sich dem Grab gegenüber hingesetzt.

Die Bewachung des Grabes

62Am nächsten Tag gingen die führenden Priester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus; es war der Tag nach dem Rüsttag27,62 Rüsttag: ein anderer Name für den Freitag (an dem man sich für den Sabbat vorbereitete). Demnach spielte sich das in den Versen 62 bis 66 Berichtete am Sabbat ab.. 63»Herr«, sagten sie, »uns ist eingefallen, dass dieser Betrüger27,63 Od Verführer., als er noch lebte, behauptet hat: ›Nach drei Tagen27,63 D. h. nach der bei uns üblichen Zählung Nach zwei Tagen. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 16,21. werde ich auferstehen.‹ 64Befiehl deshalb bitte, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht27,64 W gesichert. wird! Sonst könnten seine Jünger kommen und den Leichnam stehlen und dann dem Volk gegenüber behaupten, er sei von den Toten auferstanden. Dieser zweite Betrug27,64 Od Diese zweite Verführung. wäre noch schlimmer als der erste.« – 65»Ihr sollt eure Wache haben27,65 Od Ihr habt doch selbst eine Wache.«, antwortete Pilatus. »Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt27,65 wie ihr es für nötig haltet.66Da gingen sie zum Grab, versiegelten den Stein am Eingang und sicherten es, indem sie die Wache aufstellten27,66 zum Grab und sicherten es, indem sie gemeinsam mit der Wache den Stein am Eingang versiegelten..