Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
18

Das Gleichnis von der Witwe und vom Richter

181Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: 2»In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie kam immer wieder zu dem Richter und bat ihn: ›Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem Gegner zu meinem Recht!‹ 4Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ›Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir gleichgültig; 5aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung18,5 Od in Verruf. Od Sonst kommt sie am Ende noch und kratzt mir die Augen aus..‹«

6Der Herr fuhr fort: »Habt ihr darauf geachtet, was dieser Richter sagt, dem es überhaupt nicht um Gerechtigkeit geht?18,6 W »Hört, was dieser ungerechte Richter sagt! 7Sollte da Gott nicht erst recht dafür sorgen, dass seine Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, zu ihrem Recht kommen? Und wird er sie etwa warten lassen?18,7 Od kommen, selbst wenn er sie zunächst noch warten lässt? Od kommen – er, der ihretwegen so viel Geduld an den Tag legt? 8Ich sage euch: Er wird dafür sorgen, dass sie schnell zu ihrem Recht kommen. Aber wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde solch einen Glauben finden18,8 Od auf der Erde überhaupt Glauben finden.

Der Pharisäer und der Zolleinnehmer

9Jesus wandte sich nun an einige, die in ´falschem` Selbstvertrauen meinten, ´in Gottes Augen` gerecht zu sein, und die deshalb für die anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgendes Beispiel18,9 9 Jesus erzählte nun im Hinblick auf einige, die … übrig hatten, folgendes Beispiel (W Gleichnis).: 10»Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer. 11Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete18,11 Od stellte sich für sich allein hin und betete. Od/AL(1) stellte sich hin und betete leise bei sich selbst / und betete, auf sich selbst bezogen.: ›Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen – ich bin kein Räuber, kein Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort. 12Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften18,12 Od von allem, was ich kaufe..‹ 13Der Zolleinnehmer dagegen blieb in weitem Abstand stehen und wagte nicht einmal, aufzublicken18,13 W und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben.. Er schlug sich an die Brust und sagte: ›Gott, vergib mir sündigem Menschen meine Schuld!‹

14Ich sage euch: Der Zolleinnehmer war ´in Gottes Augen` gerechtfertigt, als er nach Hause ging, der Pharisäer jedoch nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.«

Jesus segnet die Kinder

Mt 19,13-15; Mk 10,13-16

15Es wurden auch kleine Kinder zu Jesus gebracht; er sollte sie segnen18,15 W anrühren.. Aber die Jünger sahen das nicht gern und wiesen18,15 W Aber als die Jünger das sahen, wiesen sie. sie barsch ab. 16Doch Jesus rief die Kinder zu sich und sagte: »Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn gerade für solche wie sie ist das Reich Gottes. 17Ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nicht hineinkommen.«

Die Frage eines Reichen nach dem ewigen Leben

Mt 19,16-26; Mk 10,17-27

18Ein angesehener Mann18,18 Od Einer von den führenden Männern ´des jüdischen Volkes` (vielleicht ein Synagogenvorsteher oder ein Mitglied des Hohen Rates). fragte Jesus: »Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen18,18 W zu erben.?« – 19»Warum nennst du mich gut?«, entgegnete Jesus. »Gut ist nur Gott, sonst niemand.18,19 Gut ist nur der eine Gott. 20Du kennst doch die Gebote: ›Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst keinen Mord begehen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falschen Aussagen machen, ehre deinen Vater und deine Mutter!‹18,20 2. Mose 20,12-16; 5. Mose 5,16-20.« 21Der Mann erwiderte: »Alle diese Gebote habe ich von meiner Jugend an befolgt.« 22Da sagte Jesus zu ihm: »Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile den Erlös an die Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und dann komm und folge mir nach!« 23Der Mann wurde sehr traurig, als er das hörte, denn er hatte ein großes Vermögen.

24Als Jesus ihn so traurig sah, sagte er18,24 AL(1) Jesus sah ihn an und sagte.: »Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! 25Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.« 26Da fragten die Zuhörer: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« 27Jesus antwortete: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.«

Der Lohn der Nachfolge

Mt 19,27-30; Mk 10,28-31

28Da sagte Petrus: »Du weißt, wir haben zurückgelassen, was wir besaßen, und sind dir nachgefolgt.« 29Jesus erwiderte, zu allen Jüngern gewandt: »Ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Geschwister, Eltern oder Kinder zurücklässt, 30bekommt jetzt, in dieser Zeit, alles vielfach wieder und in der kommenden Welt das ewige Leben.«

Jesus kündigt zum dritten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung an

Mt 20,17-19; Mk 10,32-34

31Jesus nahm die Zwölf beiseite und sagte zu ihnen: »Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf. Dort wird sich alles erfüllen, was bei den Propheten über den Menschensohn steht18,31 W was durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben ist.. 32Er wird den Heiden übergeben werden, ´die Gott nicht kennen`; er wird verspottet, misshandelt18,32 Od entehrt. und angespuckt werden; 33man wird ihn auspeitschen und schließlich töten. Doch drei Tage danach18,33 W Doch am dritten Tag. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 9,22. wird er auferstehen.« 34Die Jünger begriffen von all dem nichts. Der Sinn dieser Worte war ihnen verborgen; sie verstanden nicht, was damit gemeint war.

Heilung eines Blinden bei Jericho

Mt 20,29-34; Mk 10,46-52

35Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß dort ein Blinder am Straßenrand und bettelte. 36Er hörte, wie eine große Menschenmenge vorüberzog, und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. 37»Jesus von Nazaret kommt vorbei«, erklärte man ihm. 38Da rief er: »Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« 39Die Leute, die vor Jesus hergingen, fuhren ihn an, er solle still sein. Doch er schrie nur umso lauter: »Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« 40Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich holen. Als der Blinde vor ihm stand, fragte ihn Jesus: 41»Was möchtest du von mir?« – »Herr«, antwortete er, »ich möchte sehen18,41 Od wieder sehen. Ebenso in den nächsten beiden Versen. können!« 42Da sagte Jesus zu ihm: »Du sollst sehen können! Dein Glaube hat dich gerettet18,42 Od geheilt.43Im selben Augenblick konnte der Mann sehen. Er folgte Jesus nach und lobte und pries Gott. Und auch die ganze Volksmenge, die seine Heilung miterlebt hatte, gab Gott die Ehre18,43 W rühmte Gott..

19

Ein reicher Zolleinnehmer begegnet Jesus

191Jesus kam nach Jericho; sein Weg führte ihn mitten durch die Stadt. 2Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann, 3wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht, weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten. 4Da lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum; Jesus musste dort vorbeikommen, und Zachäus hoffte, ihn dann sehen zu können. 5Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.« 6So schnell er konnte, stieg Zachäus vom Baum herab, und er nahm Jesus voller Freude bei sich auf.

7Die Leute waren alle empört, als sie das sahen. »Wie kann er sich nur von solch einem Sünder einladen lassen!«, sagten sie. 8Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: »Herr, die Hälfte meines Besitzes will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand etwas erpresst habe19,8 Od wenn ich jemand betrogen habe., gebe ich ihm das Vierfache zurück.« 9Da sagte Jesus zu19,9 Od im Hinblick auf. Zachäus: »Der heutige Tag hat diesem Haus Rettung gebracht. Denn«, fügte er hinzu, »dieser Mann ist doch auch ein Sohn Abrahams. 10Und19,10 W Denn. der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.«

Das Gleichnis vom anvertrauten Geld

Mt 25,14-30

11Jesus fuhr mit einem Gleichnis fort. Weil er so nahe vor Jerusalem war, meinten seine Zuhörer19,11 W meinten die, die das (das in den Versen 9 und 10 Gesagte) gehört hatten. nämlich, der Anbruch19,11 W das Erscheinen. des Reiches Gottes stehe unmittelbar bevor.

12Er sagte: »Ein Mann aus vornehmer Familie reiste in ein fernes Land, um sich dort zum König über sein eigenes Land einsetzen zu lassen und dann zurückzukehren. 13Vor der Abreise rief er zehn seiner Diener zu sich und gab ihnen Geld, jedem ein Pfund19,13 W und gab ihnen zehn Pfund. Die Geldeinheit von einem Pfund entsprach etwa hundert Denaren (vergleiche die Anmerkung zu Matthäus 18,24).. ›Arbeitet damit, bis ich wiederkomme!‹, sagte er.

14Doch die Bürger des Landes hassten ihn. Sie schickten eine Abordnung hinter ihm her und ließen erklären: ›Wir wollen nicht, dass dieser Mann König über uns wird.‹

15Trotzdem wurde er zum König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener rufen, denen er das Geld anvertraut hatte; er wollte erfahren, welchen Gewinn sie damit erzielt hatten.

16Der erste erschien vor ihm und sagte: ›Herr, dein Pfund hat zehn weitere eingebracht.‹ – 17›Sehr gut‹, erwiderte der Herr, ›du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im Kleinsten treu gewesen bist, sollst du Verwalter von zehn Städten werden.‹

18Der zweite kam und sagte: ›Herr, dein Pfund hat fünf weitere eingebracht.‹ 19Auch ihn ´lobte` der Herr. ›Du sollst über fünf Städte bestimmen‹, sagte er.

20Doch der nächste, der kam, erklärte: ›Herr, hier hast du dein Pfund zurück. Ich habe es in einem Tuch aufbewahrt. 21Ich hatte nämlich Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist. Du forderst Gewinn, wo du nichts angelegt hast19,21 Od Du nimmst, was dir nicht gehört. Entsprechend im nächsten Vers., und erntest, wo du nicht gesät hast.‹ 22Sein Herr entgegnete ihm: ›Mit deinen eigenen Worten sprichst du dir das Urteil, du böser Mensch!19,22 W Aus deinem Mund werde ich dich richten, böser Diener! Du hast also gewusst, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich Gewinn fordere, wo ich nichts angelegt habe, und ernte, wo ich nicht gesät habe. 23Warum hast du mein Geld da nicht ´wenigstens` auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückfordern können.‹ 24Und er wandte sich zu den Umstehenden und sagte: ›Nehmt ihm das Pfund weg und gebt es dem, der die zehn Pfund hat!‹ – 25›Aber Herr‹, wandten sie ein, ›er hat doch schon zehn!‹ – 26›Ich sage euch‹, erwiderte er, ›jedem, der hat, wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.

27Und nun zu meinen Feinden, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche: Holt sie her und bringt sie vor meinen Augen um!‹«

Der Einzug in Jerusalem

Mt 21,1-11; Mk 11,1-11

28Nachdem Jesus dieses Gleichnis erzählt hatte, setzte er seine Reise hinauf nach Jerusalem fort19,28 Od zog er an der Spitze seiner Jünger nach Jerusalem hinauf.. 29Als er nicht mehr weit von Betfage und Betanien am Ölberg war, schickte er zwei seiner Jünger voraus. 30Er gab ihnen folgende Anweisung: »Geht in das Dorf, das ihr vor euch seht. Beim Ortseingang werdet ihr einen Esel finden, der angebunden ist, ein junges Tier19,30 W werdet ihr ein Fohlen angebunden finden., auf dem noch nie ein Mensch geritten ist. Bindet es los und führt es her. 31Und sollte euch jemand fragen, warum ihr es losbindet, dann antwortet: ›Der Herr braucht es.‹«

32Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie Jesus es ihnen beschrieben hatte. 33Als sie das Tier losbanden, fragten die Leute, denen es gehörte: »Warum bindet ihr es los?« – 34»Der Herr braucht es«, antworteten sie. 35Sie brachten den Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel über das Tier und ließen Jesus aufsteigen. 36Während er nun so seinen Weg fortsetzte, breiteten die Leute19,36 Od die Jünger. W sie. ihre Mäntel auf der Straße aus.

37Als er das Wegstück erreichte, das vom Ölberg zur Stadt hinunterführt, brach die ganze Schar der Jünger in Freudenrufe aus; mit lauter Stimme priesen sie Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.

38»›Gesegnet sei er, der König,

der im Namen des Herrn kommt!‹19,38 Psalm 118,26.«

riefen sie.

»Frieden bei dem, der im Himmel ist,

Ehre dem, der droben in der Höhe wohnt!19,38 W Frieden im Himmel und Ehre/Herrlichkeit in der Höhe!«

39Einige Pharisäer aus der Menge erhoben Einspruch. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!« 40Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!«

Jesus weint über Jerusalem

41Als Jesus sich nun der Stadt näherte und sie vor sich liegen sah, weinte er über sie 42und sagte: »Wenn doch auch du am heutigen Tag erkannt hättest19,42 Od erkennen würdest., was dir Frieden bringen würde! Nun aber ist es dir verborgen, du siehst es nicht. 43Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen. 44Sie werden dich zerstören und deine Kinder19,44 Od deine Einwohner., die in dir wohnen, zerschmettern und werden in der ganzen Stadt19,44 W in dir. keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit, in der Gott dir begegnete,19,44 W die Zeit von ´Gottes` Eingreifen bei dir. nicht erkannt hast.«

Jesus im Tempel

Mt 21,12-17; Mk 11,15-19

45Jesus ging in den Tempel und fing an, alle hinauszuweisen, die dort Handel trieben. 46Er sagte zu ihnen: »Es heißt in der Schrift: ›Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein.‹19,46 Jesaja 56,7. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!«

47Tag für Tag lehrte Jesus im Tempel. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten jedoch sowie die anderen führenden Männer des Volkes suchten nach einer Möglichkeit, ihn zu beseitigen. 48Aber sie wussten nicht, wie sie es anfangen sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und ließ sich keines seiner Worte entgehen19,48 W hing an ihm und hörte / hing daran, ihn zu hören..

20

Die Frage nach der Vollmacht Jesu

Mt 21,23-27; Mk 11,27-33

201Eines Tages, als Jesus im Tempel lehrte und dem Volk die Botschaft ´vom Reich Gottes` verkündete, erschienen die führenden Priester und die Schriftgelehrten in Begleitung der Ältesten. 2»Sag uns«, forderten sie ihn auf, »woher nimmst du dir das Recht, das alles zu tun?20,2 W »in welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Wer ist es, der dir die Vollmacht dazu gegeben hat?«

3»Ich will euch eine Gegenfrage stellen«, erwiderte Jesus. »Sagt mir: 4Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?« 5Sie überlegten miteinander hin und her: »Wenn wir antworten: ›Vom Himmel‹, wird er sagen: ›Warum habt ihr Johannes dann nicht geglaubt?‹ 6Antworten wir aber: ›Von Menschen‹, dann wird uns das ganze Volk steinigen; denn alle sind überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.« 7Schließlich erklärten sie, sie wüssten nicht, woher die Taufe des Johannes stamme. 8Da erwiderte Jesus: »Dann sage ich euch auch nicht, woher ich die Vollmacht habe, so zu handeln.«

Das Gleichnis von den Weinbergpächtern

Mt 21,33-46; Mk 12,1-12

9Daraufhin erzählte Jesus dem Volk ein Gleichnis. Er sagte: »Ein Mann legte einen Weinberg an; er verpachtete ihn20,9 W verpachtete ihn an Weinbauern. und verreiste dann für längere Zeit. 10Zur gegebenen Zeit schickte er einen Diener zu den Pächtern, um sich von ihnen seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs geben zu lassen. Doch die Pächter verprügelten den Diener und jagten ihn mit leeren Händen davon. 11Da schickte der Mann einen anderen Diener, aber dem ging es nicht besser: Sie verprügelten ihn, trieben ihren Spott mit ihm und jagten auch ihn mit leeren Händen fort. 12Er schickte noch einen dritten. Auch den wiesen sie ab; sie schlugen ihn blutig und warfen ihn zum Weinberg hinaus.

13›Was soll ich tun?‹, fragte sich der Besitzer des Weinbergs. ›Ich werde meinen Sohn schicken, ihn, den ich so sehr liebe. Vor ihm werden sie Achtung haben.‹ 14Als die Pächter den Sohn kommen sahen, überlegten sie, was sie tun sollten. ›Das ist der Erbe‹, sagten sie zueinander. ›Wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns!‹ 15Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Was wird nun der Besitzer des Weinbergs mit diesen Pächtern machen? 16Er wird kommen und sie umbringen, und den Weinberg wird er anderen anvertrauen.«

Die Zuhörer waren entsetzt. »Nur das nicht!«, sagten sie. 17Jesus sah sie an und sagte dann: »Was bedeutet denn jene Schriftstelle:

›Der Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten,

ist zum Eckstein geworden‹20,17 Psalm 118,22.?

18Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert, und der, auf den der Stein fällt, wird von ihm zermalmt.«

19Daraufhin hätten die Schriftgelehrten und die führenden Priester Jesus am liebsten auf der Stelle festgenommen, denn es war ihnen klar, dass sie mit diesem Gleichnis gemeint waren. Aber ´sie wagten es nicht, weil` sie vor dem Volk Angst hatten.

Die Frage nach der Berechtigung der kaiserlichen Steuer

Mt 22,15-22; Mk 12,13-17

20Da sie jedoch entschlossen waren, Jesus nicht mehr aus den Augen zu lassen, beauftragten sie einige Männer damit, ihn zu beobachten.20,20 W 20 Sie beobachteten ihn (od Sie warteten auf eine andere Gelegenheit) und schickten Spitzel. Diese sollten sich den Anschein geben, als meinten sie es ehrlich20,20 Od als ginge es ihnen nur um das, was recht ist., und sollten ihm eine Äußerung entlocken, die es ermöglichen würde, ihn dem Gouverneur zu übergeben und ihn verurteilen zu lassen20,20 W sollten ihn bei einem Wort ertappen, sodass sie ihn der Macht und der Gewalt des Gouverneurs übergeben könnten.. 21Sie legten ihm deshalb eine Frage vor. »Meister«, sagten sie, »wir wissen, dass das, was du sagst und lehrst, richtig ist20,21 dass du aufrichtig redest und lehrst.. Du lässt dich von keinem Menschen beeinflussen, wie angesehen er auch sein mag. Wenn du lehrst, wie man nach Gottes Willen leben soll, lässt du dich allein von der Wahrheit leiten.20,21 W Vielmehr lehrst du den Weg Gottes der Wahrheit entsprechend. 22Ist es nun richtig20,22 W erlaubt., wenn wir dem Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?«

23Aber Jesus durchschaute die List. 24»Zeigt mir eine Silbermünze20,24 W einen Denar. Siehe die Sacherklärungen.!«, sagte er zu ihnen. »Wessen Bild und Name ist hier aufgeprägt?20,24 W Wessen Bild und Aufschrift hat er?« Sie antworteten: »´Das Bild und der Name` des Kaisers.« 25Da sagte Jesus zu ihnen: »Nun, dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott, was Gott gehört!«

26Es war ihnen also nicht gelungen, Jesus vor dem Volk zu einer ´verfänglichen` Aussage zu verleiten. Im Gegenteil, seine Antwort hatte sie so verblüfft, dass sie nichts mehr zu sagen wussten20,26 W dass sie schwiegen..

Die Frage nach der Auferstehung der Toten

Mt 22,23-33; Mk 12,18-27

27Auch aus den Reihen der Sadduzäer, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, kamen einige zu Jesus und legten ihm eine Frage vor. 28»Meister«, sagten sie, »Mose hat uns folgende Vorschrift gegeben20,28 W hat uns geschrieben.: ›Wenn ein verheirateter Mann kinderlos stirbt, soll sein Bruder die Witwe heiraten und dem Verstorbenen Nachkommen verschaffen.‹20,28 5. Mose 25,5. 29Nun waren da sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb jedoch kinderlos. 30Daraufhin heiratete der zweite Bruder die Witwe, ´aber auch er starb kinderlos`. 31Nach ihm heiratete sie der dritte, und so ging es weiter; alle sieben starben, ohne Kinder zu hinterlassen. 32Zuletzt starb auch die Frau. 33Wie ist es nun mit der Frau bei der Auferstehung? Wem von ihnen gehört sie dann? Alle sieben waren schließlich mit ihr verheiratet gewesen.«

34Jesus antwortete: »In der jetzigen Welt heiraten die Menschen20,34 W »Die Söhne/Kinder dieser Welt heiraten. und werden verheiratet. 35Aber diejenigen, die für würdig erachtet werden, von den Toten aufzuerstehen und an der kommenden Welt teilzuhaben, heiraten dann nicht mehr20,35 W heiraten dann nicht und werden auch nicht verheiratet.. 36Sie können dann ja auch nicht mehr sterben, sondern sind den Engeln gleich; als Menschen20,36 W Söhne/Kinder. der Auferstehung sind sie Söhne20,36 Od Kinder. Gottes.

37Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose deutlich gemacht. In der Geschichte vom Dornbusch nennt er den Herrn ›den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs‹20,37 2. Mose 3,6.. 38Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; für ihn sind alle lebendig20,38 Od denn alle leben für (durch) ihn.

39Einige der Schriftgelehrten sagten darauf: »Meister, das war eine gute Antwort.« 40Aber niemand wagte mehr20,40 Denn ´von den Sadduzäern` wagte niemand mehr., ihm eine Frage zu stellen.

Der Messias – Davids Sohn oder Davids Herr?

Mt 22,41-46; Mk 12,35-37a

41Nun fragte Jesus sie: »Wie kommt es eigentlich, dass man sagt, der Messias20,41 Od Christus. Ebenso in Vers 44. sei der Sohn Davids? 42David selbst sagt doch im Buch der Psalmen:

›Der Herr sprach zu meinem Herrn:

Setze dich an meine rechte Seite,

43bis ich deine Feinde zum Schemel für deine Füße gemacht habe.‹20,43 Psalm 110,1.

44Der Messias wird also von David ›Herr‹ genannt. Wie kann er dann Davids Sohn sein?«

Warnung vor den Schriftgelehrten

Mt 23,6-7; Mk 12,37-40

45Das ganze Volk hörte zu, als Jesus daraufhin zu seinen Jüngern sagte: 46»Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen mit Vorliebe in langen Gewändern einher und haben es gern, wenn man sie auf der Straße20,46 W auf den Marktplätzen. ehrfurchtsvoll grüßt. In den Synagogen nehmen sie die vordersten Sitze für sich in Anspruch und bei Festessen die Ehrenplätze. 47Sie verschlingen den Besitz20,47 W die Häuser. der Witwen und sprechen zum Schein lange Gebete. Darum erwartet sie ein besonders hartes Urteil.«