Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
10

Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger

Mt 10,5-15; 11,20-24; 10,40

101Danach bestimmte der Herr zweiundsiebzig10,1 AL(1) siebzig. Ebenso in Vers 17. andere Jünger und schickte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, die er später selbst aufsuchen wollte. 2Er sagte zu ihnen: »Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig Arbeiter da. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt. 3Geht nun! Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 4Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Sandalen10,4 kein zweites Paar Sandalen.. Haltet euch unterwegs nicht mit langen Begrüßungen auf.10,4 W Grüßt niemand unterwegs.

5Wenn ihr ein Haus betretet, sagt als Erstes: ›Friede sei mit diesem Haus!‹ 6Wenn dort jemand bereit ist, den Frieden zu empfangen, den ihr bringt, wird der Frieden auf ihm bleiben10,6 W Wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Frieden auf ihm ruhen.; wenn aber nicht, wird der Frieden zu euch zurückkehren. 7Bleibt in dem Haus, in dem man euch aufnimmt. Esst und trinkt, was man euch dort gibt; denn wer arbeitet, hat Anrecht auf seinen Lohn. Geht nicht von Haus zu Haus, um eine andere Unterkunft zu suchen.

8Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, dann esst, was man euch anbietet. 9Heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet den Bewohnern der Stadt: ›Das Reich Gottes ist zu euch gekommen10,9 W ist nahe zu euch gekommen..‹ 10Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und man euch nicht aufnimmt, dann geht durch ihre Straßen und ruft: 11›Selbst den Staub, der sich in eurer Stadt an unsere Füße geheftet hat, wischen wir ab, damit ihr gewarnt seid10,11 W wischen wir gegen euch ab.. Aber das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist gekommen10,11 Od ist nahe. ist euch nahe gewesen. W ist/war nahe gekommen..‹ 12Ich sage euch: Sodom wird es am Tag des Gerichts10,12 W an jenem Tag. noch erträglich gehen im Vergleich zu solch einer Stadt.

13Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – die Menschen dort hätten sich längst in Sacktuch ´gehüllt`10,13 Od längst auf Matten aus Sacktuch. und in Asche gesetzt und wären ´zu Gott` umgekehrt. 14Tyrus und Sidon – so viel steht fest – wird es im Gericht noch erträglich gehen im Vergleich zu euch. 15Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst zum Himmel emporgehoben werden? Ins Totenreich10,15 AL(2) Kafarnaum, wenn du auch zum Himmel emporgehoben worden bist – ins Totenreich. musst du hinunter10,15 AL(1) wirst du hinuntergestürzt werden.!

16Wer auf euch hört, hört auf mich, und wer euch ablehnt, lehnt mich ab. Wer aber mich ablehnt, lehnt den ab, der mich gesandt hat.«

Die Freude der Jünger und die Freude Jesu

Mt 11,25-27; 13,16-17

17Die zweiundsiebzig Jünger kehrten voller Freude zurück. »Herr«, sagten sie, »sogar die Dämonen müssen uns gehorchen, wenn wir uns auf deinen Namen berufen!« 18Da sagte Jesus zu ihnen: »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. 19Es ist wahr10,19 W Seht., ich habe euch Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden, und nichts wird euch10,19 Od und er wird euch nicht im Geringsten / in keiner Hinsicht. schaden können. 20Doch nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass euch die Geister gehorchen. Freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.«

21Nun10,21 W In derselben Stunde. begann Jesus, im Heiligen Geist vor Freude zu jubeln; er rief: »Ich preise dich, Vater, du Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich.10,21 Od Ja, Vater, das hast du getan, weil du es so gewollt hast. W Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 22Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater; und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn – und die, denen der Sohn es offenbaren will.«

23Dann wandte sich Jesus wieder zu den Jüngern, nahm sie beiseite und sagte10,23 Od zu den Jüngern – er war ja mit ihnen allein – und sagte.: »Glücklich zu preisen sind die10,23 W sind die Augen., die das sehen, was ihr seht! 24Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige hätten gern gesehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie hätten gern gehört, was ihr hört, und haben es nicht gehört.«

Das Liebesgebot und das Beispiel des barmherzigen Samaritaners

Mt 22,34-40; Mk 12,28-34

25Ein Gesetzeslehrer wollte10,25 W stand auf und wollte. Jesus auf die Probe stellen. »Meister«, fragte er, »was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen10,25 W zu erben.26Jesus entgegnete: »Was steht im Gesetz? Was liest du dort?« 27Er antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe10,27 W Seele., mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!‹10,27 5. Mose 6,5. Und: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!‹10,27 3. Mose 19,18.« – 28»Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Tu das, und du wirst leben.«

29Der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen10,29 W sich rechtfertigen.; deshalb fragte er: »Und wer ist mein Mitmensch?«

30Daraufhin erzählte Jesus folgende Geschichte: »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinunter. Unterwegs wurde er von Wegelagerern überfallen. Sie plünderten ihn bis aufs Hemd aus10,30 W Sie zogen ihn aus., schlugen ihn zusammen und ließen ihn halbtot liegen; dann machten sie sich davon. 31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab. Er sah den Mann liegen, machte einen Bogen um ihn und ging weiter. 32Genauso verhielt sich ein Levit, der dort vorbeikam und den Mann liegen sah; auch er machte einen Bogen um ihn und ging weiter. 33Schließlich kam ein Reisender aus Samarien dort vorbei. Als er den Mann sah, hatte er Mitleid mit ihm. 34Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und versorgte ihn mit allem Nötigen. 35Am nächsten Morgen nahm er zwei Denare aus seinem Beutel und gab sie dem Wirt. ›Sorge für ihn!‹, sagte er. ›Und sollte das Geld nicht ausreichen, werde ich dir den Rest bezahlen, wenn ich auf der Rückreise hier vorbeikomme.‹«

36»Was meinst du?«, fragte Jesus den Gesetzeslehrer. »Wer von den dreien hat an dem, der den Wegelagerern in die Hände fiel, als Mitmensch gehandelt?« 37Er antwortete: »Der, der Erbarmen mit ihm hatte und ihm geholfen hat.« Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh und mach es ebenso!«

Maria und Martha

38Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. 39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm10,39 W seinem Wort. zu. 40Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen.10,40 W Martha hingegen war völlig in Anspruch genommen von dem vielen Dienst. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit10,40 W den Dienst. allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!« – 41»Martha, Martha«, erwiderte der Herr, »du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, 42aber notwendig ist nur eines10,42 AL(2) aber notwendig ist nur wenig – eigentlich nur eines.. Maria hat das Bessere10,42 Od das Beste. W das gute Teil. gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.«

11

Jesus lehrt seine Jünger beten

Mt 6,9-13

111Jesus hatte unterwegs Halt gemacht und gebetet. Darauf11,1 W 1 Er war an einem Ort am Beten, und als er damit aufhörte. bat ihn einer seiner Jünger: »Herr, lehre uns beten; auch Johannes hat seine Jünger beten gelehrt.« 2Jesus sagte zu ihnen: »Wenn ihr betet, dann sprecht:

Vater,

dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

3Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen11,3 W jeden Tag unser tägliches Brot (od jeden Tag unser Brot für den kommenden Tag; jeden Tag das nötige Brot)..

4Und vergib uns unsere Sünden;

auch11,4 W denn auch. wir vergeben jedem, der an uns schuldig geworden ist.

Und lass uns nicht in Versuchung geraten.«

Wer bittet, empfängt

Mt 7,7-11

5Weiter sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Angenommen, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht sucht er ihn auf und sagt zu ihm: ›Bitte11,5 W Freund. leih mir doch drei Brote! 6Ein Freund von mir hat auf der Reise bei mir Halt gemacht, und ich habe nichts, was ich ihm anbieten könnte.‹ 7Und angenommen, der, den er um Brot bittet, ruft dann von drinnen: ›Lass mich in Ruhe! Die Tür ist schon abgeschlossen, und meine Kinder und ich sind längst im Bett11,7 W meine Kinder sind mit mir im Bett. Die ganze Familie schlief auf einer großen Matte in einem Raum.. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.‹ 8Ich sage euch: Er wird es schließlich doch tun – wenn nicht deshalb, weil der andere mit ihm befreundet ist, dann doch bestimmt, weil er ihm keine Ruhe lässt11,8 weil er Angst hat, sein Gesicht zu verlieren. W wegen seiner Unverschämtheit/Hartnäckigkeit / Angst vor Schande.. Er wird aufstehen und ihm alles geben, was er braucht.

9Darum sage ich euch: Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. 10Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.

11Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind11,11 W Sohn. eine Schlange geben würde11,11 AL(2) der seinem Kind einen Stein geben würde, wenn es ihn um Brot bittet, oder eine Schlange. Vergleiche Matthäus 7,9., wenn es ihn um einen Fisch bittet? 12Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet? 13Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel11,13 Od der Vater, der vom Himmel her ´gibt/wirkt`. AL(1) der Vater vom Himmel her. denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.«

Jesus und Beelzebul

Mt 9,32-34; 12,22-30; Mk 3,22-27

14Einmal trieb Jesus einen stummen11,14 stumm machenden. Dämon ´aus einem Besessenen` aus. Sowie der Dämon ausgefahren war, konnte der Mann, der bis dahin stumm gewesen war, reden. Die Menge staunte; 15doch einige waren darunter, die sagten: »Er treibt die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul11,15 Ein anderer Name für den Satan. aus, dem Obersten der Dämonen.« 16Andere wollten Jesus auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

17Jesus, der ihre Überlegungen kannte, sagte zu ihnen: »Jedes Reich, das mit sich selbst im Streit liegt, geht zugrunde; in einem solchen Reich fällt eine Familie über die andere her11,17 Od geht zugrunde, und eine Familie, die mit sich selbst im Streit liegt, geht unter. Od geht zugrunde, und ein Haus ums andere sinkt in Trümmer. W geht zugrunde, und Haus fällt auf Haus.. 18Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann bestehen? Und11,18 W Denn. ihr behauptet, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe! 19Wenn ich die Dämonen tatsächlich mit Hilfe von Beelzebul austreibe, mit wessen Hilfe treiben dann eure eigenen Leute11,19 W Söhne. sie aus? Sie selbst sind es daher, die über euch das Urteil sprechen werden. 20Wenn ich die Dämonen nun aber durch Gottes Finger austreibe, dann ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.

21Solange ein starker Mann in voller Bewaffnung sein Haus11,21 Od seinen Palast. W seinen Hof. bewacht, ist sein Besitz in Sicherheit. 22Doch wenn ein Stärkerer ihn angreift und ihn besiegt, nimmt er ihm alle seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute.

23Wer nicht auf meiner Seite steht11,23 W Wer nicht mit mir ist., ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.«

Über die Rückkehr böser Geister

Mt 12,43-45

24»Wenn ein böser11,24 W unreiner. Geist einen Menschen verlassen hat, zieht er durch öde Gegenden11,24 W durch wasserlose Orte. und sucht einen Ruheplatz, findet aber keinen. Dann11,24 Od einen Ruheplatz. Findet er aber keinen, dann. sagt er sich: ›Ich will wieder in mein Haus gehen, das ich verlassen habe.‹ 25Er kehrt zurück und findet das Haus sauber und aufgeräumt. 26Daraufhin11,26 Od 25 Findet er nun bei seiner Rückkehr das Haus sauber und aufgeräumt vor, 26 dann. geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst, und sie ziehen in das Haus ein und wohnen dort. Damit steht es am Ende schlimmer um diesen Menschen als am Anfang.«

Wer wirklich glücklich zu preisen ist

27Während Jesus über diese Dinge sprach, unterbrach ihn plötzlich eine Frau aus der Menge11,27 W erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme. und rief ihm zu: »Glücklich zu preisen ist die Frau, die dich zur Welt bringen und die dich stillen durfte11,27 W ist der Leib, der dich getragen, und die Brüste, an denen du gesaugt hast.!« – 28»Ja«, erwiderte Jesus, »glücklich zu preisen sind die, die Gottes Wort hören und es befolgen.«

Das Zeichen des Propheten Jona

Mt 12,38-42

29Die Menge, die sich um Jesus drängte, wurde immer größer. Da sagte er: »Diese Generation ist böse! Sie verlangt ein Zeichen. Aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden, nur das des ´Propheten` Jona. 30Denn wie Jona für die Leute von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für die heutige Generation sein.

31Im Gericht wird die Königin aus dem Süden gegen die Menschen der heutigen Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören – und hier ist einer, der mehr ist als11,31 W hier ist mehr als. Ebenso im nächsten Vers. Salomo! 32Im Gericht werden auch die Leute11,32 Od die Männer. von Ninive gegen die heutige Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf Jonas Predigt hin umgekehrt – und hier ist einer, der mehr ist als Jona!«

Licht und Finsternis. Das Gleichnis vom Auge

Mt 5,15; 6,22-23; Mk 4,21

33»Niemand zündet eine Lampe an und versteckt sie dann in einem Winkel oder stellt sie unter ein Gefäß11,33 AL(1) ohne oder stellt sie unter ein Gefäß.. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, damit jeder, der hereinkommt, Licht hat und sehen kann11,33 W der hereinkommt, das Licht sieht..

34Das Auge gibt deinem Körper Licht. Ist dein Auge gut11,34 W 34 Dein Auge ist die Lampe des Körpers. Ist dein Auge ungetrübt., dann ist dein ganzer Körper11,34 Od deine ganze Person. Entsprechend in der nächsten Vershälfte und in Vers 36. im Licht. Ist es jedoch schlecht, dann ist dein Körper im Finstern. 35Achte deshalb darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist. 36Wenn nun dein ganzer Körper im Licht steht und nichts mehr an ihm finster ist, dann ist es, wie wenn dich eine Lampe mit ihrem hellen Schein anstrahlt; alles steht im Licht.«

Jesus geht mit den Pharisäern und den Gesetzeslehrern ins Gericht

Mt 23,13-36; Mk 7,1-13

37Kaum hatte Jesus aufgehört zu reden11,37 Während Jesus noch sprach., lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Jesus ging zu ihm ins Haus und nahm am Tisch Platz, 38ohne zuerst die vorgeschriebene Waschung zu verrichten. Als der Pharisäer das sah, war er entrüstet.

39Da sagte der Herr zu ihm: »So seid ihr Pharisäer! Ihr reinigt das Äußere eurer Becher und Schüsseln11,39 Od Teller., aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit. 40Ihr Toren! Hat der, der das Äußere schuf, nicht auch das Innere geschaffen? 41Gebt doch, was in euren Bechern und Schüsseln ist11,41 W was darin ist., den Armen, und ihr werdet sehen: Alles ist dann für euch rein!

42Aber wehe euch Pharisäern! Ihr gebt den zehnten Teil von ´Kräutern wie` Minze und Raute und von sämtlichen Gemüsesorten und lasst dabei ´die Forderungen` der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes außer Acht. Diese solltet ihr erfüllen und das andere nicht unterlassen.

43Wehe euch Pharisäern! In den Synagogen nehmt ihr die vordersten Sitze für euch in Anspruch, und ihr liebt es, wenn man euch auf der Straße11,43 W auf den Marktplätzen. ehrfurchtsvoll grüßt.

44Wehe euch! Ihr seid wie Gräber, die unkenntlich geworden sind; die Leute gehen darüber ´und verunreinigen sich`, ohne es zu merken.«

45Einer der Gesetzeslehrer unterbrach11,45 W antwortete. Jesus und rief: »Meister, mit dem, was du sagst, greifst du auch uns an!«

46Darauf sagte Jesus: »Ja, wehe auch euch Gesetzeslehrern! Ihr bürdet den Menschen Lasten auf, die man kaum tragen kann, aber ihr selbst rührt diese Lasten mit keinem Finger an.

47Wehe euch! Ihr errichtet Grabmäler für die Propheten, die doch von euren Vorfahren umgebracht wurden. 48Damit gebt ihr nicht nur zu11,48 W Damit seid ihr nicht nur Zeugen., dass eure Vorfahren das getan haben; ihr heißt es sogar gut. Sie haben die Propheten umgebracht, und ihr errichtet die Grabmäler. 49Das ist auch der Grund, weshalb die Weisheit Gottes gesagt hat: ›Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen schicken; einige von ihnen werden sie umbringen, und andere werden sie verfolgen.‹11,49 Od einige von ihnen werden sie verfolgen und umbringen.‹ Nach anderer Auffassung endet das Zitat erst mit Vers 51a (… umkam.‹). 50Darum wird diese Generation11,50 Od Denn diese Generation soll. zur Rechenschaft gezogen werden für den Tod aller Propheten, die seit der Erschaffung der Welt umgebracht wurden, 51angefangen bei Abel bis hin zu Sacharja11,51 W 50 … für das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen wurde, 51 vom Blut Abels bis zum Blut Sacharjas. – Zu Abel siehe 1. Mose 4,1-11 und vergleiche Hebräer 11,4; 12,24; 1. Johannes 3,12. Zu Sacharja siehe wahrscheinlich 2. Chronik 24,20-22., der zwischen dem Altar und dem Haus ´Gottes` umkam. Ja, ich sage euch: Diese Generation wird dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

52Wehe euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Selbst seid ihr nicht eingetreten, und die, die eintreten wollten, habt ihr daran gehindert.«

53Als Jesus jenes Haus wieder verließ, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, mit immer neuen Fragen auf ihn einzudringen; sie ließen nichts unversucht, um ihn in die Enge zu treiben, 54und lauerten darauf, ihn bei einer ´verfänglichen` Äußerung zu ertappen.

12

Warnung vor Heuchelei. Aufforderung, sich ohne Furcht zu Jesus zu bekennen

Mt 10,26-33; 12,32

121Inzwischen waren die Menschen zu Tausenden herbeigeströmt; das Gedränge war so groß, dass sie sich gegenseitig auf die Füße traten. Jesus wandte sich zunächst an seine Jünger; er sagte: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer – vor der Heuchelei! 2Nichts, was verborgen ist, bleibt verborgen; alles wird ans Licht kommen. Und nichts, was geheim ist, bleibt geheim; alles wird bekannt gemacht werden. 3Darum: Was ihr im Dunkeln sagt, wird am hellen Tag zu hören sein, und was ihr jemand hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, wird in aller Öffentlichkeit12,3 W auf den Dächern. verkündet werden.

4Meine Freunde, ich sage euch: Fürchtet euch nicht vor denen, die euch das irdische Leben nehmen können12,4 W die den Leib töten.; sie können euch darüber hinaus nichts anhaben. 5Ich will euch sagen12,5 W zeigen., wen ihr fürchten müsst: Fürchtet den, der nicht nur töten kann, sondern auch die Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch: Ihn müsst ihr fürchten! 6Denkt doch einmal an die Spatzen! Fünf Spatzen kosten nicht mehr als zwei Groschen, und doch vergisst Gott keinen einzigen von ihnen. 7Und bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Seid darum ohne Furcht! Ihr seid mehr wert als eine noch so große Menge Spatzen.

8Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. 9Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

10Wer etwas gegen den Menschensohn sagt, dem kann vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden.

11Wenn man euch in den Synagogen vor Gericht stellt12,11 W euch vor ´die Gerichte` der Synagogen führt. oder euch vor die Behörden und die Machthaber führt, dann macht euch keine Sorgen, wie12,11 W wie oder womit. ihr euch verteidigen und was ihr sagen sollt. 12Denn wenn es soweit ist, wird euch der Heilige Geist zeigen12,12 W Denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren., was ihr sagen müsst.«

Warnung vor Habgier

13Einer aus der Menge bat Jesus: »Meister, sag doch meinem Bruder, er soll das ´väterliche` Erbe mit mir teilen!« 14Jesus entgegnete ihm: »Lieber Mann, wer hat mich denn zum Richter über euch eingesetzt oder zum Vermittler ´in euren Erbangelegenheiten`?« 15Dann wandte er sich an alle und sagte: »Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor aller Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Wohlstand ab12,15 Od hängt nicht von dem ab, was er besitzt, auch wenn er noch so reich ist.

Das Gleichnis vom törichten reichen Bauern

16Jesus erzählte den Leuten dazu ein Gleichnis: »Die Felder eines reichen Mannes hatten einen guten Ertrag gebracht. 17Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich tun? Ich weiß ja gar nicht, wohin mit meiner Ernte.‹ 18Schließlich sagte er: ›Ich weiß, was ich mache! Ich reiße meine Scheunen ab und baue größere. Dort kann ich mein ganzes Getreide und alle meine Vorräte unterbringen. 19Und dann werde ich zu mir selbst sagen: Du hast es geschafft! Du12,19 W werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, du. hast einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Gönne dir jetzt Ruhe, iss und trink und genieße das Leben!‹ 20Da sagte Gott zu ihm: ›Du törichter Mensch! Noch in dieser Nacht wird dein Leben12,20 Od deine Seele. von dir zurückgefordert werden. Wem wird dann das gehören, was du dir angehäuft hast?‹« 21´Jesus schloss, indem er sagte:` »So geht es dem, der nur auf seinen Gewinn aus ist und der nicht reich ist in Gott12,21 W der für sich selbst Reichtümer sammelt und nicht reich ist im Hinblick auf Gott.

Gottes Reich und irdische Sorgen

Mt 6,25-34.19-21

22Dann wandte sich Jesus wieder an seine Jünger und fuhr fort: »Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um die Nahrung, die ihr zum Leben, und um die Kleidung, die ihr für euren Körper braucht. 23Denn das Leben ist wichtiger als die Nahrung, und der Körper ist wichtiger als die Kleidung. 24Seht euch die Raben an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben weder Vorratskammern noch Scheunen, und Gott ernährt sie doch. Und ihr seid doch viel mehr wert als die Vögel! 25Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine Stunde verlängern12,25 W seiner Lebenszeit (Körpergröße) eine Elle hinzufügen.? 26Wenn ihr also nicht einmal so etwas Geringfügiges fertigbringt, warum macht ihr euch dann Sorgen um all das Übrige?

27Und seht euch die Lilien an! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne zu spinnen ´und zu weben`.12,27 AL(1) die Lilien an, wie sie weder spinnen noch weben. Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen. 28Wenn Gott die Blumen auf dem Feld, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden12,28 W Wenn Gott das Gras auf dem Feld, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird., so herrlich kleidet, wie viel mehr wird er sich dann um euch kümmern, ihr Kleingläubigen! 29Lasst euch nicht von der Sorge um Essen und Trinken umtreiben und in Unruhe versetzen! 30Denn um diese Dinge geht es den Heiden, den Menschen dieser Welt. Euer Vater aber weiß, dass ihr das alles braucht. 31Es soll euch vielmehr um sein Reich gehen, dann wird euch das Übrige dazugegeben.

32Du brauchst dich nicht zu fürchten, kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch sein Reich zu geben.

33Verkauft euren Besitz und gebt das Geld den Armen! Schafft euch Geldbeutel an, die nicht löchrig werden12,33 W nicht veralten. und legt euch einen unerschöpflichen Reichtum im Himmel an, wo kein Dieb ihn findet12,33 W wo kein Dieb sich nähert. und keine Motten ihn fressen. 34Denn wo euer Reichtum ist, da wird auch euer Herz sein.«

Auf das Kommen des Herrn warten

35»Haltet euch bereit12,35 W Eure Hüften sollen umgürtet sein. Ein bildlicher Ausdruck in Anlehnung daran, dass man das knöchellange Gewand mit Hilfe eines Gürtels hochraffte, um ungehindert umhergehen und arbeiten zu können. und sorgt dafür, dass eure Lampen brennen! 36Seid wie Diener12,36 W Menschen., deren Herr auf einem Fest12,36 Od auf einer Hochzeit. ist und die auf seine Rückkehr warten, damit sie ihm sofort aufmachen können, wenn er kommt und an die Tür klopft. 37Glücklich zu preisen sind die Diener, die der Herr wach und bereit findet, wenn er kommt. Ich sage euch: Er wird sich ´einen Schurz` umbinden12,37 Umbinden: im Griechischen dasselbe Wort wie umgürten (siehe die Anmerkung zu Vers 35). und sie zu Tisch bitten, und er selbst wird sie bedienen. 38Vielleicht kommt er spät in der Nacht oder sogar erst gegen Morgen12,38 W kommt er in der zweiten oder in der dritten Nachtwache.. Wenn er sie dann bereit findet – wie glücklich sind sie da zu preisen!«

Der Vergleich mit dem wachsamen Hausherrn

Mt 24,43-44

39»Ihr könnt gewiss sein: Ein Hausherr, der wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, würde12,39 AL(2) würde wach bleiben und. Vergleiche Matthäus 24,43. nicht zulassen, dass in sein Haus eingebrochen wird. 40So sollt auch ihr ständig bereit sein; denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, an dem ihr nicht damit rechnet.«

Der Vergleich mit dem treuen und dem bösen Diener

Mt 24,45-51

41Petrus fragte: »Herr, meinst du mit diesem Vergleich nur uns oder auch alle anderen?« 42Darauf sagte der Herr Folgendes: »Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Verwalter? Angenommen, ein Herr überträgt einem seiner Diener die Verantwortung, der ganzen Dienerschaft zur gegebenen Zeit das Essen zuzuteilen. 43Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der Arbeit findet – wie glücklich ist da der Diener zu preisen! 44Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen. 45Wenn jener Diener sich aber sagt: ›Mein Herr kommt noch lange nicht!‹ und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, während er selbst schwelgt und prasst und sich volltrinkt, 46dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet12,46 W den er nicht kennt.. Er wird den Diener in Stücke hauen lassen und ihm dasselbe Los bereiten wie den Ungläubigen12,46 W und ihm seinen Teil/Platz bei den Ungläubigen (od Treulosen) zuweisen.

Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert

47»Der Diener, der den Willen seines Herrn kennt und sich nicht ´auf sein Kommen` vorbereitet12,47 Od und sich nicht darum kümmert. und nicht tut, was sein Herr will, wird hart bestraft werden. 48Wer hingegen den Willen seines Herrn nicht kennt und etwas tut, was Strafe verdient, wird weniger hart bestraft werden.12,48 W 47 … wird viele Schläge erhalten. 48 Wer hingegen … etwas tut, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erhalten. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert, und wem viel anvertraut wurde, von dem wird umso mehr verlangt.«

Entzweiung um Jesu willen

Mt 10,34-36

49»Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden; ich wünschte, es würde schon brennen! 50Aber vor mir steht eine Taufe, mit der ich noch getauft werden muss, und wie schwer ist mir das Herz, bis sie vollzogen ist! 51Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Entzweiung. 52Von jetzt an wird es so sein: Wenn fünf Menschen unter einem Dach leben, werden12,52 Od wird es so sein: Von fünf Familienmitgliedern werden. sich drei gegen zwei stellen und zwei gegen drei. 53Der Vater wird sich gegen den Sohn stellen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.«

Das Richtige tun, ehe es zu spät ist

Mt 16,1-3; 5,25-26

54Jesus wandte sich an die Volksmenge und sagte: »Wenn im Westen eine Wolke aufsteigt, sagt ihr sofort: ›Es gibt Regen.‹ Und so kommt es dann auch. 55Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: ›Es wird heiß.‹ Und auch das trifft ein. 56Ihr Heuchler! Ihr beobachtet die Erde und den Himmel und könnt so das Wetter beurteilen.12,56 W Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr beurteilen. Wieso könnt ihr dann nicht die gegenwärtige Zeit beurteilen?

57Warum macht ihr euch nicht selbst klar, was ´vor Gott` richtig ist? 58Wenn du jemand eine Schuld zu bezahlen hast und er mit dir vor Gericht geht12,58 W 58 Denn wenn du mit deinem Prozessgegner auf dem Weg zur Behörde bist., dann gib dir alle Mühe, dich noch unterwegs mit ihm zu einigen; sonst schleppt er dich vor den Richter, und der Richter übergibt dich dem Vollzugsbeamten, und der Vollzugsbeamte wirft dich ins Gefängnis. 59Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bevor du alles bis auf den letzten Heller bezahlt hast.«