Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
9

Die Aussendung der zwölf Jünger

Mt 10,1.5-14; Mk 6,6-13

91Jesus rief die zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben9,1 W Vollmacht über alle Dämonen. und die Kranken zu heilen. 2Er sandte sie aus mit dem Auftrag, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und die Kranken gesund zu machen. 3»Nehmt nichts mit auf den Weg«, sagte er zu ihnen, »keinen Wanderstab, keine Vorratstasche, kein Brot und kein Geld; auch soll keiner zwei Hemden bei sich haben. 4Wenn jemand euch in seinem Haus aufnimmt9,4 W Wenn ihr in ein Haus hineingeht., dann bleibt bei ihm, bis ihr die Ortschaft wieder verlasst. 5Wenn euch aber in einer Stadt die Leute nicht aufnehmen, dann verlasst den Ort und schüttelt den Staub von euren Füßen als Hinweis auf das Gericht, das sie erwartet9,5 W von euren Füßen zu einem Zeugnis gegen sie.

6Die Jünger machten sich auf den Weg und zogen von Dorf zu Dorf. Überall verkündeten sie die Botschaft ´vom Reich Gottes` und heilten die Kranken.

Herodes hört von Jesus

Mt 14,1-2; Mk 6,14-16

7Der Tetrarch Herodes9,7 Siehe die Anmerkung zu Kapitel 3,1. erfuhr von all diesen Dingen. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Denn die einen sagten, Johannes sei von den Toten auferstanden, 8andere waren der Ansicht, Elia sei auf die Erde zurückgekommen9,8 W sei erschienen., und wieder andere meinten, einer der alten Propheten sei auferstanden. 9»Johannes habe ich doch selbst enthaupten lassen«, überlegte Herodes. »Wer ist dann dieser Mann, von dem man mir solche Dinge erzählt?« Darum wollte er Jesus unbedingt sehen.

Jesus gibt einer großen Menschenmenge zu essen

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Joh 6,1-13

10Als die Apostel zu Jesus zurückkamen, berichteten sie ihm alles, was sie getan hatten. Danach nahm Jesus sie mit sich und zog sich ´in die Nähe` der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein. 11Aber die Leute merkten es9,11 Od erkannten sie. Od erfuhren davon. und folgten ihm in großen Scharen. Jesus wies sie nicht ab, sondern9,11 W Jesus empfing sie freundlich und. sprach zu ihnen über das Reich Gottes; und alle, die Heilung nötig hatten, machte er gesund.

12Als es auf den Abend zuging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: »Schick die Leute fort, dann können sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen und dort übernachten und etwas zu essen bekommen. Hier sind wir ja an einem einsamen Ort.« 13Jesus erwiderte: »Gebt doch ihr ihnen zu essen!« – »Wir haben fünf Brote und zwei Fische, mehr nicht«, entgegneten sie. »Oder sollen wir uns etwa auf den Weg machen und für alle diese Leute Essen kaufen?« 14(Es waren etwa fünftausend Männer dabei.)

Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Sorgt dafür, dass sich die Leute in Gruppen von je etwa fünfzig lagern.« 15Die Jünger taten, was Jesus ihnen gesagt hatte. Als alle sich gesetzt hatten, 16nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und dankte Gott dafür. Dann zerteilte er die Brote und die Fische und ließ sie durch die Jünger an die Menge verteilen. 17Und alle aßen und wurden satt. Am Schluss wurde aufgesammelt, was sie9,17 W was sie an Stücken. übrig gelassen hatten – zwölf Körbe voll.

Das Bekenntnis des Petrus. Jesus kündigt zum ersten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung an

Mt 16,13-20; Mk 8,27-30

18Als Jesus sich einmal zum Gebet zurückgezogen hatte und nur seine Jünger bei ihm waren, fragte er sie: »Für wen halten mich die Leute?« – 19»Die einen halten dich für Johannes den Täufer«, antworteten sie, »andere halten dich für Elia, und wieder andere sagen, einer der alten Propheten sei auferstanden.« – 20»Und ihr«, fragte er, »für wen haltet ihr mich?« Petrus antwortete: »Für den von Gott gesandten Messias.9,20 W Für den Messias/Christus Gottes.«

21Doch Jesus schärfte ihnen mit allem Nachdruck ein, niemand etwas davon zu sagen. 22»´Denn` der Menschensohn wird vieles erleiden müssen«, sagte er, »und wird von den Ältesten, den führenden Priestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden und drei Tage danach9,22 Bei dieser »inklusiven« Zählweise wird der Tag, an dem Jesus stirbt, mitgerechnet. Nach der bei uns üblichen Zählung handelt es sich um den zweiten Tag danach. Ebenso in Kapitel 18,33; 24,7.46. auferstehen.«

Anforderungen der Nachfolge

Mt 16,24-28; Mk 8,34–9,1

23Nun wandte sich Jesus an alle und sagte: »Wenn jemand mein Jünger sein9,23 W Wenn jemand hinter mir hergehen. will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen9,23 Od verleugnen und sein Kreuz täglich auf sich nehmen; dann wird er mein Nachfolger sein.. 24Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 25Was9,25 W Denn was. nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er dabei sich selbst ins Verderben stürzt9,25 ins Verderben stürzen: im Griechischen dasselbe Wort wie verlieren (Vers 24). oder unheilbar Schaden nimmt9,25 Od oder zerstört.? 26Denn wer nicht zu mir und meinen Worten steht, zu dem wird auch der Menschensohn nicht stehen, wenn er in seiner Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters und der heiligen Engel kommt. 27Glaubt mir9,27 W Ich sage euch in Wahrheit.: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben9,27 W werden den Tod nicht schmecken., bis sie das Reich Gottes gesehen haben.«

Drei Jünger werden Zeugen der Herrlichkeit Jesu

Mt 17,1-8; Mk 9,2-9

28Etwa acht Tage, nachdem Jesus das gesagt hatte, nahm er Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. 29Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichts, und seine Kleider wurden strahlend weiß. 30-31Auf einmal erschienen zwei Männer in himmlischem Glanz9,30-31 W in Herrlichkeit. und redeten mit Jesus; es waren Mose und Elia. Sie sprachen mit ihm über das Ende, das ihm in Jerusalem bevorstand, und wie sich damit sein Auftrag erfüllen würde9,30-31 W über seinen Lebensausgang, der sich bald in Jerusalem erfüllen würde..

32Der Schlaf hatte Petrus und seine Gefährten überwältigt. Als sie aufwachten, sahen sie9,32 Od 32 Petrus und seine Gefährten wurden vom Schlaf fast überwältigt; doch sie hielten sich wach und sahen. Jesus in seinem himmlischen Glanz9,32 W sahen sie seine Herrlichkeit. und die beiden Männer, die bei ihm standen. 33Als diese im Begriff waren, von ihm wegzugehen, sagte Petrus zu Jesus: »Meister, wie gut ist es, dass wir hier sind! Wir wollen drei Hütten bauen9,33 Od drei Zelte aufschlagen., eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.« Doch Petrus wusste selbst nicht, was er da sagte.

34Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Als die Wolke sie ganz einhüllte, fürchteten sich die Jünger. 35Und aus der Wolke sprach eine Stimme: »Dies ist mein Sohn, mein Auserwählter; auf ihn sollt ihr hören!« 36Als die Stimme aufgehört hatte zu reden, war nur noch Jesus da.

Die Jünger schwiegen über das, was sie erlebt9,36 W gesehen. hatten; sie erzählten in jener Zeit niemand etwas davon.

Heilung eines besessenen Jungen

Mt 17,14-18; Mk 9,14-27

37Als Jesus mit den drei Jüngern am nächsten Tag den Berg hinunterstieg, kam ihm eine große Menschenmenge entgegen. 38Ein Mann aus der Menge rief: »Meister, ich flehe dich an, hilf meinem Sohn; er ist mein einziges Kind! 39Immer wieder wird er von einem ´bösen` Geist gepackt. Dann schreit er plötzlich auf, wird von dem Geist hin und her gezerrt, und Schaum tritt ihm vor den Mund. Der Geist lässt fast nicht wieder von ihm ab9,39 Od lässt ihn kaum je einmal in Ruhe.; er richtet sein Leben noch völlig zugrunde. 40Ich habe deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, doch sie konnten es nicht.«

41»Was seid ihr nur für eine ungläubige und verkehrte Generation!«, erwiderte Jesus. »Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen Sohn her!« 42Sowie der Junge in die Nähe Jesu kam, warf ihn der Dämon zu Boden und riss ihn hin und her. Aber Jesus trat dem bösen9,42 W unreinen. Geist mit Macht entgegen, heilte den Jungen und gab ihn seinem Vater zurück. 43Alle waren überwältigt von der Größe Gottes.

Jesus kündigt zum zweiten Mal sein Leiden an

Mt 17,22-23; Mk 9,30-32

Die Leute waren voller Staunen über alles, was Jesus tat. Er aber sagte zu seinen Jüngern: 44»Prägt euch gut ein, was ich euch jetzt sage: Der Menschensohn9,44 Prägt euch alle diese Dinge ein, denn der Menschensohn. wird in die Hände der Menschen gegeben werden.« 45Doch sie konnten mit dieser Aussage nichts anfangen. Was damit gemeint war, war ihnen verborgen; sie begriffen es nicht, wagten9,45 Od war ihnen verborgen, denn sie sollten es noch nicht begreifen; sie wagten. aber auch nicht, ihn danach zu fragen.

Die Frage nach der Rangordnung unter den Jüngern

Mt 18,1-5; Mk 9,33-37

46Unter den Jüngern kam die Frage auf, wer von ihnen wohl der Größte sei. 47Jesus wusste, was in ihren Herzen vorging. Er nahm ein Kind, stellte es neben sich 48und sagte: »Wer dieses Kind um meinetwillen9,48 W aufgrund von meinem Namen. aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wirklich groß ist der, der unter euch allen der Geringste ist.«

Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch

Mk 9,38-40

49Johannes sagte9,49 Od sagte daraufhin. zu Jesus: »Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.« 50Doch Jesus gab ihm zur Antwort: »Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.«

Ein samaritanisches Dorf verweigert Jesus die Gastfreundschaft

51Als die Zeit näher rückte, in der Jesus die Erde verlassen und in den Himmel zurückkehren sollte9,51 W Als die Tage sich erfüllten, in denen er hinaufgenommen werden sollte., machte er sich entschlossen auf den Weg nach Jerusalem.

52Er schickte Boten voraus; diese kamen in ein Dorf in Samarien und wollten dort eine Unterkunft für ihn besorgen. 53Aber weil er auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte man ihn nicht aufnehmen. 54Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten9,54 W sahen., sagten sie: »Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet9,54 AL(1) vernichtet, wie es auch Elia getan hat.55Da wandte sich Jesus zu ihnen um und wies sie streng zurecht.9,55 Eine weniger gut bezeugte Lesart fügt hier die Verse 55b und 56a an: Er sagte: »Ihr wisst nicht (od Wisst ihr nicht), welcher Geist euch bestimmt (od bestimmen soll). 56 Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um das Leben der Menschen zu vernichten, sondern um es zu retten.« 56Sie übernachteten dann in einem anderen Dorf.9,56 W Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Kosten der Nachfolge

Mt 8,19-22

57Als sie weitergingen, wurde Jesus von einem Mann angesprochen. »Ich will dir folgen, wohin du auch gehst«, sagte er. 58Jesus erwiderte: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel9,58 W die Vögel des Himmels. ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann9,58 W wo er den Kopf hinlegen kann.

59Zu einem anderen sagte Jesus: »Folge mir nach!« Er aber antwortete: »Herr9,59 AL(1) ohne Herr., erlaube mir, zuerst noch ´nach Hause` zu gehen und mich um das Begräbnis meines Vaters zu kümmern9,59 W und meinen Vater zu begraben.60Jesus erwiderte: »Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und verkünde die Botschaft vom Reich Gottes!«

61Wieder ein anderer sagte: »Ich will dir nachfolgen, Herr; doch erlaube mir, dass ich zuerst noch von meiner Familie Abschied nehme.« 62Jesus erwiderte: »Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.«

10

Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger

Mt 10,5-15; 11,20-24; 10,40

101Danach bestimmte der Herr zweiundsiebzig10,1 AL(1) siebzig. Ebenso in Vers 17. andere Jünger und schickte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, die er später selbst aufsuchen wollte. 2Er sagte zu ihnen: »Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig Arbeiter da. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt. 3Geht nun! Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 4Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Sandalen10,4 kein zweites Paar Sandalen.. Haltet euch unterwegs nicht mit langen Begrüßungen auf.10,4 W Grüßt niemand unterwegs.

5Wenn ihr ein Haus betretet, sagt als Erstes: ›Friede sei mit diesem Haus!‹ 6Wenn dort jemand bereit ist, den Frieden zu empfangen, den ihr bringt, wird der Frieden auf ihm bleiben10,6 W Wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Frieden auf ihm ruhen.; wenn aber nicht, wird der Frieden zu euch zurückkehren. 7Bleibt in dem Haus, in dem man euch aufnimmt. Esst und trinkt, was man euch dort gibt; denn wer arbeitet, hat Anrecht auf seinen Lohn. Geht nicht von Haus zu Haus, um eine andere Unterkunft zu suchen.

8Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, dann esst, was man euch anbietet. 9Heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet den Bewohnern der Stadt: ›Das Reich Gottes ist zu euch gekommen10,9 W ist nahe zu euch gekommen..‹ 10Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und man euch nicht aufnimmt, dann geht durch ihre Straßen und ruft: 11›Selbst den Staub, der sich in eurer Stadt an unsere Füße geheftet hat, wischen wir ab, damit ihr gewarnt seid10,11 W wischen wir gegen euch ab.. Aber das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist gekommen10,11 Od ist nahe. ist euch nahe gewesen. W ist/war nahe gekommen..‹ 12Ich sage euch: Sodom wird es am Tag des Gerichts10,12 W an jenem Tag. noch erträglich gehen im Vergleich zu solch einer Stadt.

13Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – die Menschen dort hätten sich längst in Sacktuch ´gehüllt`10,13 Od längst auf Matten aus Sacktuch. und in Asche gesetzt und wären ´zu Gott` umgekehrt. 14Tyrus und Sidon – so viel steht fest – wird es im Gericht noch erträglich gehen im Vergleich zu euch. 15Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst zum Himmel emporgehoben werden? Ins Totenreich10,15 AL(2) Kafarnaum, wenn du auch zum Himmel emporgehoben worden bist – ins Totenreich. musst du hinunter10,15 AL(1) wirst du hinuntergestürzt werden.!

16Wer auf euch hört, hört auf mich, und wer euch ablehnt, lehnt mich ab. Wer aber mich ablehnt, lehnt den ab, der mich gesandt hat.«

Die Freude der Jünger und die Freude Jesu

Mt 11,25-27; 13,16-17

17Die zweiundsiebzig Jünger kehrten voller Freude zurück. »Herr«, sagten sie, »sogar die Dämonen müssen uns gehorchen, wenn wir uns auf deinen Namen berufen!« 18Da sagte Jesus zu ihnen: »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. 19Es ist wahr10,19 W Seht., ich habe euch Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden, und nichts wird euch10,19 Od und er wird euch nicht im Geringsten / in keiner Hinsicht. schaden können. 20Doch nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass euch die Geister gehorchen. Freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.«

21Nun10,21 W In derselben Stunde. begann Jesus, im Heiligen Geist vor Freude zu jubeln; er rief: »Ich preise dich, Vater, du Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich.10,21 Od Ja, Vater, das hast du getan, weil du es so gewollt hast. W Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 22Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater; und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn – und die, denen der Sohn es offenbaren will.«

23Dann wandte sich Jesus wieder zu den Jüngern, nahm sie beiseite und sagte10,23 Od zu den Jüngern – er war ja mit ihnen allein – und sagte.: »Glücklich zu preisen sind die10,23 W sind die Augen., die das sehen, was ihr seht! 24Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige hätten gern gesehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie hätten gern gehört, was ihr hört, und haben es nicht gehört.«

Das Liebesgebot und das Beispiel des barmherzigen Samaritaners

Mt 22,34-40; Mk 12,28-34

25Ein Gesetzeslehrer wollte10,25 W stand auf und wollte. Jesus auf die Probe stellen. »Meister«, fragte er, »was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen10,25 W zu erben.26Jesus entgegnete: »Was steht im Gesetz? Was liest du dort?« 27Er antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe10,27 W Seele., mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!‹10,27 5. Mose 6,5. Und: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!‹10,27 3. Mose 19,18.« – 28»Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Tu das, und du wirst leben.«

29Der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen10,29 W sich rechtfertigen.; deshalb fragte er: »Und wer ist mein Mitmensch?«

30Daraufhin erzählte Jesus folgende Geschichte: »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinunter. Unterwegs wurde er von Wegelagerern überfallen. Sie plünderten ihn bis aufs Hemd aus10,30 W Sie zogen ihn aus., schlugen ihn zusammen und ließen ihn halbtot liegen; dann machten sie sich davon. 31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab. Er sah den Mann liegen, machte einen Bogen um ihn und ging weiter. 32Genauso verhielt sich ein Levit, der dort vorbeikam und den Mann liegen sah; auch er machte einen Bogen um ihn und ging weiter. 33Schließlich kam ein Reisender aus Samarien dort vorbei. Als er den Mann sah, hatte er Mitleid mit ihm. 34Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und versorgte ihn mit allem Nötigen. 35Am nächsten Morgen nahm er zwei Denare aus seinem Beutel und gab sie dem Wirt. ›Sorge für ihn!‹, sagte er. ›Und sollte das Geld nicht ausreichen, werde ich dir den Rest bezahlen, wenn ich auf der Rückreise hier vorbeikomme.‹«

36»Was meinst du?«, fragte Jesus den Gesetzeslehrer. »Wer von den dreien hat an dem, der den Wegelagerern in die Hände fiel, als Mitmensch gehandelt?« 37Er antwortete: »Der, der Erbarmen mit ihm hatte und ihm geholfen hat.« Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh und mach es ebenso!«

Maria und Martha

38Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. 39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm10,39 W seinem Wort. zu. 40Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen.10,40 W Martha hingegen war völlig in Anspruch genommen von dem vielen Dienst. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit10,40 W den Dienst. allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!« – 41»Martha, Martha«, erwiderte der Herr, »du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, 42aber notwendig ist nur eines10,42 AL(2) aber notwendig ist nur wenig – eigentlich nur eines.. Maria hat das Bessere10,42 Od das Beste. W das gute Teil. gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.«

11

Jesus lehrt seine Jünger beten

Mt 6,9-13

111Jesus hatte unterwegs Halt gemacht und gebetet. Darauf11,1 W 1 Er war an einem Ort am Beten, und als er damit aufhörte. bat ihn einer seiner Jünger: »Herr, lehre uns beten; auch Johannes hat seine Jünger beten gelehrt.« 2Jesus sagte zu ihnen: »Wenn ihr betet, dann sprecht:

Vater,

dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

3Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen11,3 W jeden Tag unser tägliches Brot (od jeden Tag unser Brot für den kommenden Tag; jeden Tag das nötige Brot)..

4Und vergib uns unsere Sünden;

auch11,4 W denn auch. wir vergeben jedem, der an uns schuldig geworden ist.

Und lass uns nicht in Versuchung geraten.«

Wer bittet, empfängt

Mt 7,7-11

5Weiter sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Angenommen, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht sucht er ihn auf und sagt zu ihm: ›Bitte11,5 W Freund. leih mir doch drei Brote! 6Ein Freund von mir hat auf der Reise bei mir Halt gemacht, und ich habe nichts, was ich ihm anbieten könnte.‹ 7Und angenommen, der, den er um Brot bittet, ruft dann von drinnen: ›Lass mich in Ruhe! Die Tür ist schon abgeschlossen, und meine Kinder und ich sind längst im Bett11,7 W meine Kinder sind mit mir im Bett. Die ganze Familie schlief auf einer großen Matte in einem Raum.. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.‹ 8Ich sage euch: Er wird es schließlich doch tun – wenn nicht deshalb, weil der andere mit ihm befreundet ist, dann doch bestimmt, weil er ihm keine Ruhe lässt11,8 weil er Angst hat, sein Gesicht zu verlieren. W wegen seiner Unverschämtheit/Hartnäckigkeit / Angst vor Schande.. Er wird aufstehen und ihm alles geben, was er braucht.

9Darum sage ich euch: Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. 10Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.

11Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind11,11 W Sohn. eine Schlange geben würde11,11 AL(2) der seinem Kind einen Stein geben würde, wenn es ihn um Brot bittet, oder eine Schlange. Vergleiche Matthäus 7,9., wenn es ihn um einen Fisch bittet? 12Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet? 13Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel11,13 Od der Vater, der vom Himmel her ´gibt/wirkt`. AL(1) der Vater vom Himmel her. denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.«

Jesus und Beelzebul

Mt 9,32-34; 12,22-30; Mk 3,22-27

14Einmal trieb Jesus einen stummen11,14 stumm machenden. Dämon ´aus einem Besessenen` aus. Sowie der Dämon ausgefahren war, konnte der Mann, der bis dahin stumm gewesen war, reden. Die Menge staunte; 15doch einige waren darunter, die sagten: »Er treibt die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul11,15 Ein anderer Name für den Satan. aus, dem Obersten der Dämonen.« 16Andere wollten Jesus auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

17Jesus, der ihre Überlegungen kannte, sagte zu ihnen: »Jedes Reich, das mit sich selbst im Streit liegt, geht zugrunde; in einem solchen Reich fällt eine Familie über die andere her11,17 Od geht zugrunde, und eine Familie, die mit sich selbst im Streit liegt, geht unter. Od geht zugrunde, und ein Haus ums andere sinkt in Trümmer. W geht zugrunde, und Haus fällt auf Haus.. 18Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann bestehen? Und11,18 W Denn. ihr behauptet, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe! 19Wenn ich die Dämonen tatsächlich mit Hilfe von Beelzebul austreibe, mit wessen Hilfe treiben dann eure eigenen Leute11,19 W Söhne. sie aus? Sie selbst sind es daher, die über euch das Urteil sprechen werden. 20Wenn ich die Dämonen nun aber durch Gottes Finger austreibe, dann ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.

21Solange ein starker Mann in voller Bewaffnung sein Haus11,21 Od seinen Palast. W seinen Hof. bewacht, ist sein Besitz in Sicherheit. 22Doch wenn ein Stärkerer ihn angreift und ihn besiegt, nimmt er ihm alle seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute.

23Wer nicht auf meiner Seite steht11,23 W Wer nicht mit mir ist., ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.«

Über die Rückkehr böser Geister

Mt 12,43-45

24»Wenn ein böser11,24 W unreiner. Geist einen Menschen verlassen hat, zieht er durch öde Gegenden11,24 W durch wasserlose Orte. und sucht einen Ruheplatz, findet aber keinen. Dann11,24 Od einen Ruheplatz. Findet er aber keinen, dann. sagt er sich: ›Ich will wieder in mein Haus gehen, das ich verlassen habe.‹ 25Er kehrt zurück und findet das Haus sauber und aufgeräumt. 26Daraufhin11,26 Od 25 Findet er nun bei seiner Rückkehr das Haus sauber und aufgeräumt vor, 26 dann. geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst, und sie ziehen in das Haus ein und wohnen dort. Damit steht es am Ende schlimmer um diesen Menschen als am Anfang.«

Wer wirklich glücklich zu preisen ist

27Während Jesus über diese Dinge sprach, unterbrach ihn plötzlich eine Frau aus der Menge11,27 W erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme. und rief ihm zu: »Glücklich zu preisen ist die Frau, die dich zur Welt bringen und die dich stillen durfte11,27 W ist der Leib, der dich getragen, und die Brüste, an denen du gesaugt hast.!« – 28»Ja«, erwiderte Jesus, »glücklich zu preisen sind die, die Gottes Wort hören und es befolgen.«

Das Zeichen des Propheten Jona

Mt 12,38-42

29Die Menge, die sich um Jesus drängte, wurde immer größer. Da sagte er: »Diese Generation ist böse! Sie verlangt ein Zeichen. Aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden, nur das des ´Propheten` Jona. 30Denn wie Jona für die Leute von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für die heutige Generation sein.

31Im Gericht wird die Königin aus dem Süden gegen die Menschen der heutigen Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören – und hier ist einer, der mehr ist als11,31 W hier ist mehr als. Ebenso im nächsten Vers. Salomo! 32Im Gericht werden auch die Leute11,32 Od die Männer. von Ninive gegen die heutige Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf Jonas Predigt hin umgekehrt – und hier ist einer, der mehr ist als Jona!«

Licht und Finsternis. Das Gleichnis vom Auge

Mt 5,15; 6,22-23; Mk 4,21

33»Niemand zündet eine Lampe an und versteckt sie dann in einem Winkel oder stellt sie unter ein Gefäß11,33 AL(1) ohne oder stellt sie unter ein Gefäß.. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, damit jeder, der hereinkommt, Licht hat und sehen kann11,33 W der hereinkommt, das Licht sieht..

34Das Auge gibt deinem Körper Licht. Ist dein Auge gut11,34 W 34 Dein Auge ist die Lampe des Körpers. Ist dein Auge ungetrübt., dann ist dein ganzer Körper11,34 Od deine ganze Person. Entsprechend in der nächsten Vershälfte und in Vers 36. im Licht. Ist es jedoch schlecht, dann ist dein Körper im Finstern. 35Achte deshalb darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist. 36Wenn nun dein ganzer Körper im Licht steht und nichts mehr an ihm finster ist, dann ist es, wie wenn dich eine Lampe mit ihrem hellen Schein anstrahlt; alles steht im Licht.«

Jesus geht mit den Pharisäern und den Gesetzeslehrern ins Gericht

Mt 23,13-36; Mk 7,1-13

37Kaum hatte Jesus aufgehört zu reden11,37 Während Jesus noch sprach., lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Jesus ging zu ihm ins Haus und nahm am Tisch Platz, 38ohne zuerst die vorgeschriebene Waschung zu verrichten. Als der Pharisäer das sah, war er entrüstet.

39Da sagte der Herr zu ihm: »So seid ihr Pharisäer! Ihr reinigt das Äußere eurer Becher und Schüsseln11,39 Od Teller., aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit. 40Ihr Toren! Hat der, der das Äußere schuf, nicht auch das Innere geschaffen? 41Gebt doch, was in euren Bechern und Schüsseln ist11,41 W was darin ist., den Armen, und ihr werdet sehen: Alles ist dann für euch rein!

42Aber wehe euch Pharisäern! Ihr gebt den zehnten Teil von ´Kräutern wie` Minze und Raute und von sämtlichen Gemüsesorten und lasst dabei ´die Forderungen` der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes außer Acht. Diese solltet ihr erfüllen und das andere nicht unterlassen.

43Wehe euch Pharisäern! In den Synagogen nehmt ihr die vordersten Sitze für euch in Anspruch, und ihr liebt es, wenn man euch auf der Straße11,43 W auf den Marktplätzen. ehrfurchtsvoll grüßt.

44Wehe euch! Ihr seid wie Gräber, die unkenntlich geworden sind; die Leute gehen darüber ´und verunreinigen sich`, ohne es zu merken.«

45Einer der Gesetzeslehrer unterbrach11,45 W antwortete. Jesus und rief: »Meister, mit dem, was du sagst, greifst du auch uns an!«

46Darauf sagte Jesus: »Ja, wehe auch euch Gesetzeslehrern! Ihr bürdet den Menschen Lasten auf, die man kaum tragen kann, aber ihr selbst rührt diese Lasten mit keinem Finger an.

47Wehe euch! Ihr errichtet Grabmäler für die Propheten, die doch von euren Vorfahren umgebracht wurden. 48Damit gebt ihr nicht nur zu11,48 W Damit seid ihr nicht nur Zeugen., dass eure Vorfahren das getan haben; ihr heißt es sogar gut. Sie haben die Propheten umgebracht, und ihr errichtet die Grabmäler. 49Das ist auch der Grund, weshalb die Weisheit Gottes gesagt hat: ›Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen schicken; einige von ihnen werden sie umbringen, und andere werden sie verfolgen.‹11,49 Od einige von ihnen werden sie verfolgen und umbringen.‹ Nach anderer Auffassung endet das Zitat erst mit Vers 51a (… umkam.‹). 50Darum wird diese Generation11,50 Od Denn diese Generation soll. zur Rechenschaft gezogen werden für den Tod aller Propheten, die seit der Erschaffung der Welt umgebracht wurden, 51angefangen bei Abel bis hin zu Sacharja11,51 W 50 … für das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen wurde, 51 vom Blut Abels bis zum Blut Sacharjas. – Zu Abel siehe 1. Mose 4,1-11 und vergleiche Hebräer 11,4; 12,24; 1. Johannes 3,12. Zu Sacharja siehe wahrscheinlich 2. Chronik 24,20-22., der zwischen dem Altar und dem Haus ´Gottes` umkam. Ja, ich sage euch: Diese Generation wird dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

52Wehe euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Selbst seid ihr nicht eingetreten, und die, die eintreten wollten, habt ihr daran gehindert.«

53Als Jesus jenes Haus wieder verließ, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, mit immer neuen Fragen auf ihn einzudringen; sie ließen nichts unversucht, um ihn in die Enge zu treiben, 54und lauerten darauf, ihn bei einer ´verfänglichen` Äußerung zu ertappen.