Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
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Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde: Freispruch statt Verurteilung

81Jesus aber ging zum Ölberg.

2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.

3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte. 4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen.8,5 3. Mose 20,10; 5. Mose 22,22-24. Was sagst du dazu?«

6Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.« 8Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde. 9Von seinen Worten getroffen8,9 W Als sie das hörten., verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten8,9 W die in der Mitte war..

10Er richtete sich auf. »Wo8,10 W »Frau, wo. sind sie geblieben?«, fragte er die Frau. »Hat dich keiner verurteilt?« – 11»Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!«

Jesus Christus – das Licht der Welt

12Ein anderes Mal, als Jesus8,12 Od 12 Als Jesus daraufhin wieder. zu den Leuten sprach, sagte er: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

13Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Du redest als Zeuge in eigener Sache. Was du sagst, ist nicht glaubwürdig8,13 Im Griechischen dasselbe Wort wie wahr (Vers 14). Ebenso in Vers 17.14Jesus erwiderte: »Auch wenn ich als Zeuge in eigener Sache rede, ist das, was ich sage, wahr. Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst weder, woher ich komme, noch, wohin ich gehe. 15Ihr urteilt nach menschlichen Maßstäben8,15 W nach dem Fleisch.; ich urteile über niemand. 16Wenn ich aber doch ein Urteil ausspreche, dann ist mein Urteil richtig8,16 W wahr.. Denn ich handle nicht allein, sondern ´in Übereinstimmung` mit dem, der mich gesandt hat, dem Vater. 17In eurem Gesetz heißt es: Wenn zwei Zeugen in ihrer Aussage übereinstimmen, ist das, was sie sagen, glaubwürdig.8,17 Vergleiche 5. Mose 17,6; 19,15; 4. Mose 35,30. 18´So ist es auch hier:` Ich bin mein eigener Zeuge, und mein Vater, der mich gesandt hat, ist ebenfalls mein Zeuge.« – 19»Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie. Jesus entgegnete: »Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen.«

20Jesus lehrte im Tempel in der Nähe des Kastens für die Geldopfer8,20 Od im Tempel auf dem Platz / in dem Raum, wo die Kästen für die Geldopfer standen., als er diese Dinge sagte. Aber niemand nahm ihn fest; seine Zeit war noch nicht gekommen.

Woher Jesus kommt und wohin er geht

21Jesus wandte sich von neuem an seine Zuhörer. »Ich werde fortgehen«, sagte er. »Ihr werdet mich suchen, aber da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen; ihr werdet in eurer Sünde sterben.«

22»Will er sich etwa das Leben nehmen?«, fragten sich die Juden. »Vielleicht sagt er deshalb: ›Da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen.‹« 23Doch Jesus fuhr fort: »Ihr seid von ´hier` unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 24Darum habe ich zu euch gesagt, dass ihr in euren Sünden sterben werdet. Glaubt an mich als den, der ich bin; wenn nicht, werdet ihr in euren Sünden sterben.« – 25»Wer bist du denn?«, fragten sie. Jesus antwortete: »Darüber habe ich doch von Anfang an zu euch gesprochen.8,25 Od »Ich bin das, was ich euch von Anfang an gesagt habe.« Od »Wozu rede ich überhaupt noch mit euch?!« 26Was euch betrifft, hätte ich noch viel zu sagen, und es gäbe noch vieles, worin ich über euch zu urteilen hätte. Aber ich sage der Welt nur das, was ich von dem gehört habe, der mich gesandt hat; und was er sagt, ist wahr8,26 W und er ist wahr/wahrhaftig.

27Sie begriffen nicht, dass Jesus über den Vater sprach. 28Deshalb sagte er zu ihnen: »Dann, wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr mich als den erkennen, der ich bin, und werdet erkennen, dass ich nichts von mir selbst aus tue, sondern das sage, was mich der Vater gelehrt hat. 29Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir. Er lässt mich nie allein, denn ich tue immer, was ihm gefällt.«

30Als Jesus das sagte, glaubten viele an ihn.

Wirklich frei – nur durch Jesus

31Zu den Juden, die nun an ihn glaubten, sagte Jesus: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, 32und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«

33»Wir sind Nachkommen Abrahams«, entgegneten sie, »wir haben nie jemand als Sklaven gedient. Wie kannst du da sagen: ›Ihr müsst frei werden‹?« 34Jesus antwortete: »Ich sage euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. 35Ein Sklave gehört nur vorübergehend zur Familie8,35 W bleibt nicht für immer im Haus., ein Sohn dagegen für immer. 36Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.«

Kinder Abrahams oder Kinder des Teufels?

37»Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Und trotzdem trachtet ihr mir nach dem Leben. Das kommt daher, dass ihr euch meinem Wort gegenüber verschließt. 38Ich rede von dem, was ich beim Vater gesehen habe. Und auch ihr habt einen Vater, auf dessen Anweisungen ihr hört.«

39»Unser Vater ist Abraham«, erwiderten sie. Jesus entgegnete: »Wenn ihr wirklich Kinder von Abraham wärt, würdet ihr auch so handeln8,39 AL(1) Kinder von Abraham seid, dann handelt auch so. wie Abraham. 40Stattdessen wollt ihr mich töten – mich, der ich euch die Wahrheit sage, wie ich sie von Gott gehört habe. So etwas hätte Abraham nie getan. 41Ihr handelt eben genau wie euer ´wirklicher` Vater.«

»Wir sind doch keine unehelichen Kinder8,41 W sind doch nicht durch Unzucht gezeugt.!«, protestierten sie. »Wir haben nur einen Vater, und das ist Gott.« 42Jesus erwiderte: »Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben. Denn von Gott bin ich zu euch gekommen, nicht im eigenen Auftrag; Gott ist es, der mich gesandt hat. 43´Aber ich kann euch sagen,` warum mein Reden für euch so unverständlich ist und wie es kommt, dass ihr gar nicht fähig seid8,43 Od so unverständlich ist. Es kommt daher, dass ihr gar nicht fähig seid., auf mein Wort zu hören: 44Ihr stammt vom Teufel; der ist euer Vater. Und was euer Vater wünscht, das führt ihr bereitwillig aus.8,44 W Und nach den Begierden eures Vaters wollt ihr handeln. Er war von Anfang an ein Mörder und stand nie auf dem Boden8,44 W ein Menschenmörder und stand (aL(1) steht) nicht in. der Wahrheit, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht; denn er ist ein Lügner, ja er ist der Vater der Lüge. 45Ich aber sage die Wahrheit, und gerade das ist der Grund, weshalb ihr mir nicht glaubt. 46Wer von euch kann behaupten, ich hätte je eine Sünde begangen8,46 W kann mich einer Sünde überführen.? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht? 47Wer von Gott stammt, hört auf das, was Gott sagt. Ihr hört deshalb nicht darauf, weil ihr nicht von Gott stammt.«

Jesus Christus – größer als Abraham

48»Haben wir nicht Recht?«, riefen da die Juden. »Du bist ein Samaritaner und bist von einem Dämon besessen8,48 und hast den Verstand verloren. Entsprechend in den Versen 49 und 52., genau wie wir es gesagt haben.« – 49»Nein«, entgegnete Jesus, »ich bin nicht von einem Dämon besessen; ich ehre meinen Vater. Ihr aber tretet meine Ehre mit Füßen. 50Doch ich brauche sie nicht zu verteidigen.8,50 W Doch nicht ich suche meine Ehre. Es ist einer da, der das tut, und er ist auch der Richter. 51Eins aber versichere ich euch: Wenn jemand sich nach meinem Wort richtet, wird er niemals sterben8,51 W den Tod sehen.

52»Jetzt sind wir sicher, dass du von einem Dämon besessen bist!«, triumphierten die Juden. »Abraham ist gestorben, die Propheten sind gestorben, und du behauptest, wenn einer sich nach deinem Wort richte, werde er niemals sterben8,52 W den Tod schmecken.. 53Bist du etwa mehr als unser Vater Abraham und die Propheten, die alle gestorben sind? Für wen hältst du dich eigentlich?« 54Jesus erwiderte: »Wenn ich mir selbst eine solche Ehre anmaßen würde, wäre sie nichts wert. Aber nun ist es mein Vater, der mich ehrt – er, von dem ihr sagt, er sei euer Gott. 55Und dabei habt ihr ihn nie gekannt; ich dagegen kenne ihn. Würde ich behaupten, ihn nicht zu kennen, dann wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und richte mich nach seinem Wort. 56Abraham, euer Vater, sah dem Tag meines Kommens mit jubelnder Freude entgegen.8,56 W Abraham, euer Vater, jubelte vor Freude, dass er meinen Tag sehen sollte. Und er hat ihn erlebt und hat sich darüber gefreut.8,56 Od Er hat ihn vorausgesehen und hat sich darauf gefreut.«

57Die Juden entgegneten: »Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?« 58Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren wurde, bin ich59Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. Aber Jesus konnte sich vor ihnen in Sicherheit bringen8,59 W Aber Jesus verbarg sich. und verließ den Tempel.

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Heilung eines Blindgeborenen am Sabbat

91Unterwegs sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war. 2»Rabbi«, fragten die Jünger, »wie kommt es, dass dieser Mann blind geboren wurde? Wer hat gesündigt – er selbst oder seine Eltern?« – 3»Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern«, erwiderte Jesus. »An ihm soll sichtbar werden, was Gott zu tun vermag9,3 W sollen die Werke Gottes offenbart werden.. 4Wir müssen den Auftrag9,4 W Wir müssen (aL(1) Ich muss) die Werke. dessen, der mich9,4 AL(1) uns. gesandt hat, ausführen, solange es Tag ist. Die Nacht kommt, in der niemand mehr etwas tun kann. 5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.«

6Nachdem Jesus seinen Jüngern diese Antwort gegeben hatte, spuckte er auf den Boden und machte aus ´Erde und` Speichel einen Brei, den er dem Blinden auf die Augen strich. 7Dann befahl er ihm: »Geh zum Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht9,7 Od und wasche dich. Entsprechend in der zweiten Vershälfte und in den Versen 11 und 15.!« (Schiloach bedeutet »Gesandter«.) Der Mann ging dorthin und wusch sich das Gesicht. Und als er von dort wegging, konnte er sehen.

8Seine Nachbarn und die, die ihn bis dahin als Bettler gekannt hatten, fragten verwundert: »Ist das nicht der, der ´am Straßenrand` saß und bettelte?« – 9»Ja«, sagten die einen, »er ist es.« – »Unmöglich!«, riefen die anderen. »Er sieht ihm nur sehr ähnlich.« – »Doch, ich bin es«, erklärte der Mann selbst. 10»Aber wie kommt es denn, dass du auf einmal sehen kannst?«, wollten sie wissen. 11Er gab ihnen zur Antwort: »Da ist doch dieser Mann, der Jesus heißt. Er hat einen Brei gemacht und ihn auf meine Augen gestrichen und gesagt: ›Geh zum Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht!‹ Ich bin dorthin gegangen und habe mir das Gesicht gewaschen – und da konnte ich sehen!« – 12»Und wo ist dieser Mann jetzt?«, fragten sie. »Ich weiß es nicht«, erwiderte er.

Verhör und Verstoßung des Geheilten durch die Pharisäer

13Sie brachten den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14Der Tag, an dem Jesus den Brei gemacht und den Blinden geheilt hatte, war ein Sabbat. 15Nun fragten auch die Pharisäer den Mann, wie es kam, dass er auf einmal sehen konnte. »Er hat mir einen Brei auf die Augen gestrichen«, antwortete er, »dann habe ich mir das Gesicht gewaschen, und seitdem kann ich sehen.« – 16»Der, der das getan hat, kann unmöglich von Gott kommen«, sagten einige der Pharisäer. »Er hält ja den Sabbat nicht.« Andere aber meinten: »Wie kann ein Mensch, der sündigt, solche Wunder tun?« So kam es unter ihnen zu einer Spaltung.

17Schließlich wandten sie sich wieder an den, der blind gewesen war. »Was sagst du über ihn?«, fragten sie. »Dich hat er ja von deiner Blindheit geheilt.« – »Er ist ein Prophet«, antwortete der Mann.

18Aber die ´führenden` Juden wollten nicht glauben, dass er überhaupt blind gewesen und nun sehend geworden war. Deshalb ließen sie die Eltern des Geheilten rufen 19und fragten sie: »Ist das euer Sohn? Ihr behauptet, er sei blind geboren worden.9,19 Od Stimmt es, dass er blind geboren worden ist? Wie kommt es dann, dass er auf einmal sehen kann?« 20Die Eltern antworteten: »Wir wissen, dass das unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21Aber wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, wissen wir nicht, und wer ihn von seiner Blindheit geheilt hat, wissen wir auch nicht. Fragt ihn selbst! Er ist alt genug, um über sich selber Auskunft geben zu können.« 22Sie gaben ihnen diese Antwort, weil sie Angst vor ihnen hatten. Denn die ´führenden` Juden hatten bereits beschlossen, jeden aus der Synagoge auszuschließen, der sich zu Jesus als dem Messias9,22 Od Christus. bekannte. 23Das war der Grund, warum die Eltern des Geheilten sagten: »Er ist alt genug; fragt ihn doch selbst!«

24Die führenden Juden ließen9,24 W 24 Sie ließen. den Mann, der blind gewesen war, ein zweites Mal rufen. »Bekenne dich vor Gott zur Wahrheit!9,24 W Gib Gott die Ehre!«, forderten sie ihn auf. »Wir wissen, dass jener Mensch ein Sünder ist.« – 25»Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht«, erwiderte der Geheilte. »Aber eins weiß ich: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen.« – 26»Was hat er denn mit dir gemacht?«, wollten sie noch einmal genau wissen. »Wie hat er dich von deiner Blindheit geheilt?« – 27»Ich habe es euch doch schon gesagt«, entgegnete er, »aber ihr habt wohl nicht zugehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden?« 28Da wurden sie wütend. »Du bist sein Jünger!«, schrien sie ihn an. »Wir dagegen sind Jünger von Mose. 29Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat. Aber von diesem Menschen hier wissen wir nicht einmal, woher er kommt.«

30»Das ist doch wirklich sonderbar!«, meinte der Mann. »Er hat mich von meiner Blindheit geheilt, und ihr wisst nicht, woher er kommt. 31Wir alle wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; er erhört den, der gottesfürchtig ist und das tut, was Gott will. 32Hat man denn, solange die Welt besteht, je schon gehört, dass jemand einen Blindgeborenen von seiner Blindheit geheilt hat? 33Wenn dieser Mann nicht von Gott käme, könnte er solche Dinge nicht tun.« 34Darauf antworteten sie nur: »Du bist ganz und gar in Sünden geboren. Wie kannst du es wagen, uns zu belehren!« Und sie warfen ihn hinaus9,34 Od schlossen ihn ´aus der Synagoge` aus. Entsprechend im nächsten Vers..

Das Bekenntnis des Blindgeborenen – die Blindheit der Sehenden

35Jesus hörte, dass sie den Geheilten hinausgeworfen hatten. Als er ihn wieder traf, fragte er ihn9,35 Od Er suchte ihn auf und fragte ihn.: »Glaubst du an den Menschensohn?« – 36»Herr, sag mir, wer es ist«, erwiderte der Mann, »dann will ich an ihn glauben.« – 37»Du siehst ihn vor dir«, sagte Jesus. »Es ist der, der mit dir redet.« 38Da rief der Mann: »Herr, ich glaube!«, und er warf sich vor ihm nieder9,38 Od und er betete ihn an..

39Daraufhin sagte Jesus: »Dadurch, dass ich in diese Welt gekommen bin, vollzieht sich ein Gericht9,39 W Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen.: Die, die nicht sehen, sollen sehend werden, und die, die sehen, sollen blind werden.« 40Das hörten einige Pharisäer, die bei Jesus waren. »Sind wir etwa auch blind?«, fragten sie. 41Jesus gab ihnen zur Antwort: »Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Schuld9,41 W Sünde. Ebenso in der zweiten Vershälfte.. Doch ihr sagt: ›Wir können sehen.‹ Darum bleibt eure Schuld bestehen.«

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Das Bild vom Hirten und seinen Schafen

101»Ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall10,1 Ein ummauerter Hof, in dem die Schafe die Nacht verbringen. hineingeht, sondern auf einem anderen Weg eindringt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2Der Hirte geht durch die Tür zu den Schafen. 3Ihm macht der Wächter10,3 W Türhüter. auf, und auf seine Stimme hören die Schafe. Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. 4Wenn er dann alle Schafe, die ihm gehören, hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und sie folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. 5Einem Fremden werden sie nicht folgen; sie laufen vor ihm davon, weil sie seine Stimme10,5 W die Stimme der Fremden. nicht kennen.«

6Die Zuhörer Jesu verstanden nicht, was er ihnen mit diesem Vergleich sagen wollte.

Jesus Christus – die Tür zu den Schafen

7Deshalb fuhr Jesus fort: »Ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen10,7 Od für die Schafe.. 8Alle, die vor mir10,8 AL(1) ohne vor mir. gekommen sind, sind Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.

9Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet werden. Er wird ein- und ausgehen und gute Weide finden. 10Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle10,10 W gekommen, damit sie Leben haben und Überfluss haben.

Jesus Christus – der gute Hirte

11»Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ´ist bereit,` sein Leben für die Schafe herzugeben. 12Einer, der gar kein Hirte ist, sondern die Schafe nur gegen Bezahlung hütet, läuft davon, wenn er den Wolf kommen sieht, und lässt die Schafe im Stich, und der Wolf fällt über die Schafe her10,12 herfallen: im Griechischen dasselbe Wort wie reißen (Verse 28 und 29). und jagt die Herde auseinander. 13Einem solchen Mann, dem die Schafe nicht selbst gehören, geht es eben nur um seinen Lohn; die Schafe sind ihm gleichgültig.

14Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, 15genauso, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für die Schafe her.

16Ich habe auch noch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen10,16 Od führen.; sie werden auf meine Stimme hören, und alle werden eine Herde unter einem Hirten sein.

17Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hergebe. Ich gebe es her, um es wieder zu empfangen. 18Niemand nimmt es mir; ich gebe es freiwillig her. Ich habe die Macht, es herzugeben, und ich habe die Macht, es wieder zu empfangen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe.«

19Wegen dieser Worte kam es erneut zu einer Spaltung unter den Juden. 20Viele von ihnen sagten: »Er ist von einem Dämon besessen!10,20 Er hat den Verstand verloren! Er ist verrückt. Warum hört ihr ihm überhaupt noch zu?« 21Andere aber meinten: »So redet kein Besessener. Kann etwa ein Dämon Blinde sehend machen?«

In der Hand des Hirten geborgen. Die Einheit von Vater und Sohn

22Es war Winter. In Jerusalem feierte man das Fest der Tempelweihe.10,22 W 22 Damals/Danach war das Fest der Tempelweihe in Jerusalem. Es war Winter. 23Jesus war im Tempel; er hielt sich in der Halle Salomos auf. 24Da umringten ihn die Juden und sagten: »Wie lange lässt du uns noch im Ungewissen? Wenn du der Messias10,24 Od Christus. bist, dann sag es uns offen!«

25Jesus entgegnete: »Ich habe es euch bereits gesagt, doch ihr glaubt mir nicht. Alles, was ich im Namen meines Vaters tue, zeigt, wer ich bin.10,25 W Die Werke, die ich im Namen meines Vaters tue, die legen Zeugnis von mir ab. 26Aber ihr gehört nicht zu meinen Schafen, darum glaubt ihr nicht. 27Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir, 28und ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden niemals verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29Mein Vater, der sie mir gegeben hat10,29 AL(1) Was mein Vater mir gegeben hat., ist größer als alles; niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen. 30Ich und der Vater sind eins.«

Vorwurf der Gotteslästerung. Die Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Juden spitzt sich zu

31Von neuem hoben die Juden Steine auf10,31 Od trugen die Juden Steine herbei., um Jesus zu steinigen. 32Da sagte er zu ihnen: »Ich habe vieles getan, was euch zeigt, dass ich im Auftrag des Vaters handle.10,32 W Viele gute Werke habe ich euch vom Vater her gezeigt. Für welche dieser Taten wollt ihr mich steinigen?« – 33»Wir steinigen dich nicht wegen einer guten Tat, sondern weil du ein Gotteslästerer bist«, gaben die Juden zur Antwort. »Du machst dich zu Gott, obwohl du nur ein Mensch bist.«

34Jesus erwiderte: »Steht nicht in eurem Gesetz der Satz: ›Ich habe gesagt: Ihr seid Götter‹10,34 Psalm 82,6.? 35Hier werden also die, an die das Wort Gottes gerichtet war, Götter genannt10,35 W Er (Gott) / Es (das Gesetz) nannte also die Götter, an die das Wort Gottes erging.; und was die Schrift sagt, ist unumstößlich. 36Mich aber hat der Vater, der heilige Gott, dazu bestimmt, sein Werk zu tun,10,36 W hat der Vater geheiligt. und hat mich in die Welt gesandt. Wie könnt ihr mir da Gotteslästerung vorwerfen, wenn ich sage: ›Ich bin Gottes Sohn‹? 37Wenn die Dinge, die durch mich geschehen, nicht das Werk meines Vaters sind, dann glaubt mir nicht. 38Sind sie es aber, dann lasst euch wenigstens von diesen Dingen überzeugen10,38 sich überzeugen lassen: im Griechischen dasselbe Wort wie glauben., wenn ihr schon mir nicht glauben wollt. Ihr werdet dann erkennen und nicht mehr daran zweifeln10,38 W Ihr werdet dann zu der Erkenntnis kommen und immer mehr erkennen (aL(2) und glauben)., dass in mir der Vater ist und dass ich im Vater bin.«

39Daraufhin versuchten sie von neuem, Jesus festzunehmen, doch er konnte ihnen entkommen.

40Er ging wieder auf die Ostseite10,40 W auf die andere Seite. des Jordans, dorthin, wo Johannes zuerst getauft hatte. Dort blieb er, 41und viele Menschen kamen zu ihm. »Johannes hat zwar keine Wunder getan«, sagten sie. »Aber alles, was er über diesen Mann gesagt hat, hat sich als wahr erwiesen.« 42Und viele aus jener Gegend glaubten an Jesus.