Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
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Jesus lässt sich nicht zu vorzeitigem Handeln drängen

71In der darauf folgenden Zeit zog Jesus durch Galiläa. Er mied Judäa7,1 W Er wollte nämlich nicht in Judäa umherziehen., denn dort trachteten ihm die führenden Männer des jüdischen Volkes7,1 W die Juden. Ebenso in Vers 11. nach dem Leben. 2Doch kurz bevor die Juden ihr Laubhüttenfest feierten, 3sagten seine Brüder zu ihm: »Du solltest nicht länger hier in Galiläa bleiben. Geh nach Judäa, damit auch dort deine Jünger sehen können, was für große Dinge du tust. 4Wer mit dem, was er tut, in der Öffentlichkeit bekannt werden möchte, zieht sich nicht in einen versteckten Winkel zurück. Wenn du schon so ungewöhnliche Dinge tust, dann zeig dich auch vor aller Welt!« 5So redeten seine eigenen Brüder, weil nicht einmal sie an ihn glaubten.

6Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: »Für mich ist die richtige Zeit noch nicht da; euch ist jeder Zeitpunkt recht.7,6 W Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist immer bereit. 7Euch kann die Welt nicht hassen, mich aber hasst sie, weil ich nicht darüber schweige7,7 W weil ich von ihr bezeuge., dass ihr Tun böse ist. 8Geht ihr nur hinauf zum Fest. Ich komme jetzt nicht; für mich ist die Zeit noch nicht da7,8 W noch nicht erfüllt.9Mit dieser Antwort ´ließ er sie gehen`; er selbst blieb in Galiläa.

Jesus auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem

10Nachdem jedoch seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, ging Jesus selbst auch nach Jerusalem hinauf, allerdings unbemerkt und ohne Aufsehen zu erregen7,10 W allerdings nicht öffentlich, sondern wie (aL(1) ohne wie) im Verborgenen.. 11Während des Festes hielten die führenden Männer des jüdischen Volkes nach ihm Ausschau. »Wo ist er nur?«, fragten sie. 12Überall konnte man die Leute über ihn reden hören.7,12 W 12 Und viel Gemurmel über ihn war unter den Menschenmengen. »Er ist ein guter Mensch«, sagten die einen. »Nein«, entgegneten andere, »er ist ein Volksverführer.« 13Aber aus Furcht vor den führenden Männern7,13 W vor den Juden. wagte niemand, öffentlich seine Meinung über ihn zu äußern.

14Als die Festwoche schon zur Hälfte vorüber war, ging Jesus zum Tempel hinauf und begann zu lehren. 15»Wie kommt es, dass er die Schrift so gut kennt?7,15 Od Woher hat er nur all diese Kenntnisse?«, wunderten sich die Juden. »Er ist doch gar nicht darin ausgebildet.« 16Jesus selbst gab ihnen die Antwort: »Was ich verkünde, ist nicht meine eigene Lehre; es ist die Lehre dessen, der mich gesandt hat. 17Wenn jemand bereit ist, Gottes Willen zu erfüllen, wird er erkennen, ob das, was ich lehre, von Gott ist oder ob ich aus mir selbst heraus rede. 18Wer aus sich selbst heraus redet, dem geht es um seine eigene Ehre. Wem es aber um die Ehre dessen geht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig und hat keine unrechten Absichten7,18 W der ist wahr/wahrhaftig, und Unrecht ist nicht in ihm.. 19Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und doch lebt keiner von euch nach dem Gesetz. Mit welchem Recht wollt ihr mich also töten?7,19 Od Warum würdet ihr mich sonst töten wollen? W Warum sucht ihr mich zu töten?«

20»Du bist von einem Dämon besessen!7,20 Du hast den Verstand verloren!«, rief die Menge. »Wer hat denn die Absicht, dich zu töten?« 21Jesus erwiderte: »Ihr seid alle noch immer ganz außer euch7,21 ganz verwundert. wegen der einen Sache, die ich ´am Sabbat` getan habe.7,21 Gemeint ist die in Kapitel 5,5-9 berichtete Heilung eines Kranken. 22Dabei habt ihr keine Bedenken, die Beschneidung, ´wenn es sein muss,` auch am Sabbat vorzunehmen, weil Mose sie euch vorgeschrieben hat.7,22 Die Beschneidung, das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied, wurde entsprechend den Anweisungen in 1. Mose 17,10-13 und 3. Mose 12,3 am achten Tag nach der Geburt vollzogen. Und eigentlich geht sie doch gar nicht auf ihn zurück, sondern bereits auf die Stammväter. 23Wenn also, um das Gesetz des Mose nicht zu brechen, ein Mensch am Sabbat beschnitten werden darf, warum seid ihr dann so empört darüber, dass ich am Sabbat einen Menschen am ganzen Körper7,23 W einen ganzen Menschen. gesund gemacht habe? 24Urteilt nicht nach dem äußeren Schein, sondern bemüht euch um ein gerechtes Urteil!«

Jesus im Widerstreit der Meinungen

25Da sagten einige Leute aus Jerusalem: »Ist das nicht der Mann, dem sie nach dem Leben trachten? 26Aber seht, er redet in aller Öffentlichkeit, und sie verbieten es ihm mit keinem Wort! Sollten unsere führenden Männer etwa zu der Überzeugung gelangt sein, dass er der Messias7,26 Od Christus. Ebenso in den Versen 27, 31, 41 und 42. ist? 27Nun wissen wir allerdings bei diesem Mann, woher er kommt. Doch wenn der Messias auftreten wird, weiß niemand, woher er kommt.«

28Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: »´Ihr meint,` mich zu kennen und zu wissen, woher ich komme. Aber ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen; es gibt einen, der mich gesandt hat, und das ist der wahre ´Gott`7,28 Od und der ist glaubwürdig.. Doch den kennt ihr nicht. 29Ich hingegen kenne ihn, denn ich komme von ihm; er ist es, der mich gesandt hat.«

30Nun hätten sie Jesus am liebsten festgenommen. Doch keiner wagte es, Hand an ihn zu legen; seine Zeit war noch nicht gekommen. 31Viele in der Menge glaubten an ihn; sie sagten: »Wenn der Messias kommt, wird er dann etwa mehr Wunder tun als dieser hier?«

32Den Pharisäern blieb nicht verborgen, was die Leute über Jesus redeten.7,32 W Die Pharisäer hörten die Menge das über ihn murmeln. Darum schickten die führenden Priester und die Pharisäer Männer der Tempelwache7,32 Männer der Tempelwache w Diener. Ebenso in Vers 45. zu ihm mit dem Befehl, ihn festzunehmen.

33Da sagte Jesus: »Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch; dann gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. 34Ihr werdet mich suchen, aber ihr werdet mich nicht finden; dorthin, wo ich dann bin, könnt ihr nicht kommen.«

35Die Juden sahen einander verständnislos an7,35 W Da sagten die Juden zueinander.: »Er will an einen Ort gehen, wo wir ihn nicht finden können! Wo soll das denn sein? Will er etwa zu den Juden gehen, die im Ausland leben, und am Ende sogar den fremden Völkern seine Lehre bringen?7,35 W Will er etwa zu der Diaspora der Griechen gehen und die Griechen lehren? – Die Diaspora der Griechen bezeichnet die Judenschaft, die als Minderheit unter den Griechen (d. h. in griechischsprachigen Gebieten oder, weiter gefasst, unter nichtjüdischen Völkern) lebte. 36Was meint er damit, wenn er sagt: ›Ihr werdet mich suchen, aber ihr werdet mich nicht finden; dorthin, wo ich dann bin, könnt ihr nicht kommen‹?«

Jesu Angebot: das Wasser des Lebens

37Am letzten Tag, dem größten Tag des Festes, trat Jesus ´vor die Menge` und rief: »Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken! 38Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren7,38 Od 37 … soll zu mir kommen, und es soll trinken, 38 wer an mich glaubt. Dann werden aus seinem Inneren (Denn aus seinem (Jesu) Inneren werden)., wie es in der Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen.7,38 Vergleiche z. B. Jesaja 58,11 und Sacharja 14,8.« 39Er sagte das im Hinblick auf den ´Heiligen` Geist, den die empfangen sollten, die an Jesus glaubten7,39 Od/AL(1) glauben.. Der Geist war zu jenem Zeitpunkt noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in seiner Herrlichkeit offenbart worden war.

Ist Jesus der Messias? Meinungsverschiedenheiten im Volk – Uneinigkeit bei den führenden Männern

40Von diesen Worten beeindruckt, meinten einige aus der Menge: »Das ist wirklich der Prophet, ´auf den wir gewartet haben`!« 41Manche sagten ´sogar`: »Er ist der Messias!« – »Seit wann kommt denn der Messias aus Galiläa?«, wandten andere ein. 42»Heißt es nicht in der Schrift, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein wird und aus Betlehem stammt, dem Ort, wo David lebte?7,42 Vergleiche 2. Samuel 7,12; Jeremia 23,5.6; Micha 5,1.« 43So kam es wegen Jesus zu einer Spaltung in der Menge. 44Einige hätten ihn am liebsten festgenommen, aber keiner wagte es, Hand an ihn zu legen.

45Als die Männer der Tempelwache ´ohne Jesus` zurückkehrten, wurden sie von den führenden Priestern und den Pharisäern gefragt: »Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?« – 46»Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie dieser Mann«, rechtfertigten sie sich. 47»Habt ihr euch auch von ihm verführen lassen?«, herrschten die Pharisäer sie an. 48»Glaubt denn auch nur einer von den führenden Männern oder von den Pharisäern an ihn? 49Das tut doch nur dieses Volk, das das Gesetz nicht kennt, diese Leute, die verflucht sind.«

50Aber Nikodemus, der selbst ein Pharisäer war und Jesus früher einmal aufgesucht hatte, hielt ihnen entgegen: 51»Seit wann verurteilt unser Gesetz einen Menschen, ohne dass man ihn vorher anhört und feststellt, ob er schuldig ist?« – 52»Du bist wohl auch aus Galiläa?«, gaben sie zurück. »Forsche ´in der Schrift` nach, dann wirst du sehen: Aus Galiläa kommt kein Prophet.7,52 AL(2) Der Prophet kommt nicht aus Galiläa.«

53Daraufhin7,53 In den ältesten griechischen Handschriften des Neuen Testaments fehlt der Abschnitt Kapitel 7,53–8,11. Was in ihm berichtet ist, wurde zunächst wohl unabhängig vom übrigen Text des Johannes-Evangeliums überliefert und erst später hier (von manchen Handschriften auch an anderer Stelle) eingefügt. gingen sie alle nach Hause.