Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
25

Gouverneur Festus in Jerusalem

251Bereits drei Tage, nachdem Festus sein Amt als Gouverneur der Provinz Judäa angetreten hatte, reiste er von Cäsarea nach Jerusalem. 2Dort sprachen die führenden Priester und die anderen Männer, die an der Spitze des jüdischen Volkes standen, bei ihm vor. Sie wiederholten ihre Anschuldigungen gegen Paulus und baten den Gouverneur, 3ihnen einen besonderen Gefallen zu tun und den Gefangenen25,3 W und baten den Gouverneur 3 um einen gegen Paulus gerichteten Gefallen; sie baten ihn, den Gefangenen. nach Jerusalem verlegen zu lassen. ´Der wahre Grund für ihre Bitte war jedoch, dass` sie Paulus überfallen und töten wollten, während er auf dem Weg nach Jerusalem war. 4Aber Festus ´ging nicht auf ihre Bitte ein`. Paulus bleibe in Cäsarea, erklärte er, und er selbst werde in Kürze dorthin zurückkehren. 5»Dann«, so schlug er vor, »kann eine Delegation von euch25,5 W können die unter euch, die mächtig (d. h. zuständig/bevollmächtigt) sind. mit mir reisen und ´an meinem Amtssitz` Anklage gegen diesen Mann erheben – vorausgesetzt, er hat sich tatsächlich eines Vergehens schuldig gemacht.«

Wiederaufnahme des Verfahrens

6Festus hielt sich nicht länger als25,6 Od hielt sich anschließend nur noch. acht bis zehn Tage bei den Juden in Jerusalem auf; dann kehrte er nach Cäsarea zurück. Schon am nächsten Tag berief er eine Gerichtsversammlung ein25,6 W setzte er sich auf den Richterstuhl. und befahl, Paulus ´aus dem Gefängnis` zu holen. 7Sowie Paulus ´im Gerichtssaal` erschien, umringten ihn die Juden, die ´mit Festus` aus Jerusalem gekommen waren, und brachten zahlreiche schwere Anschuldigungen gegen ihn vor, die sie allerdings nicht beweisen konnten 8und gegen die sich Paulus entschieden zur Wehr setzte. »Ich habe«, sagte er, »weder gegen das jüdische Gesetz verstoßen noch den Tempel entweiht, noch mir etwas gegenüber dem Kaiser zuschulden kommen lassen.«

Paulus fordert die Verhandlung des Falles vor dem Kaiser in Rom

9Doch Festus, der den Juden einen Gefallen erweisen wollte, sagte zu Paulus: »Wärst du bereit, nach Jerusalem zu gehen, damit dort in einer Gerichtsverhandlung, bei der ich den Vorsitz führe25,9 Od bei der ich zugegen bin., über die Sache entschieden werden kann?« 10Paulus erwiderte: »Ich stehe hier vor einem kaiserlichen Gericht, und vor einem kaiserlichen Gericht25,10 »Für mich ist das Gericht des Kaisers zuständig; vor dem Gericht des Kaisers. muss mein Fall entschieden werden. Ich habe den Juden kein Unrecht zugefügt ´und bin überzeugt, dass` auch du das sehr wohl weißt. 11Wäre ich im Unrecht und hätte etwas getan, worauf die Todesstrafe steht, würde ich mich nicht weigern zu sterben. Doch wenn die Anklagen dieser Leute aus der Luft gegriffen sind, hat niemand das Recht, mich an sie auszuliefern, nur um ihnen einen Gefallen zu erweisen. Ich verlange, dass mein Fall vor den Kaiser kommt!25,11 W Ich berufe mich auf den Kaiser!«

12Festus besprach sich daraufhin mit seinen Beratern und teilte Paulus dann seine Entscheidung mit: »Auf den Kaiser hast du dich berufen – vor dem Kaiser sollst du dich verantworten25,12 W zum Kaiser sollst du gehen.

König Agrippa lässt sich über den Fall informieren

13Bald danach kamen König Agrippa25,13 Herodes Agrippa II., der Sohn von Agrippa I. (siehe die Anmerkung zu Kapitel 12,1). und ´seine Schwester` Berenike nach Cäsarea, um Festus anlässlich seines Amtsantritts einen offiziellen Besuch abzustatten25,13 W um Festus zu grüßen.. 14Da sie einige Tage in Cäsarea blieben, ´nutzte` Festus ´die Gelegenheit und` informierte den König über den Fall Paulus. »Wir haben hier«, sagte er, »einen Gefangenen, den ´mein Vorgänger` Felix mir zurückgelassen hat. 15Seinetwegen sprachen die führenden Priester und die Ratsältesten des jüdischen Volkes bei mir vor, als ich kürzlich in Jerusalem war. Sie erhoben Anklage gegen ihn und drängten mich, ihn zu verurteilen. 16Ich gab ihnen zur Antwort, dass es bei den Römern nicht üblich ist, jemand ohne vorheriges Verhör abzuurteilen25,16 W jemand auszuliefern/preiszugeben., nur um seinen Gegnern einen Gefallen zu erweisen. Erst müsse der Angeklagte den Anklägern persönlich gegenübergestellt werden und Gelegenheit erhalten, sich gegen ihre Anschuldigungen zu verteidigen.

17Daraufhin reisten einige von ihnen mit mir hierher.25,17 Od Daraufhin kamen einige von ihnen hier zusammen. Ich schob die Angelegenheit dann nicht lange auf, sondern berief schon am nächsten Tag eine Gerichtsversammlung ein25,17 W sondern setzte mich schon am nächsten Tag auf den Richterstuhl. und befahl, den Angeklagten ´aus dem Gefängnis` zu holen. 18Doch bei der Gegenüberstellung brachten die Ankläger keinerlei Beschuldigungen wegen irgendwelcher Verbrechen vor, wie ich das erwartet hatte. 19Die Anklagepunkte hatten vielmehr mit Streitfragen ihrer Religion zu tun und betrafen einen25,19 Od und mit einem. gewissen Jesus, der längst tot ist und von dem Paulus behauptet, er lebe. 20Nun verstehe ich von diesen Dingen zu wenig, als dass ich eine entsprechende Untersuchung hätte führen können. Deshalb fragte ich Paulus, ob er bereit wäre, nach Jerusalem zu gehen, damit die Sache dort in einer Gerichtsverhandlung entschieden werden könne. 21Doch er verlangte, Seine kaiserliche Hoheit persönlich solle den Fall entscheiden, und bis es soweit ist, will er hier in Haft bleiben. Da ordnete ich an, ihn ´in Cäsarea` in Gewahrsam zu halten, bis es mir möglich wäre, ihn ´nach Rom` zum Kaiser bringen zu lassen.«

22»Am liebsten«, sagte Agrippa zu Festus, »würde ich diesen Mann einmal kennen lernen und selbst hören, was er zu sagen hat25,22 W würde ich den Menschen einmal selbst hören..« Festus erwiderte: »Morgen sollst du dazu Gelegenheit bekommen25,22 W sollst du ihn hören.

Paulus vor König Agrippa

23Und so geschah es. Am folgenden Tag erschienen Agrippa und Berenike in prunkvoller Aufmachung und begaben sich in den Audienzsaal, begleitet von hohen ´römischen` Offizieren und von den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt, und Paulus wurde auf Anordnung des Gouverneurs ´aus dem Gefängnis` geholt. 24Darauf ergriff Festus das Wort: »König Agrippa und ihr alle, die ihr heute mit uns zusammen seid! Hier seht ihr den Mann, dessentwegen mich das ganze jüdische Volk so heftig bedrängt. Sowohl in Jerusalem als auch hier25,24 Od Zuerst in Jerusalem und später auch hier. in Cäsarea haben sie mich bestürmt, er dürfe nicht am Leben bleiben. 25Was mich betrifft, konnte ich allerdings nicht feststellen, dass er irgendetwas getan hätte25,25 Od 25 Allerdings hat er, soweit ich das feststellen konnte, nichts getan., worauf die Todesstrafe steht. Doch weil er verlangt hat, dass sein Fall vor Seine Majestät, den Kaiser, kommt25,25 W Doch weil er sich auf Seine kaiserliche Hoheit berufen hat., habe ich beschlossen, ihn ´zum Kaiser` zu schicken. 26Nur verfüge ich vorläufig in dieser Angelegenheit25,26 Od zu seiner Person. über keinerlei zuverlässige Informationen, die ich an unseren Herrscher weitergeben könnte. Deshalb habe ich ihn euch und besonders dir, König Agrippa, vorführen lassen in der Hoffnung, dass ich nach dieser Vernehmung imstande bin, einen Bericht abzufassen. 27Denn es erscheint mir unsinnig, einen Gefangenen ´nach Rom` zu schicken, solange ich keine konkreten Angaben über die Beschuldigungen machen kann, die gegen ihn vorgebracht werden.«

26

Die Verteidigungsrede des Apostels: Sein früheres Leben …

261Nun wandte sich Agrippa an Paulus und sagte: »Es ist dir gestattet, in eigener Sache zu sprechen!« Paulus hob die Hand26,1 Wahrscheinlich eine respektvolle Gruß- oder Dankgebärde. Vielleicht brachte die Geste auch zum Ausdruck, dass Paulus bereit war, seine Rede zu beginnen. und begann dann seine Verteidigungsrede: 2»Angesichts all der Anschuldigungen, die vonseiten der Juden gegen mich erhoben werden, schätze ich mich glücklich, König Agrippa, dass ich heute Gelegenheit habe, mich vor dir zu verteidigen, 3und das umso mehr, als du – wie ich weiß – ein hervorragender Kenner aller jüdischen Sitten26,3 Od Gesetzesvorschriften. und Streitfragen bist. Daher bitte ich dich, mich jetzt wohlwollend26,3 W geduldig. anzuhören.

4Was meinen früheren Lebensweg betrifft, so gibt es daran nichts, was nicht allen Juden bekannt wäre, habe ich doch von meiner Jugend an mitten unter meinem Volk in Jerusalem gelebt26,4 habe ich doch von meiner Jugend an zunächst in meiner Heimatprovinz und dann hier in Jerusalem ´unter ihnen` gelebt.. 5Alle wissen – und können es, wenn sie nur wollen, jederzeit bezeugen –, dass ich damals der strengsten Richtung unserer Religion angehörte, derjenigen der Pharisäer, und ihren Regeln entsprechend gelebt habe.

6Wenn ich nun heute vor Gericht stehe, dann nur, weil ich der festen Überzeugung bin26,6 W dann ist es wegen der Hoffnung., dass Gott die Zusage erfüllen wird, die er unseren Vorfahren gegeben hat. 7Unser ganzes zwölfstämmiges Volk dient Gott unablässig26,7 Od mit ganzer Hingabe. bei Tag und bei Nacht in der Hoffnung, die Erfüllung dieser Zusage zu erleben. Und jetzt, Majestät, werde ich wegen dieser Hoffnung angeklagt, und das ausgerechnet von Juden! 8Warum fällt es euch Juden so schwer zu glauben26,8 Nach anderer Auffassung spricht Paulus in Vers 8 in erster Linie die Nichtjuden unter seinen Zuhörern an. W Warum wird es bei euch für unglaubhaft gehalten., dass Gott Tote auferweckt?

9Zunächst allerdings war auch ich der Meinung, ich müsste den Glauben an diesen Jesus26,9 W ich müsste den Namen dieses Jesus. von Nazaret mit allen Mitteln bekämpfen. 10Das habe ich dann auch getan: Ausgestattet mit den nötigen Vollmachten vonseiten der führenden Priester, brachte ich in Jerusalem zahlreiche Christen26,10 W Heilige. ins Gefängnis, und wenn sie zum Tod verurteilt wurden26,10 W und wenn sie getötet wurden., stimmte ich ihrer Hinrichtung zu26,10 Od gab ich meine Stimme gegen sie ab.. 11In sämtlichen Synagogen ´der Stadt`26,11 Od ´von Judäa`. habe ich viele Male versucht, die Christen durch Strafmaßnahmen dazu zu zwingen, Jesus zu verfluchen26,11 Od zu verhöhnen. W sie durch Strafmaßnahmen zum Lästern zu zwingen.. Ich war so wild entschlossen, diese Bewegung auszurotten, dass ich ihre Anhänger26,11 W Ich wütete so übermäßig gegen sie, dass ich sie. sogar bis in die Städte außerhalb ´von Judäa` verfolgte.«

… seine Umkehr zu Jesus Christus

12»In dieser Absicht reiste ich dann auch nach Damaskus; ich hatte die Zustimmung der führenden Priester eingeholt und war mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet. 13Unterwegs, Majestät, – es war gegen Mittag – sah ich plötzlich vom Himmel her ein Licht aufleuchten, ein Licht, das heller war als die Sonne und das mich und meine Begleiter von allen Seiten umgab. 14Wir alle stürzten zu Boden, und ich hörte eine Stimme auf hebräisch26,14 Zu hebräisch siehe die Sacherklärungen. zu mir sagen: ›Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Du schlägst vergeblich gegen den Stock des Treibers aus!‹ – 15›Herr‹, sagte ich, ›wer bist du?‹ Der Herr antwortete: ›Ich bin der, den du verfolgst; ich bin Jesus. 16Doch jetzt steh auf! Denn ich bin dir erschienen, um dich zu meinem Diener und Zeugen zu machen. Bezeuge ´den Menschen`, dass du mich ´heute` gesehen hast26,16 AL(1) was du ´heute` gesehen hast., und bezeuge es ihnen, wenn ich dir wieder erscheine26,16 Vergleiche Kapitel 18,9; 22,17-21; 23,11; 2. Korinther 12,1-4. und bezeuge ihnen, was ich dir noch zeigen werde..26,16 Vergleiche Kapitel 18,9; 22,17-21; 23,11; 2. Korinther 12,1-4. 17Ich sende dich sowohl zum jüdischen Volk als auch zu den Nichtjuden, und vor allen ihren Angriffen werde ich dich schützen.26,17 Od 17 Ich werde dich vor den Angriffen des jüdischen Volkes schützen und ebenso vor den Angriffen der Nichtjuden, zu denen ich dich sende. Ich wähle dich jetzt aus aus dem jüdischen Volk und aus den nichtjüdischen Völkern, zu denen ich dich sende. 18Öffne ihnen die Augen, damit sie umkehren und sich von der Finsternis zum Licht wenden und von der Macht des Satans zu Gott. Dann werden ihnen ihre Sünden vergeben, und sie werden zusammen mit allen anderen, die durch den Glauben an mich zu Gottes heiligem Volk gehören, ein ´ewiges` Erbe erhalten26,18 Od und sie werden einen Platz unter denen erhalten, die durch den Glauben an mich zu Gottes heiligem Volk gehören (w die durch den Glauben an mich geheiligt sind). Od Dann werden ihnen durch den Glauben ihre Sünden vergeben, und sie werden zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, ein ´ewiges` Erbe erhalten..‹«

… seine evangelistische Tätigkeit

19»Angesichts dieser Erscheinung vom Himmel, König Agrippa, gab es für mich nur eins: Ich gehorchte dem, was mir gesagt worden war26,19 W »Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam., 20und verkündete ´die Botschaft von Jesus` zunächst in Damaskus und Jerusalem, dann in ganz Judäa und schließlich unter den nichtjüdischen Völkern. Überall forderte ich die Menschen auf, ihre verkehrten Wege zu verlassen, zu Gott umzukehren und ein Leben zu führen, das dieser Umkehr angemessen ist.«

… und seine Verhaftung

21»Das alles führte schließlich dazu, dass die Juden26,21 Od einige Juden. über mich herfielen, als ich ´in Jerusalem` im Tempel war, und mich umzubringen versuchten. 22Doch Gott kam mir zu Hilfe, und deshalb stehe ich bis zum heutigen Tag als sein Zeuge26,22 Od Doch Gott kam mir ´damals und` bis zum heutigen Tag immer wieder zu Hilfe, und deshalb stehe ich als sein Zeuge. vor den Menschen, den einfachen ebenso wie den hoch gestellten. Was ich bezeuge, ist nichts anderes als das, was die Propheten angekündigt haben und wovon bereits Mose gesprochen hat: 23dass nämlich der Messias26,23 Od Christus. leiden und sterben müsse und dass er als Erster von den Toten auferstehen werde, um dann allen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen26,23 W um dann Licht zu verkünden., sowohl dem jüdischen Volk als auch den anderen Völkern.«

Agrippa weicht einer Entscheidung aus

24Als Paulus in seiner Verteidigungsrede an diesem Punkt angelangt war, rief Festus mit lauter Stimme: »Paulus, du bist verrückt geworden! Deine große Gelehrsamkeit26,24 Od Das viele Studieren. treibt dich in den Wahnsinn.« 25Doch Paulus erwiderte: »Ich bin nicht verrückt, hochverehrter Festus! Was ich sage, ist wahr, und meine Worte sind vernünftig. 26Der König, zu dem ich so frei und offen rede, weiß sehr wohl über diese Dinge Bescheid. Ich bin überzeugt, dass ihm nichts von dem, ´was ich gesagt habe,` unbekannt gewesen ist; schließlich hat sich das alles nicht in irgendeinem verborgenen Winkel zugetragen. 27König Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß, dass du ihnen glaubst!« 28Agrippa entgegnete: »Du redest so überzeugend, dass du demnächst noch einen Christen aus mir machst!26,28 Manche halten diese Aussage nicht für ernst gemeint, sondern verstehen sie ironisch-spöttisch. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: Du redest so überzeugend, dass du mich demnächst noch dazu bringst, mich als einen Christen auszugeben! Od Meinst du, du könntest mich in so kurzer Zeit (od mit so geringem Aufwand / mit so schwachen Argumenten) dazu überreden, Christ zu werden / mich als einen Christen auszugeben?« 29Darauf sagte Paulus: »Ich bete zu Gott, dass früher oder später nicht nur du, sondern alle, die mich heute gehört haben, das werden, was ich ´geworden` bin – abgesehen natürlich von den Fesseln.«

30Nun erhoben sich der König und der Gouverneur und ebenso Berenike und alle anderen, die an der Zusammenkunft teilgenommen hatten. 31Beim Verlassen26,31 Od Nach dem Verlassen. des Saales unterhielten sie sich ´über das, was Paulus gesagt hatte`.26,31 Od und ebenso Berenike und ihre Rechtsberater 31 und zogen sich zur Beratung zurück. »Dieser Mann«, so lautete das einhellige Urteil, »tut nichts, was den Tod oder auch nur eine Gefängnisstrafe verdient!« 32Und Agrippa sagte zu Festus: »Der Mann hätte freigelassen werden können, wenn er nicht verlangt hätte, dass sein Fall vor den Kaiser kommt26,32 W wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte. Kapitel 25,11..26,32 Kapitel 25,11.«

27

Die Schiffsreise nach Rom: Mühevoller Beginn …

271Als es dann so weit war, dass wir27,1 Beginn des dritten »Wir-Berichtes« (siehe die Anmerkung zu Kapitel 16,10). nach Italien abreisen sollten27,1 Od Da es nun also beschlossen war, dass wir nach Italien reisen sollten. Od Nachdem dann festgelegt worden war, wann wir nach Italien abreisen sollten. Nachdem dann beschlossen worden war, dass wir mit dem Schiff nach Italien reisen sollten (häufig wurde auch der Landweg benutzt)., wurden Paulus und einige andere Gefangene einem ´römischen` Offizier übergeben, einem Hauptmann namens Julius, dessen Regiment den Ehrentitel »Kaiserliches Regiment« trug27,1 W einem Hauptmann namens Julius von der Kaiserlichen Kohorte.. 2Wir gingen an Bord eines Schiffes aus Adramyttium, das die Küstenstädte der Provinz Asien anlief, und stachen in See. Aristarch, ein Mazedonier aus Thessalonich, begleitete uns. 3Am folgenden Tag legten wir in Sidon an. Julius behandelte Paulus sehr zuvorkommend und erlaubte ihm, seine Freunde aufzusuchen, um sich von ihnen mit allem Nötigen versorgen zu lassen27,3 Od um sich bei ihnen ´von den Strapazen der Haft` zu erholen.. 4Wieder auf See, zwang uns ein heftiger Gegenwind27,4 Der im Sommer vorherrschende West- oder Nordwestwind., im Schutz der Küste von Zypern weiterzusegeln27,4 Also entlang der Ostseite der Insel (statt an der Küste des Festlands; nach anderer Auffassung: statt auf der kürzeren Route südlich von Zypern).. 5Als wir dann das offene Meer vor Zilizien und Pamphylien durchquert hatten, legten wir in Myra in Lyzien an.

6In Myra fand unser Hauptmann ein Schiff aus Alexandria, das auf dem Weg nach Italien war und auf das er uns umsteigen ließ. 7Viele Tage lang machten wir nur wenig Fahrt, und als wir schließlich mit großer Mühe bis auf die Höhe von Knidos gekommen waren, gelang es uns wegen des starken Windes nicht, dort anzulegen27,7 Od nicht mehr, weiterzukommen.. Statt dessen nahmen wir Kurs auf Kreta, steuerten am Kap Salmone vorbei und segelten auf der dem Wind abgekehrten Ostseite an der Insel entlang. 8Mit größter Mühe ging es dann an ´der Südküste von` Kreta weiter, bis wir schließlich einen Ort namens Kaloi Limenes27,8 »Gute Häfen«. erreichten, einen Hafen, der nicht weit von der Stadt Lasäa entfernt ist.

9Inzwischen war viel ´kostbare` Zeit verstrichen; sogar der ´jüdische` Fastentag27,9 Der Große Versöhnungstag (Jom Kippur; 3. Mose 16,29-31; 23,26-32), der im Jahr 59 n. Chr. (so die wahrscheinlichste Datierung dieser Schiffsreise) auf einen besonders späten Zeitpunkt fiel (Anfang Oktober). war schon vorüber, und ´so spät im Herbst` war die Schifffahrt mit hohen Risiken verbunden.27,9 Von Mitte September an war die Schifffahrt auf dem Mittelmeer zunehmend gefährlich; im Winter wurde sie völlig eingestellt. Deshalb warnte Paulus die Besatzung. 10»Männer«, sagte er, »ich sehe große Gefahren auf uns zukommen, wenn wir die Reise fortsetzen. Wir riskieren nicht nur den Verlust der Ladung und des Schiffes, sondern setzen auch unser eigenes Leben aufs Spiel.« 11Doch der Hauptmann schenkte den Worten des Steuermanns und des Schiffseigentümers27,11 Der Schiffseigner reiste gewöhnlich mit und nahm dabei die Aufgabe eines Kapitäns wahr. mehr Vertrauen als dem, was Paulus sagte. 12Und da der Hafen von Kaloi Limenes zum Überwintern wenig geeignet war, sprach sich fast die gesamte Mannschaft dafür aus, noch einmal in See zu stechen. Man wollte versuchen, bis nach Phönix zu kommen, einem ebenfalls auf Kreta gelegenen Hafen, der nur nach Südwesten und Nordwesten hin offen ist27,12 der gegen den Südwest- und Nordwestwind geschützt ist. ´und daher besseren Schutz bietet27,12 Nämlich vor den gefährlichen Ost- und Nordostwinden des Winters (vergleiche Vers 14).`. Dort wollte man dann den Winter über bleiben.

… Irrfahrt im Sturm

13Als nun ein leichter Südwind einsetzte27,13 Sodass also keine Gefahr bestand, von der Küste abgetrieben zu werden., sahen sich die Seeleute in ihrem Vorhaben bestätigt. Sie lichteten die Anker und fuhren so dicht wie möglich an der Küste Kretas entlang. 14Doch es dauerte nicht lange, da brach von den Bergen der Insel her ein orkanartiger Sturm über uns herein, der gefürchtete Nordost27,14 Griechisch Eurakýlon. Nach einer weniger gut bezeugten Lesart handelte es sich um den Euroklýdon, einen Südostwind; in diesem Fall wäre das Schiff an die Westküste Griechenlands getrieben worden (siehe die Anmerkung zu Kapitel 28,1).. 15Das Schiff wurde mitgerissen, und alle Versuche, es zu drehen und gegen den Wind zu segeln, waren vergeblich27,15 Od und jeder Versuch … wäre sinnlos gewesen.. Wir mussten das Schiff dem Sturm preisgeben und uns treiben lassen. 16Als wir dann ´eine Zeitlang` im Schutz einer kleinen Insel namens Kauda dahintrieben, gelang es uns – wenn auch nur mit größter Mühe –, das Beiboot27,16 das gewöhnlich im Schlepptau fuhr. unter Kontrolle zu bringen 17und an Deck zu holen. Außerdem trafen die Seeleute verschiedene Schutzvorkehrungen: Sie spannten Taue um den Schiffsrumpf, ´um ihn vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren`; und weil sie fürchteten, in die Große Syrte27,17 Wegen unberechenbarer Strömungen und wandernder Sandbänke gefürchtete Bucht an der nordafrikanischen Küste. ´mit ihren Sandbänken` verschlagen zu werden, brachten sie den Treibanker aus27,17 Od holten sie alles entbehrliche Takelwerk herunter. holten sie das Hauptsegel ein. und verlangsamten dadurch das Abdriften27,17 W und auf diese Weise trieben wir dahin.. 18Weil uns der Sturm weiterhin mit unverminderter Gewalt zusetzte, warfen die Seeleute am nächsten Tag einen Teil der Ladung über Bord. 19Und wieder einen Tag später beförderten sie sogar Teile der Schiffsausrüstung27,19 Od des Takelwerks. eigenhändig ins Meer. 20Tagelang waren weder die Sonne noch die Sterne zu sehen, ´sodass keinerlei Orientierung möglich war,` und das Unwetter tobte so heftig, dass wir zuletzt jede Hoffnung auf Rettung aufgaben.

… Ermutigung der Besatzung durch Paulus

21Niemand war mehr imstande, etwas zu essen27,21 Od Während langer Zeit hatte niemand mehr etwas gegessen., bis Paulus schließlich vor die Schiffsmannschaft27,21 Od vor die Schiffsinsassen. trat und sagte: »Ihr Männer! Man hätte auf mich hören und nicht mehr weiterfahren sollen, nachdem wir einmal auf Kreta angelegt hatten; dann wären wir gar nicht erst in diese Gefahr geraten, und all der Schaden wäre uns erspart geblieben. 22Aber nachdem jetzt alles so gekommen ist, fordere ich euch auf: Lasst den Mut nicht sinken! Denn nicht ein Einziger von euch wird umkommen; nur das Schiff ist verloren. 23Letzte Nacht trat nämlich ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, zu mir 24und sagte: ›Paulus, du brauchst dich nicht zu fürchten! ´Gott hat bestimmt, dass` du vor dem Kaiser erscheinen sollst, und deinetwegen wird er allen, die mit dir auf dem Schiff sind, das Leben schenken27,24 W und sieh, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir auf dem Schiff sind..‹ 25Fasst also wieder Mut, Männer! Denn ich vertraue Gott und bin überzeugt, dass alles so kommen wird, wie es mir ´durch den Engel` gesagt wurde. 26Wir werden – so hat Gott es bestimmt – vor einer Insel stranden.27,26 Od 26 Eins allerdings wird uns nicht erspart bleiben: Wir werden vor einer Insel stranden. W 26 Wir müssen vor einer Insel stranden.«

… Schiffbruch und Rettung

27So kam schließlich die vierzehnte Nacht, in der wir auf dem Adriatischen Meer27,27 Der Begriff bezeichnete damals neben der heutigen Adria auch das Ionische Meer (zwischen Griechenland und Süditalien). dahintrieben. Gegen Mitternacht meinten die Seeleute plötzlich, Anzeichen dafür zu entdecken, dass wir uns einer Küste näherten27,27 W meinten die Seeleute, dass sich ihnen Land näherte.. 28Sie warfen das Lot aus und maßen ´eine Wassertiefe von` zwanzig Faden27,28 Etwa 37 m (1 Faden = 1,85 m).. Kurze Zeit später warfen sie das Lot noch einmal aus und maßen fünfzehn Faden27,28 Knapp 28 m.. 29Jetzt packte sie die Angst, wir könnten irgendwo ´vor der Küste` auf ein Riff auflaufen. Sie warfen vom Heck des Schiffes vier Anker aus und wünschten sehnlichst den Tag herbei. 30´In ihrer Verzweiflung` machten sie sogar einen Versuch, das Schiff zu verlassen und zu fliehen. Unter dem Vorwand, sie wollten auch vom Bug aus Anker ausbringen, ließen sie das Beiboot zu Wasser.27,30 Ein Schiff, das bereits vor Anker lag, konnte zusätzlich gesichert werden, indem man weitere Anker mit Hilfe des Beibootes vom Schiff wegzog, in einiger Entfernung versenkte und die Ankertaue dann vom Schiff aus straff spannte. 31Doch Paulus warnte den Hauptmann und die Soldaten: »Wenn diese Männer nicht auf dem Schiff bleiben, habt ihr keine Chance, gerettet zu werden!« 32Da kappten die Soldaten die Taue des Beibootes und ließen es davontreiben27,32 Od hinunterfallen..

33Noch bevor es hell wurde, wandte sich Paulus an alle, ´die auf dem Schiff waren,` und bat sie eindringlich, etwas zu essen. »Heute ist schon der vierzehnte Tag«, sagte er, »den ihr in Anspannung und Ungewissheit zubringt27,33 W den ihr mit (ängstlichem) Warten zubringt., und während der ganzen Zeit habt ihr keine richtige Mahlzeit27,33 Od nicht das kleinste Bisschen Nahrung. zu euch genommen. 34Deshalb fordere ich euch jetzt dringend auf, etwas zu essen; ihr müsst euch stärken, wenn ihr gerettet werden wollt27,34 Od etwas zu essen und euch damit für die bevorstehende Rettung zu stärken. W etwas zu essen, denn das ist zu eurer Rettung nötig / dient zu eurer Rettung.. ´Ich versichere euch, dass` keiner von euch auch nur ein Haar von seinem Kopf verlieren wird.« 35Mit diesen Worten nahm er ein Brot, dankte Gott vor allen dafür, brach ein Stück davon ab27,35 Od brach es in Stücke. und begann zu essen. 36Da bekamen alle neuen Mut und fingen ebenfalls an zu essen. 37Insgesamt befanden sich 276 Personen an Bord. 38Als alle satt waren, schüttete man die restliche Getreideladung ins Meer, um das Schiff so leicht wie möglich zu machen.

39Endlich wurde es Tag, doch die Küste, ´die die Seeleute nun vor sich sahen,` war ihnen unbekannt. Als sie eine Bucht mit einem flachen Strand entdeckten, wollten sie versuchen, das Schiff dort auf Grund zu setzen. 40Sie kappten die Ankertaue, sodass die Anker im Meer zurückblieben, und lösten zugleich die Taue, mit denen man die beiden Steuerruder während des Sturms festgebunden hatte27,40 W und lösten zugleich die Haltetaue der Steuerruder.. Dann hissten sie das Vorsegel vor den Wind und hielten auf den Strand zu. 41Doch dabei geriet das Schiff auf eine Sandbank27,41 Od Landzunge. und lief auf Grund, ohne dass sie etwas dagegen tun konnten27,41 W und sie ´mussten` es auf Grund laufen lassen.. Der Bug bohrte sich so tief ´in den Sand` ein, dass er unbeweglich festsaß, während das Heck unter der Wucht der Wellen nach und nach auseinander brach.

42Da beschlossen die Soldaten, die Gefangenen zu töten, damit keiner von ihnen an Land schwimmen und entkommen konnte.27,42 Die Soldaten hatten mit schwerer Bestrafung zu rechnen, wenn sie die Gefangenen lebend entkommen ließen. 43Doch der Hauptmann, der Paulus das Leben retten wollte, hielt sie von ihrem Vorhaben ab. Er befahl, dass zunächst einmal diejenigen, die schwimmen konnten, über Bord springen und versuchen sollten, das Ufer zu erreichen. 44Die Übrigen sollten auf Planken und anderen Wrackteilen27,44 auf Planken oder auf dem Rücken von Seeleuten. folgen. So kam es, dass alle ´unversehrt blieben und` sich an Land retten konnten.