Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
22

– Die Vergangenheit: Treue zum Gesetz und Verfolgung der Christen

221»Liebe Landsleute22,1 W »Leute (od Männer).«, rief er, »liebe Brüder und Väter! Hört, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen habe!« 2Als sie merkten, dass er in ihrer Muttersprache22,2 W dass er auf hebräisch. zu ihnen redete, wurde es noch stiller. Paulus fuhr fort: 3»Ich bin ein Jude ´wie ihr`. Geboren wurde ich in Tarsus in der Provinz Zilizien, aber aufgewachsen bin ich22,3 W auferzogen wurde ich. hier in Jerusalem. Mein Lehrer war kein Geringerer als Gamaliel.22,3 Siehe Kapitel 5,34. Bei ihm erhielt ich eine gründliche Ausbildung in dem Gesetz22,3 Od Bei ihm wurde ich darin geschult, mich streng an das Gesetz zu halten., das uns von unseren Vorfahren her überliefert ist, und ich kämpfte leidenschaftlich für Gottes Ehre22,3 W für Gott. – genauso, wie ihr alle es heute tut22,3 Od wie ihr alle es bis heute getan habt..

4Dieser Eifer für Gott war es auch, der mich dazu trieb, mit allen Mitteln gegen die neue Lehre vorzugehen und ihre Anhänger mit unerbittlicher Härte zu verfolgen22,4 Od und ihre Anhänger so zu verfolgen, dass mancher von ihnen sein Leben lassen musste. W 4 Als solcher verfolgte ich diesen Weg bis zum Tod.. Männer wie Frauen ließ ich verhaften und ins Gefängnis bringen. 5Der Hohepriester und der gesamte Ältestenrat22,5 Der so genannte Hohe Rat, der jüdische Gerichtshof in Jerusalem. können das bestätigen. Von ihnen ließ ich mir sogar Empfehlungsbriefe an die jüdische Gemeinde22,5 W an die Brüder/Geschwister. in Damaskus geben. Ich reiste in jene Stadt, um auch dort die Anhänger der neuen Lehre22,5 W um auch diejenigen, die dort waren. festzunehmen und sie dann in Ketten nach Jerusalem bringen zu lassen, wo sie bestraft werden sollten.«

– Die Umkehr: Berufung durch Christus

6»Auf dem Weg nach Damaskus – es war gegen Mittag, und wir hatten die Stadt schon fast erreicht – leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten umgab mich ein unbeschreiblich heller Glanz, 7sodass ich ´geblendet` zu Boden stürzte. Dann hörte ich eine Stimme zu mir sagen: ›Saul, Saul, warum verfolgst du mich?‹ – 8›Wer bist du, Herr?‹ fragte ich, worauf die Stimme antwortete: ›Ich bin der, den du verfolgst – Jesus von Nazaret.‹ 9Meine Begleiter sahen zwar das Licht, verstanden aber nicht, was die Stimme sagte, die mit mir sprach22,9 aber die Stimme, die mit mir redete, hörten sie nicht.. 10›Herr‹, sagte ich, ›was soll ich tun?‹ – ›Steh auf und geh nach Damaskus!‹ antwortete der Herr. ›Dort wird dir genau gesagt werden, wozu du beauftragt bist und was du tun sollst.‹ 11´Ich wollte mich wieder auf den Weg machen,` aber der Glanz jenes Lichtes hatte mich so geblendet, dass ich nicht mehr sehen konnte; meine Begleiter mussten mich bei der Hand nehmen und nach Damaskus führen.

12´In Damaskus` wohnte ein frommer und gesetzestreuer Mann, Hananias, der bei allen Juden der Stadt in hohem Ansehen stand. 13Hananias suchte mich auf, trat zu mir und sagte: ›Saul, mein Bruder, du sollst wieder sehen können!‹ Im selben Augenblick sah ich ihn vor mir stehen; ich konnte wieder sehen!

14Hananias sagte: ›Der Gott unserer Väter22,14 Od Der Gott, dem schon unsere Vorfahren dienten. hat dich dazu erwählt, zu erkennen, was sein Wille ist. Er hat bestimmt, dass du den siehst, der gerecht ist, und ihn persönlich mit dir reden hörst22,14 Od und von ihm persönlich erfährst, was er dir zu sagen hat.. 15Denn du sollst sein Zeuge sein und allen Menschen von dem berichten, was du gesehen und gehört hast22,15 Od was du sehen und hören wirst.. 16Also – was zögerst du noch? Steh auf und lass dich taufen! Rufe dabei im Gebet den Namen Jesu22,16 W seinen Namen. an! Dann wirst du von deinen Sünden reingewaschen werden.‹«

– Der Auftrag: Verkündigung des Evangeliums unter den nichtjüdischen Völkern

17»Später, als ich wieder in Jerusalem war und im Tempel betete, hatte ich eine Vision. 18Ich sah Jesus, und er sagte zu mir: ›Verlass Jerusalem, so schnell du kannst! Lass dich durch nichts aufhalten! Denn die Menschen hier werden nicht annehmen, was du ihnen als mein Zeuge über mich berichtest.‹ – 19›Aber Herr‹, wandte ich ein, ›´gerade sie müssten mir doch Glauben schenken.` Sie wissen ja, dass ich von einer Synagoge zur anderen ging, um die, die an dich glauben, gefangen nehmen und auspeitschen zu lassen. 20Und sie wissen auch, dass ich damals, als dein Zeuge Stephanus sein Leben ließ22,20 Kapitel 7,54–8,1., voll und ganz mit seiner Hinrichtung einverstanden war. Ich stand nicht nur dabei, sondern bewachte die Kleider, die seine Gegner abgelegt hatten, um ihn zu steinigen22,20 W die Kleider derer, die ihn töteten..‹ 21Aber Jesus erwiderte: ›Mach dich auf den Weg! Ich werde dich zu anderen Völkern in weit entfernten Ländern senden.‹«

Tumult unter den Zuhörern, Eingreifen des römischen Kommandanten

22Bis zu diesen Worten hatte die Menge ruhig zugehört. Doch jetzt brach ein Tumult los. »Weg mit ihm!«, schrien die Leute. »Bringt ihn um! So einer darf auf keinen Fall am Leben bleiben!« 23Sie tobten, zerrissen vor Empörung ihre Kleider22,23 Od rissen sich vor Empörung die Kleider vom Leib. W warfen ihre Kleider ab. und schleuderten Staub in die Luft. 24´Die Situation wurde so bedrohlich, dass` der Kommandant Paulus ins Innere der Kaserne bringen ließ. Daraufhin befahl er, ihn auszupeitschen und ihn dabei zu verhören22,24 Das Auspeitschen vor/bei einem Verhör war im Fall von Sklaven und Nichtrömern ein übliches Vorgehen., denn er wollte herausfinden, weshalb die Menge ihn so ´hasserfüllt` niedergeschrien hatte.

25Paulus war bereits für die Geißelung festgebunden22,25 Od war bereits mit Riemen festgebunden., da sagte er zu dem Offizier, der die Aufsicht führte: »Ist es bei euch erlaubt, einen römischen Bürger auszupeitschen, noch dazu ohne ordentliches Gerichtsverfahren22,25 Od noch dazu, wenn kein Gerichtsurteil gegen ihn vorliegt.26Als der Offizier das hörte, ging er zum Kommandanten, um ihm Meldung zu erstatten. »Weißt du, was du da tust?22,26 Od Wie willst du jetzt vorgehen?«, sagte er. »Der Mann hat das römische Bürgerrecht!« 27Jetzt kam der Kommandant persönlich zu Paulus. »Stimmt es, dass du römischer Bürger bist?«, fragte er ihn. »Ja«, erwiderte Paulus, »es stimmt.« – 28»Mich hat es eine Menge Geld gekostet, das Bürgerrecht zu erwerben«, sagte der Kommandant. »Und ich besitze es seit meiner Geburt«, sagte Paulus. 29Daraufhin gaben ihn die Soldaten, die ihn verhören sollten, sofort frei. Und der Kommandant bekam es mit der Angst zu tun, weil er begriff, ´was er getan hatte`: Er hatte einen römischen Bürger fesseln lassen.

30Am nächsten Tag ordnete der Kommandant eine Zusammenkunft der führenden Priester und des gesamten Hohen Rates an, weil er sich Klarheit darüber verschaffen wollte, was die Juden diesem Mann vorwarfen. Er ließ Paulus aus der Zelle holen, in die man ihn gebracht hatte22,30 Od Er ließ Paulus die Fesseln abnehmen. W Er machte ihn los. Paulus scheint auch während seiner Untersuchungshaft gefesselt gewesen zu sein (siehe Kapitel 26,29), allerdings vielleicht mit weniger schweren Ketten als bei seiner ersten Festnahme (Kapitel 21,33)., führte ihn ´von der Kaserne zum Gerichtsgebäude` hinunter und ließ ihn vor die Versammelten treten.

23

Paulus vor dem jüdischen Gerichtshof

231Paulus blickte die Mitglieder des Hohen Rates fest und unerschrocken an. »Meine Brüder«, begann er, »ich habe Gott immer mit einem reinen Gewissen gedient, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert23,1 W gedient bis zum heutigen Tag.2´Empört fuhr` der Hohepriester Hananias ´dazwischen`. »Schlagt ihn auf den Mund!«, befahl er den ´Gerichtsdienern23,2 Ratsmitgliedern.`, die bei Paulus standen. 3Da wandte sich Paulus zu ihm und sagte: »Und dich wird Gott schlagen, ´du scheinheiliger Mensch,` du weißgetünchte Wand23,3 Vergleiche Matthäus 23,27 und Hesekiel (Ezechiel) 13,10-16.! Im Namen des Gesetzes sitzt du über mich zu Gericht, doch du selbst missachtest das Gesetz, indem du mich schlagen lässt!?« – 4»Wie kannst du es wagen, den von Gott eingesetzten Hohenpriester zu beleidigen?«23,4 W »Beleidigst du den Hohenpriester Gottes?«, fuhren ihn die Gerichtsdiener23,4 die Ratsmitglieder. W die Dabeistehenden. an. 5Paulus erwiderte: »Brüder, ich wusste nicht, dass er der Hohepriester ist. Denn ´mir ist natürlich bekannt, dass` es in der Schrift heißt: ›Rede nicht abfällig über das Oberhaupt deines Volkes!‹23,5 2. Mose 22,27.«

6Paulus wusste, dass ´der Hohe Rat` zum einen Teil aus Sadduzäern und zum anderen Teil aus Pharisäern bestand. Deshalb rief er jetzt in die Versammlung hinein: »Brüder, ich bin ein Pharisäer, und schon meine Vorfahren waren Pharisäer. Ich stehe hier vor Gericht, weil ich die feste Hoffnung habe, dass die Toten auferstehen23,6 W vor Gericht wegen der Hoffnung und der Auferstehung der Toten.7Kaum hatte Paulus das gesagt, brach zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern ein Streit los, und die Versammlung spaltete sich in zwei Lager. 8Die Sadduzäer leugnen nämlich die Auferstehung, und sie bestreiten auch die Existenz von Engeln und anderen übernatürlichen Wesen23,8 und von Dämonen (w Geistern). und sie bestreiten daher auch, dass es Auferstandene in Gestalt von Engeln oder Geistern gibt., während die Pharisäer sowohl das eine als auch das andere lehren23,8 W während die Pharisäer sich zu beidem bekennen.. 9Lautstark redeten die Ratsmitglieder aufeinander ein, und einige Gesetzeslehrer von der Partei der Pharisäer sprangen auf und protestierten heftig ´gegen eine Verurteilung von Paulus`. »Wir können an diesem Menschen nichts Unrechtes finden«, erklärten sie. »Wer weiß, vielleicht hat tatsächlich ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen!«

10Der Tumult wurde so groß, dass der Kommandant fürchtete, die Ratsmitglieder könnten Paulus am Ende noch in Stücke reißen. Er ließ eine Abteilung Soldaten anrücken und befahl ihnen, Paulus aus dieser gefährlichen Lage zu befreien23,10 W aus ihrer Mitte zu reißen. und in die Kaserne zurückzubringen.

11In dieser Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte zu ihm: »Sei stark und mutig! Denn genauso, wie du in Jerusalem mein Zeuge warst und für mich eingetreten bist, sollst du auch in Rom mein Zeuge sein.«

Ein Mordplan gegen Paulus

12Früh am nächsten Morgen trafen sich eine Anzahl Juden zu einer geheimen Absprache. Mit einem feierlichen Schwur23,12 W Mit einer Selbstverfluchung (für den Fall, dass sie ihren Eid nicht einhalten würden). verpflichteten sie sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus getötet hätten. 13Es waren mehr als vierzig Männer, die sich an dieser Verschwörung beteiligten. 14Sie gingen zu den führenden Priestern und den Ratsältesten und sagten: »Wir haben hoch und heilig geschworen23,14 W Wir haben uns mit einer Selbstverfluchung verpflichtet., nichts zu essen und zu trinken, bis wir Paulus getötet haben. 15Ihr könnt uns dabei helfen! Sprecht im Namen des ganzen Hohen Rates beim Kommandanten vor und bittet ihn23,15 W 15 Bittet ihr nun also mit dem Hohen Rat den Kommandanten., er möge euch Paulus noch einmal vorführen. Gebt vor, dass ihr seinen Fall noch genauer untersuchen wollt. Wir aber werden uns bereithalten und ihn töten, noch ehe er bei euch eingetroffen ist.«

Der Anschlag wird vereitelt

16Ein Neffe von Paulus, der Sohn seiner Schwester, hörte von dem geplanten Anschlag. ´Unverzüglich` machte er sich auf den Weg zur Kaserne. Er wurde eingelassen23,16 W Er ging hinein. und berichtete Paulus von der Sache. 17Paulus ließ einen der Offiziere zu sich kommen und bat ihn: »Bring diesen jungen Mann hier zum Kommandanten; er hat eine wichtige Nachricht für ihn.« 18Der Offizier ging zusammen mit Paulus’ Neffen zum Kommandanten und erstattete ihm Meldung: »Der Gefangene Paulus ließ mich rufen und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu bringen; er habe dir eine wichtige Mitteilung zu machen.« 19Der Kommandant fasste den Neffen des Paulus am Arm, führte ihn beiseite, sodass sie unter vier Augen miteinander sprechen konnten, und fragte ihn: »Worum geht es? Was hast du mir mitzuteilen?«

20»Die Juden«, sagte der junge Mann, »haben vereinbart, dich zu bitten, dass du Paulus morgen noch einmal dem Hohen Rat vorführst – angeblich, weil sie die Vorwürfe gegen ihn noch genauer untersuchen wollen. 21Lass dich auf keinen Fall dazu überreden! Denn in Wirklichkeit planen mehr als vierzig von ihnen einen Anschlag auf ihn. Sie haben feierlich geschworen23,21 W Sie haben sich mit einer Selbstverfluchung verpflichtet., nichts zu essen und nichts zu trinken, bis sie ihn getötet haben. Alles ist vorbereitet; sie warten jetzt nur noch darauf, dass du ihre Bitte erfüllst.«

22Der Kommandant schärfte dem jungen Mann ein, mit niemand darüber zu sprechen, dass er ihm diese Sache anvertraut hatte. Dann ließ er ihn gehen.

Paulus wird zum Gouverneur Felix nach Cäsarea gebracht

23Gleich darauf ließ der Kommandant zwei von seinen Offizieren kommen. »Zweihundert Soldaten sollen sich zum Abmarsch nach Cäsarea bereitmachen«, befahl er, »außerdem siebzig Berittene und zweihundert Leichtbewaffnete23,23 Od Lanzenträger. Die genaue Bedeutung dieses militärischen Fachausdrucks lässt sich nicht mehr feststellen.. Heute Abend um neun Uhr23,23 W In der dritten Stunde der Nacht (von sechs Uhr abends an gerechnet). ´sollt ihr aufbrechen`! 24Haltet auch Reittiere23,24 Die Mehrzahl (Reittiere) weist entweder auf ein Ersatztier hin oder auf ein zusätzliches Tier für das Gepäck; möglicherweise wurde Paulus auch von Freunden begleitet. für Paulus bereit. Und dann bringt ihn zu Gouverneur Felix; sorgt dafür, dass er sicher dort ankommt!«

25Hierauf schrieb der Kommandant einen Brief mit folgendem Inhalt: 26»Klaudius Lysias entbietet dem hochverehrten Gouverneur Felix seinen Gruß! 27Den Mann, den ich hier zu dir schicke, hatten die Juden in ihre Gewalt gebracht, und es fehlte nicht viel, dann hätten sie ihn getötet. Als ich erfuhr, dass er das römische Bürgerrecht besitzt, schritt ich mit meinen Soldaten ein und brachte ihn vor ihnen in Sicherheit. 28Weil ich herausfinden wollte, was sie ihm vorwarfen, ließ ich ihn vor ihren Gerichtshof23,28 W vor ihren Hohen Rat. stellen. 29Dabei zeigte sich, dass sich ihre Vorwürfe gegen ihn nur auf strittige Fragen des jüdischen Gesetzes beziehen; es liegt keine Anklage gegen ihn vor, die ein Todesurteil oder auch nur eine Gefängnisstrafe rechtfertigen würde. 30Doch dann erhielt ich die vertrauliche Information, dass ein Anschlag auf sein Leben geplant ist. Deshalb schicke ich ihn jetzt so rasch wie möglich zu dir, und die Kläger werde ich anweisen, ihre Anschuldigungen bei dir vorzubringen.«

31Die Soldaten machten sich, den Instruktionen entsprechend, auf den Weg und brachten Paulus noch in derselben Nacht bis nach Antipatris. 32Am nächsten Tag kehrten die Fußtruppen23,32 W kehrten sie. nach Jerusalem in ihre Kaserne zurück, während die Soldaten der Reiterabteilung mit Paulus weiterzogen. 33In Cäsarea angekommen, übergaben sie dem Gouverneur das Schreiben ´ihres Kommandanten` und führten ihm Paulus vor. 34Nachdem der Gouverneur den Brief gelesen hatte, wollte er ´von Paulus` wissen, aus welcher Provinz er stamme. Als er erfuhr, dass Paulus aus Zilizien kam ´und die Sache damit in seine Zuständigkeit fiel`23,34 Syrien-Zilizien bildete damals eine römische Provinz, sodass Felix befugt war, diesen Rechtsfall zu entscheiden. Grundsätzlich wäre auch eine Verlegung des Falles nach Tarsus, der Heimatstadt von Paulus, denkbar gewesen, doch damit hätte sich Felix zusätzliche Probleme eingehandelt – sowohl vonseiten seines Vorgesetzten, des Legats von Syrien, den er mit einem relativ geringfügigen Fall belästigt hätte, als auch vonseiten der jüdischen Ankläger, denen er eine weite Anreise zugemutet hätte., 35erklärte er: »Ich werde dich anhören und deinen Fall untersuchen, sobald auch deine Ankläger hier eingetroffen sind.« Und er ordnete an, Paulus bis dahin in seinem Amtssitz, dem ehemaligen Palast23,35 W Paulus im Prätorium. des Herodes, in Gewahrsam zu halten.

24

Der Anwalt Tertullus erhebt Anklage gegen Paulus

241Fünf Tage später kam der Hohepriester Hananias zusammen mit einigen Ratsältesten und einem Anwalt namens Tertullus ´nach Cäsarea`, um beim Gouverneur Anklage gegen Paulus zu erheben. 2Nachdem man Paulus ´aus dem Gefängnis` geholt hatte, begann Tertullus seine Anklagerede: »Hochverehrter Felix! Dir kommt das Verdienst zu, dass wir nun schon so lange in Ruhe und Frieden leben, und deiner umsichtigen Amtsführung verdanken wir zahlreiche Reformen zum Wohl unseres Volkes. 3Immer und überall sprechen wir davon mit Anerkennung und tiefer Dankbarkeit. 4Doch um deine kostbare Zeit nicht unnötig in Anspruch zu nehmen, ´will ich möglichst rasch zur Sache kommen und` bitte dich, uns für einen kurzen Augenblick deine wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken. 5Der Grund für unser Erscheinen ist Folgender: Wir haben festgestellt, dass dieser Mann hier gefährlich ist wie die Pest. Er ist der führende Kopf der Nazarener-Sekte24,5 Verächtliche Bezeichnung der Anhänger des aus Nazaret in Galiläa stammenden »Nazareners« Jesus., und überall in der Welt stürzt er die Juden in Verwirrung, sodass es zu Unruhen und Auseinandersetzungen kommt24,5 W und er erregt Zwistigkeiten/Unruhen zum Schaden aller Juden in der Welt.. 6Und damit nicht genug: Er hat sogar versucht, den Tempel zu entweihen! ´Um das zu verhindern,` haben wir ihn ´ohne zu zögern` festgenommen.24,6 Eine weniger gut bezeugte Lesart fügt hier die Verse 6b, 7 und 8a an: 6b Wir wollten ihm nach unserem eigenen Gesetz das Urteil sprechen. 7 Doch Kommandant Lysias trat mit einem großen Aufgebot an Soldaten (w mit großer Gewalt) dazwischen und entriss ihn uns. 8a Und die Ankläger wies er an, sich ´mit ihren Beschuldigungen` an dich zu wenden. 8Wenn du ihn verhörst, kannst du dir anhand seiner Aussagen selbst ein Urteil bilden und wirst feststellen, dass die Anschuldigungen, die wir gegen ihn vorbringen, in jedem Punkt zutreffen.« 9Die ´mitgereisten` Juden unterstützten Tertullus mit allem Nachdruck und erklärten, seine Ausführungen würden den Tatsachen entsprechen.

Paulus verteidigt sich

10Nun forderte der Gouverneur Paulus durch ein Zeichen24,10 W durch Zunicken. auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. »Seit vielen Jahren«, begann Paulus, »bist du für die Rechtsprechung in unserem Volk zuständig. Das zu wissen gibt mir Mut und lässt mich meine Sache voll Zuversicht verteidigen. 11Ich war nach Jerusalem gereist, um dort ´im Tempel` zu beten, und verbrachte nicht mehr als zwölf Tage in der Stadt, wie du selbst leicht nachprüfen kannst. 12Niemand hat mich in dieser Zeit dabei angetroffen, dass ich eine Diskussion mit jemand geführt oder gar das Volk aufgehetzt hätte – weder im Tempel noch in einer der Synagogen, noch sonst irgendwo in der Stadt. 13Für keine der Beschuldigungen, die hier gegen mich vorgebracht werden, können meine Ankläger dir auch nur den geringsten Beweis liefern.

14Zu jener neuen Glaubensrichtung24,14 W Zu jenem Weg. allerdings, die sie als sektiererisch bezeichnen, bekenne ich mich frei und offen. Denn ich kann dir versichern, dass ich gerade auf diese Weise dem Gott diene, dem schon unsere Vorfahren dienten, und dass ich ´nach wie vor` an alles glaube, was im Gesetz ´des Mose` und in den Schriften der Propheten steht. 15Weil ich auf Gott vertraue, habe ich auch die feste Hoffnung – eine Hoffnung, die ich mit meinen Anklägern teile –, dass alle Menschen vom Tod auferstehen werden, sowohl die, die sich nach Gottes Willen richten, als auch die, die sich gegen Gott auflehnen24,15 W sowohl die Gerechten als auch die Ungerechten.. 16Aus diesem Grund bemühe ich mich auch darum, mich in jeder Situation so zu verhalten, dass ich vor Gott und vor den Menschen ein reines24,16 W unversehrtes. Gewissen habe.

17Nachdem ich nun mehrere Jahre ´im Ausland` verbracht hatte, bin ich ´nach Jerusalem` zurückgekommen, um meinem Volk eine Geldspende24,17 Od um meinem Volk eine Geldspende zugunsten der Armen. zu übergeben und Gott Opfer darzubringen. 18Als ich mich wegen der Opfer im Tempel aufhielt, sahen mich dort einige Leute, ´die mir feindlich gesinnt sind`. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich der vorgeschriebenen Reinigung bereits unterzogen hatte und dass ich von keiner Menschenmenge umringt und in keinen Tumult verwickelt war. 19Es handelt sich bei jenen Leuten um einige Juden aus der Provinz Asien, und eigentlich hätten sie heute vor dir erscheinen und ihre Anklage vorbringen müssen, falls sie mir etwas vorzuwerfen haben. 20´Weil sie nun aber nicht unter uns sind,` sollen doch diese Männer hier einmal klar und deutlich sagen, was für ein Vergehen sie mir nachweisen konnten, als ich vor dem Hohen Rat verhört wurde. 21Es könnte höchstens jener eine Satz sein, den ich damals in die Versammlung hineinrief: ›Ich stehe heute vor Gericht und werde von euch angeklagt, weil ich an die Auferstehung der Toten glaube24,21 W angeklagt wegen der Auferstehung der Toten. Kapitel 23,6.!‹24,21 Kapitel 23,6.«

Hafterleichterung

22Felix, der über die neue Glaubensrichtung24,22 W über den Weg. ziemlich genau Bescheid wusste, beschloss daraufhin, die Verhandlung zu vertagen. »Wenn Kommandant Lysias hierherkommt«, teilte er den Anwesenden mit, »werde ich den Fall nochmals genau untersuchen und dann eine Entscheidung treffen.« 23Den zuständigen Offizier wies er an, Paulus zwar weiterhin in Gewahrsam zu halten, ihm jedoch Hafterleichterung zu gewähren und keinen seiner Freunde daran zu hindern, sich um sein Wohlergehen zu kümmern24,23 W ihm zu dienen..

Paulus vor dem Gouverneursehepaar. Verschleppung des Prozesses

24Einige Tage danach kam es erneut zu einer Begegnung zwischen Felix und Paulus. Diesmal war der Gouverneur in Begleitung seiner Frau24,24 Od Einige Tage danach begab sich Felix ins Gefängnis (od kehrte Felix von einer Reise zurück). Diesmal war der Gouverneur in Begleitung seiner Frau. W Einige Tage danach kam Felix mit seiner Frau. Drusilla, einer Jüdin, und er ließ Paulus zu sich kommen, weil er von ihm noch mehr über den Glauben an Jesus Christus erfahren wollte. 25Doch als Paulus die Rede dann auf Gerechtigkeit24,25 Od auf ein Leben nach Gottes Willen/Geboten. und Selbstbeherrschung brachte und vom künftigen Gericht sprach, bekam Felix es mit der Angst zu tun. Er unterbrach Paulus und sagte: »Für diesmal ist es genug; du kannst jetzt gehen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, lasse ich dich wieder einmal rufen.« 26Gleichzeitig hoffte Felix allerdings auch, von Paulus Bestechungsgelder zu bekommen. Deshalb ließ er von Zeit zu Zeit nach ihm schicken, um sich mit ihm zu unterhalten.

27Zwei Jahre, nachdem Paulus festgenommen worden war,24,27 Nach zweijähriger Amtszeit. W Als zwei Jahre erfüllt waren. wurde Felix in seinem Gouverneursamt von Porzius Festus abgelöst. Und weil Felix den Juden einen Gefallen erweisen wollte, um bei ihnen in einem günstigen Licht zu stehen, veranlasste er, dass Paulus weiterhin inhaftiert blieb.