Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
21

Fortsetzung der Reise nach Jerusalem

211Schließlich mussten wir uns von ihnen trennen, so schwer es uns auch fiel. Unser Schiff legte ab21,1 W 1 Nachdem wir uns aber von ihnen losgerissen hatten, fuhren wir ab., und wir kamen auf direktem Weg zur Insel Kos. Am folgenden Tag erreichten wir Rhodos, und von dort ging es nach Patara. 2In Patara fanden wir ein Schiff, das auf der kürzesten Route – ´über das offene Meer` – nach Phönizien fuhr. Mit diesem Schiff setzten wir unsere Reise fort. 3Zypern kam in Sicht, aber wir steuerten südlich an der Insel vorbei21,3 W aber wir ließen es links liegen., immer mit Kurs auf Syrien21,3 Phönizien (das in Vers 2 genannte Reiseziel) gehörte zur römischen Provinz Syrien., und legten schließlich in Tyrus an; dort musste das Schiff die Ladung löschen.

4Wir suchten die Jünger auf, ´die in Tyrus wohnten,` und blieben eine Woche lang bei ihnen. Der Heilige Geist hatte ihnen gezeigt, welche Gefahren Paulus in Jerusalem drohten, und sie warnten den Apostel eindringlich vor einer Weiterreise.21,4 W bei ihnen. Sie sagten Paulus durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufgehen. 5Trotzdem brachen wir, als die ´für unseren Aufenthalt vorgesehene` Zeit um war, wieder auf. Die ganze Gemeinde einschließlich der Frauen und Kinder begleitete uns bis vor die Stadt. Am Strand knieten wir alle nieder und beteten zusammen. 6Dann nahmen wir Abschied von ihnen und gingen an Bord des Schiffes, und sie kehrten nach Hause zurück.

Bei Philippus in Cäsarea. Der Prophet Agabus kündigt die Gefangennahme von Paulus an

7Die nächste21,7 Od letzte. In diesem Fall wäre in Vers 8 zu übersetzen: und gingen (zu Fuß / auf dem Landweg) nach Cäsarea. Etappe unserer Seereise führte von Tyrus nach Ptolemais. Auch hier besuchten21,7 W grüßten. wir die Geschwister, blieben aber nur einen Tag bei ihnen.

8Am folgenden Morgen brachen wir wieder auf und fuhren nach Cäsarea. Dort besuchten wir den Evangelisten Philippus, der uns als seine Gäste in seinem Haus aufnahm. Philippus war einer von den Sieben, ´die seinerzeit in der Jerusalemer Gemeinde zu Helfern der Apostel gewählt worden waren`21,8 Kapitel 6,1-6.; 9er hatte vier Töchter, die alle unverheiratet waren und denen Gott die Gabe des prophetischen Redens geschenkt hatte21,9 W vier Töchter, Jungfrauen, die prophetisch redeten..

10Wir blieben einige Tage dort, und während dieser Zeit kam aus Judäa21,10 Siehe die dritte Anmerkung zu Kapitel 12,19. ein Prophet namens Agabus zu uns. 11Er stellte sich in unsere Mitte, nahm den Gürtel21,11 Ein langes Tuch, das mehrfach um die Hüfte geschlungen wurde und zugleich als Tasche diente. des Paulus, fesselte sich damit die Füße und die Hände und erklärte: »Der Heilige Geist sagt Folgendes: ›Genauso wird es dem Mann ergehen, dem dieser Gürtel gehört. Er wird von den Juden in Jerusalem gefesselt und an die Menschen fremder Völker ausgeliefert werden.‹« 12Als wir das hörten, baten sowohl wir ´Mitreisenden` als auch die einheimischen Geschwister Paulus inständig, nicht nach Jerusalem zu gehen. 13Doch Paulus entgegnete: »Warum weint ihr? Weshalb macht ihr es mir so schwer? Für Jesus, den Herrn21,13 W Für den Namen von Jesus, dem Herrn., bin ich nicht nur bereit, mich in Jerusalem gefangen nehmen zu lassen; für ihn bin ich auch bereit zu sterben.« 14Schließlich gaben wir es auf, Paulus umstimmen zu wollen, und sagten: »Möge das geschehen, was der Herr will!«

15Als die Tage in Cäsarea zu Ende waren und wir die nötigen Vorbereitungen für die Weiterreise getroffen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Jerusalem. 16Einige von den Jüngern aus Cäsarea begleiteten uns. ´Unterwegs` brachten sie uns zu einem gewissen Mnason, der aus Zypern stammte und schon seit vielen Jahren an Jesus glaubte21,16 Od und zu den Ersten gehörte, die zum Glauben an Jesus gekommen waren. W und ein alter Jünger / ein Jünger der Anfangszeit war.. Bei ihm übernachteten wir.21,16 Od begleiteten uns. ´In Jerusalem` brachten sie uns zu einem gewissen Mnason … Bei ihm konnten wir wohnen, ´solange wir in Jerusalem waren`.

Ankunft in Jerusalem und Besuch bei Jakobus. Die Frage nach der Gesetzestreue

17Als wir in Jerusalem ankamen, bereiteten uns die Geschwister einen herzlichen Empfang. 18Gleich am nächsten Tag machte Paulus einen Besuch bei Jakobus; wir gingen mit, und auch alle Ältesten ´der Jerusalemer Gemeinde` fanden sich bei Jakobus ein. 19Paulus grüßte die Versammelten und gab dann einen ausführlichen Bericht über das, was Gott durch seinen Dienst unter den Nichtjuden getan hatte.

20Seine Zuhörer priesen Gott für alles, was sie erfuhren. Dann sagten sie zu Paulus: »Du siehst, lieber Bruder, dass auch bei den Juden Tausende21,20 W wie viele Zehntausende bei den Juden. zum Glauben ´an Jesus Christus` gekommen sind, und alle halten sich ´weiterhin` streng an das Gesetz ´des Mose`21,20 Od und alle treten ´weiterhin` leidenschaftlich für das Gesetz ´des Mose` ein.. 21Über dich jedoch hat man ihnen erzählt, du würdest die Juden, die unter den anderen Völkern leben, samt und sonders zum Abfall von Mose auffordern, indem du lehrst, sie müssten ihre Söhne nicht mehr beschneiden lassen und müssten überhaupt nicht länger nach den Vorschriften des Gesetzes21,21 Od nach den ´jüdischen` Sitten. leben. 22Was können wir tun, ´um diesen Behauptungen entgegenzutreten`? Schließlich werden unsere Geschwister hier mit Sicherheit erfahren, dass du nach Jerusalem gekommen bist.

23Unser Vorschlag ist, dass du Folgendes machst: Vier Männer aus unseren Reihen haben sich Gott mit einem Gelübde geweiht21,23 W haben ein Gelübde auf sich ´genommen`. ´und sich dazu verpflichtet, eine Zeitlang keinen Wein zu trinken und sich das Haar nicht schneiden zu lassen`.21,23 Mit dem so genannten Nasiräatsgelübde (4. Mose 6,1-21) stellte der Nasiräer (»Geweihter«) sein Leben für eine bestimmte Zeitspanne ganz in den Dienst Gottes. Äußere Zeichen dieser Weihe waren unter anderem der Verzicht auf Alkohol und auf das Schneiden des Haupthaars. Den Abschluss der Weihezeit bildete ein aufwändiges Opfer im Tempel, für dessen Kosten in diesem Fall Paulus aufkommen sollte, um seine Gesetzestreue unter Beweis zu stellen. Die Schilderung ist allerdings so gerafft, dass sich die genauen Umstände nicht mehr sicher erhellen lassen. Möglicherweise hatten sich die vier Männer rituell verunreinigt (z. B. durch Berührung eines Leichnams) und mussten sich daher einem siebentägigen Reinigungszeremoniell unterziehen (siehe die Verse 26 und 27 und vergleiche 4. Mose 6,9). Möglicherweise galt Paulus selbst wegen seines Auslandsaufenthalts als unrein und durfte erst nach einer entsprechenden Reinigungszeit an den Opferhandlungen teilnehmen (siehe Kapitel 24,18). 24Sei ihnen dabei behilflich, indem du dich zusammen mit ihnen der vorgeschriebenen Reinigung unterziehst und alle anfallenden Kosten übernimmst, damit sie die Weihezeit ordnungsgemäß mit den erforderlichen Opfern und dem Abschneiden der Haare beenden können21,24 W damit sie sich das Haupthaar schneiden lassen können.. Dann werden alle sehen, dass von dem, was ihnen über dich erzählt wurde, kein Wort wahr ist und dass auch du in Übereinstimmung mit dem Gesetz lebst und seine Vorschriften befolgst.

25Was die Nichtjuden betrifft, die zum Glauben ´an Jesus Christus` gekommen sind, so haben wir ihnen ja unseren Beschluss brieflich mitgeteilt und ihnen gesagt, was sie unterlassen sollen: das Essen von ´Fleisch`, das den Götzen geopfert wurde, den Genuss von Blut und von nicht ausgeblutetem Fleisch und ´jede Form von` Unmoral.21,25 Kapitel 15,20.29.«

26Paulus war bereit, den vier Männern ´bei der Erfüllung ihres Gelübdes` behilflich zu sein. Gleich am nächsten Tag begann er zusammen mit ihnen das vorgeschriebene Reinigungsritual. Daraufhin ging er in den Tempel und meldete ´den Priestern`, wann die gesamte ´siebentägige` Reinigungszeit abgelaufen sein würde, damit dann für jeden von ihnen das abschließende Opfer dargebracht werden konnte.

Paulus wird im Tempel verhaftet

27Die sieben Tage waren schon fast vorüber, da wurde Paulus von Juden aus der Provinz Asien21,27 Vergleiche Kapitel 20,18.19. gesehen, als er sich gerade im Tempel aufhielt. Sie wiegelten die Menge gegen ihn auf, packten ihn 28und schrien: »Männer von Israel, helft uns! Das ist er, jener ´Aufrührer`, der mit seiner Lehre überall in der Welt gegen unser Volk, gegen das Gesetz und gegen diesen Tempel21,28 W Ort. hetzt. Jetzt hat er sogar noch Nichtjuden21,28 W Hellenen. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 11.20. in den Tempel mitgenommen und diesen heiligen Ort entweiht!« 29Sie hatten nämlich Trophimus aus Ephesus zusammen mit Paulus in der Stadt gesehen und daraus geschlossen, Paulus sei mit ihm in den Tempel gegangen. 30´Es dauerte nicht lange,` da war die ganze Stadt auf den Beinen; aus allen Richtungen strömten die Leute zusammen. Sie stürzten sich auf Paulus und zerrten ihn aus ´dem inneren Vorhof` des Tempels, und sowie er draußen war, wurden die Tore geschlossen.

31Die aufgebrachte Menge schlug auf Paulus ein und war drauf und dran, ihn zu lynchen21,31 W 31 Sie versuchten ihn zu töten., als den Kommandanten der römischen Garnison die Meldung erreichte, ganz Jerusalem sei in Aufruhr. 32Der Kommandant zögerte keinen Augenblick, rief einen Trupp Soldaten21,32 W Der Kommandant rief sofort Soldaten. und einige Offiziere herbei und eilte mit ihnen zum Tempelplatz hinunter21,32 W eilte mit ihnen zu ihnen hinunter. Von der als Kaserne dienenden Burg Antonia aus überblickte man den gesamten Tempelbezirk. Auf dem nördlichen Teil des Tempelberges gelegen, war die Festung über zwei Freitreppen mit dem äußeren Vorhof des Tempels verbunden (siehe die Verse 35 und 40)..21,32 Von der als Kaserne dienenden Burg Antonia aus überblickte man den gesamten Tempelbezirk. Auf dem nördlichen Teil des Tempelberges gelegen, war die Festung über zwei Freitreppen mit dem äußeren Vorhof des Tempels verbunden (siehe die Verse 35 und 40). Als die Leute den Kommandanten und die Soldaten kommen sahen, ließen sie von Paulus ab21,32 W hörten sie auf, Paulus zu schlagen.. 33Der Kommandant bahnte sich einen Weg durch die Menge21,33 W Dann näherte sich der Kommandant., nahm Paulus fest und ließ ihn mit zwei Ketten fesseln. Dann erkundigte er sich ´bei den Umstehenden`, wer dieser Mann sei und was er getan habe. 34Doch der Tumult war so groß, dass es ihm nicht gelang, eine eindeutige Antwort zu erhalten; jeder schrie etwas anderes. Deshalb befahl er, Paulus in die Kaserne zu bringen. 35Als die Soldaten zu der Freitreppe kamen, ´die zur Kaserne hinaufführte,` mussten sie Paulus hochheben, um ihn vor der tobenden Menge zu schützen21,35 W hochheben wegen der Gewalt der Menge.. 36Denn der ganze Volkshaufen versuchte an ihn heranzukommen21,36 W folgte ihm/ihnen. und schrie in einem fort: »Weg mit ihm! Bringt ihn um!«

Verteidigungsrede des Apostels vor seinem Volk

37Endlich hatten sie den Eingang der Kaserne erreicht. Da wandte sich Paulus an den Kommandanten und sagte21,37 W 37 Und als Paulus eben in die Kaserne hineingebracht werden sollte, sagte er zu dem Kommandanten.: »Ist es mir erlaubt, ein Wort mit dir zu reden?« – »Du sprichst Griechisch?«, wunderte sich der Kommandant. 38»Bist du denn nicht der Ägypter, der vor einiger Zeit einen Aufstand angezettelt und viertausend bewaffnete Rebellen in der Wüste um sich geschart hat21,38 W viertausend Sikarier in die Wüste hinausgeführt hat. Die Sikarier (wörtlich »Dolchmänner«), radikale jüdische Nationalisten und daher erbitterte Feinde der prorömischen Juden, schreckten auch vor politisch begründeten Mordtaten nicht zurück.?« – 39»Nein«, erwiderte Paulus, »ich bin ein Jude aus der Provinz Zilizien, ein Bürger von Tarsus, einer nicht unbedeutenden Stadt. Darf ich dich um etwas bitten? Gestatte mir, zu diesen Menschen hier zu reden!« 40Der Kommandant erlaubte es ihm. Da stellte sich Paulus auf ´die oberste Stufe` der Freitreppe und bat die Menge mit einer Handbewegung ´um Aufmerksamkeit`. Als der Lärm sich gelegt hatte und es ruhig geworden war21,40 W Als eine große Ruhe eingekehrt war., begann er, auf hebräisch21,40 Hier wahrscheinlich Bezeichnung für das mit dem Hebräischen eng verwandte Aramäisch, die damalige Landessprache. Entsprechend in Kapitel 26,14. zu ihnen zu sprechen.

22

– Die Vergangenheit: Treue zum Gesetz und Verfolgung der Christen

221»Liebe Landsleute22,1 W »Leute (od Männer).«, rief er, »liebe Brüder und Väter! Hört, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen habe!« 2Als sie merkten, dass er in ihrer Muttersprache22,2 W dass er auf hebräisch. zu ihnen redete, wurde es noch stiller. Paulus fuhr fort: 3»Ich bin ein Jude ´wie ihr`. Geboren wurde ich in Tarsus in der Provinz Zilizien, aber aufgewachsen bin ich22,3 W auferzogen wurde ich. hier in Jerusalem. Mein Lehrer war kein Geringerer als Gamaliel.22,3 Siehe Kapitel 5,34. Bei ihm erhielt ich eine gründliche Ausbildung in dem Gesetz22,3 Od Bei ihm wurde ich darin geschult, mich streng an das Gesetz zu halten., das uns von unseren Vorfahren her überliefert ist, und ich kämpfte leidenschaftlich für Gottes Ehre22,3 W für Gott. – genauso, wie ihr alle es heute tut22,3 Od wie ihr alle es bis heute getan habt..

4Dieser Eifer für Gott war es auch, der mich dazu trieb, mit allen Mitteln gegen die neue Lehre vorzugehen und ihre Anhänger mit unerbittlicher Härte zu verfolgen22,4 Od und ihre Anhänger so zu verfolgen, dass mancher von ihnen sein Leben lassen musste. W 4 Als solcher verfolgte ich diesen Weg bis zum Tod.. Männer wie Frauen ließ ich verhaften und ins Gefängnis bringen. 5Der Hohepriester und der gesamte Ältestenrat22,5 Der so genannte Hohe Rat, der jüdische Gerichtshof in Jerusalem. können das bestätigen. Von ihnen ließ ich mir sogar Empfehlungsbriefe an die jüdische Gemeinde22,5 W an die Brüder/Geschwister. in Damaskus geben. Ich reiste in jene Stadt, um auch dort die Anhänger der neuen Lehre22,5 W um auch diejenigen, die dort waren. festzunehmen und sie dann in Ketten nach Jerusalem bringen zu lassen, wo sie bestraft werden sollten.«

– Die Umkehr: Berufung durch Christus

6»Auf dem Weg nach Damaskus – es war gegen Mittag, und wir hatten die Stadt schon fast erreicht – leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten umgab mich ein unbeschreiblich heller Glanz, 7sodass ich ´geblendet` zu Boden stürzte. Dann hörte ich eine Stimme zu mir sagen: ›Saul, Saul, warum verfolgst du mich?‹ – 8›Wer bist du, Herr?‹ fragte ich, worauf die Stimme antwortete: ›Ich bin der, den du verfolgst – Jesus von Nazaret.‹ 9Meine Begleiter sahen zwar das Licht, verstanden aber nicht, was die Stimme sagte, die mit mir sprach22,9 aber die Stimme, die mit mir redete, hörten sie nicht.. 10›Herr‹, sagte ich, ›was soll ich tun?‹ – ›Steh auf und geh nach Damaskus!‹ antwortete der Herr. ›Dort wird dir genau gesagt werden, wozu du beauftragt bist und was du tun sollst.‹ 11´Ich wollte mich wieder auf den Weg machen,` aber der Glanz jenes Lichtes hatte mich so geblendet, dass ich nicht mehr sehen konnte; meine Begleiter mussten mich bei der Hand nehmen und nach Damaskus führen.

12´In Damaskus` wohnte ein frommer und gesetzestreuer Mann, Hananias, der bei allen Juden der Stadt in hohem Ansehen stand. 13Hananias suchte mich auf, trat zu mir und sagte: ›Saul, mein Bruder, du sollst wieder sehen können!‹ Im selben Augenblick sah ich ihn vor mir stehen; ich konnte wieder sehen!

14Hananias sagte: ›Der Gott unserer Väter22,14 Od Der Gott, dem schon unsere Vorfahren dienten. hat dich dazu erwählt, zu erkennen, was sein Wille ist. Er hat bestimmt, dass du den siehst, der gerecht ist, und ihn persönlich mit dir reden hörst22,14 Od und von ihm persönlich erfährst, was er dir zu sagen hat.. 15Denn du sollst sein Zeuge sein und allen Menschen von dem berichten, was du gesehen und gehört hast22,15 Od was du sehen und hören wirst.. 16Also – was zögerst du noch? Steh auf und lass dich taufen! Rufe dabei im Gebet den Namen Jesu22,16 W seinen Namen. an! Dann wirst du von deinen Sünden reingewaschen werden.‹«

– Der Auftrag: Verkündigung des Evangeliums unter den nichtjüdischen Völkern

17»Später, als ich wieder in Jerusalem war und im Tempel betete, hatte ich eine Vision. 18Ich sah Jesus, und er sagte zu mir: ›Verlass Jerusalem, so schnell du kannst! Lass dich durch nichts aufhalten! Denn die Menschen hier werden nicht annehmen, was du ihnen als mein Zeuge über mich berichtest.‹ – 19›Aber Herr‹, wandte ich ein, ›´gerade sie müssten mir doch Glauben schenken.` Sie wissen ja, dass ich von einer Synagoge zur anderen ging, um die, die an dich glauben, gefangen nehmen und auspeitschen zu lassen. 20Und sie wissen auch, dass ich damals, als dein Zeuge Stephanus sein Leben ließ22,20 Kapitel 7,54–8,1., voll und ganz mit seiner Hinrichtung einverstanden war. Ich stand nicht nur dabei, sondern bewachte die Kleider, die seine Gegner abgelegt hatten, um ihn zu steinigen22,20 W die Kleider derer, die ihn töteten..‹ 21Aber Jesus erwiderte: ›Mach dich auf den Weg! Ich werde dich zu anderen Völkern in weit entfernten Ländern senden.‹«

Tumult unter den Zuhörern, Eingreifen des römischen Kommandanten

22Bis zu diesen Worten hatte die Menge ruhig zugehört. Doch jetzt brach ein Tumult los. »Weg mit ihm!«, schrien die Leute. »Bringt ihn um! So einer darf auf keinen Fall am Leben bleiben!« 23Sie tobten, zerrissen vor Empörung ihre Kleider22,23 Od rissen sich vor Empörung die Kleider vom Leib. W warfen ihre Kleider ab. und schleuderten Staub in die Luft. 24´Die Situation wurde so bedrohlich, dass` der Kommandant Paulus ins Innere der Kaserne bringen ließ. Daraufhin befahl er, ihn auszupeitschen und ihn dabei zu verhören22,24 Das Auspeitschen vor/bei einem Verhör war im Fall von Sklaven und Nichtrömern ein übliches Vorgehen., denn er wollte herausfinden, weshalb die Menge ihn so ´hasserfüllt` niedergeschrien hatte.

25Paulus war bereits für die Geißelung festgebunden22,25 Od war bereits mit Riemen festgebunden., da sagte er zu dem Offizier, der die Aufsicht führte: »Ist es bei euch erlaubt, einen römischen Bürger auszupeitschen, noch dazu ohne ordentliches Gerichtsverfahren22,25 Od noch dazu, wenn kein Gerichtsurteil gegen ihn vorliegt.26Als der Offizier das hörte, ging er zum Kommandanten, um ihm Meldung zu erstatten. »Weißt du, was du da tust?22,26 Od Wie willst du jetzt vorgehen?«, sagte er. »Der Mann hat das römische Bürgerrecht!« 27Jetzt kam der Kommandant persönlich zu Paulus. »Stimmt es, dass du römischer Bürger bist?«, fragte er ihn. »Ja«, erwiderte Paulus, »es stimmt.« – 28»Mich hat es eine Menge Geld gekostet, das Bürgerrecht zu erwerben«, sagte der Kommandant. »Und ich besitze es seit meiner Geburt«, sagte Paulus. 29Daraufhin gaben ihn die Soldaten, die ihn verhören sollten, sofort frei. Und der Kommandant bekam es mit der Angst zu tun, weil er begriff, ´was er getan hatte`: Er hatte einen römischen Bürger fesseln lassen.

30Am nächsten Tag ordnete der Kommandant eine Zusammenkunft der führenden Priester und des gesamten Hohen Rates an, weil er sich Klarheit darüber verschaffen wollte, was die Juden diesem Mann vorwarfen. Er ließ Paulus aus der Zelle holen, in die man ihn gebracht hatte22,30 Od Er ließ Paulus die Fesseln abnehmen. W Er machte ihn los. Paulus scheint auch während seiner Untersuchungshaft gefesselt gewesen zu sein (siehe Kapitel 26,29), allerdings vielleicht mit weniger schweren Ketten als bei seiner ersten Festnahme (Kapitel 21,33)., führte ihn ´von der Kaserne zum Gerichtsgebäude` hinunter und ließ ihn vor die Versammelten treten.

23

Paulus vor dem jüdischen Gerichtshof

231Paulus blickte die Mitglieder des Hohen Rates fest und unerschrocken an. »Meine Brüder«, begann er, »ich habe Gott immer mit einem reinen Gewissen gedient, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert23,1 W gedient bis zum heutigen Tag.2´Empört fuhr` der Hohepriester Hananias ´dazwischen`. »Schlagt ihn auf den Mund!«, befahl er den ´Gerichtsdienern23,2 Ratsmitgliedern.`, die bei Paulus standen. 3Da wandte sich Paulus zu ihm und sagte: »Und dich wird Gott schlagen, ´du scheinheiliger Mensch,` du weißgetünchte Wand23,3 Vergleiche Matthäus 23,27 und Hesekiel (Ezechiel) 13,10-16.! Im Namen des Gesetzes sitzt du über mich zu Gericht, doch du selbst missachtest das Gesetz, indem du mich schlagen lässt!?« – 4»Wie kannst du es wagen, den von Gott eingesetzten Hohenpriester zu beleidigen?«23,4 W »Beleidigst du den Hohenpriester Gottes?«, fuhren ihn die Gerichtsdiener23,4 die Ratsmitglieder. W die Dabeistehenden. an. 5Paulus erwiderte: »Brüder, ich wusste nicht, dass er der Hohepriester ist. Denn ´mir ist natürlich bekannt, dass` es in der Schrift heißt: ›Rede nicht abfällig über das Oberhaupt deines Volkes!‹23,5 2. Mose 22,27.«

6Paulus wusste, dass ´der Hohe Rat` zum einen Teil aus Sadduzäern und zum anderen Teil aus Pharisäern bestand. Deshalb rief er jetzt in die Versammlung hinein: »Brüder, ich bin ein Pharisäer, und schon meine Vorfahren waren Pharisäer. Ich stehe hier vor Gericht, weil ich die feste Hoffnung habe, dass die Toten auferstehen23,6 W vor Gericht wegen der Hoffnung und der Auferstehung der Toten.7Kaum hatte Paulus das gesagt, brach zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern ein Streit los, und die Versammlung spaltete sich in zwei Lager. 8Die Sadduzäer leugnen nämlich die Auferstehung, und sie bestreiten auch die Existenz von Engeln und anderen übernatürlichen Wesen23,8 und von Dämonen (w Geistern). und sie bestreiten daher auch, dass es Auferstandene in Gestalt von Engeln oder Geistern gibt., während die Pharisäer sowohl das eine als auch das andere lehren23,8 W während die Pharisäer sich zu beidem bekennen.. 9Lautstark redeten die Ratsmitglieder aufeinander ein, und einige Gesetzeslehrer von der Partei der Pharisäer sprangen auf und protestierten heftig ´gegen eine Verurteilung von Paulus`. »Wir können an diesem Menschen nichts Unrechtes finden«, erklärten sie. »Wer weiß, vielleicht hat tatsächlich ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen!«

10Der Tumult wurde so groß, dass der Kommandant fürchtete, die Ratsmitglieder könnten Paulus am Ende noch in Stücke reißen. Er ließ eine Abteilung Soldaten anrücken und befahl ihnen, Paulus aus dieser gefährlichen Lage zu befreien23,10 W aus ihrer Mitte zu reißen. und in die Kaserne zurückzubringen.

11In dieser Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte zu ihm: »Sei stark und mutig! Denn genauso, wie du in Jerusalem mein Zeuge warst und für mich eingetreten bist, sollst du auch in Rom mein Zeuge sein.«

Ein Mordplan gegen Paulus

12Früh am nächsten Morgen trafen sich eine Anzahl Juden zu einer geheimen Absprache. Mit einem feierlichen Schwur23,12 W Mit einer Selbstverfluchung (für den Fall, dass sie ihren Eid nicht einhalten würden). verpflichteten sie sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus getötet hätten. 13Es waren mehr als vierzig Männer, die sich an dieser Verschwörung beteiligten. 14Sie gingen zu den führenden Priestern und den Ratsältesten und sagten: »Wir haben hoch und heilig geschworen23,14 W Wir haben uns mit einer Selbstverfluchung verpflichtet., nichts zu essen und zu trinken, bis wir Paulus getötet haben. 15Ihr könnt uns dabei helfen! Sprecht im Namen des ganzen Hohen Rates beim Kommandanten vor und bittet ihn23,15 W 15 Bittet ihr nun also mit dem Hohen Rat den Kommandanten., er möge euch Paulus noch einmal vorführen. Gebt vor, dass ihr seinen Fall noch genauer untersuchen wollt. Wir aber werden uns bereithalten und ihn töten, noch ehe er bei euch eingetroffen ist.«

Der Anschlag wird vereitelt

16Ein Neffe von Paulus, der Sohn seiner Schwester, hörte von dem geplanten Anschlag. ´Unverzüglich` machte er sich auf den Weg zur Kaserne. Er wurde eingelassen23,16 W Er ging hinein. und berichtete Paulus von der Sache. 17Paulus ließ einen der Offiziere zu sich kommen und bat ihn: »Bring diesen jungen Mann hier zum Kommandanten; er hat eine wichtige Nachricht für ihn.« 18Der Offizier ging zusammen mit Paulus’ Neffen zum Kommandanten und erstattete ihm Meldung: »Der Gefangene Paulus ließ mich rufen und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu bringen; er habe dir eine wichtige Mitteilung zu machen.« 19Der Kommandant fasste den Neffen des Paulus am Arm, führte ihn beiseite, sodass sie unter vier Augen miteinander sprechen konnten, und fragte ihn: »Worum geht es? Was hast du mir mitzuteilen?«

20»Die Juden«, sagte der junge Mann, »haben vereinbart, dich zu bitten, dass du Paulus morgen noch einmal dem Hohen Rat vorführst – angeblich, weil sie die Vorwürfe gegen ihn noch genauer untersuchen wollen. 21Lass dich auf keinen Fall dazu überreden! Denn in Wirklichkeit planen mehr als vierzig von ihnen einen Anschlag auf ihn. Sie haben feierlich geschworen23,21 W Sie haben sich mit einer Selbstverfluchung verpflichtet., nichts zu essen und nichts zu trinken, bis sie ihn getötet haben. Alles ist vorbereitet; sie warten jetzt nur noch darauf, dass du ihre Bitte erfüllst.«

22Der Kommandant schärfte dem jungen Mann ein, mit niemand darüber zu sprechen, dass er ihm diese Sache anvertraut hatte. Dann ließ er ihn gehen.

Paulus wird zum Gouverneur Felix nach Cäsarea gebracht

23Gleich darauf ließ der Kommandant zwei von seinen Offizieren kommen. »Zweihundert Soldaten sollen sich zum Abmarsch nach Cäsarea bereitmachen«, befahl er, »außerdem siebzig Berittene und zweihundert Leichtbewaffnete23,23 Od Lanzenträger. Die genaue Bedeutung dieses militärischen Fachausdrucks lässt sich nicht mehr feststellen.. Heute Abend um neun Uhr23,23 W In der dritten Stunde der Nacht (von sechs Uhr abends an gerechnet). ´sollt ihr aufbrechen`! 24Haltet auch Reittiere23,24 Die Mehrzahl (Reittiere) weist entweder auf ein Ersatztier hin oder auf ein zusätzliches Tier für das Gepäck; möglicherweise wurde Paulus auch von Freunden begleitet. für Paulus bereit. Und dann bringt ihn zu Gouverneur Felix; sorgt dafür, dass er sicher dort ankommt!«

25Hierauf schrieb der Kommandant einen Brief mit folgendem Inhalt: 26»Klaudius Lysias entbietet dem hochverehrten Gouverneur Felix seinen Gruß! 27Den Mann, den ich hier zu dir schicke, hatten die Juden in ihre Gewalt gebracht, und es fehlte nicht viel, dann hätten sie ihn getötet. Als ich erfuhr, dass er das römische Bürgerrecht besitzt, schritt ich mit meinen Soldaten ein und brachte ihn vor ihnen in Sicherheit. 28Weil ich herausfinden wollte, was sie ihm vorwarfen, ließ ich ihn vor ihren Gerichtshof23,28 W vor ihren Hohen Rat. stellen. 29Dabei zeigte sich, dass sich ihre Vorwürfe gegen ihn nur auf strittige Fragen des jüdischen Gesetzes beziehen; es liegt keine Anklage gegen ihn vor, die ein Todesurteil oder auch nur eine Gefängnisstrafe rechtfertigen würde. 30Doch dann erhielt ich die vertrauliche Information, dass ein Anschlag auf sein Leben geplant ist. Deshalb schicke ich ihn jetzt so rasch wie möglich zu dir, und die Kläger werde ich anweisen, ihre Anschuldigungen bei dir vorzubringen.«

31Die Soldaten machten sich, den Instruktionen entsprechend, auf den Weg und brachten Paulus noch in derselben Nacht bis nach Antipatris. 32Am nächsten Tag kehrten die Fußtruppen23,32 W kehrten sie. nach Jerusalem in ihre Kaserne zurück, während die Soldaten der Reiterabteilung mit Paulus weiterzogen. 33In Cäsarea angekommen, übergaben sie dem Gouverneur das Schreiben ´ihres Kommandanten` und führten ihm Paulus vor. 34Nachdem der Gouverneur den Brief gelesen hatte, wollte er ´von Paulus` wissen, aus welcher Provinz er stamme. Als er erfuhr, dass Paulus aus Zilizien kam ´und die Sache damit in seine Zuständigkeit fiel`23,34 Syrien-Zilizien bildete damals eine römische Provinz, sodass Felix befugt war, diesen Rechtsfall zu entscheiden. Grundsätzlich wäre auch eine Verlegung des Falles nach Tarsus, der Heimatstadt von Paulus, denkbar gewesen, doch damit hätte sich Felix zusätzliche Probleme eingehandelt – sowohl vonseiten seines Vorgesetzten, des Legats von Syrien, den er mit einem relativ geringfügigen Fall belästigt hätte, als auch vonseiten der jüdischen Ankläger, denen er eine weite Anreise zugemutet hätte., 35erklärte er: »Ich werde dich anhören und deinen Fall untersuchen, sobald auch deine Ankläger hier eingetroffen sind.« Und er ordnete an, Paulus bis dahin in seinem Amtssitz, dem ehemaligen Palast23,35 W Paulus im Prätorium. des Herodes, in Gewahrsam zu halten.