Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
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Verfolgung der Jerusalemer Gemeinde durch König Herodes: Jakobus wird hingerichtet, Petrus inhaftiert

121Um diese Zeit begann König Herodes12,1 Agrippa I., auch Herodes genannt, gestorben 44 n. Chr., ein Enkel von Herodes dem Großen (in dessen Regierungszeit die Geburt Jesu fällt – Matthäus 2,1) und ein Neffe von Herodes Antipas (der Johannes den Täufer hinrichten ließ und Jesus verhörte – Matthäus 14,1-12; Lukas 23,6-12)., die Gemeinde in Jerusalem zu verfolgen, und ging mit Gewalt gegen einige ihrer Mitglieder vor12,1 W begann König Herodes, einige von der Gemeinde zu misshandeln. Da die mit beginnen wiedergegebene griechische Wendung auch festnehmen bedeuten kann, ist auch folgende Übersetzung möglich: Um diese Zeit ließ König Herodes einige Mitglieder der Jerusalemer Gemeinde festnehmen und misshandeln.. 2Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. 3Als er sah, dass er den Juden damit einen Gefallen tat, setzte er den eingeschlagenen Kurs fort und ließ auch Petrus festnehmen, und zwar gerade während der Zeit, in der ´das Passafest` gefeiert wurde, das Fest der ungesäuerten Brote.12,3 An den Tag mit der Passamahlfeier schloss sich das einwöchige Fest der ungesäuerten Brote an (3. Mose 23,5-8). Beide Feste konnten unter der Bezeichnung »Passa« zusammengefasst werden. 4Herodes ließ Petrus ins Gefängnis bringen und beauftragte vier Gruppen zu je vier Soldaten mit seiner Bewachung12,4 Wahrscheinlich lösten die vier Abteilungen einander während der vier dreistündigen Nachtwachen ab.; nach den Festtagen12,4 W nach dem Passafest. wollte er ihn dann vor allem Volk aburteilen. 5Während Petrus nun also ´streng bewacht` im Gefängnis saß, betete die Gemeinde intensiv für ihn zu Gott.

Befreiung von Petrus durch einen Engel

6In der Nacht vor der von Herodes geplanten öffentlichen Verurteilung schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit je einer Kette an sie gefesselt; und vor der Tür seiner Zelle waren Posten aufgestellt und hielten Wache. 7Mit einem Mal stand ein12,7 Od der. Engel des Herrn in der Zelle, und helles Licht erfüllte den Raum. Der Engel gab Petrus einen Stoß in die Seite, um ihn zu wecken. »Schnell, steh auf!«, sagte er. Im selben Augenblick fielen die Ketten, die Petrus um die Handgelenke trug, zu Boden. 8Der Engel sagte: »Binde den Gürtel um12,8 Man schlief normalerweise im Untergewand, das beim Aufstehen mit dem Gürtel festgebunden wurde. und zieh deine Sandalen an!«, Petrus tat es. »Und jetzt wirf dir den Mantel über und komm mit!«, sagte der Engel. 9Petrus folgte ihm nach draußen, allerdings ohne zu wissen, dass das, was er mit dem Engel erlebte, Wirklichkeit war; er meinte vielmehr, er hätte eine Vision12,9 Od er würde träumen.. 10Sie passierten den ersten Wachtposten, ebenso den zweiten, und als sie schließlich zu dem eisernen Tor kamen, das in die Stadt führte, öffnete es sich ihnen von selbst.12,10 Wahrscheinlich befand sich das Gefängnis in der Burg Antonia, die zwei Ausgänge hatte – einen zum Tempel und einen zur Stadt. Sie traten ins Freie und gingen eine Gasse entlang12,10 Od gingen eine Gasse weit. – und plötzlich war der Engel verschwunden.

11Da erst kam Petrus zu sich. »Wahrhaftig«, sagte er, »jetzt weiß ich, dass der Herr seinen Engel gesandt hat! Er hat mich Herodes und seiner Macht entrissen und hat mich vor all dem bewahrt, was das jüdische Volk so gern gesehen hätte.« 12Nachdem er über seine Lage nachgedacht hatte12,12 Od Als ihm das alles klar geworden war., ging er zum Haus von Maria, der Mutter des Johannes, der den Beinamen Markus trägt12,12 Der Verfasser des Markus-Evangeliums und der spätere Mitarbeiter von Paulus (Vers 25; Kapitel 13,5.13; 15,37-39; 2. Timotheus 4,11) und Petrus (1. Petrus 5,13).. Dort war eine große Zahl ´von Christen` zum Gebet versammelt. 13Petrus klopfte an das Eingangstor, worauf eine Dienerin namens Rhode kam, um nachzusehen, wer vor dem Haus stand12,13 W um zu reagieren / um auf den zu hören, ´der Einlass suchte`.. 14Als sie die Stimme von Petrus erkannte, vergaß sie vor lauter Freude, das Tor zu öffnen, lief ins Haus zurück und rief: »Es ist Petrus! Petrus steht vor dem Tor!« – 15»Du hast wohl den Verstand verloren!«, entgegneten die anderen. Und als Rhode darauf beharrte, dass es sich genauso verhielt, wie sie sagte, meinten sie: »Dann muss es sein Engel sein.12,15 Od Dann muss es ein Engel sein, der ihm gleicht. Vielleicht ist an eine Art persönlichen Schutzengel gedacht (vergleiche Matthäus 18,10). Nach verbreiteter Auffassung zeigten sich Schutzengel von Zeit zu Zeit in sichtbarer Gestalt, wobei sie das Aussehen ihrer Schutzbefohlenen annahmen.« 16Währenddessen klopfte Petrus wieder und wieder ans Tor. Als sie schließlich öffneten und ihn sahen, waren sie außer sich vor Freude. 17Petrus bat sie mit einer Handbewegung, sich zu beruhigen, und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt hatte. »Berichtet das auch Jakobus12,17 Jakobus, ein leiblicher Bruder von Jesus (siehe Galater 1,19) und der Verfasser des Jakobusbriefes, nahm eine führende Stellung in der Jerusalemer Gemeinde ein (Kapitel 15,13-22; 21,18; vergleiche Galater 2,9.12). und den anderen Geschwistern12,17 Od den anderen ´leitenden` Brüdern.!«, sagte er. Dann verabschiedete er sich von ihnen und verließ die Stadt.12,17 W Dann ging er hinaus und ging an einen anderen Ort.

18Als es Tag wurde, war die Bestürzung unter den Soldaten groß; keiner wusste, was mit Petrus geschehen war. 19Herodes ließ überall nach ihm suchen, aber er blieb unauffindbar.12,19 Od Herodes wollte ihn holen lassen, aber er war unauffindbar. Da nahm Herodes die Wachen ins Verhör und befahl schließlich, sie ´zur Hinrichtung` abzuführen.12,19 Nach römischem Recht haftete der Wächter mit seinem Leben für den Gefangenen. Daraufhin verließ er Jerusalem und das judäische Umland12,19 W verließ er Judäa. Judäa bezeichnet hier nicht die römische Provinz (deren Regierungssitz Cäsarea hauptsächlich von Nichtjuden bewohnt war), sondern das jüdische Kernland mit Jerusalem als Zentrum. und reiste nach Cäsarea12,19 Residenzstadt sowohl der römischen Gouverneure als auch der herodianischen Könige., wo er seine Residenz hatte12,19 W wo er verweilte..

Das schreckliche Ende des Herodes

20Herodes lag damals in heftigem Streit mit den Bürgern von Tyrus und Sidon. Nun schickten sie eine gemeinsame Abordnung zu ihm, und nachdem es den Delegierten gelungen war, Blastus, den Palastverwalter und engen Vertrauten des Königs, als Fürsprecher zu gewinnen, baten sie Herodes um eine friedliche Beilegung des Konflikts. (´Sie sahen sich zu diesem Schritt gezwungen,` weil ihr Land auf die Lieferung von Nahrungsmitteln aus dem Herrschaftsgebiet des Königs angewiesen war.) 21An dem Tag, der ´für die offizielle Beendigung des Streits` vorgesehen war, erschien Herodes in königlichem Prunk12,21 W Gewand. ´vor dem versammelten Volk`, nahm auf der Tribüne12,21 Od auf seinem Thron. Od auf dem Richterstuhl. Platz und hielt eine feierliche Rede an die Delegation aus Tyrus und Sidon12,21 Od an die Volksmenge. W an sie.. 22Begeistert jubelte das Volk ihm zu: »So spricht ein Gott und nicht ein Mensch!« 23Und Herodes ließ sich das gefallen, anstatt Gott die Ehre zu geben. Da vollstreckte ein Engel des Herrn das göttliche Urteil an ihm: Herodes brach noch auf der Tribüne zusammen, von einer schweren Krankheit befallen. Würmer zerfraßen seinen Leib, und er starb einen qualvollen Tod.12,23 W 23 Sofort schlug ihn ein (od der) Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab, und er wurde von Würmern zerfressen und hauchte sein Leben aus. Nach einem Bericht des jüdischen Historikers Josephus brach Herodes während eines öffentlichen Auftritts zusammen und starb fünf Tage später.

24Die Botschaft Gottes aber breitete sich immer weiter aus, und die Zahl derer, die sie annahmen, wuchs ständig.12,24 W Die Botschaft Gottes aber wuchs und vermehrte sich.

25Nachdem Barnabas und Saulus ihren Auftrag in Jerusalem erfüllt ´und die Geldspende überbracht` hatten12,25 Kapitel 11,29.30., kehrten sie ´nach Antiochia` zurück; Johannes mit dem Beinamen Markus begleitete sie.