Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
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Die Vision des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea

101In Cäsarea lebte ein ´römischer` Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum so genannten Italischen Regiment gehörte10,1 lebte ein ´ehemaliger römischer` Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum so genannten Italischen Regiment gehört hatte.. 2Kornelius war ein frommer Mann, der mit allen, die in seinem Haus lebten, an den Gott Israels glaubte10,2 W Ehrfurcht vor Gott hatte. Wahrscheinlich hielt sich Kornelius zur jüdischen Gemeinde.; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen in der ´jüdischen` Bevölkerung und betete treu und regelmäßig.

3Eines Tages – gegen drei Uhr nachmittags10,3 Im religiösen Leben des jüdischen Volkes eine Stunde des privaten und öffentlichen Gebets (siehe Kapitel 3,1). – hatte Kornelius eine Vision: Klar und deutlich sah er, wie ein10,3 Od der. Engel Gottes zu ihm ins Zimmer trat. »Kornelius!«, hörte er ihn sagen. 4Erschrocken starrte Kornelius den Engel an. »Was ist, Herr?«, fragte er. Der Engel erwiderte: »Gott hat deine Gebete gehört und hat gesehen, wie viel Gutes du den Armen tust.10,4 Od Deine Gebete und deine Gaben für die Armen sind wie ein Erinnerungsopfer, dessen Rauch zu Gott emporgestiegen ist. W Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zur Erinnerung / als Erinnerungsopfer vor Gott. 5Darum schicke jetzt einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen. 6Er ist bei einem Gerber zu Gast, der ebenfalls Simon heißt und dessen Haus direkt am Meer liegt.«

7Als der Engel10,7 W der Engel, der mit ihm geredet hatte. wieder gegangen war, rief Kornelius zwei seiner Diener sowie einen gläubigen Soldaten aus seinem persönlichen Gefolge zu sich. 8Er berichtete ihnen alles, was er soeben erlebt hatte10,8 Er erklärte ihnen genau, was sie zu tun hatten., und schickte sie dann nach Joppe.

Die Vision von Petrus in Joppe

9Um die Mittagszeit10,9 W Um die sechste Stunde (von sechs Uhr morgens an gerechnet). des folgenden Tages – die Boten des Kornelius waren noch unterwegs, näherten sich aber bereits der Stadt – stieg Petrus zum Beten auf das flache Dach ´des Hauses, in dem er zu Gast war`. 10Nach einiger Zeit wurde er hungrig und bat um etwas zu essen. Während ihm nun eine Mahlzeit zubereitet wurde, hatte er eine Vision10,10 W kam eine Verzückung über ihn.. 11Er sah den Himmel offen stehen und etwas wie ein riesiges leinenes Tuch herabkommen, das – gehalten an seinen vier Ecken – auf die Erde heruntergelassen wurde. 12In dem Tuch befanden sich Tiere aller Art – Vierfüßer, Reptilien und Vögel10,12 Also auch Tiere, die nach den Speisevorschriften von 3. Mose 11 und 5. Mose 14 als unrein galten und daher nicht gegessen werden durften.. 13Nun hörte er eine Stimme: »Auf, Petrus, schlachte und iss!« – 14»Auf gar keinen Fall, Herr!«, entgegnete Petrus. »In meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!« 15Doch die Stimme wiederholte die Aufforderung. »Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein10,15 W unheilig.!«, sagte sie. 16Und noch ein drittes Mal wurde Petrus zum Essen aufgefordert.10,16 16 Das Ganze geschah dreimal. Danach verschwand das Tuch so unvermittelt wieder im Himmel, ´wie es gekommen war`.

Die Boten des Kornelius bei Petrus

17Während Petrus noch darüber rätselte, was diese Vision bedeuten sollte, kamen auch schon die Männer an, die Kornelius geschickt hatte. Sie hatten sich zu Simons Haus durchgefragt und standen jetzt ´unten` vor dem Eingangstor. 18»Ist hier ein Simon mit dem Beinamen Petrus zu Gast?«, riefen sie.

19Da sagte der Geist ´Gottes` zu Petrus, der immer noch über die Vision nachdachte: »Petrus! ´Vor dem Haus` sind drei Männer, die zu dir wollen. 20Darum steh jetzt auf und geh nach unten. ´Sie werden dich bitten, mit ihnen zu kommen.` Folge ihnen ohne Bedenken10,20 Folge ihnen, ohne einen Unterschied ´zwischen Juden und Nichtjuden` zu machen.; ich selbst habe sie geschickt.«

21Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: »Ich bin der, den ihr sucht. Was führt euch zu mir?« – 22»´Wir kommen von` Hauptmann Kornelius«, antworteten sie, »einem frommen und gerechten Mann, der an den Gott Israels glaubt10,22 W der Ehrfurcht vor Gott hat. und bei der ganzen jüdischen Bevölkerung in hohem Ansehen steht. Er hat von einem heiligen Engel den Auftrag erhalten, dich in sein Haus einzuladen, um zu erfahren, was du ihm zu sagen hast.« 23Als Petrus das hörte, bat er die Männer herein und sorgte dafür, dass sie bei Simon übernachten konnten10,23 W und beherbergte sie..

Petrus bei Kornelius

Gleich am nächsten Morgen machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg, begleitet von einigen Brüdern aus Joppe. 24Am darauf folgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete sie bereits.

25Als Petrus durch ´das Hoftor` trat, kam Kornelius ihm entgegen und warf sich ehrfurchtsvoll10,25 Od anbetend. vor ihm nieder. 26Doch Petrus zog ihn wieder hoch. »Steh auf!«, sagte er. »Ich bin auch nur ein Mensch.« 27Und während er sich mit Kornelius unterhielt, betrat er das Haus.

Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten. 28»Ihr wisst sicher«, sagte er zu ihnen, »dass es einem Juden nicht erlaubt ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen.10,28 Er würde damit gegen die jüdischen Reinheitsvorschriften verstoßen; vergleiche z. B. Johannes 18,28. Aber Gott hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig oder unrein bezeichnen darf, ´nur weil er kein Jude ist`. 29Daher habe ich auch keine Einwände gemacht, als man mich einlud, hierher zu kommen. Und nun lasst mich wissen, aus welchem Grund ihr mich geholt habt!«

30Kornelius erwiderte: »Vor drei Tagen hatte ich mich zur gleichen Zeit wie jetzt, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus zum Gebet zurückgezogen10,30 W Vor vier Tagen (bei dieser »inklusiven« Zählweise wird der Tag mitgezählt, von dem an zurückgerechnet wird) war ich bis zu dieser, der neunten Stunde (von sechs Uhr morgens an gerechnet) am Beten., als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand vor mir stand. 31›Kornelius!‹, sagte er. ›Gott hat dein Beten erhört, und er weiß sehr wohl, wie viel Gutes du den Armen tust10,31 W und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott.. 32Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus direkt am Meer liegt.10,32 Eine weniger gut bezeugte Lesart fügt hinzu: Petrus wird, wenn er hierhergekommen ist, mit dir reden.33Daraufhin schickte ich sofort ´einige Leute` zu dir, und du bist so freundlich gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.«

Das Evangelium wird zum ersten Mal vor Nichtjuden verkündet

34»Wahrhaftig«, begann Petrus, »jetzt wird mir ´erst richtig` klar, dass Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen macht! 35Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an10,35 W 35 Vielmehr ist ihm in jedem Volk jeder willkommen., der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.

36´Was ich euch bringe, ist` die Botschaft10,36 Od ´Ihr kennt ja` die Botschaft., die Gott bereits den Israeliten verkünden ließ; es ist das Evangelium vom Frieden durch den10,36 Od die Botschaft – das Evangelium vom Frieden –, die Gott den Israeliten durch den verkünden ließ., der über alle Menschen Herr ist, Jesus Christus. 37Ihr habt sicher von dem erfahren, was sich im ganzen jüdischen Land zugetragen hat.10,37 Ihr wisst sicher, wovon im ganzen jüdischen Land gesprochen wurde. Angefangen hatte es in Galiläa, nachdem Johannes zur Taufe aufgerufen hatte: 38Jesus von Nazaret wurde von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt und mit Kraft erfüllt und zog dann im ganzen Land umher, tat Gutes und heilte alle, die der Teufel in seiner Gewalt hatte; denn Gott war mit ihm. 39Wir Apostel sind Zeugen von all dem, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat. Und dann hat man ihn getötet, indem man ihn ans Kreuz10,39 W ans Holz / an den Holzpfahl. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 5,30. hängte. 40Doch drei Tage danach10,40 Bei dieser »inklusiven« Zählweise wird der Tag der Hinrichtung mitgerechnet. Nach unserem Sprachgebrauch handelt es sich um den zweiten Tag danach. hat Gott ihn ´von den Toten` auferweckt, und in Gottes Auftrag hat er sich als der Auferstandene gezeigt10,40 W und er (Gott) hat veranlasst, dass er sichtbar wurde.41allerdings nicht dem ganzen Volk, sondern nur denen, die Gott schon im Voraus zu Zeugen bestimmt hatte, nämlich uns Aposteln. Mit uns hat er, nachdem er von den Toten auferstanden war, sogar gegessen und getrunken.10,41 Siehe Kapitel 1,4 und Lukas 24,43. 42Und er gab uns den Auftrag, dem ganzen Volk mit allem Nachdruck zu verkünden und zu bezeugen, dass er10,42 Od Und Gott gab uns den Auftrag … zu bezeugen, dass dieser Jesus. der von Gott eingesetzte Richter ist, der über die Lebenden und über die Toten das Urteil sprechen wird. 43Schon die Propheten haben von ihm geredet10,43 Od haben davon geredet.. Durch ihn10,43 Aufgrund des Bekenntnisses zu seinem Namen. W Durch seinen Namen., so bezeugen sie alle übereinstimmend, bekommt jeder die Vergebung seiner Sünden – jeder, der an ihn glaubt.10,43 Siehe z. B. 5. Mose 18,15; 32,43; Jesaja 33,24; 53,4-12; Jeremia 23,5.6; 31,34; Hesekiel (Ezechiel) 36,25; Daniel 9,24. Auch wenn nur ein Teil der Propheten ausdrücklich auf die Vergebung durch den Messias hinweist, sprechen doch alle von der Vergebung durch Gottes Gnade, und die messianische Zeit wird – so kündigten es die Propheten an – in besonderem Maß eine Zeit der Gnade sein.«

Auch Nichtjuden erhalten den Heiligen Geist

44Während Petrus noch über diese Dinge sprach, kam der Heilige Geist auf alle herab, die seine Botschaft hörten. 45Die Gläubigen jüdischer Herkunft10,45 W Die Gläubigen aus der Beschneidung., die Petrus nach Cäsarea begleitet hatten, waren außer sich vor Verwunderung, dass die Gabe ´Gottes`, der Heilige Geist, auch über Nichtjuden ausgegossen wurde. 46Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in ´geistgewirkten` Sprachen redeten und Gott für seine Größe priesen.

Schließlich wandte sich Petrus an seine Begleiter und sagte: 47»Wer hätte jetzt noch das Recht, diesen Leuten die Taufe10,47 W das Wasser zum Getauftwerden. zu verweigern – jetzt, wo sie genau10,47 auf dieselbe Weise. wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?« 48Und er ordnete an, sie im Namen10,48 Od auf den Namen. von Jesus Christus zu taufen.10,48 Und er gab den Versammelten die Anweisung, sich im Namen von Jesus Christus taufen zu lassen. Danach blieb er auf ihre Bitte hin noch einige Tage bei ihnen.