Neue Genfer Übersetzung (NGUE)
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Die Umkehr des Saulus: vom Verfolger der Gemeinde zum Nachfolger Christi

91-2Saulus führte weiterhin einen wütenden Kampf gegen die Jünger des Herrn. Er drohte ihnen mit dem Tod und war entschlossen, die Gemeinde auszurotten.9,1-2 W 1-2 Saulus aber schnaubte immer noch Drohungen und Mord gegen die Jünger des Herrn. Auch in Damaskus wollte er die Anhänger der neuen Lehre9,1-2 W des Weges. aufspüren, um sie alle – Männer wie Frauen – in Ketten nach Jerusalem zu bringen. Zu diesem Zweck wandte er sich an den Hohenpriester und bat ihn um Briefe ´mit einer entsprechenden Bevollmächtigung`, die er den Synagogen in Damaskus vorlegen wollte.

3Als er nun nach Damaskus unterwegs war und die Stadt schon fast erreicht hatte, leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten umgab ihn ein solcher Glanz, 4dass er ´geblendet` zu Boden stürzte. Gleichzeitig hörte er, wie eine Stimme zu ihm sagte: »Saul, Saul9,4 Die hebräisch-aramäische Namensform (hier und in Kapitel 22,7 und 26,14; vergleiche auch Kapitel 9,17 und 22,13) weist darauf hin, dass die Stimme hebräisch/aramäisch mit Saulus sprach (so ausdrücklich in Kapitel 26,14). Siehe dazu die Anmerkung zu Kapitel 21,40., warum verfolgst du mich?« – 5»Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme antwortete: »Ich bin der, den du verfolgst; ich bin Jesus. 6Doch jetzt steh auf und geh in die Stadt! Dort wird man dir sagen, was du tun sollst.«

7Die Männer, die mit Saulus reisten, standen sprachlos ´vor Bestürzung` dabei; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. 8Saulus richtete sich vom Boden auf und öffnete die Augen, aber er konnte nichts sehen. Seine Begleiter mussten ihn bei der Hand nehmen und nach Damaskus führen. 9Drei Tage lang war er blind, und er aß nichts und trank nichts.

10In Damaskus lebte ein Jünger ´Jesu` namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: »Hananias!« – »Ja, Herr?«, erwiderte Hananias. 11»Geh in die Gerade Straße«, befahl ihm der Herr, »und frage im Haus des Judas nach einem Saulus aus Tarsus. Du musst Folgendes wissen: Saulus betet, 12und in einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias in sein Zimmer tritt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.«

13»Herr«, entgegnete Hananias, »von den verschiedensten Seiten habe ich erfahren, wie viel schreckliche Dinge dieser Mann in Jerusalem denen angetan hat, die zu deiner Gemeinde gehören9,13 W in Jerusalem deinen Heiligen angetan hat.. 14Außerdem ist er von den führenden Priestern dazu ermächtigt, hier in Damaskus alle zu verhaften, die sich zu deinem Namen bekennen9,14 W die deinen Namen anrufen.

15Aber der Herr sagte: »Geh ´trotzdem` zu ihm! Denn gerade ihn habe ich mir als Werkzeug ausgewählt9,15 Od Denn gerade er ist mir ein überaus nützliches Werkzeug., damit er meinen Namen ´in aller Welt` bekannt macht – bei den nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern ebenso wie bei den Israeliten. 16Und ich will ihm zeigen, wie viel er ´von jetzt an` um meines Namens willen9,16 Od für sein Bekenntnis zu mir. leiden muss.«

17Da machte sich Hananias auf den Weg und ging in jenes Haus. Er legte Saulus die Hände auf und sagte: »Saul9,17 Vergleiche die Anmerkung zu Vers 4., mein Bruder! Der Herr selbst – Jesus, der dir auf deiner Reise hierher erschienen ist – hat mich geschickt. Er möchte, dass du wieder sehen kannst und mit dem Heiligen Geist erfüllt wirst.« 18Im selben Augenblick war es, als würden Schuppen von Saulus’ Augen fallen: Er konnte wieder sehen! Saulus stand auf und ließ sich taufen. 19Und nachdem er etwas gegessen hatte, kehrten seine Kräfte zurück.

Saulus verkündet in Damaskus das Evangelium

Saulus war erst einige Tage bei den Jüngern in Damaskus, 20da begann er auch schon9,20 Od Saulus blieb einige Tage bei den Jüngern in Damaskus, 20 und er begann sofort., in den Synagogen der Stadt zu verkünden, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

21Alle, die Saulus hörten9,21 Od die davon hörten., waren außer sich vor Verwunderung. »Ist das nicht der, der in Jerusalem mit unerbittlicher Härte gegen jeden vorging, der sich zu diesem Jesus bekannte9,21 W der diesen Namen anrief.?«, sagten sie. »Und ist er nicht in der Absicht hierhergekommen, die ´Anhänger dieses Mannes` auch hier zu verhaften und sie den führenden Priestern ´in Jerusalem` auszuliefern?«

22Saulus jedoch trat mit immer größerer Entschiedenheit auf9,22 W Saulus jedoch wurde immer stärker. und brachte die Juden, die in Damaskus lebten, in größte Verwirrung, weil er überzeugend darlegte, dass Jesus der Messias9,22 Od Christus. ist.

Flucht aus Damaskus

23Längere Zeit verging.9,23 Vermutlich fällt in diese Zeit der Arabienaufenthalt, den Paulus in Galater 1,17 erwähnt. Schließlich fassten die Juden den Beschluss, Saulus zu töten. 24Saulus erfuhr von ihren Plänen, doch sie bewachten Tag und Nacht die Stadttore, damit er ihnen nicht entkommen konnte9,24 W damit sie ihn töten konnten.. 25Da ließen ihn seine Anhänger9,25 die Jünger Jesu. eines Nachts in einem Korb an der Stadtmauer hinunter9,25 Od in einem Korb durch eine Öffnung in der Stadtmauer hinunter. Zu den Versen 23 bis 25 siehe auch 2. Korinther 11,32.33. ´und verhalfen ihm so zur Flucht`.9,25 Zu den Versen 23 bis 25 siehe auch 2. Korinther 11,32.33.

Saulus in Jerusalem. Abreise nach Tarsus

26Als Saulus wieder nach Jerusalem kam, versuchte er sich den Jüngern anzuschließen. Aber sie hatten alle Angst vor ihm, weil sie nicht glauben konnten, dass jetzt auch er ein Jünger ´Jesu` war. 27Da kam ihm Barnabas zu Hilfe. Er brachte ihn zu den Aposteln und berichtete ihnen, wie Saulus auf seiner Reise ´nach Damaskus` den Herrn gesehen und wie9,27 Od was. der Herr mit ihm gesprochen hatte. Außerdem berichtete er ihnen, wie unerschrocken Saulus dann in Damaskus im Namen Jesu aufgetreten war.

28Von da an ging Saulus bei den Christen in Jerusalem aus und ein9,28 Od Von da an wirkte Saulus zusammen mit den Aposteln (w mit ihnen) in Jerusalem., und auch hier trat er unerschrocken im Namen des Herrn auf. 29Er unterhielt sich mit den Juden, die aus griechischsprachigen Ländern stammten,9,29 W mit den Hellenisten. und führte lange Streitgespräche mit ihnen. Doch ´statt sich überzeugen zu lassen,` versuchten sie ihn umzubringen. 30Als die Christen9,30 Od die leitenden Brüder der Gemeinde. W die Geschwister/Brüder. das erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea, von wo sie ihn dann nach Tarsus ziehen ließen.

Zwischenbilanz: Die Gemeinde in Judäa, Galiläa und Samarien

31Die Gemeinde in ganz Judäa, Galiläa und Samarien erlebte nun eine Zeit der Ruhe und des Friedens. Die Christen wurden im Glauben gefestigt und lebten9,31 Od Die Gemeinde festigte sich, und die Christen lebten. W Sie wurden aufgebaut und lebten. in Ehrfurcht vor dem Herrn. Und weil der Heilige Geist ihnen zur Seite stand9,31 W Und durch den Zuspruch des Heiligen Geistes., wuchs die Gemeinde ständig weiter.

Petrus in Lydda: Heilung eines Gelähmten

32Auf seinen Reisen9,32 Od Auf einer Reise., die ihn durch das ganze Land führten, kam Petrus auch zu den Christen9,32 W zu den Heiligen. in Lydda. 33Dort begegnete er einem Mann namens Äneas, der gelähmt und seit acht Jahren ans Bett gefesselt war. 34Petrus sagte zu ihm: »Äneas, Jesus Christus heilt dich. Steh auf und mach dein Bett!« Im selben Augenblick konnte Äneas aufstehen. 35Alle Bewohner von Lydda und von der Scharon-Ebene sahen den Geheilten. Da wandten sie sich dem Herrn zu ´und glaubten an ihn`.

Petrus in Joppe: Auferweckung einer Toten

36In Joppe lebte eine Jüngerin ´Jesu` namens Tabita. (Tabita – oder Dorkas, wie ihr Name auf Griechisch lautete – bedeutet »Gazelle«.)9,36 W namens Tabita, was übersetzt heißt: Dorkas (»Gazelle«). Tabita tat viel Gutes und half den Bedürftigen, wo sie nur konnte. 37Doch während Petrus in Lydda war, wurde sie krank und starb. Man wusch den Leichnam und bahrte ihn im Obergeschoss des Hauses auf, ´in dem sie gewohnt hatte`.

38Als die Jünger von Joppe erfuhren9,38 Od Weil die Jünger von Joppe erfahren hatten., dass Petrus sich in dem nicht weit entfernten Lydda aufhielt, schickten sie zwei Männer zu ihm mit der Bitte, so schnell wie möglich zu ihnen zu kommen. 39Petrus ging unverzüglich mit. In Joppe angekommen, wurde er in das Zimmer im Obergeschoss geführt, in dem Tabita aufgebahrt war. Viele Witwen waren dort versammelt und beweinten die Tote. Sie alle drängten sich jetzt um Petrus und zeigten ihm unter Tränen9,39 W wurde er in das Obergeschoss/Obergemach geführt, und alle Witwen traten weinend zu ihm und zeigten ihm. ihre Kleider und Mäntel. »Das alles hat Dorkas gemacht, als sie noch unter uns war!«, sagten sie. 40Doch Petrus schickte sie alle aus dem Zimmer. ´Als er allein war,` kniete er nieder und betete. Dann wandte er sich zu der Toten und sagte: »Tabita, steh auf!« Tabita öffnete die Augen, sah Petrus an und setzte sich auf, 41und Petrus fasste sie bei der Hand und half ihr auf die Füße. Danach rief er die Witwen und die anderen Gläubigen herein9,41 Od rief er die Gläubigen und die Witwen herein., damit sie die wieder zum Leben erweckte Tabita sehen konnten.

42Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich in der ganzen Stadt, und viele kamen zum Glauben an den Herrn. 43Petrus blieb noch längere Zeit in Joppe; er wohnte bei einem gewissen Simon, einem Gerber.

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Die Vision des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea

101In Cäsarea lebte ein ´römischer` Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum so genannten Italischen Regiment gehörte10,1 lebte ein ´ehemaliger römischer` Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum so genannten Italischen Regiment gehört hatte.. 2Kornelius war ein frommer Mann, der mit allen, die in seinem Haus lebten, an den Gott Israels glaubte10,2 W Ehrfurcht vor Gott hatte. Wahrscheinlich hielt sich Kornelius zur jüdischen Gemeinde.; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen in der ´jüdischen` Bevölkerung und betete treu und regelmäßig.

3Eines Tages – gegen drei Uhr nachmittags10,3 Im religiösen Leben des jüdischen Volkes eine Stunde des privaten und öffentlichen Gebets (siehe Kapitel 3,1). – hatte Kornelius eine Vision: Klar und deutlich sah er, wie ein10,3 Od der. Engel Gottes zu ihm ins Zimmer trat. »Kornelius!«, hörte er ihn sagen. 4Erschrocken starrte Kornelius den Engel an. »Was ist, Herr?«, fragte er. Der Engel erwiderte: »Gott hat deine Gebete gehört und hat gesehen, wie viel Gutes du den Armen tust.10,4 Od Deine Gebete und deine Gaben für die Armen sind wie ein Erinnerungsopfer, dessen Rauch zu Gott emporgestiegen ist. W Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zur Erinnerung / als Erinnerungsopfer vor Gott. 5Darum schicke jetzt einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen. 6Er ist bei einem Gerber zu Gast, der ebenfalls Simon heißt und dessen Haus direkt am Meer liegt.«

7Als der Engel10,7 W der Engel, der mit ihm geredet hatte. wieder gegangen war, rief Kornelius zwei seiner Diener sowie einen gläubigen Soldaten aus seinem persönlichen Gefolge zu sich. 8Er berichtete ihnen alles, was er soeben erlebt hatte10,8 Er erklärte ihnen genau, was sie zu tun hatten., und schickte sie dann nach Joppe.

Die Vision von Petrus in Joppe

9Um die Mittagszeit10,9 W Um die sechste Stunde (von sechs Uhr morgens an gerechnet). des folgenden Tages – die Boten des Kornelius waren noch unterwegs, näherten sich aber bereits der Stadt – stieg Petrus zum Beten auf das flache Dach ´des Hauses, in dem er zu Gast war`. 10Nach einiger Zeit wurde er hungrig und bat um etwas zu essen. Während ihm nun eine Mahlzeit zubereitet wurde, hatte er eine Vision10,10 W kam eine Verzückung über ihn.. 11Er sah den Himmel offen stehen und etwas wie ein riesiges leinenes Tuch herabkommen, das – gehalten an seinen vier Ecken – auf die Erde heruntergelassen wurde. 12In dem Tuch befanden sich Tiere aller Art – Vierfüßer, Reptilien und Vögel10,12 Also auch Tiere, die nach den Speisevorschriften von 3. Mose 11 und 5. Mose 14 als unrein galten und daher nicht gegessen werden durften.. 13Nun hörte er eine Stimme: »Auf, Petrus, schlachte und iss!« – 14»Auf gar keinen Fall, Herr!«, entgegnete Petrus. »In meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!« 15Doch die Stimme wiederholte die Aufforderung. »Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein10,15 W unheilig.!«, sagte sie. 16Und noch ein drittes Mal wurde Petrus zum Essen aufgefordert.10,16 16 Das Ganze geschah dreimal. Danach verschwand das Tuch so unvermittelt wieder im Himmel, ´wie es gekommen war`.

Die Boten des Kornelius bei Petrus

17Während Petrus noch darüber rätselte, was diese Vision bedeuten sollte, kamen auch schon die Männer an, die Kornelius geschickt hatte. Sie hatten sich zu Simons Haus durchgefragt und standen jetzt ´unten` vor dem Eingangstor. 18»Ist hier ein Simon mit dem Beinamen Petrus zu Gast?«, riefen sie.

19Da sagte der Geist ´Gottes` zu Petrus, der immer noch über die Vision nachdachte: »Petrus! ´Vor dem Haus` sind drei Männer, die zu dir wollen. 20Darum steh jetzt auf und geh nach unten. ´Sie werden dich bitten, mit ihnen zu kommen.` Folge ihnen ohne Bedenken10,20 Folge ihnen, ohne einen Unterschied ´zwischen Juden und Nichtjuden` zu machen.; ich selbst habe sie geschickt.«

21Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: »Ich bin der, den ihr sucht. Was führt euch zu mir?« – 22»´Wir kommen von` Hauptmann Kornelius«, antworteten sie, »einem frommen und gerechten Mann, der an den Gott Israels glaubt10,22 W der Ehrfurcht vor Gott hat. und bei der ganzen jüdischen Bevölkerung in hohem Ansehen steht. Er hat von einem heiligen Engel den Auftrag erhalten, dich in sein Haus einzuladen, um zu erfahren, was du ihm zu sagen hast.« 23Als Petrus das hörte, bat er die Männer herein und sorgte dafür, dass sie bei Simon übernachten konnten10,23 W und beherbergte sie..

Petrus bei Kornelius

Gleich am nächsten Morgen machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg, begleitet von einigen Brüdern aus Joppe. 24Am darauf folgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete sie bereits.

25Als Petrus durch ´das Hoftor` trat, kam Kornelius ihm entgegen und warf sich ehrfurchtsvoll10,25 Od anbetend. vor ihm nieder. 26Doch Petrus zog ihn wieder hoch. »Steh auf!«, sagte er. »Ich bin auch nur ein Mensch.« 27Und während er sich mit Kornelius unterhielt, betrat er das Haus.

Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten. 28»Ihr wisst sicher«, sagte er zu ihnen, »dass es einem Juden nicht erlaubt ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen.10,28 Er würde damit gegen die jüdischen Reinheitsvorschriften verstoßen; vergleiche z. B. Johannes 18,28. Aber Gott hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig oder unrein bezeichnen darf, ´nur weil er kein Jude ist`. 29Daher habe ich auch keine Einwände gemacht, als man mich einlud, hierher zu kommen. Und nun lasst mich wissen, aus welchem Grund ihr mich geholt habt!«

30Kornelius erwiderte: »Vor drei Tagen hatte ich mich zur gleichen Zeit wie jetzt, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus zum Gebet zurückgezogen10,30 W Vor vier Tagen (bei dieser »inklusiven« Zählweise wird der Tag mitgezählt, von dem an zurückgerechnet wird) war ich bis zu dieser, der neunten Stunde (von sechs Uhr morgens an gerechnet) am Beten., als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand vor mir stand. 31›Kornelius!‹, sagte er. ›Gott hat dein Beten erhört, und er weiß sehr wohl, wie viel Gutes du den Armen tust10,31 W und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott.. 32Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus direkt am Meer liegt.10,32 Eine weniger gut bezeugte Lesart fügt hinzu: Petrus wird, wenn er hierhergekommen ist, mit dir reden.33Daraufhin schickte ich sofort ´einige Leute` zu dir, und du bist so freundlich gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.«

Das Evangelium wird zum ersten Mal vor Nichtjuden verkündet

34»Wahrhaftig«, begann Petrus, »jetzt wird mir ´erst richtig` klar, dass Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen macht! 35Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an10,35 W 35 Vielmehr ist ihm in jedem Volk jeder willkommen., der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.

36´Was ich euch bringe, ist` die Botschaft10,36 Od ´Ihr kennt ja` die Botschaft., die Gott bereits den Israeliten verkünden ließ; es ist das Evangelium vom Frieden durch den10,36 Od die Botschaft – das Evangelium vom Frieden –, die Gott den Israeliten durch den verkünden ließ., der über alle Menschen Herr ist, Jesus Christus. 37Ihr habt sicher von dem erfahren, was sich im ganzen jüdischen Land zugetragen hat.10,37 Ihr wisst sicher, wovon im ganzen jüdischen Land gesprochen wurde. Angefangen hatte es in Galiläa, nachdem Johannes zur Taufe aufgerufen hatte: 38Jesus von Nazaret wurde von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt und mit Kraft erfüllt und zog dann im ganzen Land umher, tat Gutes und heilte alle, die der Teufel in seiner Gewalt hatte; denn Gott war mit ihm. 39Wir Apostel sind Zeugen von all dem, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat. Und dann hat man ihn getötet, indem man ihn ans Kreuz10,39 W ans Holz / an den Holzpfahl. Siehe die Anmerkung zu Kapitel 5,30. hängte. 40Doch drei Tage danach10,40 Bei dieser »inklusiven« Zählweise wird der Tag der Hinrichtung mitgerechnet. Nach unserem Sprachgebrauch handelt es sich um den zweiten Tag danach. hat Gott ihn ´von den Toten` auferweckt, und in Gottes Auftrag hat er sich als der Auferstandene gezeigt10,40 W und er (Gott) hat veranlasst, dass er sichtbar wurde.41allerdings nicht dem ganzen Volk, sondern nur denen, die Gott schon im Voraus zu Zeugen bestimmt hatte, nämlich uns Aposteln. Mit uns hat er, nachdem er von den Toten auferstanden war, sogar gegessen und getrunken.10,41 Siehe Kapitel 1,4 und Lukas 24,43. 42Und er gab uns den Auftrag, dem ganzen Volk mit allem Nachdruck zu verkünden und zu bezeugen, dass er10,42 Od Und Gott gab uns den Auftrag … zu bezeugen, dass dieser Jesus. der von Gott eingesetzte Richter ist, der über die Lebenden und über die Toten das Urteil sprechen wird. 43Schon die Propheten haben von ihm geredet10,43 Od haben davon geredet.. Durch ihn10,43 Aufgrund des Bekenntnisses zu seinem Namen. W Durch seinen Namen., so bezeugen sie alle übereinstimmend, bekommt jeder die Vergebung seiner Sünden – jeder, der an ihn glaubt.10,43 Siehe z. B. 5. Mose 18,15; 32,43; Jesaja 33,24; 53,4-12; Jeremia 23,5.6; 31,34; Hesekiel (Ezechiel) 36,25; Daniel 9,24. Auch wenn nur ein Teil der Propheten ausdrücklich auf die Vergebung durch den Messias hinweist, sprechen doch alle von der Vergebung durch Gottes Gnade, und die messianische Zeit wird – so kündigten es die Propheten an – in besonderem Maß eine Zeit der Gnade sein.«

Auch Nichtjuden erhalten den Heiligen Geist

44Während Petrus noch über diese Dinge sprach, kam der Heilige Geist auf alle herab, die seine Botschaft hörten. 45Die Gläubigen jüdischer Herkunft10,45 W Die Gläubigen aus der Beschneidung., die Petrus nach Cäsarea begleitet hatten, waren außer sich vor Verwunderung, dass die Gabe ´Gottes`, der Heilige Geist, auch über Nichtjuden ausgegossen wurde. 46Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in ´geistgewirkten` Sprachen redeten und Gott für seine Größe priesen.

Schließlich wandte sich Petrus an seine Begleiter und sagte: 47»Wer hätte jetzt noch das Recht, diesen Leuten die Taufe10,47 W das Wasser zum Getauftwerden. zu verweigern – jetzt, wo sie genau10,47 auf dieselbe Weise. wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?« 48Und er ordnete an, sie im Namen10,48 Od auf den Namen. von Jesus Christus zu taufen.10,48 Und er gab den Versammelten die Anweisung, sich im Namen von Jesus Christus taufen zu lassen. Danach blieb er auf ihre Bitte hin noch einige Tage bei ihnen.

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Rechenschaftsbericht von Petrus vor der Gemeinde in Jerusalem

111Die Neuigkeit, dass jetzt auch die Nichtjuden Gottes Botschaft angenommen hatten, erreichte schon bald die Apostel und die Christen11,1 W die Geschwister. in Judäa.

2Als Petrus nun nach Jerusalem zurückkehrte, stellten ihn die Gläubigen der dortigen Gemeinde, die ja alle beschnitten waren,11,2 Od stellten ihn die Verfechter der Beschneidung. W stellten ihn die aus der Beschneidung. zur Rede. 3»Du bist in ein Haus gegangen, in dem Unbeschnittene11,3 D. h. Nichtjuden. wohnen, und hast sogar mit ihnen gegessen!«, hielten sie ihm vor.11,3 Vergleiche Kapitel 10,28.

4Da gab Petrus ihnen einen ausführlichen Bericht über das11,4 Od Da berichtete Petrus ihnen der Reihe nach., was geschehen war. 5»Als ich«, so begann er, »in der Stadt Joppe war und gerade betete, hatte ich11,5 W hatte ich in einer Verzückung. eine Vision: Ich sah etwas wie ein riesiges leinenes Tuch herabkommen, das – gehalten an seinen vier Ecken – aus dem Himmel heruntergelassen wurde, bis es sich unmittelbar vor mir befand. 6Gespannt schaute ich hinein und erblickte die verschiedensten Tiere – Haustiere11,6 Od Vierfüßer. Zu der Aufzählung vergleiche 1,24., wilde Tiere, Reptilien und Vögel. 7Jetzt hörte ich auch eine Stimme, die zu mir sagte: ›Auf, Petrus, schlachte und iss!‹ – 8›Auf gar keinen Fall, Herr!‹, entgegnete ich. ›Noch nie in meinem Leben habe ich von etwas Unheiligem oder Unreinem auch nur einen Bissen gegessen!‹ 9Doch die Stimme aus dem Himmel wiederholte die Aufforderung. ›Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein11,9 W unheilig.!‹, sagte sie. 10Und noch ein drittes Mal wurde ich zum Essen aufgefordert.11,10 10 Das Ganze geschah dreimal. Danach wurde das Tuch mit allem, was darin war,11,10 W Danach wurde alles. wieder in den Himmel hinaufgezogen.

11Die Vision war kaum vorüber, da standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir11,11 Wahrscheinlich Petrus und die im nächsten Vers genannten Christen. AL(1) in dem ich mich befand. uns befanden; sie kamen aus Cäsarea und waren zu mir geschickt worden. 12Der Geist ´Gottes` sagte mir, ich solle ohne Bedenken11,12 ohne einen Unterschied ´zwischen Juden und Nichtjuden` zu machen. mit ihnen gehen, was ich dann auch tat. Diese sechs Brüder hier, ´die ich aus Joppe mitgebracht habe,` begleiteten mich. Wir betraten das Haus des Mannes, ´der nach mir geschickt hatte,` 13und er erzählte uns, er habe einen11,13 Od den. Engel in seinem Haus stehen sehen, der zu ihm gesagt habe: ›Schicke Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen! 14Was er dir zu sagen hat, wird dir Rettung bringen, dir und allen, die in deinem Haus leben.‹

15Ich hatte eben erst begonnen11,15 Od Ich hatte noch nicht aufgehört., zu den Versammelten zu sprechen, als der Heilige Geist auf sie herabkam – genau wie damals am Pfingsttag11,15 Kapitel 2,2-4. auf uns. 16Da musste ich an das Wort denken, das der Herr gesagt hatte: ›Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.‹11,16 Kapitel 1,5. 17Gott hat ihnen also, als sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, kamen, dieselbe Gabe geschenkt wie uns.11,17 Od Gott hat ihnen also dieselbe Gabe geschenkt wie uns, nachdem wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen waren. Wer bin ich, dass ich es da noch hätte wagen dürfen, mich Gott in den Weg zu stellen?«

18Als diejenigen, ´die von Petrus Rechenschaft gefordert hatten,` diesen Bericht hörten, verstummte ihre Kritik11,18 Od waren sie beruhigt.. Sie priesen Gott und sagten: »Jetzt hat Gott also auch den Nichtjuden die Umkehr zu ihm ermöglicht und hat ihnen damit den Weg zum Leben eröffnet11,18 W die Umkehr zum/ins Leben gegeben.

In Antiochia entsteht eine Gemeinde aus Juden und Nichtjuden

19Die ´Christen`, die sich in der Verfolgungszeit nach dem Tod des Stephanus ´über ganz Judäa und Samarien hin` zerstreut hatten, zogen ´zum Teil` noch weiter und kamen bis nach Phönizien und Zypern und bis nach Antiochia11,19 Antiochia in Syrien, eine der bedeutendsten Städte des Römischen Reiches, wurde zum Ausgangspunkt der drei Missionsreisen des Apostels Paulus (Kapitel 13,1-3; 15,40; 18,23). Davon zu unterscheiden ist das pisidische Antiochia (Kapitel 13,14)., aber sie machten die Botschaft Gottes nach wie vor ausschließlich unter Juden bekannt. 20Doch einige von ihnen – Männer von Zypern und aus der Gegend von Zyrene – wandten sich, als sie nach Antiochia kamen, auch an die nichtjüdischen Einwohner der Stadt11,20 W an die Hellenisten. AL(1) an die Hellenen. Beide Begriffe bezeichnen hier die griechischsprachige nichtjüdische Bevölkerung. und verkündeten ihnen das Evangelium von Jesus, dem Herrn. 21Und Gott wirkte so mächtig durch sie, dass11,21 W Und die Hand des Herrn war mit ihnen, sodass. Wahrscheinlich ist bei dieser aus dem Alten Testament übernommenen Wendung die Hand Gottes und nicht die Hand Jesu gemeint (vergleiche z. B. Kapitel 4,28.30 und Lukas 1,66). eine große Zahl ´Nichtjuden ihrer Botschaft` glaubte und sich dem Herrn zuwandte.

22Von dieser Entwicklung erfuhr auch die Gemeinde in Jerusalem, und Barnabas reiste in ihrem Auftrag11,22 im Auftrag der Apostel. nach Antiochia. 23Als er sah, was dort durch Gottes Gnade geschah, war er glücklich. Er machte allen Mut und forderte sie dazu auf, dem Herrn mit ungeteilter Hingabe11,23 Od entsprechend ihrem Vorsatz. W mit dem Entschluss/Vorsatz des Herzens. treu zu bleiben. 24Denn er hatte einen edlen Charakter, war mit dem Heiligen Geist erfüllt und hatte einen festen Glauben. Durch seinen Dienst stieg die Zahl derer, die an den Herrn glaubten, ständig an.11,24 W 24 Denn er war ein guter Mann und war erfüllt mit dem Heiligen Geist und mit Glauben. Und eine große Menge wurde für den Herrn hinzugefügt. 25Schließlich reiste er nach Tarsus, um Saulus zu suchen, 26und als er ihn gefunden hatte, nahm er ihn mit nach Antiochia. Die beiden waren dann ein ganzes Jahr miteinander in der Gemeinde ´tätig` und unterrichteten viele Menschen ´im Glauben`.

Hier in Antiochia wurden die Jünger ´des Herrn` zum ersten Mal Christen genannt.

Hilfe aus Antiochia für die Gemeinde in Jerusalem

27Während dieser Zeit kamen einige Propheten aus Jerusalem nach Antiochia. 28Einer von ihnen – ein Mann namens Agabus – wurde vom Geist ´Gottes` dazu gedrängt, vor ´die Gemeinde` zu treten und anzukündigen, dass eine schwere Hungersnot über die ganze Welt hereinbrechen werde (was während der Regierungszeit von Kaiser Klaudius dann auch tatsächlich geschah).11,28 Klaudius war von 41 bis 54 n. Chr. römischer Kaiser. Die angekündigte Hungersnot fiel wohl in die Jahre 45 bis 48. Missernten in Ägypten, der Kornkammer Roms, führten zu einer starken Verteuerung der Lebensmittel im ganzen Römischen Reich, worunter besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten zu leiden hatten. 29Da beschlossen die Jünger, den Geschwistern in Judäa ´eine Geldspende` zukommen zu lassen; jeder sollte entsprechend seinen Möglichkeiten zu ihrer Unterstützung beitragen. 30Das taten sie dann auch. Sie schickten ´das Geld` an die Ältesten ´der Gemeinde von Jerusalem`, und Barnabas und Saulus waren die Überbringer.