|
Seite 6 von 15
Die Bedeutung des Kontextes
für die Bedeutung
Dazu
kommt etwas Weiteres: Der Lexikon-Eintrag kann nur eine ungefähre Angabe sein,
er vermittelt die Hauptbedeutung(en) eines Wortes. Aber das ist eine
Abstraktion, gehört zur langue (Sprache
als System); in der Sprech- und Schreibpraxis sind Wörter Teil von Äußerungen (parole). Die Bedeutung eines Wortes
innerhalb eines Textes kann nur unter Einbeziehung des Kontextes ermittelt
werden.
Ein
gutes Lexikon berücksichtigt mögliche Kontexte (Syntagmen, Kollokationen) und
belegt sie mit Beispielen aus der Literatur. So gibt das Wörterbuch von W.
Bauer zu megaj unter anderem folgende neutestamentlichen Kombinationen und damit
Übersetzungsmöglichkeiten an: eine laute
Stimme, ein starker Wind, eine lange Kette, ein heftiger Sturm, eine tiefe
Stille, ein helles Licht, hohes Fieber, stolze Worte, aufrichtige Freude,
grimmiger Zorn, innige Liebe, fester Glaube, ein wichtiger Tag, ein mächtiger
Gott ... (Die Reihe ließe sich beliebig verlängern.) Gerade diese Vielfalt
an Bedeutungen verpflichtet den Übersetzer, den Lexikon-Eintrag auf keinen Fall
mechanisch oder gar sklavisch zu übernehmen, sondern jedem einzelnen Vorkommen
der Vokabel sein eigenes Recht zu geben, d. h. das Wort in seinem jeweiligen
Kontext zu sehen und zu verstehen.
|