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Auf der Zielgeraden
Erinnern
Sie sich noch an unseren Wanderer, der die Felswand entlanggeht, statt sich
direkt zur Dorfkirche abzuseilen? Vielleicht haben Sie inzwischen das Gefühl,
wir hätten uns längst hoffnungslos verlaufen und wären meilenweit vom Ziel
entfernt. Aber ob Sie's glauben oder nicht - wir sind schon vor einiger Zeit
umgekehrt und marschieren wieder Richtung Dorf. Deshalb will ich seit langer
Zeit endlich wieder eine Frage stellen, die unmittelbar mit dem Drachen aus
Offbg. 12 zu tun hat: Welchen Teil des Gesamtspektrums deckt das griechische
Wort μεγας ab? Um das zu wissen, müsste man
sämtliche Begriffe und Ausdrücke des Griechischen zu diesem Wortfeld
zusammenstellen; erst dann ergibt sich eine zutreffende Vorstellung vom
quantitativen und qualitativen Wert des Einzelbegriffs. Möglicherweise deckt
das griechische μεγας mehr ab als
das deutsche groß. Oder zumindest -
so viel ist sicher - werden die beiden Wörter nicht deckungsgleich verwendet.
Im griechischen NT heißt es: Er spricht
mit großer Stimme; in natürliches, idiomatisch korrektes Deutsch übersetzt
muss es heißen: Er spricht mit lauter
Stimme.
Und
vor allem müsste man nicht nur das Griechische als solches untersuchen
(genauer: die Koine, die damalige Umgangssprache, in der auch das NT abgefasst
ist), sondern speziell das Vokabular des Johannes in der Offenbarung.
Vielleicht gebraucht er nur eine 2-Teilung (groß-klein)?
Das würde es umso mehr rechtfertigen, seinen Sprachgebrauch bei der Übersetzung
den Erwartungen und den Möglichkeiten des Deutschen anzupassen und ein
verfeinertes Vokabular zu verwenden.
Halten
wir uns, ehe wir endgültig zu Offbg. 12 zurückkehren, nochmals die
grundsätzliche Einsicht vor Augen, um die es im Grunde die ganze Zeit gegangen
ist: Die Bedeutung eines Wortes rekrutiert sich nicht aus dem einzelnen,
isolierten Wort, sondern immer nur in einem Wortverband. Der Kontext bestimmt
über die Bedeutung der Einzelwörter. Das gilt sogar bei scheinbar referentiell
eindeutigen Ausdrücken wie z. B. Zürich.
Isoliert betrachtet, wären wir uns allesamt einig: Zürich ist jene große Stadt an der Limmat, oder allenfalls: Damit
sind die Bewohner der Stadt gemeint. Aber nun stellen wir den Einzelbegriff in
den Zusammenhang einer Aussage: Zürich
hat verloren. Wer ist jetzt gemeint? Der FC Zürich gegen den FC Basel (bei
einem Fußballspiel)? Der Stadtrat (bei einer politischen Auseinandersetzung)?
Die Reformierte Kirche des Kantons Zürich (beim Tauziehen um die Meinungsführerschaft
mit den Berner Reformierten)? Wie auch immer - mit ziemlicher Sicherheit ist
eben nicht das gesamte Zürich gemeint, wie das Einzelwort zunächst
nahelegt. Wie gesagt: Der Kontext bestimmt über die Bedeutung des Wortes. Bei
einem Relationsbegriff wie groß ist
das besonders offensichtlich, das haben wir uns in aller Ausführlichkeit
angesehen. groß gibt keine absolute
Größe an, sondern impliziert immer einen Vergleich.
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