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Die vielen Bedeutungen eines Wortes und die Schwierigkeit, es angemessen zu übersetzen
A. Symank, 1998
Das Sprach-Geschenk
Ich weiß nicht,
was Sie sich gedacht haben, als Sie das Thema dieses Vortrags lasen: „Wie groß
ist ein Drache?" Haben Sie ein Referat über Schöpfung und Evolution erwartet
oder einen Vergleich verschiedener antiker Religionen? Nun, um Ihnen auf die
Sprünge zu helfen, habe ich einen Untertitel hinzugefügt: „Die vielen Bedeutungen
eines Wortes und die Schwierigkeit, es richtig zu übersetzen." (Man könnte den
Untertitel etwas exakter, aber auch etwas anspruchsvoller auch so formulieren:
Lexikalische und kontextuale Bedeutung eines Wortes). Der Vortrag handelt von
Sprache und Übersetzung, genauer gesagt: von Bibelübersetzung. Ich bin kein
Biologe oder Zoologe. Im übrigen hat bestimmt noch nie ein Zoologe einen
Drachen vermessen, einfach weil er noch nie einem begegnet ist - höchstens in
Sagen und Legenden. Ich bin aber auch kein Mythologe oder Märchenforscher; ich
bin Theologe und seit vielen Jahren im Bereich der Bibel-übersetzung tätig. Im
Auftrag der Genfer Bibelgesellschaft übersetze ich zusammen mit einem kleinen
Team zunächst einmal das NT aus dem Griechischen ins Deutsche. Unser Projekt
nennt sich Neue Genfer Übersetzung, und einzelne neutestamentliche Bücher haben
wir bereits veröffentlicht. Ich weiß, dass viele von Ihnen unsere Arbeit mit
großem Interesse verfolgen und unterstützen, und früher habe ich hier ja auch
hin und wieder einmal eine Predigt gehalten; aber so weit ich mich erinnere,
habe ich hier noch nie in einem Vortrag über unsere Übersetzungstätigkeit
berichtet. Deshalb dachte ich, es wäre endlich einmal an der Zeit, Ihnen einen
Einblick zu geben.
Allerdings
möchte ich kein Grundlagenreferat halten über Übersetzungsprinzipien, über die
verschiedenen Bibelübersetzungen und über unser Übersetzungsmodell.
Vielmehr möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben, möchte
einen winzigen Ausschnitt mit Ihnen anschauen. Einerseits soll es eine Art
Rechenschaftsbericht sein: Warum haben wir gerade so übersetzt und nicht
anders? Andererseits ist damit der Versuch verbunden, Sie zum Nachdenken über
die Sprache und das Sprechen anzuregen und - hoffentlich - auch ein wenig ins
Staunen zu bringen über dieses tolle Instrument, das wir alle ständig
gebrauchen und über das wir uns doch kaum je Gedanken machen. Die Sprache und
die Sprachfähigkeit ist eines der größten Geschenke, die Gott, der Schöpfer, uns
Menschen mit auf den Weg gegeben hat.
Als
ich das Thema für diesen Vortrag festlegte, griff ich bewusst auf ein
neutestamentliches Buch zurück, das wir bereits übersetzt und veröffentlicht
haben - die Offenbarung des Johannes. Es geht um einen Abschnitt daraus,
genauer gesagt, um nicht mehr als eine Wendung, streng genommen um ein einziges
Wort: mega.
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