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Über den eigenen Schatten springen
Eine unwillkommene Einladung
Petrus muss über den Graben geschubst werden
Schubs Nr. 1: eine Vision
Schubs Nr. 2: ein Befehl
Schubs Nr. 3: noch eine Vision
Schubs Nr. 4: ein Geschenk
Warum gerade Petrus?
Das große Umdenken ...
... im Blick auf das Alte Testament
... und im Blick auf Gottes Volk

Schubs Nr. 2: ein Befehl

Der zweite Schubs, den Gott Petrus gibt, kommt, als die Boten des Kornelius bei ihm eintreffen. Sie stehen unten vor dem Haus und rufen nach ihm. (Der begleitende römische Soldat hätte jederzeit das Recht gehabt, einfach die Tür zu öffnen und hineinzuspazieren, aber er ist rücksichtsvoll und tut es nicht; er weiß, daß er damit dieses Haus in den Augen seines jüdischen Besitzers verunreinigen würde.) Petrus auf dem flachen Dach des Hauses raucht der Kopf immer noch so, daß er nichts davon mitkriegt, obwohl doch sein Name laut gerufen wird. An dieser Stelle schaltet sich Gott wieder höchstpersönlich ein: „Hast du es mitgekriegt? Vor dem Haus sind drei Männer, die zu dir wollen. Darum steh jetzt auf und geh nach unten. Sie werden dich bitten, mit ihnen zu kommen. Folge ihnen ohne Bedenken; ich selbst habe sie geschickt." Dieser göttliche Befehl ist der zweite Schubs: „Geh ohne Bedenken mit ihnen; ich selbst habe sie geschickt." Petrus erfährt, daß es Heiden sind, Leute, deren Einladung er eigentlich strikt ablehnen würde. Aber was will er machen? Gott selbst befiehlt ihm, mit ihnen zu gehen. Und irgendwie dämmert ihm, daß mit den unreinen Tieren in dem Tuch vielleicht genau diese Boten aus Cäsarea gemeint waren. Kurz und gut, Petrus geht mit. Diesmal macht er schon einen gehörigen Satz: Er springt über seinen eigenen Schatten und betritt das Haus des Römers, des Unbeschnittenen, des Unreinen. (Übrigens: Etwa 800 Jahre früher befand sich in Joppe schon mal jemand, den Gott zu den Heiden schickte und der ebenfalls wahnsinnige Mühe hatte mit diesem Auftrag: der Prophet Jona. Nach Ninive sollte er, zu den Assyrern, und er nahm in Joppe ein Schiff nach Spanien, in die Gegenrichtung - ehe er auf dem Umweg über das Innere eines großen Fisches dann doch noch zur Besinnung kam.  Merkwürdig, wie sich Geschichte manchmal wiederholt - oder dann eben doch nicht wiederholt: Petrus hat zwar größte Mühe, aber er schlägt doch gleich die richtige Richtung ein.) Welche Überwindung das Petrus gekostet hat, macht Lukas deutlich, indem er so detailliert wie möglich berichtet: Petrus bleibt vor dem Haus stehen, Kornelius läuft ihm entgegen, fällt vor ihm nieder, Petrus richtet ihn wieder auf, sie beginnen sich zu unterhalten - und dann endlich tritt er über die Schwelle. Und gleich als allererstes stellt Petrus klar, wie ungeheuerlich dieser Schritt für ihn als Juden ist, es war kein Schritt, es war ein Sprung, ein Quantensprung: „Ihr wißt sicher, daß es einem Juden nicht gestattet ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen." „Aber", fügt er dann hinzu, „Gott hat mir unmißverständlich klargemacht, daß man keinen Menschen nur wegen seiner Herkunft als unheilig oder unrein bezeichnen darf. Daher habe ich auch keinen Einspruch erhoben, als man mich hierher holte." Wir merken - der Groschen beginnt zu fallen. Aber völlig klar sieht Petrus immer noch nicht: „Nun laßt mich wissen, aus welchem Grund ihr nach mir geschickt habt!"