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Über den eigenen Schatten springen |
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Eine unwillkommene Einladung
Petrus wird eingeladen. Von
einem gutbetuchten Mann in einem großzügig angelegten Haus mit einer
vielköpfigen Dienerschaft. Toll, nicht? Eingeladen werden ist toll: Vielleicht
gibt's Kaffee und Kuchen. Vielleicht machen wir ein lustiges Spiel zusammen.
Vielleicht lernen wir nette Leute kennen und führend anregende Gespräche. „Schönen
Dank im voraus", sagen wir. „Wir freuen uns drauf!"
Merkwürdigerweise reagiert
Petrus völlig anders. Petrus ist schockiert. Das heißt, er wäre schockiert
gewesen, wenn er nicht diese Vision gehabt hätte, das Tuch mit der Mischung von
reinen und unreinen Tieren. Ohne diese Vision hätte er auf die Einladung
genauso reagiert, wie er auf die Vision reagierte: mit Abscheu und Widerwillen.
Ich, Petrus, soll die Einladung von einem römischen Offizier annehmen? Lieber
würde ich sterben! In meinem ganzen Leben habe ich noch mit keinem
Unbeschnittenen zu Tisch gesessen. Nur schon sein Haus zu betreten und die
Gegenstände dort zu berühren würde mich unrein machen, und ich wäre fürs erste
vom Gottesdienst in der Synagoge ausgeschlossen. Und wenn Kornelius mich dann
zu Tisch bitten würde - was soll ich essen? Alles würde mich verunreinigen, das
Brot, die Milch, das Olivenöl, der Wein, und am meisten natürlich das Fleisch,
das wahrscheinlich von einem verbotenen Tier stammt oder vorher einer
heidnischen Gottheit geopfert worden war und das in jedem Fall nicht koscher
geschlachtet wurde, sondern noch Blut enthält. Nein, für diese Einladung setze
ich meine Frömmigkeit und meinen guten Ruf nicht aufs Spiel!
Merken wir etwas? Durch
Palästina lief damals ein tiefer Riß. Die Bevölkerung war gespalten in Juden
und Heiden. Die Juden waren das erwählte Volk Gottes. Alle anderen waren in
ihren Augen von Gott verstoßen. Sie waren
die Gerechten, alle anderen gottlos. Sie hatten
das Licht des göttlichen Gesetzes, die anderen lebten in Finsternis und
Schmutz. Und sogar wenn einer wie dieser römische Offizier sich für den Gott
Israels interessierte und zu ihm betete und der jüdischen Bevölkerung mit großen
Geldspenden half, änderte das nichts daran: Er war ein Unbeschnittener und
gehörte nicht zum erwählten Volk. Durch Palästina zog sich ein tiefer und
breiter Graben. Petrus steht auf der einen Seite und Kornelius auf der anderen.
Der Graben scheint unüberbrückbar. Petrus will
ihn gar nicht überbrücken. Alles in ihm sträubt sich dagegen. Nur schon der
Gedanke, bei einem Heiden am Tisch zu sitzen, läßt Ekel in ihm hochsteigen. In
seinem tiefsten Inneren ist dieses Empfinden verwurzelt und verankert. Der Magen
würde sich ihm umdrehen, wenn er unreine Speisen aus unreinen Schüsseln essen
müßte. Und Achtung: Es ist nicht nur die Erziehung und die Gewohnheit, die
Petrus hemmen; das ließe sich ja im Lauf der Zeit vielleicht noch umpolen.
Nein, es gibt noch ein viel stärkeres Argument: Gottes Wort! Gott selbst hat
durch Mose das Essen bestimmter Tiere verboten (3. Mose 11). Gott selbst hat
die Beschneidung als Bundeszeichen eingesetzt, als Zeichen für die
Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Gottes Wort (so, wie Petrus und sein ganzes Volk
es verstehen) ist es, das eine Schranke zwischen dem jüdischen Apostel und dem
heidnischen Offizier aufrichtet.
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