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... im Blick auf das Alte Testament
Da ist zum einen die Frage
nach dem alttestamentlichen Gesetz. Das Alte Testament listet eine lange Reihe
von Tieren auf, die die Israeliten nicht essen dürfen, weil Gott sie als unrein
bezeichnet (3. Mose 11). Und jetzt sagt die himmlische Stimme zu Petrus von
eben diesen Tieren: „Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als
wäre es unheilig!" Widerspricht sich Gott hier nicht? Kann er denn sein eigenes
Wort für null und nichtig erklären? Ist das, was er sagt, nicht immer und ewig
gültig? (Deswegen war Petrus ja so skeptisch!)
Wissen Sie, was ich denke?
Das Alte Testament ist von Anfang bis Ende ein prophetisches Buch, ein Buch,
das über sich hinausweist in die Zukunft. Es berichtet von unvollkommenen
Dingen und kündigt etwas Vollkommenes an. Es lenkt den Blick auf einen, der
noch gar nicht da ist: auf Jesus. Alles, was im Alten Testament steht, bereitet
auf Jesus vor. Wie sagte Jesus zu seinen jüdischen Zuhörern? „Ihr forscht in
der Schrift (= im Alten Testament), weil ihr meint, durch sie das ewige Leben
zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin" (Johannes 5,39). Das
Alte Testament berichtet z. B. von Königen, einigen guten, vielen weniger
guten, einigen ganz schlimmen. Und damit weckt es die Hoffnung auf einen König,
der größer und besser ist als David & Co, auf einen, der wirklich gerecht
regiert. Das Alte Testament berichtet von Priestern, Priestern, die kamen und
gingen, die Tieropfer brachten für die Schuld des Volkes, aber auch für die
eigene Schuld. Und damit weckt es die Hoffnung auf einen Priester, der größer
und reiner ist als Aaron & Co, auf einen, der schuldlos ist. Das Alte
Testament berichtet von Propheten, Propheten, denen Gott ab und zu ein
Stückchen von sich offenbarte und die dieses Wissen an ihre Mitmenschen weitergaben.
Und damit weckt es die Hoffnung auf einen Propheten, der größer ist als Mose
& Co, auf einen, der uns Gott ständig und vollständig offenbart, der ihn
durch und durch kennt. Erst in Jesus Christus finden die alttestamentlichen
Einrichtungen der Prophetie, des Priesterwesens und des Königtums ihre letzte
und endgültige Erfüllung. In Jesus ist das Ziel erreicht, auf das Gott
hinauswollte. Erst durch Jesus hat Gott uns alles gesagt, was er uns sagen
wollte, und alles geschenkt, was er uns schenken wollte. (Hebräer 1,1.2)
Deshalb ist nun aber auch mit Jesus alles Bisherige überboten. Jetzt noch am
Alten festzuhalten, ist nicht nur rückständig und überflüssig; es ist verkehrt.
Wer Christ ist, bringt keine Tieropfer mehr; Jesus ist unser Opferlamm. Wer
Christ ist, braucht keinen menschlichen Vermittler mehr, um zu Gott zu kommen;
Jesus ist unser Priester. Wer Christ ist, setzt keinen Herrscher mehr über die
Gemeinde ein; Jesus ist unser König.
Und so ist es auch mit dem
Gesetz. Das Gesetz regelte viele äußere Dinge wie eben die Beschneidung und das
Einhalten des Sabbats und das Vermeiden bestimmter Speisen. Aber dabei entstand
doch immer nur eine äußerliche Reinheit. Die
Reinheit, auf die es letztlich doch allein ankommt - die Reinheit des
Herzens -, konnte das Gesetz nicht schaffen. Und die Bereitschaft zum Gehorsam
wecken konnte das Gesetz auch nicht. Und Schuld vergeben konnte es erst recht
nicht. Dafür mußte ein Größerer kommen, Jesus Christus, der uns die Schuld
abnimmt und der ein neues Gesetz in unser Innerstes schreibt und uns durch
seinen Heiligen Geist die Bereitschaft gibt, ihm zu folgen. Das Gesetz war als
Erzieher gedacht, bis Jesus kam. Jetzt, wo der Retter, der Freund, der Lehrer
persönlich da ist, kann der Erzieher abtreten. Ich glaube, keiner hat das je
besser begriffen und tiefer verstanden als Paulus, vielleicht gerade deshalb,
weil er vor seiner Umkehr zu Jesus so ein glühender Verfechter des Gesetzes
war, stolz wie Oskar auf seine Gesetzestreue. Auf jeden Fall finden sich
nirgends so klare und so konkrete Formulierungen für die neue Sicht wie bei
Paulus. Zum Beispiel in Sachen Beschneidung: „Jetzt zählt nicht mehr, ob jemand
zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist oder
unbeschnitten, ob jemand versklavt ist oder frei. Was einzig und allein noch
zählt, ist Christus" (Kolosser 3,11). Oder in Sachen Speisegebote: „Alles, was
Gott geschaffen hat, ist gut. Wie sollte es da verkehrt sein, etwas zu essen,
was wir mit einem Dankgebet von ihm entgegennehmen! Die Speisen sind ja durch
Gottes Wort für rein erklärt und werden durch das Gebet geheiligt" (1. Timotheus
4,4.5). Oder in Sachen Sabbatheiligung: „Niemand soll euch verurteilen, weil
ihr bestimmte Festtage oder den Neumondstag oder den Sabbat nicht beachtet. Das
alles ist nur ein Schatten der kommenden neuen Welt; doch die Wirklichkeit ist
Christus" (Galater 2,16).
Vielleicht hilft zum
Verständnis ein Vergleich: Im Alten Testament wird sozusagen ein Haus gebaut.
Ein Fundament wird gelegt, Mauern werden hochgezogen, Wände werden gestrichen.
Solange sich ein Haus im Rohbau befindet, braucht es ein Gerüst, sonst kann man
nicht weiterbauen. Die alttestamentlichen Zermonialgesetze sind solch ein
Gerüst. Sie helfen, den Blick auf Gott zu richten. Aber dann kommt Jesus, und
damit ist der Bau vollendet. Das Gerüst wird abgebrochen. Es gibt Leute, die
wollen die Bretter und Stangen immer noch stehen lassen; sie haben sich so an
sie gewöhnt, daß sie meinen, die gehörten jetzt für immer und ewig dazu, und
ohne sie würde das Gebäude einstürzen. Aber dadurch lenken sie sich und andere
vom Eigentlichen ab und verstellen den Blick auf die Schönheit des fertigen
Gebäudes.
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