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Die Liebe zu Gott verbindet mit dem Mitmenschen
Nochmals: Christus hat
höchste Priorität. Er kommt noch vor der Ehefrau, vor dem Ehemann, vor den
Kindern, vor den Eltern. Keine andere Liebe darf so groß sein, dass die Liebe
zu Christus darüber in den Hintergrund tritt.
Nun hat sich also ein Mensch
entschlossen, ganz zu Jesus zu gehören, sogar um den Preis, dass seine
Angehörigen das nicht begreifen und sich gegen ihn stellen. Frage: Zerstört der
christliche Glaube womöglich die sozialen Netze? Reisst er Menschen
auseinander? Geht die Liebe zu Gott
auf Kosten der Liebe zu den Mitmenschen?
Ich behaupte: Das Gegenteil
ist der Fall! Überlegen Sie mal: Da wendet sich jemand von seiner Familie ab
und Gott zu. Er will ab jetzt nur
noch seinen Willen befolgen. „Herr, was möchtest Du von mir? Wie soll ich mich
gegenüber meiner Familie verhalten?" Er betet. Er liest in der Bibel. Und da
stößt er z.B. auf folgende Worte von Jesus:
„Du sollst den Herrn, deinen
Gott, lieben von ganzem Herzen, mit
ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!" Das ist das größte und
wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: „Liebe deine Mitmenschen wie
dich selbst." Matthäus 22,37-39
Merken Sie was? Jesus
schickt den, der sich von den Menschen ab- und zu ihm hinwendet, zu den
Menschen zurück!

„Wenn sich jemand nicht um
seine Angehörigen kümmert, vor allem um die, die unter einem Dach mit ihm
leben, verleugnet er den Glauben und ist schlimmer als jemand, der nicht an
Christus glaubt" (1. Timotheus 5,8). „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So ist
es recht vor dem Herrn. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" (Epheser
6,1f).
„Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht entmutigt
werden" (Kolosser 3,21). „Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht
rücksichtslos gegen sie." (Kolosser 3,19).
Mit anderen Worten: Die
Bibel bindet die Familienmitglieder so fest wie möglich aneinander in
gegenseitiger Liebe und Achtung. Sie erlaubt nicht, dass jemand die Liebe zu
Jesus zum Vorwand nimmt, um seine sozialen Pflichten zu vernachlässigen. Im
Gegenteil: Gerade der, der Jesus gehört, hat stärkere Verpflichtungen gegenüber
seiner Familie als irgendjemand sonst.
„Lasst uns allen Menschen
Gutes tun, besonders denen, die durch den Glauben mit uns verbunden sind."
Galater 6,10
Auch hier wieder: Der
christliche Glaube führt nicht dazu, dass einem die Mitmenschen gleichgültig
werden. Im Gegenteil: Gerade der, der sich intensiv mit Gott
beschäftigt, hört von Gott den
Befehl: Tu deinen Mitmenschen Gutes. Gerade der, der sich ganz Gott zu wendet, kann nicht bei Gott stehen bleiben, sondern wird von ihm in diese
Welt zurückgeschickt, um hier für ihn tätig zu sein. Andere sollen durch ihn Gottes Liebe kennenlernen und fähig werden, gesunde
Beziehungen aufzubauen, bei denen Gott
die erste Geige spielt.
Die Bindung an Christus
macht nicht weltsüchtig und nicht weltflüchtig, sondern welttüchtig.
Ist das nicht erstaunlich?
Zuerst sieht es so aus, als zerstöre Jesus die zwischenmenschlichen
Beziehungen. Aber am Ende zeigt sich: Jesus liegt alles daran, tiefe, echte
Beziehungen unter uns Menschen aufzubauen. Der Weg über Gott
scheint zunächst ein Umweg zu sein. Aber er ist die sicherste Garantie dafür,
dass es zu neuen, festen, tiefen Verbindungen kommt. Das Schwert ist nötig,
damit Frieden entsteht. Letztlich ist Jesus eben doch der Prince of Peace, der
Friedensstifter. Er hat nie ein anderes Ziel verfolgt als einen umfassenden
Frieden in seiner Schöpfung. Und er kennt den richtigen Weg, der an dieses Ziel
führt.
Lassen Sie mich das noch am
Beispiel der Ehe veranschaulichen. Wenn zwei sich richtig lieb haben, werden
beide sich immer wieder fragen: Was kann ich tun, damit der andere es so richtig
schön hat an meiner Seite? Sie werden viele Antworten finden: Tüchtig
verdienen, damit keine Geldsorgen aufkommen. Zusammen Sport treiben, damit sie
gesund bleiben. Romantische Abende miteinander verbringen, damit ihre Liebe
immer wieder neu auflebt. Freunde einladen und angeregte Gespräche führen,
damit ihre Ehe im wahrsten Sinn des Wortes beziehungsreicher wird. Alles gute,
sinnvolle Überlegungen und Pläne. Aber es gibt eine Frage, die wichtiger ist
als alle anderen: Was kann ich dazu beitragen, dass meine Frau, mein Mann Gott immer noch besser kennenlernt? Wie kann ich ihm/ihr
helfen, Jesus immer noch lieber zu gewinnen? Das, scheint mir, ist aus der
Sicht der Bibel die wichtigste Frage in der Ehe. Die Ehepartner können nichts
Besseres für ihre Ehe tun, als wenn sie - jeder für sich und beide gemeinsam -
ihre Beziehung zu Gott pflegen.
Nichts verbindet so sehr miteinander wie die gemeinsame Beziehung zu Jesus.
Hier liegt das Geheimnis einer guten Ehe: Man blickt sich nicht ständig
gegenseitig in die Augen, sondern blickt miteinander auf Gott.
Wenn das Ehepaar gemeinsam für eine gute Beziehung zu Gott
sorgt, sorgt Gott für eine gute Beziehung
des Ehepaars zueinander. Ein Ehebund nach Gottes
Plan ist letztlich kein bilaterales Abkommen, sondern ein Dreierbündnis, und
der Dritte im Bund ist der Erste im Bund. Ein Mann liebt seine Frau dann am
allermeisten, wenn Gott ihm noch
lieber ist als sie. Eine Frau kann ihrem Mann keinen größeren Gefallen tun, als
wenn Gott ihr noch wichtiger ist als
er. Miteinander lieben sie Gott.
Miteinander setzen sie sich für Gottes
Sache ein. Und Gott sorgt dafür,
dass es ihnen und ihrer Ehe gut geht.
Zum Schluss noch einmal die
Frage: Was hat Jesus denn nun gebracht - das Schwert oder den Frieden? Es ist
ungefähr dieselbe Frage wie: Bringt mir ein Zahnarztbesuch Schmerzen oder
Wohlbefinden? Unterm Strich und am Ende natürlich Wohlbefinden. Aber vorher
muss ich einiges an Schmerzen in Kauf nehmen. Es geht nicht anders. Und wenn
der Zahnarzt fair ist, wird er mich warnen: Es wird ziemlich weh tun. Also: Der
Zahnarztbesuch bringt mir beides - erst den Schmerz und dann das Wohlbefinden.
Das eine ist das Mittel, das andere der Zweck. Vielleicht graut mir so vor dem
Bohren, dass ich einfach nicht hingehe. Dann habe ich zwar für den Augenblick
Ruhe, aber langfristig ein viel größeres Elend. Wenn mir das klar ist, beiße
ich auf die Zähne (oder vielmehr: ich reiße den Mund auf) und lasse mich behandeln.
Es tut scheußlich weh, aber nachher habe ich dafür meinen Frieden. Es hat sich
gelohnt.
Warum tut ein Zahnarztbesuch
weh? Weil meine Zähne krank sind. Wären sie gesund, dann wäre die Arztvisite
das reinste Vergnügen - Wohlbefinden von A bis Z. Käme Jesus mit seinem Frieden
in eine friedliche Welt, dann wäre alles von vorneherein in Butter. Unsere Welt
ist aber keine friedliche Welt. Wir liegen im Krieg miteinander; wir liegen im
Krieg mit uns selbst; wir liegen im Krieg mit Gott.
Die Welt im Kriegszustand. Und nun kommt Jesus und erklärt dem Krieg den Krieg.
Vielen passt das nicht. Deshalb redet er vom Schwert. Der Frieden muss sich
erst einmal durchsetzen. Aber letztlich geht es Jesus nicht um den Kampf; es
geht ihm um den Frieden. Und wir, die wir uns zu Jesus bekennen, müssen die
Konflikte nicht fürchten. Wir dürfen nicht um des lieben Friedens willen auf
eine klare Stellungnahme zu Jesus verzichten. Wir sollen das Schwert in Kauf
nehmen. Auf lange Sicht dürfen wir mit echtem Frieden rechnen. Weil Jesus bei
uns ist, der Friedensfürst, haben wir als Friedensstifter langfristig die
allerbesten Erfolgsaussichten.
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