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.. und was bedeutet Sie nicht?
Daneben muß allerdings auch betont werden, was das Felsenamt des Petrus
nicht bedeutet.
- Petrus, der
Fels, tritt nicht an die Stelle von Christus, dem Felsen. Christus bleibt
ihm übergeordnet (man könnte auch sagen: untergeordnet, unterstellt -
nämlich als das tiefere, das eigentliche Fundament; Christus trägt auch
Petrus).
- Die
Menschen, die Petrus zum Glauben führt, glauben nicht an ihn, sondern an
Christus. Die Gemeinde, die Christus auf den Felsen Petrus bauen will, ist
nicht die Gemeinde von Petrus, sondern die Gemeinde von Christus:
"Auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde
bauen." Christus gibt das Heft nicht aus der Hand. Er ist der eigentliche
Baumeister, auch wenn er Apostel als Baumeister einsetzt (siehe 1.
Korinther 3,10, wo Paulus im Hinblick auf die Gründung der Gemeinde von
Korinth sagt: „Weil Gott mich in seiner Gnade dazu befähigt hat, habe ich
als ein kluger und umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt; andere
bauen jetzt darauf weiter." Jesus bleibt der oberste Hirte seiner Schafe
(Hebräer 13,20: „Jesus, unser Herr - der große Hirte seiner Schafe";
1.Petrus 5,4: „der oberste Hirte"), auch wenn er Menschen als Hirten für
seine Herde einsetzt (Johannes 21,15-17 - Jesus zu Petrus: „Hüte meine
Schafe!"; 1. Petrus 5,2 - Petrus an die Gemeindeältesten: „Sorgt für die
Gemeinde, die Gott euch anvertraut hat, wie ein Hirte für seine Herde.").
- Die
Geschichtlichkeit des Felsenamtes schließt auch ein, daß es sich nicht auf
seine Nachfolger übertragen läßt, auf diejenigen, die Petrus in der
Leitung der Gemeinde ablösten. Abgesehen davon, daß sich das Amt des
Papstes keineswegs lückenlos auf Petrus als angeblichen ersten Bischof von
Rom zurückführen läßt - der Auftrag von Petrus war historisch und damit
vorübergehend. Petrus war der erste Fels, und man kann diesen ersten
Felsen, auf dem das Weitere aufbaut, nicht ausbrechen und woanders neu einsetzen.
Das Petrusamt war einmalig - im doppelten Sinn des Wortes. Es lässt sich
nicht wiederholen.
Wir sind von dem Einwand ausgegangen, daß mit dem Felsen, petra, gar nicht Petrus gemeint sei, sondern das
Glaubensbekenntnis oder sogar Jesus selbst. Es ist klar, wieso manche Christen
diese Auslegung attraktiv finden: Sie hoffen, auf diese Weise dem Papst
definitiv das Wasser abgraben zu können. Nun, der Versuch ist gut gemeint, aber
das apologetische Bemühen ist allzu durchsichtig und vor allem in keiner Weise
überzeugend. Die Intention des Textes spricht in jeder Hinsicht dagegen. Diese
Art von Argumentation wird den denkenden Katholiken um so mehr auf seinem Standpunkt
beharren lassen, und für den Evangelikalen wird sie zum Bumerang, der auf ihn
selbst zurückfällt und ihm selbst schadet.
Im Grunde nimmt diese Auslegung den römisch-katholischen Anspruch viel
zu ernst und gibt ihm (ohne es zu wollen) recht: als leite sich das Papsttum
tatsächlich von Petrus ab. Und dann muß man, um den päpstlichen Anspruch zu
schmälern, das Petrusamt schmälern. Und (wieder ohne es zu wollen) schmälert
man damit auch das Petrusbekenntnis. Denn das Petrusamt ist ja der Lohn für das
Petrusbekenntnis. Die Größe des Petrusamtes entspricht der Größe seines
Bekenntnisses zu Jesus als dem Sohn Gottes.
Wir dürfen also die Zusage vom Fels nicht auf etwas anderes als auf Petrus
beziehen. Wir dürfen keine Zäsur zwischen Matthäus 16,18a und 18b setzen. Der
richtige Weg ist, zwischen Petrusamt und Papstanspruch zu trennen; dort ist die
Zäsur zu setzen, nicht im Bibeltext.
Abschließend noch zwei klitzekleine Gedanken. Irgendwie finde ich es
beinahe so etwas wie eine Ironie, daß dieser Vers in der Kuppel der
Peterskirche steht. Er wurde dort hingeschrieben, damit jeder lesen kann,
worauf sich der Machtanspruch des Papstes gründet. Aber jeder, der der Vers
wirklich liest und darüber nachdenkt, muß merken, daß damit etwas ganz anderes
gemeint ist. Was als Beweis gedacht war, entpuppt sich als Widerlegung. Die
Erbauer der Peterskirche wollten ihr ein unzerstörbares Fundament geben und
haben ihr in Wirklichkeit das Fundament entzogen. Sie steht auf tönernen Füßen!
Und ein letzter Gedanke: Eigentlich ist das Petrusamt gar nicht
soo einzigartig. Natürlich, Petrus war der erste Stein im Gebäude der Gemeinde
von Jesus, der erste Stein in diesem neuen Tempel Gottes.
Im Neuen Testament heißt es einmal: „Laßt euch als lebendige Steine in das Haus
einfügen, das von Gott erbaut wird
und von seinem Geist erfüllt ist." Wissen Sie, wer das geschrieben hat? Petrus!
Dahinter steckt, finde ich, beinahe auch wieder so etwas wie ein göttlicher
Humor, ein Lächeln Gottes über alle,
die das Petrusamt so über alle Maßen wichtig nahmen. Petrus, dieser erste Stein
im Haus von Jesus, fordert seine Mitmenschen auf, ebenfalls Steine in diesem
Haus zu werden. Und das heißt konkret: Jeder von uns soll an seinem Platz ein
Petrus sein, ein Fels, ein Stein, auf dem weitere Steine aufgebaut werden können.
Es ist wie bei einer Mauer, wo ein Stein auf den anderen gefügt wird: Jeder
Christ wird von anderen Christen getragen und ist seinerseits für andere
verantwortlich, die sich auf ihn stützen. Wer immer sich zu Jesus als dem
Messias und dem Sohn Gottes bekennt,
bekommt Anteil an dem Auftrag des Petrus, ein Fels für andere zu sein und
mitzuhelfen beim Bau der Gemeinde.
***
[Beachte im Zusammenhang mit
dem Amt des Bindens und Lösens den Wechsel vom Singular zum Plural, von Petrus
zu allen Aposteln bzw. allen Christen - ein Hinweis darauf, daß dieses Amt
keineswegs für alle Zeiten das exklusive Vorrecht des Petrus war:
-
Matth. 16,19: „Was du auf
der Erde bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde
löst, das wird im Himmel gelöst sein."
-
Matth. 18,19: „Alles, was
ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und alles, was
ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein."]
[Der entscheidende, der neue
Punkt im Petrusbekenntnis ist wohl die Einsicht, daß Jesus der Sohn des
lebendigen Gottes ist. Einen Messias
haben ihn schon andere vorher genannt, z. B. Andreas (Johannes 1,41);
vergleiche die Aussagen der Samaritaner in Johannes 4,29.42. So gut wie alle
Juden erwarteten eine messianische Gestalt, eine Retterfigur, ohne aber klare
Vorstellungen über deren Unsterblichkeit und Göttlichkeit zu haben. - Einige
nannten Christus allerdings auch schon vor Petrus „Sohn Gottes"
(Johannes der Täufer in Johannes 1,34; Natanel in Johannes 1,49; die Zwölf in
Matthäus 14,33 angesichts des Wunders, daß Jesus auf dem Wasser geht und den
Sturm stillt; hingegen fällt das Bekenntnis von Martha, Johannes 11,27, in die
Zeit nach Matthäus 16). Ich vermute, daß die Anhänger Jesu zunächst einfach
merkten, daß Jesus in einer besonders engen Beziehung zu Gott
stand, und ihn deshalb als „Sohn Gottes"
bezeichneten, quasi als Ehrentitel (vergleiche „Sohn Gottes"
im Mund des Hauptmanns beim Kreuz, Matthäus 27,54 und Markus 15,39, was Lukas
23,47 mit „ein Gerechter" wiedergibt). Daß Jesus Gottes
eigener und einziger Sohn war, Gott
in Person - das begriffen sie wohl erst nach und nach. Für die monotheistisch
denkenden Juden war der Gedanke an eine wirkliche „leibliche" Gottessohnschaft fremd und gotteslästerlich
(vergleiche Johannes 10,36; Matthäus 26,63-65). Wie dem auch sei: Jesus macht
in Matthäus 16,17 deutlich, daß Petrus hier nicht etwas bereits Bekanntes
sagte, nicht etwas, was ihm andere mitgeteilt hatten, sondern etwas, was Gott höchstpersönlich ihn hat erkennen lassen.
Innerhalb des Zwölferkreises war Petrus auf jeden Fall der erste, der die Gottessohnschaft Jesu aussprach. Und ich denke, daß
er den Begriff und die Zusammenhänge zu diesem Zeitpunkt tiefer erfaßt hat, als
es bis dahin bei ihm und anderen der Fall gewesen war. Hätte Petrus etwas
ausgesprochen, was im Kreis der Anhänger Jesu bereits bekannt war, wäre die
geradezu überschwengliche Reaktion von Jesus schwer zu begreifen.]
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