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Besser für Christus leiden
als ohne Christus feiern
Im
Zusammenhang mit den Nöten, von denen wir jetzt schon eine ganze Weile gesprochen
haben, stellt sich noch ein besonderes Problem. Paulus betont, daß es sich
dabei nicht nur um die Dinge handelt, die jedermann treffen können, die
Allerweltsleiden sozusagen - eine Krankheit, ein Unfall, der Verlust der
Arbeitsstelle -, sondern ganz speziell auch um Leiden wegen Christus. „Deinetwegen
sind wir ständig vom Tod bedroht", schreibt er. Ja, spielt denn Gott Katz und
Maus mit seinen Kindern? Erst schickt er ihnen ein Leiden auf den Hals, und
dann bietet er ihnen seine Hilfe an? Da wäre es ja wirklich gescheiter, sich
von Christus fernzuhalten! Wenn man ihm die Gefolgschaft verweigert, spart man
sich eine Menge Ärger.
Nun,
das ist ein Trugschluß, aus zwei Gründen:
1. Nicht
Christus verschafft uns die Leiden, sondern die Christus-lose Welt. Mit
Christus in Beziehung treten heißt im gleichen Atemzug: die Beziehung zur Welt
abbrechen. In Jakobus 4,4 heißt es: „Freundschaft mit dieser Welt bedeutet Feindschaft
mit Gott." Mit anderen Worten: Freund Gottes und Freund der Welt - das
geht nicht. Wer Gottes Liebe erleben will, muß bereit sein, auf die Liebe der
Welt zu verzichten. Und das will die Welt nicht akzeptieren. Wissen Sie, die
Welt liebt uns auch - auf eine pervertierte Weise. Die Offenbarung stellt das
unter dem Bild der großen Hure
Christen müssen leiden, weil
sie sich zu Jesus stellen.
Wäre es dann besser, sich von
Jesus fernzuhalten?
Nein, denn
-
das Leiden fügt uns nicht
Christus zu, sondern die Christus-feindliche Welt;
-
wer sich von Christus trennt,
hat Gott gegen sich, und das ist
ein viel schlimmeres Leid.
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Babylon dar, die alle Herrscher
dieser Erde zu ihren Liebhabern hat. Wenn wir ihr den Rücken kehren, wird sie
eifer-süchtig. Vielleicht verlegt sie sich zunächst aufs Locken (die
Offenbarung spricht von ihrem verführerischen Zauber, mit dem sie alle Völker
in die Irre leitet). Wenn das nicht hilft, greift sie uns frontal und brutal an
und kratzt uns die Augen aus. Die Christen im Römischen Reich versuchte man
erst zu locken: ""Nur 1 Körnchen Weihrauch in die Schale für den göttlichen
Kaiser! Was macht das schon! Wer merkt das schon?" Aber wenn alles gute Zureden
nichts nutzte, kehrte die Staatsmacht die nackte Gewalt heraus und warf die
uneinsichtigen Starrköpfe den wilden Tieren in der Arena vor oder machte
lebende Fackeln aus ihnen. Wer ver-schafft also den Christen ihre Nöte? Ist es
Christus? Es sind die Gegner Christi!
2. Es
ist ein Trugschluß zu meinen, man könne sich durch das Fernhalten von Christus
Schwierigkeiten ersparen. Man stellt sich damit ja gegen Gott - und was das
bedeutet, darüber haben wir bereits gesprochen. Wenn die Welt dein Freund ist,
ist Gott dein Feind. Wenn die Welt für dich ist, hast du Gott gegen
dich. Und was hast du dann von allen deinen Freundschaften? Wer Gott nicht bei
sich hat, ist einsam, und wenn er von allen seinen Familienangehörigen und von
seinen liebsten Freunden umgeben wäre. Wer Gott nicht bei sich hat, ist ratlos,
und wenn er alle klugen Ratgeber um sich geschart hätte. Wer hilft ihm, mit
seiner Schuld fertigzuwerden? Wer nimmt ihm die Sorge ab, was am nächsten Tag
auf ihn zukommt? Und natürlich gilt auch das Umgekehrte: Wer Gott auf seiner
Seite hat, der ist nie mehr allein, auch nicht als Lediger oder Witwer, auch
nicht im Alter, auch nicht in schwerer Krankheit, auch nicht, wenn keiner ihn
versteht. Wer Gott auf seiner Seite hat, der ist nie mehr ohne Rat und Hilfe,
nicht vor schwerwiegenden Entscheidungen, und vor allem nicht, wenn es darum
geht, mit Schuld fertigzuwerden.
Zu
Christus kommen ist ein bißchen wie eine Heirat. Man sagt ja etwas spöttisch:
In der Ehe bekommt man Probleme, die man allein nie gehabt hätte. Stimmt, die
neue Beziehung schafft neue Lebensumstände und damit neue Herausforderungen.
Aber wer seine Frau liebt, wird diese Schwierigkeiten gern auf sich nehmen, und
er käme nie auf die Idee, ihr dafür die Schuld zu geben. Schließlich hat er ja
die Liebe dieser lieben Frau gewonnen, und eine tüchtige Frau, heißt es in den
Sprüchen, ist „das kostbarste Juwel, das einer finden kann." (Sprüche 31,10) Genauso
ist es bei der Umkehr zu Jesus. Ich werde ein freier Mensch, und gleichzeitig
trägt mir das Probleme ein, die ich vorher nicht hatte. Aber wer Jesus einmal
kennengelernt hat, weiß, daß seine Liebe wertvoller ist als alles andere. Dafür
lohnt es sich, alles in Kauf zu nehmen. Ich denke, etwas in dieser Richtung
wollte Jesus mit den beiden Geschichten
vom Schatz im Acker und vom Kaufmann mit der Perle sagen (Matthäus 13,44-46).
Der Schatz im Acker und die kostbare Perle waren den beiden Männern so viel
wert, daß sie dafür alles verkauften, was sie besaßen. Wie unklug! würde
vielleicht ein Nachbar oder ein Geschäftskollege sagen, wie unüberlegt! Aber
damit beweisen sie nur, daß sie den Wert der Perle noch gar nicht gecheckt haben.
Von Jesus geliebt zu werden ist das Beste, was einem passieren kann. „Wenn ich
nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erde", heißt es in Psalm 73,25.
Paulus kommt mir wie dieser Kaufmann vor; er hat begriffen, wie wichtig es für
sein Leben ist, daß Gott ihn liebt. Daneben verblaßt alles andere. Gott liebt
mich! Was will ich mehr? Was frage ich da noch nach anderen Schätzen? Was
kümmern mich da noch Anfeindungen? Paulus ist trotz aller äußeren Belastungen
und Bedrohungen in seinem tiefsten Inneren zur Ruhe gekommen, weil er weiß, daß
Gott ihn liebt und daß nichts ihn je von Gottes Liebe trennen kann.
Vom ER zum DU:
Je konkreter die Not, desto konkreter die Erfahrung Gottes Liebe.
Je größer das Leid, desto enger die Verbindung mit Gott.
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Im übrigen haben die
Schwierigkeiten, die man sich in der Nachfolge Jesu einhandelt, einen ganz
besonderen Effekt: Sie bringen uns noch näher zu ihm! Es scheint fast ein
bißchen so, als könne man die Liebe Gottes nicht erfahren ohne die
gleichzeitige Erfahrung von Verfolgung und Nöten wegen Gott. Oder vorsichtiger
ausgedrückt: Je größer die Nöte, desto tiefer das Bewußtsein der Nähe und Liebe
Gottes, desto enger die Verbindung mit ihm. Man denke nur an die vielen Berichte
von Christen in Not: in Krankheit, im Krieg, in Gefangenschaft. Man denke an
das, was der große israelitische König David in seinem Hirtenpsalm bezeugt, in
Psalm 23: „Und wenn es auch durch ein dunkles Tal geht, fürchte ich mich nicht,
denn du bist bei mir." (Vers 4) Bis dahin spricht David in diesem Psalm von
Gott in der dritten Person: „Der Herr ist mein Hirte. Er weidet mich auf
saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen." Aber dann, wie er zu den
Schwierigkeiten kommt, wechselt er über zum Du: „Du bist bei mir." Ist das
nicht erstaunlich? Umgekehrt wäre es viel nahe liegender, viel logischer. Solange
es David gut geht, wird er sagen: Du, mein Herr, bist mein Hirte; du weidest
mich auf saftigen Wiesen und führst mich zu frischen Quellen; bei dir habe ich
es soo gut. Aber dann - so würde er fortfahren - begannen die Probleme, dann ließ
Gott mich in ein dunkles Tal geraten, und da wurde er mir fremd. Ja, wenn man
die Sache theoretisch betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, Leiden wegen
Jesus führen weg von Jesus. Praktisch jedoch ist das Ggteil der Fall: Leiden
wegen Jesus binden uns noch enger an Jesus. Es ist beinahe so etwas wie ein
mathematisches Gesetz: Je theoretischer die Nöte, desto theoretischer die Erfahrung
der Liebe Gottes, und je konkreter die Nöte, desto konkreter die Erfahrung der
Liebe Gottes.
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