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Nöte trennen nicht, Nöte
verbinden
Vielleicht
denkt der eine oder der andere, wenn er Paulus so vollmundig daherreden hört:
Gut gebrüllt, Löwe! Aber ist das nicht alles nur graue Theorie? Ist das nicht Wunschdenken?
Sieht die Wirklichkeit nicht völlig anders aus? Du sagst, mit Gott verbunden
kann euch Christen nichts und niemand mehr was anhaben. Du behauptest, ihr seid
gegen alle Gefahren gewappnet. Wenn man dich so jubeln hört, hat man das
Gefühl, ihr Christen schwebt auf Wolke sieben, hoch über allen Problemen dieser
Welt. Dabei geht es euch doch genauso schlecht wie allen anderen, ihr liegt
mindestens so oft auf der Nase: Die Grippewelle macht keinen Bogen um euer
Haus; bei der Entlassung von Arbeitskräften werdet ihr nicht übergangen; das
Geld ist bei euch so knapp wie anderswo. Und manchmal erwischt es gerade euch
Christen besonders hart: Ihr werdet - genau deshalb, weil ihr Christen seid - inhaftiert,
gefoltert, erschlagen, verbrannt, zersägt. Und du behauptest: „Gott ist für
uns, wer kann uns da noch etwas anhaben?"!
Meinst
du, ich hätte das vor lauter Begeisterung vergessen? entgegnet Paulus. Soll ich
dir mal sagen, warum ich diesen Abschnitt schreibe? Nicht etwa, weil es uns so
gut geht, sondern gerade weil es uns so dreckig geht. Ich schreibe ihn, um uns
zu ermutigen und unseren Blick neu auf Gott zu lenken.
Wenn
irgendeiner den Aufmarsch der gegnerischen Mächte erlebte, dann war es Paulus.
Da waren die Anklagen Satans: „Du hast die Gemeinde Gottes verfolgt, du hast
Christen dem Henker ausgeliefert. Wie kannst du es wagen, den großen Apostel zu
spielen!" Aber Paulus hielt dagegen: Christus hat mir vergeben. Und er hat mich
zum Apostel berufen. Deshalb konnte Paulus seinen Dienst hocherhobenen Hauptes
ausführen. Da waren die tausend Nöte, durch die er durchmußte. Paulus hat
einmal in einer langen Liste einiges davon aufgezählt - in 2. Korinther 11 und
12. Wenn man diese Aufzählung mit unserem Abschnitt vergleicht, entdeckt man
etwas Überraschendes (so überraschend ist es eigentlich gar nicht): Sämtliche Nöte,
die er in Römer 8 auflistet, kommen wörtlich genauso auch in seiner
persönlichen Leidensliste vor! (Mit einer Ausnahme natürlich - „das Schwert des
Henkers". Aber das wird Paulus auch noch treffen. Alles andere hat er bereits
durchgemacht; der 2. Korintherbrief ist - auch wenn er im Neuen Testament
hinter dem Römerbrief steht - vor diesem entstanden, etwa 2 Jahre vorher.)
Paulus denkt sich da also nicht irgendein gefährliches Abenteuer aus, während
er am warmen Ofen sitzt. Er weiß, wovon er spricht! Paulus hat Enttäuschungen
erlebt, Entmutigungen, Verzweiflung. Es gab Tage in seinem Leben, da gab er
sein Leben verloren. In 2. Korinther 1 berichtet er von solch einem Erlebnis: „Wir
haben in der Provinz Asien etwas so Schweres mitgemacht, daß wir keinen Ausweg
mehr sahen. Es war eine Prüfung, die alle unsere Kräfte überstieg, so daß wir
unser Leben verlorengaben. Uns war zumute wie jemand, über den man das
Todesurteil gesprochen hatte." (Verse 8 und 9a)
Aber
damit ist nicht die ganze Erfahrung beschrieben, die Paulus gemacht hat. Er hat
zwar alle diese Nöte durchlitten, aber keine einzige Not konnte sich zwischen
ihn und Jesus schieben. Nichts konnte ihn von Gottes
Liebe trennen, nichts ihm das Vertrauen auf Gott
wegnehmen. Im Gegenteil, sein Vertrauen auf Gottes
Liebe wurde durch das alles immer noch größer. Dort in 2. Korinther 1 berichtet
er weiter: „Dadurch lernten wir, nicht auf uns selbst zu vertrauen, sondern
auf Gott, dessen Macht so groß ist,
daß er sogar die Toten auferwecken kann. Und Gott
hat unser Vertrauen nicht enttäuscht: Er hat uns tatsächlich vor dem sicheren
Tod gerettet." (Verse 9b und 10) Paulus weiß also nicht nur, was er sagt, wenn
er schreibt: „Wir sind ständig vom Tod bedroht; man behandelt uns wie Schafe,
die zum Schlachten bestimmt sind"; er hat auch die Fortsetzung erlebt: „In dem
allem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon." Gott
ist für ihn. Gott war in jeder
Schwierigkeit bei ihm. Die Nöte haben ihn nicht mißtrauisch gemacht gegenüber Gott; sie haben ihn noch viel enger mit Gott verbunden. Er weiß es jetzt nicht nur vom
Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben: „Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen."
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