|
Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen |
|
|
|
Seite 2 von 11
Überflüssig? Überragend!
Eines
mal gleich vorweg: Wenn man's genau nimmt, ist dieser Abschnitt überflüssig!
Paulus sagt hier nichts wirklich Neues. Ich weiß nicht, wie gut Sie den
Römerbrief kennen (immerhin ist es der längste Brief im Neuen Testament). Acht
lange Kapitel lang hat Paulus das Evangelium dargestellt, Gottes Programm zur
Befreiung von uns Menschen; es ist alles gesagt, was gesagt werden mußte,
wer's jetzt noch nicht begriffen hat, wird's nie begreifen. Paulus könnte daher
unmittelbar zum nächsten großen Thema seines Briefes übergehen, zur Frage nach
Israel (Kap. 9-11 und eigentlich bis zum Ende des Briefes). Aber das schafft er
nicht. Es hat sich was in ihm angestaut, und das muß erst mal raus. Paulus hält
es nicht mehr aus, er platzt beinahe. Er muß seinem Herzen Luft machen - seiner
Begeisterung für Jesus, seiner Bewunderung für das Evangelium, seiner Freude
an Gott, seinem Glück, bei Gott geborgen zu sein. Und was daraus entsteht, ist
einer der großartigsten Lobgesänge der gesamten Bibel, der bekannteste
Abschnitt im ganzen Römerbrief, so etwas wie das Triumphlied der Liebe Gottes.
Paulus, der Denker und Gelehrte, wird zum Poeten. Das Überflüssige ist manchmal
das Schönste und Wertvollste! Wenn innerhalb des Römerbriefes Kapitel 8 das
Himalaya-Gebirge ist, dann sind diese alles überragenden Verse der Mt. Everest.
Im
übrigen ist nicht nur Paulus zum Poeten geworden; er hat mit diesem Abschnitt
eine Lawine losgetreten. Es gibt wohl kaum einen anderen Text im Neuen
Testament, über den so viele Lieder gedichtet worden sind, darunter die
schönsten und inhaltlich reichsten. Um nur einige Beispiele zu nennen:
-
Das Paul-Gerhardt-Lied „Ist Gott
für mich, so trete gleich alles wider mich";
-
das Lied „In dir ist Freude in
allem Leide" von Johann Lindemann;
-
das von Bach vertonte „Jesu, meine
Freude" von Johann Franck.
|