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Schlussbemerkung zum Feminismus
Vielleicht ist zum Schluß
noch eine Bemerkung zum Feminismus angebracht. Den Sufragetten zu Anfang des
letzten Jahrhunderts ging es zunächst nur um die Abschaffung von willkürlichen,
ungerechten Strukturen und um politische, soziale und wirtschaftliche
Gleichberechtigung der Frau. An ihren Forderungen war vieles berechtigt. Der
radikale Flügel des modernen Feminismus will weit mehr. Sein Ziel ist es, die
Frau von jeder Unterordnung zu befreien, also auch von der Unterstellung unter Gott. Der Feminismus will jede Art von Herrschaft zertrümmern,
auch die Gottesherrschaft. Herrschaft
ist angeblich immer Männer-Herrschaft. Gott
als der Herr ist nichts anderes als ein männliches Konstrukt, ein
Gedankengebilde machtbesessener Männer. Gott
als eigenständiges, reales Wesen existiert für den Feminismus nicht, nur der
chauvinistische Gottesbegriff.
Der Feminismus fordert, daß Denken und Verhalten der Menschen gewalt- und
herrschaftsfrei werden, und will zu diesem Zweck ein repressionsfreies Gottesbild einführen: Gott
nicht mehr ein Herr, sondern - eine Frau! Genau darauf läuft alles hinaus; der
Feminismus erwartet die Erlösung von der Frau, vom alles in Harmonie vereinenden
Wesen der Frau. Die Frau wird zum Gottesersatz,
zur Göttin, zur Erlöserin. Darin gleicht der moderne radikale Feminismus allen
Mutter-Gottes-Kulten, allen
Göttinnen-Religionen. Es geht ihm nicht mehr nur um die Aufhebung der Unterdrückung
von Frauen; er ist zur Ersatzreligion geworden. - Und was sagt die Bibel, was
sagt Jesus? Auch Frauen sind sündige Menschen; auch Frauen brauchen Vergebung,
müssen eine neue Geburt erleben, damit sie an Gottes
Frieden und Segen teilhaben. Die Frau ist dem Mann auch in Sachen Sünde
gleichwertig! Frauen sind nicht schlechter als Männer, aber Frauen sind auch
nicht besser! Das Heil kommt niemals von einem Menschen, ob Mann oder Frau. Das
Heil kommt von Gott.
Jesus war kein Feminist. Es
ging ihm nicht darum, die gesamte soziale Ordnung auf den Kopf zu stellen.
Vieles von den alten Ordnungen blieb bestehen. Wäre Jesus ein Feminist gewesen,
dann hätte er zumindest eine Frau unter die zwölf Apostel berufen. Jesus
hat so viel Anstößiges, Unerhörtes, Befremdendes getan - da hätte er dafür auch
noch den Mut gehabt. Aber er tat es nicht. Er hat das patriarchalische
Rahmenwerk der damaligen Kultur nicht einfach zerbrochen. Er hat die Stellung
des Mannes als Haupt der Frau nicht bestritten. Nein, er hat einen anderen Weg
eingeschlagen, um die entscheidenden Dinge zu reformieren. Den Rahmen hat er
gelassen, aber er hat ihn neu gefüllt. Er hat den Männern ein neues Verständnis
dafür gegeben, was Führung heißt, leadership: Führen heißt Dienen. Er selbst
hat es mit seinem eigenen Leben vorgemacht: „Der Menschensohn ist nicht
gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen." (Markus 10,45)
Und er hat die Frauen aus der Unterdrückung durch den Mann befreit, indem er
sie seiner eigenen guten Herrschaft unterstellt hat: Vor allem anderen sind sie
jetzt seine Jüngerinnen; sie gehören ihm und dienen ihm.
Ich denke, es ist
angemessen, mit einem Wort von Paulus zu schließen, von dem großen Apostel, den
Lukas zeitweise auf seinen Missionsreisen begleitete und von dem er so viel
über christliche Lehre und christliches Leben gelernt hat. Paulus schreibt in
Galater 3,28: „Es hat nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder
Nichtjude, ob er im Sklavenstand ist oder frei, ob er ein Mann ist oder eine
Frau. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle ein neuer
Mensch geworden."
Natürlich ist der Mann auch
als Christ weiterhin ein Mann und die Frau weiterhin eine Frau - mit allen
biologischen und psychologischen Unterschieden und mit allen sich daraus ergebenden
praktischen Konsequenzen für Alltag, Familie und Beruf. Aber - und das ist das
Neue, das Entscheidende - Christus hat eine Ebene eingeführt, auf der sie alle
gleich sind: die unmittelbare persönliche Verbindung zu Gott
als Gottes Kinder. Und diese Ebene
ist die höchste. Sie steht über allen anderen Beziehungsebenen, über der
Beziehung des Mannes zu seiner Frau und über der Beziehung der Eltern zu ihren
Kindern. Das gibt allen unseren irdischen Verhältnissen eine völlig neue
Perspektive. Das ändert und erneuert alles - für den Mann, aber vor allem auch
für die Frau.
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