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Die Frau befreit als Jüngerin Jesu
Jesus hat also tatsächlich
eine Art Frauenbefreiungsbewegung in Gang gesetzt - women's lib. Und doch
geschah das nicht dadurch, daß Jesus auf der sozialen Ebene alles radikal
reformiert hätte. Er wertet Marthas Einsatz in der Küche keineswegs ab. Er
attackiert die traditionelle Rolle der Frau im Haushalt nicht. Er hebt Ehe und
Familie nicht auf, im Gegenteil: Jesus hat die Position der Ehefrau gestärkt,
sie ist jetzt besser geschützt vor der Willkür des Mannes, ihr Mann trägt eine
größere Verantwortung für sie und ihre Kinder.
Nein, Jesus befreit die
Frau, indem er eine neue, übergeordnete Rolle einführt: Jüngerin Jesu zu sein.
Die Veränderung beginnt von innen her. Und dadurch verändert Jesus alles.
Dadurch weist er der Frau einen neuen Platz zu. Dadurch gibt er ihr eine neue,
allem anderen vorgeordnete Aufgabe. Die erste Frage einer Frau darf nicht mehr
sein: Was will mein Mann? sondern: Was will Gott?
Nicht mehr zuerst: Wie gefalle ich meinem Mann? sondern: Wie gefalle ich Gott? Wie setze ich mich und meine Gaben am besten
für Gott ein? Und so
entstehen neue Rollen für die Frau, die sich Gott
unterstellt hat, neue Rollen für neugeborene Leute, neue Rollen im Rahmen der
Gesellschaft, aber vor allem neue Rollen im Rahmen der christlichen Gemeinde,
neue Rollen auch für die ledige Frau.
Eine ledige Frau hatte es
damals in Israel ganz besonders schwer. Sie war von vorneherein zweitklassig.
Sie hatte keine Kinder. Sie trug nichts zum Weiterbestehen von Gottes Volk bei. Aber Jesus sagt: Wenn sie meine
Jüngerin wird, erfüllt sie die beste und wichtigste Aufgabe, die Gott für sie vorgesehen hat! - Übrigens stand es um
ledige Männer damals fast genauso schlecht. Ein Mann, der über ein gewisses
Alter hinaus immer noch nicht verheiratet war, war in den Augen vieler
jüdischer Gesetzeslehrer geradezu ein sündiger Mann. Er mißachtete das Gebot
des Schöpfers: „Seid fruchtbar und mehrt euch!" Er sorgte nicht für Nachwuchs,
er hatte keine Söhne, die den Fortbestand der Familie und letztlich des ganzen
Volkes sicherten. Ein alter Junggeselle - das war damals ein Ding der Unmöglichkeit.
Dieser Umstand trägt sicher mit dazu bei, daß Paulus in 1. Korinther 7 mit
solcher Vehemenz für das Ledigsein eintritt. Er selbst war ledig. Und er konnte
darin nichts Minderwertiges entdecken. Im Gegenteil: „Wer heiratet, trifft eine
gute Entscheidung. Aber wer nicht heiratet, wählt den Weg, der noch besser ist"
(1. Korinther 7,38) - vorausgesetzt, er benutzt seine Zeit und seine Kräfte um
so mehr dafür, ganz für Gott
dazusein.
Die neue Realität der neuen
Rollen auch für die Frau müßten wir jetzt eigentlich in der Apostelgeschichte
weiterverfolgen. Wir würden manches Erstaunliche entdecken, aber dafür fehlt
heute leider die Zeit. Vielleicht nur so viel: Überall, wo das Evangelium
hinkommt, ob in Jerusalem, Cäsarea, Joppe, Philippi, Thessalonich, Beröa,
Athen, Korinth, Ephesus oder Rom, sind Frauen unter den ersten, wichtigsten und
einflußreichsten Anhängern des christlichen Glaubens. Wo immer das Evangelium
hinkommt, finden wir Frauen, die sich Jesus zuwenden und denen sich dadurch
neue Möglichkeiten für ihr Leben eröffnen. Wir finden Frauen, die Christus und
der christlichen Gemeinde in Rollen dienen, die ihnen normalerweise verschlossen
geblieben wären.
Im Judentum hatte die Frau
prinzipiell keine öffentlichen religiösen Aufgaben. Als Lehrerin konnte sie
schon deshalb nicht auftreten, weil sie theologisch nicht geschult war. Und das
Priester- oder Levitenamt konnte sie wegen ihrer monatlich wiederkehrenden
Periode nicht ausüben, denn Priester und Leviten mußten sich ständig rein
halten für die Opfer, die sie darzubringen hatten, und die Menstruation machte
unrein. Bei Jesus zählt das alles nicht mehr. Er schult auch Frauen (siehe
Maria), er möchte, daß sie sich von ihm unterweisen lassen. Und er gibt nichts
auf äußerliche Reinheit bzw. Unreinheit. Er sieht in einer Frau, die unter
ständigen Blutungen leidet, nicht jemand, von dem man sich fernhalten muß, um
die eigene Reinheit nicht in Gefahr zu bringen, sondern eine Person in Not, die
Hilfe braucht (Matthäus 9,20-22).
Jesus befreit die Frau, aber
er befreit sie nicht, damit sie sich selbst verwirklichen kann, sondern damit
sie Gottes Pläne verwirklichen
hilft. Er befreit sie zum Dienst im Reich Gottes,
er unterstellt sie Gott. Und eine
größere Freiheit gibt es in dieser Welt nicht. Der Platz unter Gott ist der beste Platz, den jemand einnehmen kann,
gleich ob Mann oder Frau. Jesus bietet uns allen die größtmögliche Freiheit an:
Gott zu gehören und seine
Mitarbeiter zu sein.
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