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IV. Konflikt gelöst?
Eine
Frage bleibt am Ende offen: Wie hat sich Philemon entschieden? Wir wissen es
nicht. Aber denken können wir es uns: Er hat im Sinn von Paulus gehandelt. Er
hat Onesimus vergeben. Er hat ihn gut behandelt. Er hat ihn wie einen Bruder
behandelt, wie einen freien Menschen. Vielleicht hat er ihn tatsächlich
freigelassen. Vielleicht hat er ihn sogar zu Paulus ins Gefängnis
zurückgeschickt - ein Wunsch, den Paulus so quasi zwischen den Zeilen andeutet
(„Wenn es nach mir ginge, hätte ich ihn am liebsten hier bei mir behalten",
Vers 13; „Ich bin sicher, du wirst sogar noch mehr tun als das, worum ich dich
bitte", Vers 21). Und warum können wir uns das denken? Warum sind wir so
sicher? Ganz einfach: Weil wir den Philemonbrief haben. Weil er uns erhalten
geblieben ist. Weil er von den damaligen Christen aufbewahrt und abgeschrieben
wurde. Wenn Philemon, als er den Brief öffnete und las, wütend geworden wäre, wenn
er gesagt hätte: Der Paulus kann mich mal!, dann hätte er den Brief zerknüllt
und verbrannt. Auf jeden Fall hätte er ihn ganz sicher niemand zu lesen gegeben,
denn damit hätte er sich ja selbst bloßgestellt als einer, den der Wunsch des
Apostels einen feuchten Dreck schert. Aber der Brief blieb uns erhalten.
Philemon muss ihn anderen zu lesen gegeben haben. Und das kann er eigentlich
nur getan haben, wenn er den Konflikt auch wirklich im Sinn von Paulus gelöst
hat. Ich bin sicher: Philemon hat Onesimus als Bruder aufgenommen.
Einen
gab es sowieso, der noch viel mehr als Philemon Interesse daran gehabt haben
muss, dass dieser Brief nicht verloren ging: Onesimus. Der Brief war
schließlich so etwas wie seine Freilassungs-Urkunde!
So
ist dieses kleine Stück Privatkorrespondenz nicht nur ein aufschlussreiches und
hochinteressantes Stück Zeitgeschichte, sondern darüber hinaus ein bewegendes
Zeugnis von dem, was Jesus Christus unter uns Menschen bewirken kann: ein
Zeugnis von der Weisheit zur Konfliktlösung, die Gott
dem Gefangenen Paulus geschenkt hat, ein Zeugnis von der transformierenden
Kraft des Evangeliums, die der Sklave Onesimus an sich selbst erlebt hat, und ein
Zeugnis von der Liebe Gottes, die
den Sklavenhalter Philemon dazu gebracht hat, in Onesimus nicht mehr einen
Sklaven zu sehen, sondern einen Bruder.
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