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II. Das Dilemma
So
ungefähr muss es gewesen sein. Und dann macht sich Paulus daran, einen Brief an
Philemon aufzusetzen. Sehen wir jetzt das Dilemma, in dem er steckt? Philemon
ist sein Freund, und Onesimus ist sein Freund. Philemon ist sein Mitarbeiter,
und Onesimus ist sein Mitarbeiter. Aber der eine ist Herr, und der andere ist
Sklave. Der Herr hat ein Recht auf den Sklaven, und Paulus darf und will dieses
Recht nicht brechen. Er muss Onesimus zurückschicken. Aber damit riskiert er,
dass Onesimus aufs härteste bestraft wird, vielleicht sogar an einen anderen
Herrn verkauft wird. Und das würde die Freundschaft mit Onesimus zerstören,
würde womöglich sogar seinen Glauben gefährden. Onesimus würde sich wie
verraten vorkommen. Er hat sich ihm anvertraut, hat Hilfe von ihm erwartet. Paulus
kann ihn jetzt nicht einfach in die Höhle des Löwen schicken. Andererseits:
Wenn er Philemon hart anfasst, wenn er versucht, ihm ein barmherziges Verhalten
aufzuzwingen, zerstört er die Freundschaft mit Philemon; Philemon wird sich
enttäuscht von ihm und vielleicht sogar vom Glauben abwenden. Mehr noch: Die
ganze Gemeindearbeit in Kolossä wäre in Frage gestellt. Paulus steckt in einem
echten Konflikt; er befindet sich in einer heiklen, total verfahrenen Situation.
Da sind zwei Männer, und beide hat er gleich lieb. Mit keinem der beiden möchte
er brechen. Aber wie er es auch dreht und wendet - er wird einen der beiden
maßlos enttäuschen. Die Wünsche der beiden sind so entgegengesetzt, dass sie
sich nicht unter einen Hut bringen lassen.
Wirklich
nicht? Paulus bittet Gott um
Weisheit. Und Gott gibt ihm
Weisheit; er schenkt ihm die Lösung, den Schlüssel zum Konflikt. Das Ergebnis
haben wir hier vor uns: den Philemonbrief. Ein Musterbrief zur
Konfliktbewältigung.
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