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Artikelinhalt
„Konfliktbewältigung“
Der Brief des Apostels Paulus an Philemon
I. Die Personen - 1. Paulus, Apostel und Gefangener
I. Die Personen - 2. Philemon, Christ und Sklavenhalter
I. Die Personen - 3. Onesimus, Sklave des Philemon und Kind des Paulus
II. Das Dilemma
III. Wege zur Konfliktbewältigung
IV. Konflikt gelöst?
V. Taktik ist kein Tabu
Neutestamentliche Texte zur Sklavenfrage

2. Philemon, Christ und Sklavenhalter

Damit sind wir bei der zweiten Person: dem Sklavenhalter Philemon. Was wissen wir von ihm?

(a) Philemon lebte in der Stadt Kolossä in der römischen Provinz Asia (die heutige Türkei). Das geht jetzt auch wieder nicht aus dem Philemonbrief hervor, sondern aus dem Kolosserbrief - Kapitel 4,9.

(b) Philemon war wohlhabend: Er besaß ein eigenes großes Haus, in dem sich die Christen von Kolossä (oder doch wenigstens ein Teil von ihnen) für ihre Zusammenkünfte trafen (Vers 2: „die Gemeinde, die in deinem Haus zusammenkommt"). Er konnte jederzeit ein Gästezimmer bereitstellen (Vers 22: „Ich bitte dich, mir eine Unterkunft bereitzuhalten."). Und er hatte Sklaven, die für ihn arbeiteten. Onesimus war sicher nicht der einzige (sonst wäre der Verlust für Philemon noch viel gravierender gewesen, als Paulus es beschreibt).

(c) Philemon war ein Christ. Zweimal nennt Paulus ihn einen „Bruder" (Verse 7 und 20), also ein Mitglied in Gottes Familie, und er dankt Gott ausdrücklich und ausführlich für Philemons Glauben an Jesus Christus (Verse 4+5).

(d) Philemon hatte durch Paulus zum Glauben an Jesus gefunden. In Vers 19 deutet Paulus das so gerade mal an: „Du schuldest mir etwas - nämlich dich selbst", m. a. W.: Du verdankst mir dein Leben, dein neues Leben als Christ. Wann und wo waren sich die beiden begegnet? Da können wir nur raten. In Kolossä war es jedenfalls nicht; der Kolosserbrief macht deutlich, dass Paulus (zumindest bis dahin) nicht in dieser Stadt gewesen ist (Kolosser 2,1). Ein Mitarbeiter von ihm - Epaphras -, der selber aus Kolossä stammte, hat dort evangelisiert und die Gemeinde gegründet. Wahrscheinlich war Philemon ein erfolgreicher Geschäftsmann und als solcher viel auf Reisen, und da ist er sicher auch nach Ephesus gekommen. Ephesus lag nicht allzu weit von Kolossä entfernt und war für Paulus volle drei Jahre lang die Missionszentrale gewesen. Da kann man sich lebhaft vorstellen, dass Philemon einmal miterlebt hat, wie Paulus in der Fußgängerzone, auf dem Marktplatz oder in einer Schule von Jesus erzählte. Und das hat Gott benutzt, um ihm das Herz zu öffnen und ihn zu seinem Kind zu machen.

(e) Philemon war aktiv für das Evangelium tätig. Paulus nennt ihn seinen „Mitarbeiter" (Vers 1), also jemand, der ihm hilft, die Botschaft von Jesus weiterzugeben. Paulus und Philemon haben Seite an Seite für Gottes Sache gekämpft, und daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Paulus geht so weit, dass er dieses Arbeitsverhältnis umdreht und sagt: Ich bin dein Mitarbeiter (Vers 17); ich unterstütze dich bei deinem Einsatz für Jesus! Er tut so, als sei Philemon in Sachen Evangelisation die Hauptperson und er, Paulus, nur sein Handlanger. So hoch hat er ihn geschätzt. Vielleicht fungierte Philemon als Kontaktperson zwischen Paulus und den Christen von Kolossä. Wahrscheinlich war er der Leiter seiner Hausgemeinde. Und ganz sicher hat er vielen Christen viel Gutes getan (Verse 5-7). Philemon redete nicht nur von der Liebe, er praktizierte sie auch. Er war ein ganzer Christ - ein Christ mit dem Herzen und mit Händen und Füßen.