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Drei kleine Beobachtungen
Bevor wir uns noch
das andere Stichwort ansehen, den Lohn, möchte ich Sie daran erinnern, dass wir
dabei sind, ein Sandwich zu essen: Wir schieben - wie beim Hamburger - etwas
zwischen die beiden Brötchenhälften, drei kleine, aber grundlegende
Beobachtungen zu den Seligpreisungen.
Haben Sie beachtet,
wie die Seligpreisungen aufgebaut sind? Achtmal lobt Jesus ein bestimmtes
Verhalten. Das ist der erste Teil jeder Seligpreisung. Und achtmal zeigt er,
wie Gott dieses Verhalten belohnt. Das ist der zweite Teil jeder Seligpreisung.
(a) Die Schlusssätze: So wird es im Himmel sein!
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Kennzeichen des Himmelreichs |
Die acht zweiten Teile beschreiben, wie wunderbar es
im Reich Gottes zugeht: Im Reich Gottes werden wir getröstet. „Gott wird alle
Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine
Schmerzen." (Offenbarung 21, 4) Im Reich Gottes wird die ganze Erde uns
gehören, und wir werden mit Gott zusammen über sie regieren und große, verantwortungsvolle
Aufgaben haben. Im Reich Gottes wird all unser Hunger gestillt sein, der Hunger
nach Gerechtigkeit, der Hunger nach Liebe, der Hunger nach Reinheit. Im Reich
Gottes gibt es keine Unbarmherzigkeit mehr, keinen Hass, keine
Gleichgültigkeit. Im Reich Gottes werden wir eine so tiefe und umfassende
Verbindung mit Gott haben, wie wir sie uns jetzt nicht mal erträumen können.
Wir werden Gott sehen und mit Gott sprechen! Im Reich Gottes wird Frieden herrschen,
weil die Bürger dieses Reiches Gottes Söhne und Töchter sind; Gottes Charakter
ist ihr Charakter geworden. Durch die acht Schlusssätze entsteht mit wenigen Pinselstrichen
ein großartiges Bild vom Reich Gottes. Vieles von dem, was da beschrieben wird,
beginnt bereits hier und heute. Aber in vollem Umfang wird es erst Wirklichkeit,
wenn Jesus wiederkommt.
(b) „arm vor Gott": der Schlüssel zum Himmelreich
Die acht ersten
Teile beschreiben, wer sich für Gottes Reich eignet. Der einleitende allererste
Satz ist wie ein Türöffner. Wer „arm ist vor Gott", dem schließt Jesus das
Portal zum Reich Gottes auf. „Arm vor Gott" - damit sind natürlich nicht
einfach die Armen dieser Welt gemeint (obwohl sich Jesus um sie besonders
gekümmert hat). „Arm vor Gott" bezeichnet den Menschen, der begriffen hat, dass
er sich das Himmelreich mit nichts verdienen kann und der daher alles von Gott
erwartet. Jesus hat mal eine Geschichte erzählt, die das besser als tausend
Worte veranschaulicht.
Zwei Männer gingen zum
Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer und der andere ein
Zolleinnehmer. Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: „Ich
danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen - ich bin kein
Räuber, kein Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener
Zolleinnehmer dort. Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von
allen meinen Einkünften." Der Zolleinnehmer dagegen blieb in weitem Abstand
stehen und wagte nicht einmal, aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und
sagte: „Gott, vergib mir sündigem Menschen meine Schuld!" (Lukas 18,10-13)
Der Pharisäer ist -
wie sein Name schon sagt - ein Pharisäer. Er trägt die Nase hoch; er hält große
Stücke auf sich und seine frommen Leistungen; er ist sich absolut sicher, dass
ihm der Himmel offen steht. Mit einem Wort: Er ist „reich vor Gott". Zumindest
kommt er sich reich vor (Offenbarung 3,17!). Der Zolleinnehmer ist das genaue
Gegenteil. Er versucht gar nicht erst, sein Unvermögen und seine Hilflosigkeit
mit irgendwelchen frommen Worten zu kaschieren, sondern streckt Gott offen und
ehrlich das einzige hin, was er hat: seine leeren Hände. „Vergib mir sündigem
Menschen meine Schuld!" Der Zolleinnehmer ist „arm vor Gott."
Die Geschichte ist
noch nicht ganz zu Ende; das i-Tüpfelchen fehlt noch.
„Ich sage euch", fährt Jesus
fort, „der Zolleinnehmer war in Gottes Augen gerechtfertigt, als er nach Hause
ging, der Pharisäer jedoch nicht." (Lukas 18,14)
Der Pharisäer hatte
keinen Hunger und keinen Durst nach Gerechtigkeit; er war bereits satt, er war
bereits reich. Also gut, sagt Jesus, dann hast du ja schon alles, was du
willst. Du kannst gehen. Der Zolleinnehmer hingegen klopft an die Tür; er weiß,
dass er sich nicht selbst helfen kann, und er sucht die Hilfe bei Jesus. Sehr
gut, sagt Jesus, dir mache ich gern auf. Herzlich willkommen im Reich Gottes!
„Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das
Himmelreich."
(c) Die Kandidaten des Himmelreichs: keine
wehleidigen Softies
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Kennzeichen der Kandidaten des Himmelreichs
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Auf den ersten Blick bietet diese Beschreibung der
Himmelreichs-Kandidaten nicht gerade eine sehr begehrenswerte Palette von
Eigenschaften: arm, traurig, hungrig und durstig, friedlich und sanftmütig,
leidend und verfolgt! Hier scheinen sich alle klassischen Vorurteile gegenüber
Christen zu bestätigen: Christen sind armselige Schlucker, wehleidige
Softietypen, Duckmäuser, schüchtern und ängstlich, verzagt, verhuscht, sich
ständig für ihr bloßes Dasein entschuldigend. Hat Jesus so etwas propagiert?
Ist er selber so aufgetreten? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wenn jemand
stark war, dann er. Wenn jemand wütend werden konnte, dann er. Wenn jemand
selbstbewusst war, dann er.
Sanftmut
ist Stärke, nicht Schwäche
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„Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen ..." Ja,
Jesus war sanftmütig. „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen
demütig", hat er einmal gesagt (Matthäus 11,29). Aber das war nicht die
Sanftmut des Ohnmächtigen, der weiß, dass er sowieso unterliegt und deshalb
lieber gleich klein beigibt. Das war nicht die Sanftmut des Ahnungs- und Ideenlosen,
der keine eigene Meinung hat und deshalb lieber still in seiner Ecke hocken
bleibt, statt sich am Streitgespräch zu beteiligen. Jesus landete nicht am
Kreuz, weil er sich nicht wehren konnte,
sondern weil er sich nicht wehren wollte.
Wie er im Garten Getsemane von den jüdischen Gegnern gefangen genommen wird und
Petrus das Schwert zieht, um ihm beizustehen, sagt er zu ihm: „Steck dein
Schwert zurück! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen.
Oder glaubst du nicht, dass ich meinen Vater um Hilfe bitten könnte und dass er
mir sofort mehr als zwölf Legionen Engel zur Seite stellen würde?" (Matthäus
26,52.53) Und wie er dann vor dem römischen Gouverneur Pilatus steht, der das Todesurteil
fällen wird, sagt er: „Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser
Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, dann hätten meine Diener für mich
gekämpft, damit ich nicht den Juden in die Hände falle." (Johannes 18,36) Jesus
ist nicht aus Schwäche gekreuzigt worden. Er wollte diesen Weg gehen, und dazu brauchte es übermenschlichen Mut
und übermenschliche Kraft. Die Sanftmütigen des Reiches Gottes sind aus Stärke
sanftmütig, nicht aus Schwäche.
Frieden
Stiften ist mehr als
friedlich Sein
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Genauso sind z. B. die Friedensstifter nicht einfach
friedliche und stille Leute, die ein zurückgezogenes Leben führen und keiner
Fliege was zuleide tun. Wer Frieden stiften will, kann sich nicht aus allem
Streit raushalten, er muss eingreifen, er muss die Streithähne trennen, er muss
zurechtweisen und zurechthelfen.
Barmherzigkeit
ist mehr als eine Eigenschaft
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Genauso ist es auch, wenn Jesus sagt: „Glücklich zu
preisen sind die Barmherzigen," Barmherzigkeit ist nicht nur eine Eigenschaft;
Barmherzigkeit ist entschlossenes Handeln. Der barmherzige Samariter ist nicht
deshalb ein Vorbild, weil er so barmherzig von seinen Mitmen-schen dachte, sondern weil er anpackte, wo einer in Not
war, weil er sein eigenes Leben riskierte, um dem zu helfen, der ausgeplündert
und halbtot am Wegrand lag, weil er seinen Wein und sein Öl, sein Maultier,
sein Geld und seine Zeit investierte, um dem erbarmungswürdigen Opfer etwas
Gutes zu tun.
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