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2. Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen
Motiven
Eine andere Gruppe
interessanter Personen in dieser Geschichte sind die Schriftgelehrten. Ihre
Aufgabe war das Studium des alttestamentlichen Gesetzes. Sie wachten darüber,
dass es richtig ausgelegt und richtig angewendet wurde. Für das einfache Volk
waren sie die Lehrautorität in allen religiösen Fragen. Die meisten von
ihnen gehörten der Partei der Pharisäer an, einer besonders gesetzestreuen
Richtung im damaligen Judentum, und das erhöhte ihr Ansehen beim Volk noch.
Warum waren sie da?
Waren sie neugierig? Warteten sie auf ein spektakuläres Wunder? Freuten sie
sich auf eine spannende Predigt? Glaubten sie womöglich an Jesus? Leider nein.
Sie waren gekommen, um ihn aus dem Weg zu räumen. Jesus passte ihnen nicht ins
Konzept. Bis dahin waren sie vom Volk verehrt und bewundert worden. Jetzt
liefen die Leute zu hunderten und tausenden Jesus nach. Das machte sie
neidisch. Außerdem sagte Jesus Dinge, die sich nicht in ihr Weltbild fügten.
Das empfanden sie als Angriff auf die Fundamente ihrer Religion. Jesus musste
aus dem Verkehr gezogen werden. Aber wie? Offen attackieren konnten sie ihn
nicht; dazu hing das Volk viel zu sehr an ihm. Sie mussten einfach hoffen, dass
er irgendwann etwas machte oder etwas sagte, was ganz offensichtlich gegen Gott
gerichtet war. Das könnten sie ihm dann um die Ohren schlagen, und damit wäre
er erledigt. Was also tun? Die frommen Gesetzeslehrer reisten Jesus hinterher.
Sie klebten an ihm wie Kletten. Sie klopften jedes seiner Worte ab, nahmen jede
seiner Handlungen unter die Lupe - immer in der Hoffnung, auf etwas zu stoßen,
was nicht lupenrein war. Lukas, der diese Geschichte in seinem Evangelium
ebenfalls erzählt, berichtet uns, dass die Pharisäer und Gesetzeslehrer eigens
aus Jerusalem angereist waren, aus dem Kernland Judäa in das heidnische
Galiläa. Als so bedrohlich empfanden sie Jesus!
Wissen Sie, was mich
beschäftigt? Die frommen Spitzel sind eine Spezies, die leider bis heute nicht
ausgestorben ist. Und heute wie damals sind Gottesdienste ihr liebstes
Betätigungsfeld. Sie haben sich selbst zu Wächtern der Gemeinde ernannt, zu
Hütern der reinen Lehre. Und deshalb spionieren sie allem hinterher, was da so
abgeht. Sie warten geradezu auf einen schiefen Ton, auf eine unorthodoxe
Aussage. Und wenn sie etwas gefunden haben (sie werden immer etwas finden),
dann warnen sie. Leider warnen sie meist nicht offen und nicht direkt; sie warnen
hinter vorgehaltener Hand und hinter verschlossenen Türen. Wie viele gute Ideen
sind dadurch schon im Keim erstickt worden. Wie viele tatkräftige Mitarbeiter
haben sich dadurch schon entmutigen lassen. Wie viele blühende Gemeinden sind daran
schon zugrunde gegangen.
Und wissen Sie, was
ich an Jesus bewundere? Er ließ sich von diesen Spitzeln nicht drausbringen.
Wenn er sie unter seinen Zuhörern entdeckte, dann wurden ihm nicht die Knie
weich. Nein, er ging in die Offensive; er dreht den Spieß um und attackierte sie
- nicht hinterhältig wie sie, aber doch sehr bestimmt und immer klug und
liebevoll. Meistens ärgerten sie sich hinterher noch mehr als vorher. Aber ab
und zu passierte es, dass einer von ihnen die Fronten wechselte. Er wurde so
von Jesu Liebe und Weisheit gepackt, dass er seine Spionagetätigkeit vergaß und
sich für das Evangelium öffnete.
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