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1. Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem
Glauben
Da sind die vier
Freunde des Gelähmten. Sie wollten den Kranken unbedingt zu Jesus bringen.
Dummerweise waren sie nicht die einzigen, die zu Jesus wollten. Als sie zu dem
Haus kamen, in dem Jesus sich aufhielt (wahrscheinlich das Haus seiner beiden
Jünger Petrus und Andreas), war bereits kein Durchkommen mehr. Innen gab es
nicht mal mehr einen Stehplatz, und vor dem Eingang drängten und drückten die
Menschen dermaßen, dass für sie - zu viert und zwischen sich die Matte mit dem
Gelähmten - nicht die geringste Chance bestand, auch nur in die Nähe von Jesus
zu kommen. Was tun? Umkehren? Das ganze Unternehmen abblasen? Kommt nicht in
Frage, niemals. Fieberhaft überlegen sie, sehen hilfesuchend umher. Ihr Blick
fällt auf die Außentreppe, die aufs flache Dach des Hauses hinaufführt. Und
plötzlich haben sie eine Idee: Wenn wir nicht dort rein können, wo der
Maurer das Loch gemacht hat, müssen wir selber ein Loch graben und uns Zugang
verschaffen. Gesagt, getan. Sie steigen der Menge, die sich um Jesus drängt,
buchstäblich aufs Dach, und dort oben, schön in der Mitte, genau über Jesus,
beginnen sie das Dach abzutragen. Zuerst die Schicht aus festgestampfter Erde
und dann die Lagen aus Zweigen, Stroh und Lehm, mit denen die Zwischenräume
zwischen den Dachsparren ausgefüllt waren. Und schon hatten sie ein
Balken-Viereck freigelegt, groß genug, um die Matte mit dem Gelähmten nach
unten zu lassen. Genau vor die Füße von Jesus. Ganz schön anstrengend. Und
eigentlich ganz einfach.
Die Bibel sagt: „Als
Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten ..." Wie kam Jesus darauf,
dass diese Männer an ihn glaubten, dass sie ihm vertrauten? Er sah es an ihrem
Einsatz, an ihrer Hartnäckigkeit, an ihrer Zielstrebigkeit. Sie hatten sich vorgenommen,
ihren kranken Freund zu Jesus zu bringen, und sie brachten ihn zu Jesus.
Kein Hindernis der Welt konnte sie davon abhalten. Offensichtlich waren sie
felsenfest überzeugt, dass Jesus dem Gelähmten helfen würde; Jesus war ihre
ganze und einzige Hoffnung. Das alles sah Jesus, als er diese Männer sah. Er
sah ihren Glauben.
Wir können von den
Freunden des Gelähmten mindestens zwei grundlegende Dinge lernen, die echten
Glauben auszeichnen.
(a) Echter Glaube lässt sich nicht vom Ziel
abbringen
Wer glaubt, gibt
nicht auf. Glauben hat mit Beharrlichkeit zu tun. Glaube ist keine Eintagsfliege,
sondern ein Langzeitprojekt. Glaube und Treue gehören zusammen. (Im Griechischen
sind „Glaube" und „Treue" dasselbe Wort, und genauso auch im Hebräischen.) Die
vier Männer wollen zu Jesus. Aber dann ist der Zugang zu ihm verstellt. Was
jetzt?
-
„Lassen wir's halt bleiben!"?
-
„Verschieben wir es auf ein andermal!"?
-
„Womöglich ist es ein Wink des Himmels, dass es heute nicht sein soll!"?
Wir kennen diese
Überlegungen, die so schnell zu Ausreden werden.
-
Jemand würde sich eigentlich gern näher mit Jesus
befassen. Aber es gibt halt noch so viele andere interessante Themen. Da wird
die Frage nach Gott eben auf die lange Bank geschoben. Ist das Glaube?
-
Jemand möchte sich bewusst Zeit nehmen fürs
Bibellesen und Beten. Aber immer wieder kommt ihm was dazwischen. Schließlich
lässt er es ganz bleiben. Sieht so Glaube aus?
-
Jemand hat an seinem Arbeitsplatz etwas getan, was
er nicht hätte tun sollen, und nimmt sich vor, mit dem Kollegen zu reden und
die Sache in Ordnung zu bringen.
Aber das braucht Mut; das Herz schlägt ihm bis zum Hals, als er an die Tür des
Kollegen klopft. Und dann macht niemand auf; der Kollege ist gerade gar nicht
da! Uff, da hab ich aber Glück gehabt. Ich hab's versucht, aber es hat nicht
sollen sein. Ist das die Art, wie Glaube handelt?
Echter Glaube lässt
sich nicht davon abhalten, das zu tun, worauf es bei Gott ankommt. Die vier
Männer jedenfalls haben sich nicht beirren lassen. Die unerwarteten
Schwierigkeiten ließen sie nicht resignieren, sondern machten sie wagemutig und
erfinderisch. Sie hatten ein klares Ziel: Jesus. Und nichts und niemand auf der
Welt konnte sie daran hindern, ihr Ziel zu erreichen, die lieben Mitmenschen
nicht und auch nicht die Mauern, die zwischen ihnen und Jesus standen. Das ist
Glaube. Das sah Jesus. Und darüber freute er sich.
(b) Echter Glaube äußert sich in Taten
Glaube bleibt nicht
unsichtbar. Es stimmt natürlich: Der Glaube ist eine Herzensangelegenheit, er
ist sozusagen im Innersten des Menschen angesiedelt. Darum heißt es in der
Bibel:
„Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott
aber sieht ins Herz." (1. Samuel 16,7)
Man kann nach außen
hin unheimlich fromm tun und im Herzen ein elender Egoist sein. Menschen mögen
sich blenden lassen, Gott nicht. Sein Blick dringt durch alle Fassaden. Er
sieht uns ins Herz.
Aber so wichtig
diese Feststellung ist - sie kann schnell zur Ausrede werden, zur Ausrede für
ein bequemes, angepasstes Christenleben. Wenn es nicht aufs Äußere ankommt,
warum soll ich mich dann anstrengen? Womöglich denken die anderen dann noch,
ich würde mehr auf meine eigenen Leistungen geben als auf das, was Jesus getan
hat. Nein, nein, gute Taten braucht es nicht. Der Glaube genügt. Wissen Sie,
was das Neue Testament dazu sagt?
„Was hat es für einen Wert,
wenn jemand behauptet: ‚Ich habe Glauben!', aber er hat keine guten Taten
vorzuweisen? Kann der bloße Glaube ihn retten? ... Wenn aus dem Glauben keine Taten
hervorgehen, ist der Glaube tot." (Jakobus 2,14.17)
Glaube beginnt im Herzen,
ganz richtig. Aber wenn er echt und beständig ist, wird er auch äußerlich
sichtbar. Einen heimlichen Glauben, von dem niemand nichts weiß - so was kennt
die Bibel nicht. [Römer 10,10] Echter Glaube äußert sich (buchstäblich!), er
tritt von innen nach außen, kommt zum Ausdruck im Leben und Handeln des
Glaubenden. Wenn ich wirklich an die Realität Gottes glaube, wenn ich von der
Wirksamkeit der biblischen Aussagen überzeugt bin, dann wird das einen Einfluss
auf mein Verhalten haben.
„Jesus sah ihren
Glauben", heißt es. Er musste gar nicht in ihr Herz blicken, um ihn zu sehen.
Es genügte, wenn er zu dem Loch in der Decke hinaufblickte, das immer größer
wurde. Es genügte, wenn er die Strohteilchen und die Lehmbröckchen spürte, die
auf ihn herunterrieselten. Es genügte, wenn er den keuchenden Atem der Männer
hörte, die ihren Freund auf seiner Matte herabließen. Das sagte ihm genug. Ihre
Beharrlichkeit und ihre Anstrengung zeigten ihm, wie sehr sie auf seine Liebe
und seine Macht vertrauten. Gott
sieht uns nicht nur ins Herz; er sieht uns auch auf die Finger.
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