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Die Frage aller Fragen
Damit
sind wir beim Zentrum unserer Geschichte, bei der dreimaligen Frage: „Liebst du
mich?" An dieser Frage entscheidet sich alles - Sinn oder Sinnlosigkeit unseres
Daseins, Leben oder Tod.
„Liebst
du mich?" Das ist die tiefste, die persönlichste Frage, die jemand einem
anderen stellen kann. Eine Frau fragt ihren Mann: „Findest du mich hübsch?" „O
ja, sehr", wird er antworten. Aber vielleicht fügt er ehrlichkeitshalber hinzu:
„Es gibt allerdings auch andere hübsche Frauen!" Dieselbe Frau fragt ihren
Mann: „Liebst du mich?" „Ja", sagt er, „ich liebe dich - dich und keine
andere." Hübsch finden kann man viele Frauen. Lieben kann man nur eine einzige.
Denn bei der Liebe geht es nicht um Ansichten, sondern um eine Beziehung, um
die allerpersönlichste, umfassende Hingabe eines Menschen an einen anderen. Eine
solche Beziehung ist unteilbar. Ihr Hübschsein teilt die Frau mit vielen
anderen Frauen. Aber die Liebe ihres Mannes teilt sie mit keiner einzigen
anderen. Die gehört ausschließlich ihr!
„Liebst
du mich?", fragt Jesus Petrus. Er hätte, um seinen Glaubensstand zu testen, z.
B. auch fragen können: „Befolgst du meine Gebote?" Nur: Man kann Gottes Gebote
halten, ohne Christ zu sein! Der reiche junge Mann, der einmal zu Jesus kam
(Matthäus 19,16ff), sagte: „Ich habe alle Gebote befolgt. Was fehlt mir noch?"
Jesus gab ihm den Ratschlag: „Verkaufe alles, was du hast, gib den Erlös den
Armen, und dann komm und folge mir nach!" Und wie reagierte der reiche junge
Mann? Er ging traurig weg. Gottes Gebote zu befolgen - dazu war er bereit.
Jesus zu folgen - dazu war er nicht bereit. Keine persönliche Beziehung, keine
Liebe. Wir sehen: Die Frage: „Befolgst du meine Gebote?" würde zu kurz greifen.
Jesus
hätte Petrus z. B. auch fragen können: „Glaubst du an meine Lehre?" Aber auch
das würde zu kurz greifen. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung nennt sich Christen.
Sie glauben an die Lehren der Bibel. Sie hätten kein Problem damit, das
Apostolische Glaubensbekenntnis zu unterschreiben. Aber sie machen damit nicht
ernst, wenn es um ihr persönliches Leben geht. Sie sind Namenschristen,
Scheinchristen - Taufscheinchristen, Konfirmationsbescheinigungschristen,
Hochzeitsurkundenchristen, Beerdigungspapierchristen: Papierchristen eben.
Einmal erzählte mir eine Frau, Mitglied einer Freien Evangelischen Gemeinde
(allerdings nicht von Zürich), von ihrem Neffen, der kürzlich gestorben war.
„Er war so ein braver Junge!" schwärmte sie. „Ist er denn Christ gewesen?",
wollte ich wissen. „Christ war er nicht", sagte sie, „aber er war evangelisch."
Kein Christ, aber evangelisch? Das ist, um vor Gott zu bestehen, keinen roten Heller
wert.
Ob
jemand Christ ist, entscheidet sich nicht an seinen frommen Taten, nicht an
seinem Glaubensbekenntnis, nicht an seiner Kirchenzugehörigkeit; es entscheidet
sich an seiner persönlichen Beziehung zu Jesus. Es entscheidet sich an seiner
Liebe zu Jesus. Und genau danach wird Petrus von Jesus gefragt: „Liebst du
mich?"
„Liebst
du mich?" Als ich dich in meine Nachfolge rief - ging es dir da wirklich um
mich? Oder hast du dir Ansehen und Einfluss erhofft, Reichtum und Macht? Und
als du merktest, dass nichts davon für dich heraussprang, hast du mich
fallengelassen?
„Liebst
du mich?" Liebe hat mit Treue zu tun. Petrus, du warst mir untreu. Liebst du
mich wirklich? Liebe ist ein Bund, ein Verbindung von zwei Personen sozusagen
(wie beim Ehebund). Verbindung bedeutet Verbindlichkeit. Bund bedeutet
Verpflichtung. Petrus, du hast den Bund mit mir gebrochen („Ich kenne diesen
Menschen nicht", hast du gesagt). Willst du den Bund erneuern? Ich gebe dir
eine zweite Chance. Liebst du mich?
„Liebst
du mich?" Petrus, wenn du mich liebst, hat das Konsequenzen für dein ganzes
Leben. Wenn du zu mir ja sagst, sagst du nein zu allem, was die
Gemeinschaft mit mir stören könnte. Wenn du mich liebst, machst du es wie der
Kaufmann, der auf eine kostbare Perle stieß und seinen gesamten Besitz veräußerte,
um diese eine Perle zu erwerben (Matthäus 13, 45 und 46). Entweder ganz mein
oder lass es ganz sein. Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn.
„Liebst
du mich?" Die Frage erinnert an die wichtigste Stelle des Alten Testaments, das
so genannte Sch'ma: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Du
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe,
mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!" (5. Mose 6, 4 und 5,
von Jesus zitiert in Markus 12, 29 und 30) Gott möchte, dass wir ihn lieben. Gott
beansprucht unsere ganze Loyalität. Er ist, wie er selbst sagt, ein
„eifersüchtiger Gott", ein Ehemann, der keinen Nebenbuhler duldet, ein Gott,
der keine anderen Götter im Leben seiner Kinder gelten lässt. „Liebst du
mich?", fragt jetzt auch der auferstandene Jesus, Gott in Person. Unser ganzes
Herz soll Jesus gehören.
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