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Jesus, der Magnet
Petrus
muss seit der Verleugnung innerlich total zerrissen gewesen sein. Er hatte in
bitterer Verzweiflung geweint, sein Treuebruch tat ihm von Herzen leid. Aber
dann stirbt Jesus. Aus, vorbei; keine Chance mehr auf Wiedergutmachung! Tiefste
Depression! Den anderen Jüngern wagt er nicht mehr in die Augen zu blicken. Doch
dann wird ihm berichtet, das Grab sei leer! Wie von der Tarantel gestochen
rennt er hin, überzeugt sich selbst. Gibt es vielleicht doch noch Hoffnung für
ihn? Kann er vielleicht doch noch mal mit Jesus sprechen, um Verzeihung bitten?
Und dann zeigt sich der auferstandene Jesus ihm und den anderen Aposteln. Jetzt
wissen sie: Er lebt tatsächlich. Was für eine Erleichterung! Aber gleichzeitig
wächst bei Petrus die Angst: Wird Jesus überhaupt noch etwas von mir wissen
wollen - nach dem, was ich ihm angetan habe? Habe ich nicht jedes Recht
verspielt, Anführer der Jüngerschar zu sein? Gehöre ich überhaupt noch zum
Jüngerkreis? Und dann zeigt sich Jesus den Jüngern am See Gennesaret, als sie
mit ihren Booten zum Fischen gefahren waren. Sowie Petrus begreift, dass es
sich um Jesus handelt, springt er aus dem Boot und schwimmt los, um so schnell
wie möglich am Ufer und bei Jesus zu sein. Petrus zieht es mit aller Macht zu
Jesus, obwohl er sich vor Jesus fürchtet. Er braucht endlich Klarheit. So kann
er nicht weiterleben. Jetzt ist der Zeitpunkt für die überfällige Aussprache gekommen.
Jesus, der Chef
Ich
bin überzeugt, dass die anderen Jünger bei diesem Gespräch dabei waren. Sie
wussten natürlich von der Verleugnung. Ob sie Petrus je wieder als ihren
Anführer akzeptiert hätten? Ohne Klärung dieser dunklen Geschichte hätten sie
immer einen Ansatzpunkt zur Kritik gehabt, wenn ihnen an seinem Führungsstil
etwas nicht passte. Petrus hätte nie mehr mit Vollmacht und Überzeugungskraft
auftreten können. Deshalb bringt Jesus die Sache vor allen zur Sprache. Jetzt
ist klar: Der Chef höchstpersönlich hat Petrus vergeben. Der Chef hat ihn wieder
in sein Amt eingesetzt. Keiner darf mehr mit dem Finger auf ihn zeigen. Petrus
hat Rückendeckung von höchster Stelle.
Jesus, der Hirte
Etwas
anderes wird ebenfalls deutlich: Jesus ist ein großartiger Seelsorger. Ja, er
bringt die Schuld zur Sprache. Aber er tut es auf die feinfühligste Art, die
man sich nur denken kann. „Liebst du mich?" Nicht: Petrus, wie war das denn
genau, als du mich verleugnet hast? Welche Ausdrücke hast du beim Fluchen
verwendet? Petrus, plagt dich das nicht? Petrus, wie konntest du nur! (Das hat
Petrus sich doch selbst schon hundertmal gefragt!) Jesus wühlt nicht in der
alten Schuld. Er stellt ihn vor den anderen nicht bloß. Eine einzige Frage,
dreimal gestellt, reicht aus: „Hast du mich lieb?" Jetzt weiß jeder, worum es
geht, ohne dass die Sünde beim Namen genannt werden muss. Das ist die Art, wie Jesus
mit uns verfährt: So streng wie eben nötig; so schonend wie irgend möglich.
Die
seelsorgerliche Weisheit von Jesus zeigt sich einfach auch daran, dass er
Petrus dreimal fragt. Er gibt ihm damit gewissermaßen Gelegenheit, die
dreifache Verleugnung rückgängig zu machen. Dreimal hat Petrus abgestritten,
Jesus zu kennen; dreimal darf er nun seine Liebe zu Jesus bezeugen.
Interessant
ist hier übrigens auch die Anrede: „Simon, Sohn des Johannes". So hat Jesus Petrus
bisher nur einmal angesprochen, ganz zu Anfang, bei der allerersten Begegnung, Johannes
1, 42. Und dann hat er ihm einen neuen Namen gegeben: Petrus, „Fels". Der Name
als Auftrag, als Amt. Aber mit diesen neuen Namen redet er ihn jetzt nicht an.
Petrus darf sich jetzt nicht hinter seinem Amt verstecken; seine Rolle als
Anführer bietet ihm keinen Schutz. Kein Diplomatenstatus, keine Immunität!
Nein, Jesus geht nochmals ganz an den Anfang zurück: „Simon, Sohn des Johannes!"
Wir müssen noch einmal einen Neuanfang miteinander machen.
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