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Ein großer Mann mit einem
großen Schatten
Dieser
Petrus war nicht irgendwer. Er war - zusammen mit seinem Bruder Andreas - der
erste, den Jesus in seine Nachfolge rief, der erste der zwölf Apostel. Er war
der Wortführer des Jüngerkreises. Er war der erste, der begriff, wer Jesus wirklich
war: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" (Matthäus 16, 15)
Er war der Felsenmann, auf den Jesus seine Gemeinde bauen und dem er die
Schlüssel des Himmelreichs geben wollte (Petrus bedeutet „Fels"; Jesus selbst
hatte ihm diesen Namen gegeben; Johannes 1,
42 und Matthäus 16, 18.19). Petrus war einsatzfreudig. Petrus war
begeisterungsfähig. Und Petrus war sehr von sich selbst überzeugt. Als Jesus
sein Leiden und Sterben ankündigte, kündigte er auch an, dass seine Jünger ihn
im Stich lassen würden. Petrus protestiert: „Und wenn alle sich von dir
abwenden - ich niemals! Ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den
Tod zu gehen!" Doch Jesus gibt nichts auf diese Treueschwüre: „Ich sage dir:
Noch heute Nacht, bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Und wie
reagiert Petrus auf diese schreckliche Voraussage? „Und wenn ich mit dir
sterben müsste - ich werde dich niemals verleugnen!" (Matthäus 26, 33-35; Lukas
22, 32)
Aber
dann verleugnet er ihn doch. Das war kein Kavaliersdelikt, das ging schon eher
in Richtung Kapitalverbrechen. Gerade da, wo Jesus so nötig Unterstützung
gebraucht hätte, gerade da wendet sich sein wichtigster Anhänger von ihm ab,
sagt sich von ihm los, bricht ihm die Treue. Und das nicht nur einmal, sondern
ganz bewusst ein zweites und ein drittes Mal. Wie muss Jesus das geschmerzt
haben! Wie muss Petrus das umgetrieben haben! Diese schlimme Geschichte aus der
Karwoche wird jetzt, an Ostern, aufgerollt.
Finsternis kann nur vom Licht
zerstört werden
Hier
haben wir einen ersten Punkt, der auch für uns wichtig ist: Schuld muss
aufgearbeitet werden. Schuld verjährt nicht - nicht in unserem Gewissen, und
erst recht nicht bei Gott. Schuld ist eine Last, und diese Last wird im Lauf
der Zeit nicht leichter, im Gegenteil: sie drückt uns immer tiefer nach unten -
es sei denn, wir bringen sie Gott und lassen ihn unser Problem behandeln. Über
Schuld kann man nicht einfach Gras wachsen lassen. Irgendwann holt irgendwer
seinen Rasenmäher aus dem Schuppen und bringt alles wieder zum Vorschein.
Schuld kann man nicht totschweigen. Totgeschwiegene Schuld wird am Ende uns
selber töten. Jesus weiß, wie zerstörerisch unbereinigte Dinge sich in unserem
Leben auswirken können. Und deshalb schweigt er nicht dazu. Dazu hat er uns
viel zu lieb. Er will uns herausholen aus unserem Loch, aus unserem Gefängnis.
Jesus
geht also nicht einfach über die Verleugnung des Petrus hinweg zur Tagesordnung
über. So hätten wir das gern: Schwamm drüber! Soll vergessen sein! Reden wir
nicht mehr davon! Nein, Jesus redet davon; die Sache muss geklärt werden. Und
ich bin mir sicher, Petrus hat darauf gewartet. Er weiß ja gar nicht mehr, wie
Jesus zu ihm steht. Er weiß nicht mehr, was seine Stellung im Jüngerkreis ist.
Petrus ist bange vor diesem Augenblick der Wahrheit, aber gleichzeitig sehnt er
ihn herbei. Er möchte unbedingt wissen, wo er dran ist. Was für eine Befreiung,
als Jesus endlich auf Petrus' Schuld zu sprechen kommt! So verfährt Jesus
übrigens mit uns allen: Er möchte hier und heute mit uns über unsere Schuld sprechen
und nicht erst im letzten großen Gericht am Ende der Zeit! Denn dann wäre es zu
spät, dann wäre es unser Untergang.
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