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Johannes 21,15-22
Predigt
Andreas Symank
Heute
ist Palmsonntag - der Tag, an dem Jesus unter dem Jubel seiner Landsleute in
Jerusalem einzog. Sein Weg führte ihn von Betanien her den Ölberg hinauf und
dann steil hinunter in die Stadt; dort wollte er zusammen mit seinem Volk das
Passafest feiern. Jesus ritt auf einem jungen Esel wie ein König, und die begeisterte
Menge rollte den roten Teppich vor ihm aus (fast ein bisschen wie Hollywood) -
genauer gesagt: sie breiteten ihre Mäntel auf dem Weg vor ihm aus und streuten
Zweige auf den Boden, Myrtenzweige zum Beispiel und Palmwedel (deshalb
„Palmsonntag"). „Hosianna!", riefen sie. „Gepriesen sei der Sohn Davids! Gesegnet
sei er, der im Namen des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!"
(Matthäus 21,9) Ein paar Tage später war Jesus tot. Hingerichtet von den
römischen Besatzungstruppen auf Verlangen derselben Volksmenge, die eben noch
Hosianna geschrieen hatte. Diesmal schrieen sie: „Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz
mit ihm!" Und wieder ein paar Tage später war Jesus wieder lebendig.
Auferstanden aus dem Grab durch die unvergleichliche Macht Gottes. Jesus war
gestorben, obwohl er nie auch nur die kleinste Sünde begangen hatte. Der Tod konnte
ihn nicht festhalten; er hatte kein Anrecht auf sein Leben.
Mit
Palmsonntag beginnt die Passionszeit, die so genannte Karwoche [„Kar-„ kommt
aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „Wehklagen, Trauern"]. Für Jesus war es die aufregendste Woche
seines irdischen Lebens, mit dem absoluten Tiefpunkt an Karfreitag (sein Tod am
Kreuz) und dem absoluten Höhepunkt am Ostersonntag (seine Auferstehung aus dem
Grab).
Eine Geschichte mit Vorgeschichte
Für
diese Predigt habe ich eine Begebenheit ausgesucht, die sich in den Tagen nach
der Auferstehung zugetragen hat. Keine Angst, ich habe Palmsonntag nicht mit
Ostern verwechselt. Aber an dieser Begebenheit ist etwas Besonderes: Sie
beginnt sozusagen in der Karwoche und findet ihren Abschluss, nachdem Jesus
Christus auferstanden ist. Hören Sie selbst, und Sie werden sehen, ob ich Recht
habe. Die Geschichte spielt übrigens am Ufer des Sees Gennesaret, im Kreis von
Jesus und seinen Jüngern, nach einem wundervollen Fischfang und einem gemeinsamen
Frühstück.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu
Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein
anderer hier?" Petrus gab ihm zur Antwort: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich
lieb habe." Darauf sagte Jesus zu ihm: „Sorge für meine Lämmer!" 16 Jesus fragte ihn ein zweites Mal: „Simon,
Sohn des Johannes, liebst du mich?" Petrus antwortete: „Ja, Herr, du weißt,
dass ich dich lieb habe." Da sagte Jesus zu ihm: „Hüte meine Schafe!" 17 Jesus fragte ihn ein drittes Mal: „Simon,
Sohn des Johannes, hast du mich lieb?" Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun
schon zum dritten Mal fragte: „Hast du mich lieb?" - „Herr, du weißt alles",
erwiderte er. „Du weißt, dass ich dich lieb habe." Darauf sagte Jesus zu ihm:
„Sorge für meine Schafe!
18 Ich möchte dir etwas sagen: Als du noch
jung warst, hast du dir den Gürtel selbst umgebunden und bist gegangen, wohin
du wolltest. Doch wenn du einmal alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken,
und ein anderer wird dir den Gürtel umbinden und dich dahin führen, wo du nicht
hingehen willst." 19 Jesus
deutete damit an, auf welche Weise Petrus sterben würde und dass durch seinen
Tod die Herrlichkeit Gottes offenbart würde. Er schloss, indem er sagte: „Folge
mir nach!"
20 Petrus wandte sich um und sah, dass der
Jünger, den Jesus besonders liebte, ihnen folgte - jener Jünger, der sich
damals beim Abendessen zu Jesus hinübergelehnt und ihn gefragt hatte: „Herr,
wer wird dich verraten?" 21 Als
Petrus ihn sah, fragte er Jesus: „Herr, und was wird aus diesem hier?" 22 Jesus erwiderte: „Wenn ich will, dass er
am Leben bleibt, bis ich wiederkomme, was geht dich das an? Folge du mir nach!"
Was
ist das Auffälligste an dieser Geschichte? Dass Jesus Petrus fragt: „Hast du
mich lieb?"? Nein, dass Jesus Petrus dreimal fragt: „Hast du mich lieb?"
„Simon,
Sohn des Johannes, liebst du mich?" Petrus bejaht. Doch dann, als würde das
nicht genügen, ein zweites Mal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Petrus
bejaht wieder. Aber Jesus gibt sich immer noch nicht zufrieden. Er fragt ein
drittes Mal (jetzt wird einem beinahe unheimlich): „Simon, Sohn des Johannes,
hast du mich lieb?" Wieder und wieder dieselbe Frage, hartnäckig, unerbittlich.
Als würde Jesus Petrus nicht glauben. Und damit sind wir mittendrin in der
Vorgeschichte zu dieser Geschichte, mitten in der Karwoche. Als Jesus gefangen
genommen wurde und ihm der Prozess gemacht wurde, hat Petrus ihn dreimal verleugnet.
Dreimal hat er abgestritten, Jesus zu kennen. Als es für ihn selbst gefährlich
wurde, wollte er plötzlich nichts mehr mit diesem Jesus zu tun haben. Erst
verneinte er, dann schwor er, am Ende fluchte er. Wir können das in allen vier
Evangelien nachlesen, z. B. in Matthäus, Kapitel 26, 69-75:
Petrus saß noch draußen im
Hof, als eine Dienerin auf ihn zutrat und sagte: „Du warst doch auch mit diesem
Jesus aus Galiläa zusammen!" Aber Petrus stritt es vor allen Leuten ab. „Ich
weiß nicht, wovon du redest", sagte er.
Als er danach zum Eingangstor
ging, sah ihn eine andere Dienerin und sagte zu denen, die dort standen: „Der
war auch mit diesem Jesus von Nazaret zusammen." Wieder stritt Petrus es ab,
diesmal sogar mit einem Schwur: „Ich kenne den Menschen nicht!"
Doch es dauerte nicht lange,
da traten die Umstehenden auf ihn zu und sagten: „Natürlich bist du auch einer
von ihnen; deine Sprache verrät dich." Petrus begann, Verwünschungen
auszustoßen, und schwor: „Ich kenne den Menschen nicht!"
In diesem Augenblick krähte
der Hahn. Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: „Bevor
der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Und er ging hinaus und
weinte in bitterer Verzweiflung.
Dreimal
hat Petrus Jesus verleugnet; dreimal wird er nach seiner Liebe zu Jesus
gefragt. Der Zusammenhang ist mit Händen zu greifen: Jesus arbeitet die
dunkelste Stunde im Leben des Petrus auf.
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