|
Seite 8 von 11
Wir wollen das, was wir schon
haben!
Mehr
Lohn fordern die Ersten. Im Grunde zeigen sie damit, dass sie etwas Elementares
noch gar nicht begriffen haben: Sie sind doch bereits belohnt! Ihr größter Lohn
ist doch, dass sie den ganzen Tag für diesen Herrn arbeiten durften! Es handelt
sich ja nicht um irgendeinen Gutsbesitzer; der Gutsbesitzer ist Gott! Einen
besseren Arbeitgeber wirst du nirgends finden. Und der Weinberg ist nicht ein x-beliebiger
Arbeitsplatz; der Weinberg ist Gottes Reich! Eine bessere Anstellung lässt sich
nicht denken. Die Ersten hatten doch ein Riesen-Vorrecht: Von früh morgens an
durften sie für den Herrn arbeiten! Für die Letzten war fast der gesamte Tag
verlorene Zeit, ein verlorenes Stück Leben.
Aber
das vergessen wir Christen manchmal, vielleicht gerade die langjährigen Christen
unter uns, die Ersten gewissermaßen. Jetzt habe ich Gott schon so lange die
Treue gehalten! Ich habe mich Jahre und Jahrzehnte in der Gemeinde engagiert. Nie
habe ich meine Frau betrogen, nie falsche Angaben in der Steuererklärung
gemacht, nie mich auf Kosten der Kollegen beim Chef eingeschmeichelt. Eigentlich
hätte ich dafür doch mal ein Sonderlob von Gott verdient, oder nicht? Eine
Gratifikation, einen prall gefüllten Geschenkkorb. Wir tun geradezu so, als
würden wir Gott einen Gefallen erweisen, wenn wir bei ihm bleiben; als würden
wir ihm zuliebe auf Lüge und Betrug, auf Hurerei und Sauferei verzichten.
So
verdreht kann frommes Denken sein! Lohnt es sich denn, so fragen wir uns allen
Ernstes - lohnt es sich denn, fromm zu sein? Warum sich nicht ein Leben lang so
richtig austoben und dann, kurz vor Torschluss, noch schnell zu Gott umkehren?
Gerettet wird man doch als Spätzünder genauso wie als Frühstarter. Gott, was
gibst du mir dafür, dass ich fromm bin? So pervers können wir daherreden! Hat Gott denn etwas davon, dass wir fromm
sind? Sind nicht wir es, die davon profitieren? Unser Frommsein als solches ist
unser Lohn! Die Gemeinschaft mit Gott, ein Sinn und ein Ziel für unser Leben,
die Reinheit, die Treue, die Liebe, die Hoffnung, der Frieden - auf dem
unfrommen Weg hätten diese Werte doch niemals in meinem Leben Einzug gehalten!
Ist das nicht Lohn genug?
|