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Das Päckchen für dich, das
Paket für mich
Eine
raffinierte Frage, das. Fast so etwas wie eine Fangfrage. Wer will schon
zugeben, dass er neidisch wird, wenn es einem anderen gut geht? „Natürlich bin
ich nicht neidisch! Ich freu mich für ihn." Aber in uns kocht und brodelt es:
Unfair ist das, ungerecht! Immer sind es die anderen, die so unverschämtes
Glück haben. Da macht mein Nachbar ein einziges Mal bei einem Preisausschreiben
mit - und prompt gewinnt er eine Kreuzfahrt in der Karibik. Ich habe schon hundert
solche Zettel ausgefüllt ohne den geringsten Erfolg. Nicht mal zu 'nem Trostpreis
hat's bei mir gereicht.
Anders
wäre es natürlich, wenn ich derjenige wäre, welcher ... In meinem Fall würde ich mir
die Gnade natürlich gefallen lassen. Ist das nicht merkwürdig? Wir haben zu
Gottes Güte ein gespaltenes Verhältnis, eine gespaltene Wahrnehmung. Macht Gott
jemand anders ein Geschenk - „Wie unverdient! Wie ungerecht!" Macht Gott uns
das Geschenk - „Nur her damit, das kommt ja wie gerufen! Wunderbar, wie lieb
Gott zu mir ist!" Soll Gott seinen Segen nur bei uns abladen! Unsere Schultern
sind breit genug, unser Rücken ist stark genug, da passt noch mal ein Zentner
drauf. Alles kein Problem. Aber ob wir es denn überhaupt verdient haben, ob es
von Gott überhaupt gerecht ist, uns so zu beschenken - diese Frage stellen wir
uns gar nicht erst. Die stellen wir nur beim lieben Nachbarn - und dort nicht
erst nach einem Zentner, sondern schon bei hundert Gramm.
Jesus
hat einmal (in einem anderen Zusammenhang) vom Splitter und vom Balken geredet,
vom Splitter im Auge des Mitchristen und vom Balken im eigenen Auge. Gnadenlos
entdecken wir Splitter im Auge des anderen, kleine Sünden, die uns mächtig auf
den Keks gehen, und geflissentlich übersehen wir den Balken, der in unserem
eigenen Auge steckt und den wir doch erst einmal herausoperieren müssen, ehe
wir ein klares Urteil über uns und den anderen fällen können. Splitter und
Balken - groteske Größenverhältnisse, grotesk verschobene Wahrnehmung.
Genauso
ist es auch bei der Gnade. Vor unserer eigenen Haustür darf Gott seine Care-Pakete
gleich säckeweise abladen; beim Mitchristen stört uns schon das kleinste Päckchen. Für uns selbst berufen wir uns auf Gottes
Güte, für den Mitmenschen auf Gottes Gerechtigkeit. Für unsere eigenen Schwächen
halten wir immer eine passende Ausrede bereit; die Schwächen der anderen
entlarven wir als krasses Versagen. Über die eigenen Sünden breiten wir den Mantel
der Barmherzigkeit aus; auf die Sünden der anderen weisen wir so lange mit ausgestrecktem
Zeigefinger hin, bis alle sie entdeckt haben. Unsere eigenen Beiträge für die Gemeinde
halten wir für unentbehrlich; an den Beiträgen der anderen entdecken wir immer
irgend ein Haar in der Suppe. Jesus möchte, dass es umgekehrt ist: Wir sollen
streng sein mit uns selbst und nachsichtig gegenüber anderen.
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