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Zwei Auswirkungen
Ohne Dank bleibt Beten unvollständig.
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Vielleicht denken Sie: Was
macht das schon, wenn man das Danken unterlässt! Okay, es wäre anständiger, ein
Feedback für das schöne Geschenk zu geben, aber Hauptsache ist doch, man hat
das Geschenk. Okay, die Neun hätten sich noch korrekter verhalten, wenn sie -
wie der Samaritaner - ihrem Wohltäter persönlich gedankt hätten, aber geheilt
sind alle zehn, und das ist doch entscheidend. Der Dank (bzw. der Undank)
ändert daran nichts. O doch! Der Dank ändert sehr viel. Danken ist nicht nur
ein hübsches Anhängsel an unsere Gebetsgeschichte; Danken gehört elementar
dazu. Erst das Danken vollendet den Prozess, weil durchs Danken noch einmal was
ganz Neues in unser Leben kommt. Dieses Neue, dieser zusätzliche Gewinn hat mit
unserem Verhältnis zur Gabe zu tun und mit unserem Verhältnis zum Geber.
Erstens: Dank ändert unser
Verhältnis zum Geber.
Durchs
Danken entsteht überhaupt erst eine dauerhafte persönliche Beziehung. Die
vollständige Gebetsgeschichte vollzieht sich in einem Dreischritt: Bitten -
Empfangen - Danken. Wenn ich beim Empfangen stoppe, bleibe ich sozusagen an der
Gabe hängen. Ich habe bekommen, was ich bekommen wollte. Gott hat getan, was er
tun sollte. Jetzt kann er gehen. Ich bin so auf die Gabe fixiert (vielleicht
vor lauter Begeisterung), dass mir der Geber aus dem Blickfeld gerät. Sobald
ich aber darüber nachdenke, woher die Gabe denn gekommen ist, blicke ich auf
und sehe den Geber vor mir. Das Denken führt zum Danken. Ich lasse die Gabe
liegen, geh zum Geber und sag ihm, wie sehr ich mich über seine Großzügigkeit
und Liebe freue. Und wissen Sie, was passiert? Den Geber freut meine
Dankbarkeit so sehr, dass er mir gerade nochmal ein Geschenk macht. Alle zehn
Aussätzigen haben bekommen, worum sie baten: Sie sind geheilt. Neun haben sich
den Dank gespart. Einer ist zurückgekommen. Und hören Sie mal, was Jesus zu
diesem einen sagt, der da zu seinen Füßen liegt und ihm dankt: „Steh auf, du
kannst gehen! Dein Glaube hat dich gerettet." Die Neun sind geheilt, der
zehnte ist geheilt und gerettet! Heilung ist gut; Rettung ist
noch viel besser. Heilung ist für dieses Leben wichtig; Rettung ist auch für
das Leben nach diesem Leben wichtig. Heilung bedeutet: Die Entstellungen des
Körpers sind beseitigt. Rettung bedeutet: Die Entstellungen der Seele sind
beseitigt, die Sünden sind vergeben, die Last der Schuld muss nicht mehr
getragen werden. Heilung bedeutet: Das Äußere ist wiederhergestellt. Rettung
bedeutet: Das Innere ist wiederhergestellt. Wenn man sich das überlegt, wird es
einem fast unheimlich: Das Beste haben die Neun verpasst! Wegen ihrer Undankbarkeit.
Weil sie nicht zu Jesus zurückkamen. Dank verbindet mit dem Geber. Und mit Gott
verbunden sein heißt gerettet sein. Dank verbindet mit dem Geber. Und Gott ist
so reich und gibt so gern, dass wir bei ihm immer noch was dazubekommen. Paulus
drückt das einmal so aus: „Gott vermag unendlich viel mehr zu tun, als wir
erbitten oder begreifen können." Epheser 3,20.
Das
ist übrigens auch der Grund, weshalb Christen mitten in einer Notlage danken
können. Sie wissen, dass Gott bei ihnen ist, der unendlich reiche Geber. Einmal
sollte Jesus einer Volksmenge von vielleicht zehn- bis fünfzehntausend Leuten
zu Essen geben, und er hatte nur 5 Brote und 2 Fische. Jesus steckte total in
der Klemme! Eigentlich hätte er jetzt zu Gott um Hilfe schreien müssen: „Was
soll ich bloß tun? Die paar Brote reichen nirgends hin! Greif mir unter die
Arme, Herr!" Aber was machte Jesus? Er nahm das bisschen Brot und das bisschen
Fisch und dankte Gott dafür. Jesus sah nicht auf die Gabe, er sah auf den
Geber, und dieser Geber war sein Vater. Er kannte ihn und wusste: Meinem Vater
steht alles Brot dieser Welt zur Verfügung. Er hat Vorratskammern und
Kühlschränke, gegenüber denen könnte man alle Vorratskammern und Kühlschränke
dieser Erde in einem Fingerhut unterbringen. Er kann mir jederzeit helfen. Ich
dank ihm schon mal im voraus dafür. Statt Panik und Verzweiflung: Ruhe und
Gelassenheit.
Noch
mehr in der Klemme steckte Jesus am Grab von Lazarus. Jesus hätte seinen schwerkranken
Freund gesund machen sollen, aber er war zu spät gekommen. Jetzt lag der
Leichnam schon 4 Tage im Grab! Und was macht Jesus? Stimmt er in das Jammern
und Klagen der Umstehenden ein? Er lässt den Stein vom Eingang wegrollen, richtet
den Blick zum Himmel und sagt: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
Ich weiß, dass du mich immer erhörst." (Johannes 11,41.42) Gottes Macht kann
niemand begrenzen, auch nicht der Tod. Jesus weiß das, und deshalb nimmt er den
Dank für das Auferweckungswunder vorweg.
Die
ersten Christen haben es Jesus nachgemacht. Als Paulus und Silas mitten in der
Nacht völlig zu Unrecht im Gefängnis von Philippi saßen - was taten sie in
dieser extremen Notsituation? Sie priesen Gott mit Lobliedern! (Apostelgeschichte
16,25) Und daraufhin griff Gott auf spektakuläre Weise ein und befreite sie!
Als Paulus zusammen mit einigen Freunden auf einer Schiffsreise in einen
fürchterlichen Seesturm geriet und kein Kapitän, kein Offizier und kein Matrose
mehr einen Pfifferling auf ihr Leben gab - was tat er in dieser Todesgefahr? Er
griff nach einem Brotlaib, dankte Gott vor allen dafür, brach ein Stück davon
ab und begann zu essen. Und durch sein Beispiel bekamen auch alle anderen neuen
Mut und stärkten sich ebenfalls. (Apostelgeschichte 27,35.36)
Jedesmal
scheint der normale Ablauf auf dem Kopf zu stehen; die Gebetsgeschichte macht sozusagen
einen Salto rückwärts. Erwarten würden wir zuerst die Bitte und hinterher den
Dank. Aber jedesmal kommt hier der Dank schon vor der Erhörung. Die Gabe ist
noch gar nicht da - aber der Geber ist da! Und das ist Grund genug, dankbar zu
sein.
Zweitens: Dank ändert unser
Verhältnis zur Gabe.
Zur
Zeit übersetze ich den Epheserbrief. Im 5. Kapitel bin ich an einer Aussage
hängengeblieben, die auf den ersten Blick ziemlich unlogisch daherkommt. Paulus
gibt im zweiten Teil des Epheserbriefs eine Vielzahl praktischer Tips für eine
christliche Lebensgestaltung. So beschreibt er z. B., wie wir mit der Sexualität
umgehen sollen:
„Auf
sexuelle Unmoral und Schamlosigkeit jeder Art, aber auch auf Geldgier sollt ihr
euch nicht einmal mit Worten einlassen; sich damit zu beschäftigen schickt sich
nicht für Menschen, die zu Gottes heiligem Volk gehören. Genauso wenig haben
Obszönitäten, törichtes Geschwätz und anzügliche Witze etwas bei euch verloren.
Was hingegen eure Gespräche prägen soll, ist Dankbarkeit gegenüber Gott."
Epheser 5,3.4
Im
letzten Satz dieses Zitats stoßen wir auf unser Stichwort: Dankbarkeit. Aber
irgendwie scheint dieses Stichwort hier fehl am Platz zu sein. Paulus kämpft
gegen den Missbrauch der Sexualität. Er sagt nicht nur, was verkehrt ist, sondern
gibt uns auch ein Gegenmittel zur Hand, ein Korrektiv sozusagen. Wie kann man
den Missbrauch korrigieren? Durch Anständigkeit, würden wir sagen, durch
Reinheit, durch Treue. Paulus sagt: durch Dankbarkeit. Das kommt echt
überraschend. Aber wenn man anfängt, darüber nachzudenken, merkt man: Was auf
den ersten Blick wie voll daneben wirkt, trifft in Wirklichkeit voll ins
Schwarze.
Du
hast mit sexueller Unmoral zu kämpfen? sagt Paulus. Dann sei statt dessen
dankbar. Dankbar wofür? Für die Sexualität. Danke Gott für die Sexualität. Sie
ist seine Erfindung. Sie ist sein Geschenk. Indem ich für die Sexualität danke,
sehe ich sie als das, was sie ist: eine gute Gabe Gottes. Aber gleichzeitig
wird durchs Danken noch etwas anderes klar: Sexualität ist nur dann eine
Bereicherung, wenn ich sie bewusst von Gott entgegennehme, mit anderen Worten:
wenn ich nach seinen Spielregeln damit umgehe. Sobald ich sie von Gottes Idee
löse, entpuppt sich die Sexualität als kontraproduktiv, entfaltet ein
Suchtpotential, zerstört Beziehungen. Sexualität ohne Dankbarkeit stellt die
Gabe ins Zentrum, und das ist gefährlich. Das kann bis dahin führen, dass mein
Denken und Handeln total beschlagnahmt werden. Hingegen wenn ich Gott für die
Sexualität danke, stelle ich den Geber ins Zentrum, und auf diese Weise rückt
alles ins Lot, bekommt alles den ihm angemessenen Stellenwert. Paulus greift
also keineswegs daneben, wenn er die Dankbarkeit als Heilmittel aus dem
Arzneischränckchen holt. Im Gegenteil, seine Wahl zeugt von tiefer Einsicht und
tiefer Weisheit. Dankbarkeit ist genau die richtige Medizin bei fehlgeleiteter
Sexualität. Und natürlich genauso auch bei jedem anderen Missbrauch von Gottes
guten Gaben.
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