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Gebet – das Kennzeichen eines Christen
Das Gebet und der Heilige Geist
Beten heißt: die Beziehung zu Gott pflegen
Am Ende: der Dank
Zwei Auswirkungen
Ein Mustergebet als Gebetsmuster: "Abba, Vater!"

b) Am Ende: der Dank

Die Geschichte des Gebets fängt mit dem Bitten an, und sie schließt mit dem Danken. Der Dank ist das i-Tüpfelchen. Indem wir danken, bekennen wir, dass wir uns in Gott nicht getäuscht haben, sondern dass er wirklich der große Helfer ist. Alles Beten soll letztlich in Dank münden.

„Dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn." Epheser 5,20

„Wendet euch in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn." Philipper 4,6

„Dankt Gott in jeder Lage! Das ist es, was er von euch will und was er euch durch Jesus Christus möglich gemacht hat." 1. Thessalonicher 5,18

Fällt Ihnen an diesen drei Versen etwas auf? Es handelt sich um Befehle! Der Dank wird uns nicht nur empfohlen, er wird uns befohlen. Merkwürdig. Versteht sich Danken denn nicht von selbst? Wenn man was Tolles geschenkt bekommen hat, dankt man dann nicht ganz automatisch? Offensichtlich nicht! Ein älterer Christ sagte mir einmal, als ich ihn besuchte: „Wissen Sie, was mich schmerzt? Da unterstütze ich schon lange Zeit eine ganze Reihe Missionare, und kaum einmal äußert sich jemand dankbar dafür. Ist das denn alles selbstverständlich? Meinem Neffen, der auch in der Mission ist, schicke ich seit vielen Jahren monatlich Geld. Meinen Sie, der hätte sich auch nur ein einziges Mal dafür bedankt? Jetzt ist er zu Besuch bei mir gewesen. Aber von der Unterstützung - kein Wort! So was tut weh."

Danken fällt schwer. Die Bibel muss uns zum Danken regelrecht auffordern. Denken Sie an die Geschichte, die ich zu Beginn vorgelesen habe - die Heilung der zehn Aussätzigen durch Jesus. Zehnmal Aussatz, zehnmal eine schreckliche, entstellende Hautkrankheit, zehnmal Ausgestoßensein aus der menschlichen Gesellschaft, zehnmal Leben in weiter Entfernung von allen Familienangehörigen und Freunden. Was für ein elendes, hoffnungsloses Dasein! Und dann kommt Jesus. Das ist ihre Chance: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!" Die Bitte. Die leeren Hände. Jesus schickt sie zu den Priestern: „Geht und zeigt euch ihnen!" Die Priester waren so etwas wie die Gesundheitsbehörde. Wenn ein Aussätziger wieder gesund wurde, durfte er nicht sofort in sein Dorf oder seine Stadt zurück; erst

Die zehn Aussätzigen:

  • 10mal die Bitte

  • 10mal die Erhörung

  • 1mal der Dank

musste der zuständige Priester ihn untersuchen und die Heilung bestätigen. Die Zehn machen sich auf den Weg. Als sie losgehen, sind sie noch krank. Als sie ankommen, sind sie gesund! Dem Priester bleibt nur noch, die Heilung zu konstatieren. Was für ein Wunder! Was für eine Befreiung! Kein von der Krankheit zerfressener Körper mehr. Wieder nach Hause dürfen zu Frau und Kindern, zu Freunden und Verwandten! Die Erhörung. Die gefüllten Hände. Wenn das kein Grund zum Danken ist! Zehn Männer kommen zu Jesus zurückgerannt, werfen sich vor ihm zu Boden, jubeln und danken. Wirklich zehn? Einer kommt zurück, ein einziger - und ausgerechnet der Fremde, der Samaritaner. 10 Prozent Dank, 90 Prozent Undank. „Sind denn nicht alle zehn gesund geworden?" sagt Jesus. „Wo sind die anderen neun? Ist es keinem außer diesem Fremden in den Sinn gekommen, zurückzukehren und Gott die Ehre zu geben?"

Warum fällt uns das Danken nur so schwer? Hat es mit Vergesslichkeit zu tun? Hat es mit Stolz zu tun? Ich erinnere mich an ein kleines Erlebnis aus meiner Studentenzeit. Ich wohnte damals mit einigen anderen Kommilitionen zusammen in einer WG. Vor mir stand ein Prüfungstermin, eine schwierige und wichtige Prüfung. Wir beteten zusammen, dass Gott mir helfen möge, das Examen zu bestehen. Dann kam die Prüfung, und ich bestand sie - noch dazu mit ziemlich guten Noten. Ich radelte in meine WG zurück - total erleichtert und glücklich und wohl auch ein bisschen stolz, ein bisschen zu stolz. „Wie ist es dir ergangen?" wollten die anderen wissen, und ich berichtete. Und dann sagte einer: „Komm, wir wollen Jesus danken, dass er dir so geholfen hat!" Ich spüre heute noch den kleinen Stich, den mir das gab. Warum gratuliert er mir denn nicht, wie sich das gehört? Warum verliert er nicht ein einziges Wort über meine tolle Leistung? Warum klopft er mir nicht wenigstens anerkennend auf die Schulter? Statt dessen sagt er: Kommt, wir wollen Jesus auf die Schulter klopfen! Und ich weiß noch, wie es mir im selben Moment wie Schuppen von den Augen fiel: Er hat ja so was von recht! Im Vorfeld der Prüfung haben wir Jesus gemeinsam um seine Hilfe gebeten. Also war es Jesus, der mich bestehen ließ. Also ist es mehr als angebracht, wenn wir uns jetzt gemeinsam bei Jesus bedanken!

„Was bringt dich dazu, so überheblich zu sein? Ist nicht alles, was du hast, ein Geschenk Gottes? Wenn es dir aber geschenkt wurde, warum prahlst du dann damit, als hättest du es dir selbst zu verdanken?" 1. Korinther 4,7