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Echter Glaube braucht Beweise!
Wenn
der Glaube ohne Beweise der richtige Glaube wäre, dann hätte sich Jesus nach
seiner Auferstehung kein einziges Mal zeigen dürfen. Aber Jesus tat genau das
Gegenteil: Er zeigte sich so oft wie möglich. Er lieferte seinen Jüngern viele
unumstößliche Beweise dafür, daß er wieder lebendig geworden war (genauso steht
es in Apg. 1,3: "Jesus hatte den Aposteln nach seinem Tod während vierzig
Tagen immer wieder auf eindeutige Weise gezeigt, daß er wieder lebendig
geworden war"). Er legte allergrößten Wert darauf, jeden vernünftigen
Zweifel auszuräumen. Er ließ einige Frauen sowie Petrus und Johannes
feststellen, daß das Grab leer war. Er schickte einige Engel zum leeren Grab,
die den Frauen bestätigen sollten, daß er nicht mehr tot war. Er sprach selbst
mit Maria aus Magdala. Er sprach mit zwei Jüngern, die in ein Dorf nahe bei
Jerusalem unterwegs waren. Er zeigte sich Petrus, er zeigte sich Jakobus, er
zeigte sich mehrfach allen seinen Jüngern, er zeigte sich bei einer Gelegenheit
sogar mehr als 500 Christen auf einmal. Er unterhielt sich mit ihnen, er ließ
sich berühren, er aß vor ihren Augen. Offensichtlich wollte Jesus keinen
blinden Glauben, er wollte einen sehenden Glauben. Er wollte eine solide
Grundlage für den Glauben schaffen. Die Auferstehung war nicht ein Wunschtraum,
eine Einbildung, eine Hoffnung. Sie war eine Tatsache. Am Anfang des Glaubens
stehen historische Fakten, Taten Gottes, die von vielen Menschen miterlebt
wurden. Und aufgrund dieser Fakten entsteht der Glaube.
Deswegen
mußten die Apostel Augenzeugen des Auferstandenen sein; das war eine der unabdingbaren
Voraussetzungen. Wenn Thomas den auferstandenen Jesus nicht gesehen hätte,
hätte er kein Apostel sein können! Als die Apostel für den Verräter Judas einen
Ersatz suchen, sagen sie: "Es muß jemand sein, die ganze Zeit über mit uns
zusammengewesen ist, als Jesus, der Herr, unter uns lebte und wirkte, und zwar
seit Jesus von Johannes getauft wurde, bis zu dem Tag, an dem er aus unserer
Mitte in den Himmel aufgenommen wurde. Er muß mit uns zusammen bezeugen können,
daß Jesus auferstanden ist" (Apg. 1,21f). Und entsprechend haben die
Apostel dann auch gepredigt. Sie sagten nicht einfach: "Jesus ist
auferstanden; das glauben wir", sondern: "Jesus ist auferstanden;
dafür sind wir Zeugen." (Zum Beispiel Apg. 3,15; 5,32; 10,41). [Das gilt
übrigens auch für Paulus. 1.Kor 9,1: "Bin ich etwas kein Apostel? Habe ich
nicht Jesus gesehen, unseren Herrn?" 1.Kor. 15,8: "Als letztem von
allen hat er sich auch mir gezeigt." Paulus bezieht sich hier auf die
Erscheinung Jesu vor Damaskus. Er ordnet dieses Ereignis nicht als Vision ein,
sondern setzt es den Erscheinungen des auferstandenen Jesus an die anderen
Apostel gleich - eine letzte, gleichsam nachträgliche Erscheinung.]
Das
Nicht-Sehen ist also nicht ein totales Nichts. Das Sehen wird nicht ersatzlos
gestrichen, sondern wird ersetzt durch das Hören auf die, die gesehen haben,
und durch das Lesen ihrer Berichte. Vielleicht hilft, um die Unterschiede
klarzumachen, ein Vergleich: Ein Mensch ohne Gott ist wie ein Bergsteiger, der
sich in einer Wand verstiegen hat. Er hängt fest und traut sich nicht mehr vor
und zurück. Aber lange kann er sich nicht mehr halten; die Arme werden lahm,
die Beine beginnen zu zittern. Da sieht er dicht unter sich jemand auf einem
Felsabsatz stehen: "Spring", ruft er, "ich fang dich auf!"
Der Bergsteiger vertraut dem Fremden und springt (und landet sicher): Das heißt
sehen und glauben. (Sie merken: Zum Glauben gehört das Vertrauen. Der Bergsteiger
muß darauf vertrauen, daß der andere gewillt ist, ihn aufzufangen, und daß er
über die nötigen Kräfte verfügt.) Vielleicht kommt, wie er so in der Wand
hängt, zu allem Unglück auch noch dichter Nebel auf. Der Bergsteiger sieht die
Hand nicht mehr vor den Augen. Aber plötzlich hört er unter sich eine Stimme:
"Spring, ich fang dich auf!" Und er vertraut der Stimme und springt
(und landet sicher): Das heißt nicht sehen und trotzdem glauben. Vielleicht
sieht der Bergsteiger keinen Menschen und keinen Felsvorsprung und hört keine
Stimme, aber er springt trotzdem - in der wahnwitzigen Hoffnung, da müsse doch
irgend etwas sein, was ihn rettet. Das heißt glauben ohne Grundlage. Die beiden
ersten Arten von Glaube retten uns; das letzte ist ein tödlicher Glaube.
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