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Eine Sternstunde im Leben des Thomas |
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Gottes einmalige Taten
Es
wäre natürlich schon toll, wenn wir immer erst sehen und dann glauben könnten.
Wenn bei Glaubenszweifeln plötzlich mal Jesus im Zimmer stehen und mit uns
reden würde. Daß das so nicht mehr funktuoniert, hat mit einer Eigenart der
christlichen Religion zu tun, die sie von allen anderen Religionen
unterscheidet. Die christliche Religion ist eine historische Religion. In ihrem
Mittelpunkt stehen nicht Ideen, sondern Taten. Ideen lassen sich wieder und
wieder denken und aussprechen (oder im Lauf der Zeit auch durch andere Ideen
ersetzen); Taten sind einmalig. Ideen können an vielen Orten gleichzeitig und
zu den verschiedensten Zeiten gedacht werden. Taten geschehen an einem
bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit. Gott hat nicht nur fromme Worte über
Liebe und Vergebung gemacht; er hat gehandelt. Er hat seinen Sohn in diese Welt
geschickt, zur Zeit des Römischen Reiches auf ein bestimmtes Fleckchen Erde zu
einem bestimmten unscheinbaren Volk. Und da hat Jesus gelebt und gewirkt, da
hat er gelehrt und seine Wunder vollbracht, da hat er gelitten und ist
gestorben. Das ist das Großartige, Einzigartige an der christlichen Religion.
Unser Gott philosophiert nicht nur über Liebe und Güte, sondern macht Nägel mit
Köpfen. Laßt Taten sprechen! Gott hat wirklich in unsere Welt eingegriffen.
Aber in diesen riesigen Vorteil ist eben auch etwas eingebaut, was man als
Nachteil empfinden kann: Geschichtliche Ereignisse haben ihre Zeit und Stunde,
und danach sind sie vorbei. Die Geburt Jesu fand in Betlehem statt und nirgends
sonst. Das Kreuz Jesu stand etwa im Jahr 30 auf einem Hügel vor den Toren
Jerusalems und wird nicht immer wieder woanders aufgerichtet. Jesus stieg einmal
aus dem Grab; er läßt sich nicht ein zweites Mal beerdigen, nur um den Sieg
über den Tod nochmals zu demonstrieren. Gottes große Heilstaten sind wirklich
einmalig - im doppelten Sinn.
"Wär
Jesus tausendmal in Betlehem geboren und nicht in dir - du wärest doch
verloren", heißt es in einem frommen Lied. Stimmt; ohne persönliche
Wiedergeburt hätte ich nichts von all dem Guten, was Gott uns durch Jesus
schenken will. Aber dürfte man auch das Umgekehrte daraus folgern: Hauptsache,
ich bin wiedergeboren - dann ist es egal, ob Jesus überhaupt je auf die Welt
kam? Hauptsache, ich bekomme seine Vergebung - dann ist es egal, ob er je auf
Golgata an ein Kreuz geschlagen wurde? Hauptsache, ich erfahre die Kraft seiner
Auferstehung - dann ist es mir egal, ob das Grab leer war oder nicht!??
Niemals. Denn ohne Betlehem, ohne Golgata, ohne leeres Grab gäbe es keine
Wiedergeburt, keine Vergebung und kein neues Leben.
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