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Johannes 14,2-6
Predigt
Andreas Symank
A.
Der Weg
Der Himmel - wie kommt
man dorthin? Das ist das Thema unserer Predigt. Eine schwierige Frage: Wie
kommt man in den Himmel? Wenn Sie mich fragen - ich sage es einmal bewusst
provokativ: Woher sollte ich das wissen? Ich bin noch nicht dort gewesen. Wenn
ich Sie frage - ich bezweifle nicht, dass Sie zu den Blüten der Gelehrsamkeit zählen,
und doch: Woher sollten Sie es wissen? Sie sind schließlich auch noch nicht
dort gewesen. Eins unserer Kinder las uns kürzlich einen hübschen kleinen
Dialog vor. "Sag, warst du schon mal in Amerika?" "Nein."
"Dann müsstest du eigentlich meinen Bruder kennen."
"Wieso?" "Der war eben auch noch nicht in Amerika!" Wir
brauchen lediglich Amerika durch Himmel zu ersetzen, dann trifft es genau zu.
Auch wenn wir sonst nichts von einander wissen - in diesem Punkt kennen wir
uns alle, weil wir alle gleich ahnungslos sind; der Klügste hat dem Dümmsten
nichts voraus: Keiner kennt den Himmel. Selbst wenn wir bei einem Astronauten
anfragen würden - er könnte uns ebenfalls keine Auskunft geben. Denn es geht ja
bei dieser Frage nicht um den sichtbaren Himmel, die Erdatmosphäre, die man
heutzutage durchaus mit Raumschiff und Rakete erreichen kann; es geht um Gottes unsichtbare Welt, die sich nicht in unser
Raum-und-Zeit-Koordinatensystem pressen lässt. Wir müssten einen Menschen
finden, der bereits im Himmel gewesen ist, einen, der sich dort auskennt und
daher auch weiß, wie man hinkommt. Aber den gibt es natürlich nicht.
Einer
weiß Bescheid
Den gäbe es nicht, wenn
nicht Jesus Christus, der Sohn Gottes,
Mensch geworden wäre. Von ihm heißt es: "Es ist noch nie jemand in den
Himmel hinaufgestiegen; der einzige, der dort war, ist der, der aus dem Himmel
herabgekommen ist - der Menschensohn" (Johannes 3, 13). Und es heißt:
"Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte
unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und
Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater
kommt" (Johannes 1, 14). Und weiter heißt es: "Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn hat ihn uns
offenbart, er, der selbst Gott ist
und an der Seite des Vaters sitzt" (Johannes 1, 18). Also: Jesus ist im
Himmel zu Hause; das ist seine Welt. Dort hat er seinen Wohnsitz. Dort ist sein
Vater. Von dort ist er auf die Erde gekommen; dorthin ist er nach seiner
irdischen Lebenszeit zurückgegangen (letzten Donnerstag haben wir das gefeiert!).
Wenn irgendeiner über den Himmel Bescheid weiß, dann er. Er ist der einzige,
der nicht übers Jenseits spekulieren muss. Wenn uns irgendeiner sagen kann, wie
man in den Himmel kommt, dann er. Und er hat es uns gesagt. Seine Jünger haben
ihn einmal direkt danach gefragt (prima Idee; hätte ich an ihrer Stelle auch
gemacht!), und er hat ihnen eine Antwort gegeben, die ist einfach unglaublich
gut. Sie ist so simpel, dass der Jüngste unter uns sie versteht, und so
unauslotbar, dass sie noch für den Superschlausten eine Herausforderung
darstellt. Das ist wirklich eines dieser Worte Jesu, von denen mal jemand
gesagt hat: Sie sind wie ein Teich, in denen ein kleines Kind waten und ein
Elefant schwimmen kann. Wir finden diese Auskunft Jesu in Johannes 14, 6; ich
lese nach der Neuen Genfer Übersetzung und lese von Vers 2 an. Jesus sagt dort
zu seinen Jüngern:
Johannes
14, 2-6
"Im
Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich
dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch
vorzubereiten? Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich
wieder kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Den
Weg, der dorthin führt, wo ich hingehe, kennt ihr ja." "Herr",
sagte Thomas, "wir wissen doch nicht einmal, wohin du gehst. Wie sollen
wir dann den Weg dorthin kennen?" "Ich bin der Weg", antwortete
Jesus, "ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man
nur durch mich."
Eine
unerhörte AuskunftHier haben wir alle
Elemente unseres Themas: Den Himmel (Jesus nennt ihn "das Haus meines
Vaters"); die Frage des Thomas, wie denn der Weg dorthin aussieht, und die
Antwort Jesu: "Ich bin der Weg ... Zum Vater kommt man nur durch
mich." Diese Antwort ist so berühmt geworden, und wir kennen sie alle so
in- und auswendig, dass wir uns gar nichts mehr dabei denken. Wir merken gar
nicht mehr, wie unerhört das ist, was Jesus hier sagt.
"Ich bin der
Weg." Das kommt zunächst einmal reichlich unerwartet. Wenn ich in einer
fremden Ortschaft nicht weiter weiß und einen Einheimischen nach dem Weg frage,
sagt der doch nicht: Ich bin der Weg. Er sagt z.B.: Immer den Straßenbahnschienen
nach, bis rechts die Abzweigung nach Bettingen kommt, dann leicht ansteigend
bis zum fünften Quersträßchen, dort wieder rechts, und dann sehen Sie
linkerhand auch schon das Gebäude der FETA. Mit anderen Worten: Er sagt mir,
wo's lang geht. Und wenn ich Glück habe, sagt er sogar: Kommen Sie, ich hab
Zeit; ich begleite Sie zu Ihrem Ziel. Aber Jesus sagt weder das eine noch das
andere. Er sagt nicht: Ich informiere euch über den Weg (obwohl er ja tatsächlich
unser Reise-Informationsbüro ist). Er sagt auch nicht: Ich gehe euch auf dem
Weg voraus (obwohl er ja wirklich unser Reisebegleiter ist). Er sagt: Ich bin
der Weg. Klingt ziemlich provozierend, finden Sie nicht auch? Und reichlich
anmaßend! Da pflanzt sich einer vor denen auf, die ihn nach dem Weg fragen, und
verkündet: Ich bin der Weg. Was will er denn damit sagen? Was soll das denn heißen?
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